LEIDENSCHAFT FÜR EXTREME UND FINSTERE KUNST


Der Sommer neigt sich dem Ende und die Open Air Bühnen sind längst abgebaut oder werden winterfest gemacht. Die Festivalsaison ist nun vorbei, will man meinen. Doch das stimmt nur bedingt. Denn schon länger bauen manche Veranstalter ihre Konzertabende zu mehrtägigen Indoor Festivals aus. Zu diesen Events zählt auch das sich langsam immer stärker etablierende De Mortem et Diabolum, das im Dezember, passend also zum nahenden Winter, für reichlich Kälte im Herzen der Hauptstadt sorgt.

Seid mir gegrüßt. Ihr startet dieses Jahr bereits in die vierte Runde, doch darf man euch wohl – und das durchaus wohlwollend – noch zum Underground zählen. Stellt euch doch bitte mal kurz unseren Lesern vor! Wer steckt hinter dem De Mortem et Diabolum? Wer zieht bei euch die Fäden?

Jan: Hallo! Hinter dem Festival standen ursprünglich nur Jörg und ich. Jetzt sind mit André und Andre noch zwei weitere Personen im Orga-Team dazugekommen. Uns alle verbindet die Leidenschaft für extreme und finstere Kunst.

Wie bereits erwähnt wird eure Veranstaltungsreihe nun vier Jahre alt, sprich hattet ihr euer Debüt im Jahre 2015. Doch wann wurde die Idee zum DMeD geboren? Was war überhaupt der Auslöser? Und wie lange dauerten die Vorbereitungen für den Auftakt damals?

Jan: Die Idee entstand lose irgendwann 2014. Jörg und ich kennen uns bald zehn Jahre. Wir arbeiten seit mehreren Jahren intensiv zusammen und er blickt aufgrund seiner Tätigkeiten (Folter Records, Triple Six Concerts, Under The Black Sun) auf viel Erfahrung im Veranstaltungsbereich zurück. Im Grunde war es eine spontane Idee, die aus einem Gespräch über internationale Events mit einem ähnlich liebevoll zusammengestellten Billing entstand. Sowas fehlte uns in Deutschland (zumindest in dem Bereich, in dem wir unterwegs sind – es gibt großartige Underground-Events, auch im extremeren Sektor) und speziell in Berlin. Irgendwann haben wir dann gesagt: Wir machen das jetzt. Und haben angefangen zu planen, mit Bands zu sprechen und schnell war alles im Fluss. Ich glaube, die Vorbereitungen für das erste DMED haben knapp ein Jahr gedauert.
Wenn man auf die Billings der vergangenen Jahre (oder auch euer Logo) schaut, wird schnell die schwarz-metallische Ausrichtung deutlich. So konntet ihr jedes Mal ein paar sehr aktuelle und begehrte Bands des Subgenres verpflichten. Unter anderem beehrten euch und die Fans zum Beispiel MGŁA, THE COMMITTEE, BATUSHKA, BÖLZER und GAAHLS WYRD. Beobachtet ihr die Szene sehr genau, um zu sehen, wer gerade besonders angesagt ist oder spielt da auch einfach euer eigener Geschmack die relevante Rolle? Helfen vielleicht auch Berichte/Rezensionen von Magazinen? Und wie viel Gewicht haben die Wünsche der Fans?

Jan: Nun, sagen wir so: Durch unsere verschiedenen Jobs und die Leidenschaft für Musik klingt „beobachten“ schon sehr nach Arbeit. Wir haben einen „guten“ Blick auf die Entwicklungen der Szene, würde ich behaupten, richten uns aber nicht unbedingt nach Trends oder ähnlichem. Bands, die uns überzeugen und in denen wir Potenzial erkennen, möchten wir auch eine Bühne bieten. Natürlich gibt es auch Bands, die wir schon lange verfolgen und einfach bei uns sehen möchten. Ich muss gestehen, auf Magazine blicke ich selten, wenngleich ich aus dem Umfeld stamme und dementsprechend viel Musik hören und kennenlernen darf. Jörg bekommt durch seine Label-Tätigkeit ebenfalls Tag für Tag neue Inspiration und so entwickelt sich vieles. Wünsche der Gäste sind sicherlich ein Faktor – zumindest hören wir bei Vorschlägen auch mal rein und mitunter überzeugt uns das. Entscheidend ist aber unser eigener Geschmack. Anhand dessen erstellen wir eine Liste, diskutieren Bands und prüfen, was machbar ist – es spielen beim Booking ja verschiedene Faktoren wie Verfügbarkeit, Gagen-Vorstellungen und sonstige Kosten eine große Rolle. Deshalb geht leider nicht immer alles, was wir uns wünschen, aber ich bin sehr zufrieden mit den bisherigen Billings.

