15. / 16.12.2017 - Berlin @ Columbiahalle / Columbia Theater


Zum dritten Mal geht das DE MORTEM ET DIABOLUM, das tiefgeschwärzte Indoorfestival in Berlin, an den Start. Wie auch in den letzten beiden Jahren wird an einem Freitag sowie einem Samstag eine Schar williger Fans die Hauptstadt heimsuchen um sich einer dunklen und doch ebenso abwechslungsreichen Darbietung finstrer Kost hinzugeben. Wo sich in den vergangenen Jahren besonders schmackhafte Perlen des Untergrunds wie MGŁA, BÖLZER und BATUSHKA die Ehre gaben, werden an diesen zwei Tagen Bands wie GAAHLS WYRD, THE COMMITTEE und DESTRÖYER 666 für offene Münder und wohliges Grinsen sorgen. Und da bereits das Wort "Abwechslung" fiel - diese bekamen die Zuschauer mal in doomiger Manier a la OCTOBER TIDE , post-metallisch wie bei HEMELBESTORMER oder als krassen Kontrast in Form der Düster Heavy Metal Formation ATTIC geboten.

15.12. Black Metal Gefühlsachterbahn

Der Weg nach Berlin hatte wie immer ein paar Überraschungen parat, wie zum Beispiel ein plötzliches Schneegestöber einige Kilometer vor der Hauptstadt. War das vielleicht schon ein Wink aus Island? Denn die Opener des ersten Abends stammen von eben dieser kalten Insel. Sollte ich schon eingestimmt werden auf diese Truppe?
Die Rede ist von AUĐN, auf deren Auftritt ich mich zuvor schon sehr freute. Den Fahrbedingungen war es (unter anderem) geschuldet, dass ich den Beginn ausgerechnet dieses ersehnten Gigs ein wenig versäumt habe. Jedoch stellte sich kurz darauf heraus, dass der Start des Konzertabends - 16:20 Uhr sollte die Truppe beginnen - sowieso schon minimal verschoben wurde und ich bekam doch noch "meine" fast 40 Minuten Spielzeit. Und diese waren großartig und faszinierend. Ich steh einfach auf den Sound dieser vier Isis! Aber halt mal... warum vier? Richtig, eigentlich müssten da fünf Männer auf der Bühne stehen. Wie mir Bassist Hjálmar später erklärte, sei Sänger Hjalti kurz vor Ende der Tour mit THE GREAT OLD ONES und GAAHLS WYRD nun erkrankt und so musste Gitarrist Aðalsteinn diesen Part mit übernehmen - und das tat er mit Bravour! Tatsächlich muss ich gestehen, dass es mir gar nicht aufgefallen sei. Als Fan der Band komisch? Sicherlich, aber so fix reingehopst in die Halle hatte ich mich einfach nur noch auf den Klang ihrer Kunst eingelassen und da waren die Augen schnell zu und die Seele woanders.
Nach diesem Auftritt war also schon ein sehr schöner Einstieg ins Fest zu verzeichnen. Und wie oft erlebt man es nicht, dass der Sound mehr als dürftig bei der ersten Band ist? Nicht aber wenn der Mann von IRSINS SOUND an den Reglern sitzt. Also sollte man ihn auch machen lassen! Die Serben von THE STONE sahen das anders und mussten die (zum Glück nicht allzu schweren) Folgen tragen. Und so begann ihr Set, gemischt vom eigenen Tonmann, nicht gerade mit dem besten Klang und holte die Fans nicht so sehr ab.
Vielleicht traf der deutlich ruppigere Black Metal aber auch in diesem Moment nicht so ganz den Geschmack der Angereisten. Nachdem der Sound aber mit Hilfe von Herrn Christian "Irsin" Ernst angepasst wurde und die Songs sich im Niveau steigerten, glimmte der Funken wieder auf und es gab wieder mehr Zuspruch aus dem Publikum. Geht doch! Generell hätte man aber sowieso nicht von einem Reinfall reden dürfen, eher von lediglich solider Kost.
