BLÖDERWEISE NIE LEMMY INTERVIEWT


Es gibt so unendlich viel, was man über Christof Leim einleitend schreiben könnte, denn der Mann hat scheinbar schon alles durch, was man im Rock und Metal Business so durchhaben kann. Von daher kein elendig langes Gesülze und gleich rein in die Materie eines mehr als interessanten Zeitgenossen, der sich für die Musikauswahl bei Metal FM verantwortlich zeigt, welches Ihr auf unserer Startseite immer hören könnt.

Christof, erzähl uns doch mal zu Beginn unseres Gespräches ein wenig über Deinen Werdegang. Wie bist Du zum Heavy Metal gekommen, wer hat Dich beeinflusst?

Einfach: Mein älterer Cousin Marcus hatte Scorpions-Platte, mein Kumpel Peter aus der Straße einen Onkel mit AC/DC-Sammlung. Peter hatte deshalb eine Kassette von „Blow Up Your Video“ dabei. Damit ging’s los…

Ehemals bei Nuclear Blast, dem Metal Hammer, dazu Musiker. Nunmehr als Chef von Metal FM, dass bei uns auf der Startseite gestreamt wird und freier Journalist mit großartigen Artikeln. Hat Dein Tag im Gegensatz zu uns Normalsterblichen etwas 36 Stunden?

Nein, aber er sollte. Das sind ja nicht alle Projekte. Ich erzähle zum Beispiel Rock’n’Roll-Geschichte bei meiner Lesung/Spoken Word-Show „Rock Stories“ (www.rockstories.de) und produzieren eine Kolumne mit Musikanekdoten für UDiscover. Abkürzung: www.leimsen.de)

Wie kam eigentlich Metal FM zustande?

Über meine Frau habe ich das Führungsduo von Flux kennengelernt, und natürlich wurde da über Musik gesprochen. Irgendwann kam der Vorschlag, einen Metal-Kanal zu machen mit einem, mit Verlaub, Kenner des Genres. MetalFM spielt Klassiker und cooles neues Zeug; mittlerweile gibt es sogar noch HardRockFM - und da laufen neben den Hits noch Deep Tracks für Experten, Kram von 1970 bis 1995 ungefähr. Quasi meine Plattensammlung von damals. (Gibt’s alles hier: https://www.fluxfm.de/radio-livestream/ und wo immer ihr digitales Radio hört)
Ich persönlich liebe ja Deine Geschichten rund um die gitarrenorientierte Unterhaltungsmusik, die Du tagtäglich auf uDiscover Music zum Besten gibst. Hast Du nicht ein wenig Angst, dass sich die Themen irgendwann einmal wiederholen könnten oder gibt es da einen schier unerschöpflichen Fundus? Wie kommst Du eigentlich immer wieder auf diese tagaktuellen Themen?

Nee, die Angst habe ich nicht. Es gibt mehr Geschichten, als ich jemals erzählen könnte. Und ich verbrate auch nicht an jedem Tag gleich die geilste, sondern wähle viellelicht ein rundes Jubiläum eher. Da kommt noch einiges. Die Themen selbst finde ich durch konsequente und tägliche Recherche an den richtigen Stellen. Das Verfahren habe ich in fast zwei Jahren verfeinert. Die „Zeitsprung“-Kolumne findet ihr hier: https://www.udiscover-music.de/?s=zeitsprung

Gibt es speziell auf uDiscover bezogen eine Story, die Du schon immer erzählen wolltest, aber bis heute nicht dazu gekommen bist?

Es gibt viele, richtig viele. Ich freue mich drauf, was über das Jubiläum des „Black Album“ zu schreiben...

Gibt es eine Story, die Du selbst immer wieder gerne liest?