Mit AUÐN hattet ihr bereits im letzten Jahr einen starken Vertreter der isländischen Szene verpflichtet, 2018 besucht euch gleich eine kleine Schar an Bands der Insel von Eis und Feuer. Eine zufällige Entwicklung oder steckt mehr dahinter?

Jan: Die isländische Szene ist überschaubar, dafür aber qualitativ beeindruckend. Daher würde ich nicht von Zufall, aber auch nicht von einer absichtlichen Entwicklung sprechen. SVARTIDAUĐI und MISÞYRMING haben wir schon ewig auf dem Schirm, aber aus unterschiedlichen Gründen hat es erst jetzt geklappt. In diesem Zusammenhang ist auch NAĐRA in unseren Fokus gerückt, die ebenfalls eine Klasse für sich sind. ZHRINE habe ich seit „Unortheta“ auf dem Zettel und als ich mitbekommen habe, dass sie im Dezember touren, war es relativ einfach zu sagen: Die holen wir. Allerdings geht es dabei nicht um Herkunft, sondern um Qualität – wer aufmerksam ist, dürfte auch feststellen, dass wir jedes Jahr mindestens eine polnische Band dabei haben. Die Szene ist ebenfalls sehr stark. Aber wie gesagt, die Nation spielt keine Rolle, es geht nur darum, ob uns eine Band überzeugt und diese auch bei uns spielen möchte.

Auffällig ist auch, dass ihr es nicht einfach nur bei Black Metal belasst, sondern immer auch einen Seitenblick hin zu anderen Genres riskiert. Als Beispiele der Vergangenheit wären da wohl WITCH RITUAL und ATTIC zu nennen. Diesmal werden wohl OPHIS mit ihrem schweren Doom für einen Ausflug in „fremde“ Gefilde sorgen. Wodurch entstand die Idee für diese „Ausnahmebands“?
Jan: Ehrlich gesagt ist das eine für mich unterhaltsame Frage. Denn eigentlich haben wir uns nie als reines Black-Metal-Event verstanden, da unser Musikgeschmack doch recht breitgefächert ist. Klar war nur: Wir wollen die Extreme auf der Bühne haben, die eine gewisse Finsternis verspricht – die Schattierungen und Schubladen spielen eigentlich keine Rolle. Da wir allesamt sehr viel Black Metal hören, liegt es in der Natur der Sache, dass es aus dem Bereich mehr Bands sind. Aber wir hatten ja schon beim ersten DMED mit KALMEN und NECROS CHRISTOS (die in diesem Jahr übrigens wiederkommen) Bands aus einem anderen Genre.

Auch viele andere Bands sind nicht klassischer Schwarzmetall, sondern verbinden verschiedene Genres. Fremde Gefilde sehe ich also auch nicht bei WITCH RITUAL, ATTIC oder OPHIS, sondern einfach eine andere Form, eine ebenso einnehmende Atmosphäre zu schaffen – aber auch zwischen DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT und beispielsweise BLAZE OF PERDITION liegen ja große Unterschiede. Ich finde Grenzen ebenso wie Stillstand langweilig und wir wollen ein abwechslungsreiches Billing haben – entsprechend hat bei uns auch Death und Doom Metal eine hohe Bedeutung und wer weiß, was da in Zukunft noch so kommt. Ach ja, lustig finde ich es übrigens deshalb, weil dem eine so große Aufmerksamkeit geschenkt wird und es zu einer Art „Trademark“ sterilisiert wurde, dabei folgt es keinem Plan à la: „Wir müssen jetzt unbedingt noch was ganz verrücktes buchen.“ Viel mehr ist es auch da so: Bands, die uns überzeugen und die in unserem Verständnis zum DMED passen, möchten wir auf der Bühne haben.