Als nächstes enterten KRATER die Bühne. Lange vor Beginn des Jahres kannte ich die Band eigentlich noch gar nicht, nun, wo es fast zu Ende ist, haben ich sie schon drei mal gesehen. Und was soll ich sagen? Auch mit dieser Show konnten sie mich wieder begeistern. Sicherlich ist auch ihr Material eher rüde und vielleicht sogar noch brachialer als zuvor bei THE STONE und doch zogen sie die Anwesenden mehr mit. Aber wer könnte sich auch schon den Hymnen ihrer letzten Scheibe "Urere" so leicht entziehen? Genau, wo "Anti-Vist", die "Flammen im Vakuum" oder das finale "Lust To Burn" einschlagen, kann man nicht regungslos bleiben. Die Musik von KRATER bietet mit ihrer wiederkehrenden Atmosphäre und ihren verspielten Soli doch weit mehr als nur Geprügel.
Nach diesem Abriss zogen die Veranstalter des DE MORTEM ET DIABOLUM ihren ersten Joker aus dem Stapel. Was folgte, waren rund 40 Minuten Heavy Metal a la KING DIAMOND made in Germany. Ihr ahnt es bereits: ATTIC erklommen nun die Bühne. Mit dabei war eine Vielzahl von Requisiten, darunter Unmengen von Kerzen, drapiert auf entsprechenden Leuchtern, dazu Holzbalustraden, Schädeln usw. Mit dem Auftritt des Sängers gesellte sich noch ein unübersehbar großes, invertiertes Kreuz dazu - und außerdem eine Stimme, die schriller erklang als jedes Becken am Drumkit. Das war im Rahmen des Veranstaltungskonzepts definitiv ein extremer Ausreißer. Die meisten der Zuschauer genossen die kleine Abwechslung und feierten die Truppe aus Gelsenkirchen gut ab, anderen war dies schon etwas zu krass. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden...
Die Kerzenständer wurden abgeräumt und durch den Kopf des mächtigen Cthulhu ersetzt. Es war wieder Zeit, sich in eine dunkle Welt gleiten zu lassen. Und wer wäre da nun wohl besser geeignet als THE GREAT OLD ONES? Auch wenn der Klang an diesem Abend nicht so eine Dichte wie auf Platte kreieren konnte, so war es doch eine gewaltige Gestalt, die hier erschaffen wurde und einen in die Tiefen zog. Dieses Biest aus drei Gitarren, einem Bass und einem genialen Drummer schloß immer wieder meine Augen und ließ mich abdriften. Herrlich!
Was nun folgte, war für mich gefühlsmäßig schwer in Worte zu fassen: die Spannung und die Vorfreude darauf, Gaahl beziehungsweise seine neue Band GAAHLS WYRD zu sehen waren riesig. Zuletzt sah ich den Großmeister 2007 live in Action. Damals war er noch der Fronter der legendären GORGOROTH, die nach seinem Abgang - zumindest für mich - nie wieder annähernd so kraftvoll und bedeutend wurden wie eben zu jener Zeit. Lang bangte ich also, ob ich je wieder die Meisterwerke der Norweger aus der Kehle dieses so besonderen Mannes hören dürfte. Da war die Aufregung und auch der Anspruch entsprechend groß. Doch schon mit seinem ersten Schritt auf die Bühne war alles klar und ich befand mich wieder zehn Jahre zurückversetzt und war umgehend gebannt. Sicher sollte man nicht vergessen, dass auch Gaahl nicht allein auf der Bühne stand und so möchte ich auch die wahnsinnig tight aufspielende Band nicht in seinem Schatten untergehen lassen.
Welche Songs aus dem TRELLDOM-Schatz und welche aus der GOD SEED Phase sind, kann ich nicht sagen, aber mit Sicherheit, dass das unvergessliche "Incipit Satan" zu hören war. Außerdem wurde natürlich aus dem "Ad Majorem Sathanas Gloriam"-Topf geschöpft. Und so ertönten "Wound Upon Wound" und "Carving A Giant" bevor "Prosperity and Beauty" die Darbietung majestätisch beschloss und die Fans sprachlos zurückließ. Lediglich das geliebte "Sign Of An Open Eye" hätte manch einer sich vielleicht gewünscht, aber die Zeit ist ja begrenzt. Selbige nahmen sich Gaahl und seine Mannen anschließend um mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Und so kam meine (als Fotografin mitgereiste) Frau in den Genuss eines "Black Metal Fangirl Moments" bei einem Plausch und Foto mit dem charismatischen Norweger.