Das klingt jetzt nicht so bescheiden, aber die Texte zu "Master Of Puppets“ und „Justice“ finde ich ganz hübsch, dazu die Quizze, und insbesondere ein Text zum fehlenden Bass auf "Justice". Hier ein paar Links:

Du glaubst Du kennst "Master of puppets" "Master of puppets" Die ganze Geschichte des Meisterwerks 5 (+1) Wahrheiten über Metallicas “Master Of Puppets” Anfänger-Quiz: Und du glaubst, du kennst „…And Justice For All“? "...And Justice For All“ von Metallica: Die Sache mit dem Bass "...And Justice For All“ von Metallica: Track für Track!
Überhaupt würde mich brennend interessieren, ob es noch irgendeinen lebenden Musiker gibt, den Du gerne mal interviewen würdest und noch nicht vor dem Mikro hattest. Hat ein Christof Leim diesbezüglich noch Träume?

Ich habe tatsächlich schon mit vielen, vielen Leuten sprechen dürfen, deren Platten bei mir laufen. Eigentlich mit allen meiner Helden. Aber dabei habe ich den Fan in mir immer im Zaum gehalten und auf Professionalität geachtet. So gut es ging, haha. Deshalb habe ich allerdings nach 20+ Jahren nicht sehr viele Poserfotos mit Musikhelden. Nicht so schlimm. Schlimmer: Blöderweise habe ich nie mit Lemmy ein Interview geführt. Mit Steve Harris auch nicht, aber das kann ja noch klappen. Henry Rollins wäre sehr cool!
Du gehst ja nunmehr auch auf die Bühnen, um „Krach- und Lachgeschichten“ aus 100 Jahren Rock’n’Roll zum Besten zu geben. Wie wichtig ist Dir als schreibender Journalist die Nähe zu einem „realen“ Publikum? Ich habe schon mehr als interessante Leseabende erlebt, die allerdings vom Publikum eher gemischt aufgenommen wurden.

Was meinst du mit „realem Publikum“? Gibt es auch irreales? :) Mir macht das Spaß vor Leuten zu stehen oder zu sitzen. Ich habe wohl ein Rampensau-Gen. Und Rock Stories-Shows machen mehr Spaß, wenn es eine Reaktion gibt. Und die gibt es. Ich will davon gerne mehr machen. Infos auf www.rockstories.de.

Bei all den von Dir bereits zu Papier gebrachten Stories wäre doch sicherlich ein Buch mit all den gesammelten Werken eine logische Konsequenz. Gibt es diesbezüglich irgendwelche gearteten Ideen?

Liegt irgendwie nahe, nicht wahr? Nun ja, ich muss nur die Zeit finden...

In einigen kleinen Streitgesprächen zwischen uns gab es immer wieder ein Thema, welches polarisierte: Metallica und Deine bedingungslose Liebe zu dieser Band!

Ich hege gar keine "bedingungslose Liebe zu dieser Band“, sondern finde einiges richtig scheiße. Als größte (mindestens im Sinne von erfolgreichste) Metal-Band der Welt sind Metallica aber natürlich immer wieder ein Thema, und dabei finde ich diverse Irrationalitäten und Logikfehler der Headbangerkollegen scheiße, Szeneklischees und die übliche Metal-Gesinnungsanalyse sowieso. Das geht mir auch so bei anderen Bands. Und deshalb habe ich dazu meistens eine deutliche Meinung… (grinst)

Ich würde gerne mal ergründen, warum, wieso und vor allem weshalb Du diese oder jene Platte des Bay Area Quartetts eigentlich gut findest und würde Dich bitten, mir zu dreien davon ein paar Worte abzugeben. Wir starten mit „St.Anger“.

"St. Anger“ finde ich vor allem geil, weil die Metal-CSU sich drüber aufgeregt hat. Haha. Metal-Fans sind oft dermaßen verbiestert und verbohrt (wir kennen uns doch!), dass ich daran immer Spaß habe. Man darf ja alles scheiße finden, aber nicht lediglich deshalb, weil es anders ist als vorher. „St. Anger“ höre ich nicht oft, aber die Platte hat ein paar verdammt geile Riffs und - naturgemäß, wir kennen alle die Geschichte dahinter - viel rohe Emotion.