Schon sehr früh nach dem DMeD 2017 wurde eine Fortsetzung angekündigt, was mich persönlich sehr freute. Konntet ihr dies schon frühzeitig absehen oder ist es jedes Mal ein Bangen, ob sich die Reihe des Festivals fortsetzen kann? Gibt es aufgrund des Vorverkaufs schon eine Prognose für 2019?

Jan: Das ist nicht ganz korrekt. Ehrlich gesagt, war es die längste Phase zwischen Event und der Ankündigung einer Fortsetzung. Es stand sogar bis Januar 2018 komplett auf der Kippe, ob und wie es weitergeht. Denn 2017 war durch den Location-Wechsel ziemlich kompliziert und auch finanziell keine Leichtigkeit. Erst durch den Zuwachs im Orga-Team und die Verteilung auf mehrere Schultern konnten wir mit der Planung für dieses Jahr beginnen. Ein gewisses Bangen ist immer dabei, aber ich fühle mich deutlich ruhiger als im letzten Jahr, als wir wirklich 1 bis 2 Monate kaum noch eine ruhige Nacht hatten und das ganze Ding drohte, ein Desaster zu werden. Aber wir ziehen daraus auch Erfahrungen und diese machen bekanntlich stärker. Zu einer finalen Prognose für 2019 möchte ich mich nicht hinreißen lassen, aber Stand jetzt haben wir mit den Planungen begonnen. Es hängt dennoch am Erfolg oder Misserfolg in diesem Jahr.

Im letzten Jahr gab es ein paar Probleme beim Finden einer geeigneten Location. Nach dem K17 (in 2015) und dem Postbahnhof (2016) ging es dann vorerst in die Columbia Halle und tags darauf ins Columbia Theater. Für 2018 stand dann frühzeitig fest, dass das De Mortem et Diabolum erneut in letztgenanntem Club stattfinden wird. Habt ihr in diesem nun vielleicht eure endgültige Heimat gefunden, würde es im kommenden Jahr eventuell wieder dort hin gehen? Oder ist da das letzte Wort noch nicht gesprochen?

Jan: Nun ja, wir haben es ursprünglich im Nuke geplant und so wurde es auch angekündigt. Im Sommer 2017 standen wir dann ohne Location da, was einer Katastrophe gleichkommt. Die einzige freie Location war die Columbia Halle, die natürlich viel zu groß ist. Zum Glück konnten wir den zweiten Tag im Theater durchziehen, da der Club verfügbar war. Die Umstände dort sind für unsere Vorstellungen ideal und so war klar, dass, wenn möglich, wir auch in diesem Jahr dort hingehen würden. Das letzte Wort ist leider noch nicht gesprochen, aber wir würden sehr gerne auch 2019 dortbleiben.

Kommen wir nun zum Ende. Ich möchte mich schon einmal für eure Zeit bedanken und habe zum Abschluss noch ein, zwei persönliche Fragen in eure Runde: Was waren eure bisherigen Highlights in den vergangenen Jahren, auf welche Bands freut ihr euch diesmal ganz besonders (und sagt bitte nicht „alle“!) und wen würdet ihr euch selbst wünschen, im nächsten Jahr an Land ziehen zu können?

Jan: Die Antwort ist natürlich „alle“, sonst hätten wir sie nicht gebucht. Aber allein zeitlich bedingt, kann niemand von uns alle Bands sehen. Ich zum Beispiel kriege meist nur einzelne Songs und selten ganze Shows mit. Dabei war definitiv der Auftritt von MGŁA ein Highlight. Auch DARVAZA, DEAD CONGREGATION und FURIA haben mich sehr beeindruckt. An WINTERFYLLETH denke ich auch sehr gerne zurück.

Zu der Anschlussfrage: Da gibt es einige Bands, die auf dem Zettel stehen – aber über Namen möchte ich nicht sprechen. Dazu kommen natürlich die unrealistischen Wünsche, die man dennoch gerne mal hätte, die aber wohl nie klappen: MARE zum Beispiel oder sollte sich Arioch mal entschließen, FUNERAL MIST auf die Bühne zu bringen, wäre das ganz klar etwas, dass ich gerne machen würde.

Ich bedanke mich abermals voller Vorfreude. Wir sehen uns im Dezember.

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