Für den Headliner des Abends THE COMMITTEE sollte es leider nicht ganz so gut heute laufen. Der Zeitplan war im Laufe des Abends immer weiter nach hinter gerückt und da halfen Probleme beim Aufbau nicht besonders. Fehlende, von vorangegangen Bands (vermutlich unbeabsichtigt) abgebaute/entfernte Kabel sorgten zusätzlich für Verzögerungen. Eigentlich war der Auftritt, wie auch bei vergangenen Shows wie zum Beispiel auf dem BARTHER METAL OPEN AIR, als "Special Extended Show" geplant. Letztlich wurde die mit ursprünglich 80 Minuten angesetzte Show deutlich auf 50 gekürzt. Sicher wird das den vielen Fans der Band geschmerzt haben, die maskierte Gruppe auf der Bühne gab jedoch alles um diesen Verlust verkraften zu lassen.
16.12. Tag der Überraschungen

Nach einer Nacht in einer etwas skurrilen Pension, leckerem Brunch und einem späteren Besuch bei Curry36 ging es zurück zum Festival. Noch auf dem Weg zur Columbiahalle meinte ich, heute könne mich das Line Up wohl nicht noch einmal so packen wie am Freitag, aber wie falsch ich liegen würde, sollte sich noch zeigen...

Ach und sagte ich Halle? Pardon... ich meinte zum Columbiatheater. Denn wie uns am Vorabend bereits der Soundmann erklärte, zog das Festival quasi über Nacht noch ins Nachbargebäude um. Leider war die Halle nicht wirklich gut genug besucht gewesen, was sich natürlich auf den Sound nicht unbedingt positiv auswirkte. Und in der Tat klang es am heutigen Tage gleich eine gute Ladung wuchtiger.
Dies spielte auch den nun eröffnenden RIMRUNA gut in die Karten. Dass es für ein Duett besonders wichtig ist, dass die Klangkulisse stimmt, sollte jedem klar sein. Hier kommt es auf Nuancen an. Und ja, es passte zum Glück gleich bei Beginn alles und die zwei Herren konnten ihren klassischen und advangardistischen Black Metal Hybriden wunderbar rüberbringen. Mal knallte es rotzig und mal durfte man wieder träumen. Eine gelungene Eröffnung also auch an Tag II.
Gerade noch sprach ich vom Träumen, da betraten die Belgier HEMELBESTORMER die Bühne in fast völliger Finsternis. Nur zwei speziell gefertigte Leuchten bildeten die einzigen Lichtquellen auf der Bühne. Entsprechend las sich auch die Anweisung an den Lichtmann: "...keine weiteren Lichter benötigt... nur das absolute Minimum an Licht... nahezu NICHTS... und eine Menge Nebel". Da vernünftige Bilder zu bekommen war eine fast unmögliche Aufgabe für meine Frau. Aber auf die Optik legte die Band vielleicht weniger großen Wert als auf das Gefühl, das übertragen werden sollte. So blieben auch die Songs des gebotenen Post Metal völlig frei von Texten. Es war eben einfach ein anhaltender Moment des Fallens, des Schwebens, des Treibens. So ein Moment, in dem man sowieso die Augen schließt und kurzzeitig wo ganz anders ist. Wer braucht bei solch einem Kopfkino schon Licht?! DAS war wieder was ganz anderes und ein Experiment der Veranstalter, das aufging
Etwas weniger experimentell, dafür aber als totales Überraschungsei entpuppten sich FURIA für mich - und das hieß nicht, dass die Polen keine Überraschungen zu bieten gehabt hätten. Es war sogar der Mix aus brachialem Black Metal und verschiedenen Einflüssen, der ihren Sound ausmachte. Zwar stand das kräftige Hämmern im Vordergrund, doch rundeten zum Beispiel rockige und auch progressive Elemente den Klang ab. Oft stach dabei der Bass auf untypische, aber starke Art heraus. Gespickt mit einer genial abgestimmten Lichtshow lief hier ein verdammt geiler Black Metal Film, dem man einfach nur verfallen konnte. Ganz großes Kino!
Nach einer derart überzeugenden Darbietung war es anfangs gar nicht so leicht für mich, mich auf den Sound von BAPTISM umzustellen. Dabei lieferte die Truppe um Bandkopf Lord Sargofagian ab der ersten Note eigentlich eine solide Show ab. Hier regierte nun wirklich vollends die harte Keule. In einem Stil, der mich entfernt an MARDUK erinnerte, ballerte das Quintett aus allen Rohren und bemühte sich um Stimmung im Publikum.