Load

Fast das beste Corrosion Of Conformity-Album meiner Sammlung. Leider haben Metallica da aufgehört, sich "selbst zu editieren“. Unlimitierte Studiozeit, alle Möglichkeiten, da verliert man den Fokus. Die hätten die Hälfte der Songs rausschmeißen sollen. Und auch hier hat mich ein kleines bisschen gefreut, dass die Szenepolizei Schnappatmung bekommen hat. Ich sach immer: "Es kommt drauf an, wie es klingt, nicht was es ‚bedeutet‘ in der Szene.“ Wenn Metallica ein Reggae-Album machen, interessiert mich nur, ob das ein gutes Reggae-Album ist (kaum wahrscheinlich, haha), aber nicht, ob Metallica das „dürfen“. Da sind verdammt gute Songs drauf.

Und natürlich unser Lieblingsthema: „And justice for all“.

Geile Songs, genau das von mir akzeptierte Maximum an Komplexität. Die letzte Maiden zum Beispiel ist nicht komplex, die ist nur lang, aber ohne Grund, die Songs geben das nicht her. Metallica kommen auf Justice gerade eben so noch zum Punkt. Den Sound fand ich immer einzigartig und cool, mittlerweile geht er mir auf die Nerven. Trotzdem geil. (lacht).
Ein Projekt, welches Dir scheinbar sehr am Herzen liegt, ist Heavysaurus. Was hat Dich dazu bewegt, zusammen mit Deinem trommelnden Bandkollegen Philipp Klinger (Komppi Momppi) als Riffi Raffi Dino Metal Kinderlieder zu spielen?

Ich habe da einen Anruf bekommen, und der Dame bin ich heute noch dankbar, in dem ich gefragt wurde, ob ich eine Liveband zusammenstellen kann, weil ich ja schon so lange in der Metal-Welt arbeite. Ich fand das Projekt so abgefahren (und gut!), dass ich die Gitarrenposition lieber selber besetzen wollte. Funktioniert gut, macht Spaß! Schaut mal hier: www.heavysaurus.de

Wie kam der deutsche Ableger des 2009 in Finnland zum Leben erweckten Projektes überhaupt zustande?

In Finnland gehen die Kinder total steil, Heavysaurus kennt da jeder. Warum soll das nicht auch in Deutschland klappen?

Du bist ebenfalls als Gitarrist bei The new black tätig, die sich seit dem letzten Album „A monster’s life“ aus 2016 ein wenig rar gemacht haben. Nun allerdings standen im Sommer einige Gigs an was den Umkehrschluss zulässt, dass man in nächster Zeit auch mal wieder mit etwas Neuem rechnen kann, oder?

Ja, wir haben eine Pause gemacht. Zuerst, weil nach 10 Jahren und der „A Monster’s Tour“ die Luft raus war. Dann haben wir wieder Songs geschrieben, aber die haben uns nicht gut genug gefallen, also haben wir sie noch mal in die Schublade gelegt. Und dann waren alle fürchterlich beschäftigt. Fabs hat mittlerweile zwei Soloalben fertig, Fludid schauspielert immer mehr, Flip und ich machen die Dinos… Aber, nun ja, die letzten Riffs und Demos, die so rumgegingen, haben alle deutlich Lust auf mehr gemacht (lacht).

Gibt es eigentlich Irgendetwas, was Du noch nicht gemacht hast, aber unbedingt noch einmal tun möchtest?

Ein Buch schreiben. Wird auch passieren. (grinst) Und ich würde gerne meine Rock’n’Roll-Geschichten in einen Podcast packen, denn wir alle morgens auf dem Weg zur Arbeit oder so hören können. Wie klingt das? Und: Ich will ein Power Trio mit vier Leuten machen. Das ist einer geiler!


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