Bevor jetzt weiter gescheppert wurde, luden OCTOBER TIDE zu etwas Melancholie ein und holten ein sattes Doom Death Brett hervor. Als Sänger Alexander nach der Stimmung fragte, staunte er nicht schlecht über die Reaktion des Publikums - seine Antwort: "Warum seid ihr so gut drauf? Wir wollten euch doch traurig machen!" Tja, da hatte Berlin aber andere Pläne und feierte die Schweden lautstark ab. Diese konnten sich aber auch damit gut arrangieren und bedankten sich bei den Fans.
Nun sollte aber ein ganz anderes Tempo folgen: DESTRÖYER 666, die wohl schnellste Band des Festivals, traten das Gaspedal bis auf's Bodenblech durch und heizten ihre Saiten so derbe an, dass ihre Gliedmaßen nur noch schemenhaft wahrzunehmen waren. Welch eine Urgewalt! Bei so viel Power darf man sich doch schon ernsthaft fragen, wozu man heutzutage noch SLAYER - oder was von ihnen übrig ist - braucht!? Gotteslästerung? Vielleicht, aber wer die nietenbesetzte Bande um K.K. Warslut an diesem Abend sah, wird mich verstehen. Zu brachial, zu tight und zu präzise feuerten die Zerstörer ihre kriegerischen Hymnen auf das Volk ab. Da war es sogar zu verschmerzen, dass zu Beginn Gitarrist R.C. und später Basser Felipe wegen technischer Probleme kurzzeitig ausfielen. Und wenn eine Band eine Granate wie "I Am The Wargod" abwirft, lässt das "Wildfire" eh nicht lange auf sich warten.
Zum Ende wurde es noch einmal mächtig finster. Die Griechen ACHERONTAS betraten nun die Bühne. Ihre Gesichter verdeckt durch dunkle Bandanas, der Sänger gehüllt in eine schwarze Robe und dazu eine amtliche Lichtshow - dieses Bild wurde begleitet von schnelle Gitarren, malmenden und scheppernden Drums und über allem thronte die kräftige und fiese Stimme von Frontmann V.Priest. Guter Sound, gute Show, guter Abschluss - Ende gut, alles gut!

Überaus zufrieden und glücklich über ein Festival, dem keinerlei musikalische Ausfälle zu unterstellen ist, verließen wir das Theater mit nur einem offenen Wunsch: Nächstes Jahr bitte wieder!

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