Abrisse ohne Ende und strahlende Gesichter - Das POA 2017

Scheinbar schien die vergangene Nacht nun doch nicht das erwartete Inferno gewesen zu sein, denn auf dem Platz war es so gut wie trocken, die ersten Biere wurden zum Frühstück inhaliert und die Stimmung war famos. Klar, denn gerade der Freitag hatte es musikalisch komplett in sich und sollte kaum für Verschnaufpausen sorgen. Ich persönlich muss mich an dieser Stelle bei Ralf Bäcker bedanken, der mich am Bahnhof abholte und sicher am Gelände absetzte. Nach einigen tiefsinnigen Gesprächen sollte es nun endlich wieder voll eins auf die Hörmuschel geben.

Donnerstag   Freitag   Samstag
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Die Heidelberger Into Darkness sollten den Reigen am zweiten Tag eröffnen und taten dies mit gewaltigem Elan und einem fetten Sound im Rücken, für den sich einmal mehr der bekannte Loudmaker Jacky Lehmann verantwortlich zeigte, der nach dem Aufbau am Mittwoch Donnerstag schnell nach Kopenhagen düste, dort Saxon beim Copenhell mischte (Bericht folgt), um dann Freitag frisch wie der junge Morgentau seine exzellente Arbeit beim POA fortzusetzen. Doch zurück zur eigentlichen Thematik. Der Vierer aus dem Rhein-Neckar-Kreis bot nicht nur hervorragenden Todesblei, nein, auch deren Bühnenperformance war erinnerungswürdig. Frontbarde Sebastian Längerer bot feinsten Humor in den Ansagen und eine gewaltige Grimassenperformance, Bassist Eno hatte definitiv die geilsten Socken des gesamten Wochenendes an seinen Gichtgondeln und Gitarrist Severin bestach mit einer weiten Pluderhose und darunter befindlichen Leggins, bei der sich Karl Lagerfeld im Grabe umdrehen würde, wäre der Gutste bereits unter der Erde. Doch die Optik sollte nicht das Hauptkriterium sein und musikalisch gab es nicht im Geringsten irgendetwas auszusetzen. Im Gegenteil. Die Halle war bereits gut gefüllt und ging bei den bleihaltigen Riffsalven gut mit und bedachte Into darkness nicht nur mit dem üblichen Höflichkeitsapplaus. Starke Band, die man immer wieder auf dem Schirm behalten muss.
Arroganz ist so eine Band, die musikalisch immer ein wenig an mir vorbeigeschrammt ist. Keine Ahnung wieso, denn das hier Gezeigte fegte meine Voreingenommenheit der Truppe gegenüber mit einem Faustschlag weg. Die Cottbusser hatten ebenfalls einen monumental fetten Sound hinter sich und rotzten ihre Klangboliden in die nach Mucke lechzende Meute vor der Bühne. Das fetzte so richtig und ich kann mir jetzt gar nicht mehr vorstellen, wieso ich vorher solche Vorurteile gegen die Lausitzer hegte. Das hier Gezeigte lässt nach oben alles offen und direkt am Sonntag fischte ich mir deren letzte Alben aus dem Regal und merkte schnell, wie präzise die Jungs ihre Songs darboten, denn live kamen die Songs fast noch einen Ticken besser als auf Polycarbonat. Ganz starke Visitenkarte, die das Trio beim Protzen abgegeben hat.
Erstmals ohne die wallende Haarpracht von Frontmann Jan sah ich nun nach einem Jahr Abstinenz endlich wieder Sabiendas, die ich nach wie vor zu einer der unterbewertetsten Death Metal Bands Deutschlands halte. Warum? Der Ruhrpott Fünfer steht seinen engen Vorbildern von Morbid Angel absolut in Nichts nach und besitzt ein ungemeines Potential an todesbleiernden Hits wie „Restored to life“ oder das überragende „The castle“, welche vom Publikum dankend angenommen wurden. Überhaupt ließ sich im Gegensatz zu vergangenen Jahren positiv feststellen, dass die Menschendichte im Hangar bereits zu solch früher Stunde recht üppig war und somit jeder Band ein geeignetes Forum geboten wurde, ihre akustischen Leckerbissen formidabel zu präsentieren. Wie eben auch Sabiendas, denen man einfach ihre Routine ansieht und vor allem anhört. Es ist auf jeden Fall ein Träumchen, Drummer Toni bei der Arbeit zuzusehen und der Saitenfraktion um Alex Rutkowski und Christian Eichberger seine Horchorgane zu leihen. Die Bande ging jedenfalls ordentlich steil und mein Energielevel wuchs bei jeder Band ein Stückchen weiter. Klasse Auftritt!
Leider sagten kurz vor Beginn des Festivals die Belgier von Dehuman ihren Auftritt ab, so dass meine Potsdamer Freunde der Bearded Bastards die Ehre und das Privileg hatten, auf ihrem Lieblingsfestival ihr Liedgut der Masse vorzustellen. Witzig war allerdings der Umstand, dass die Bandmitglieder eh als zahlende Gäste vertreten gewesen wären und somit zwei Tage vorher ein hektischer Betrieb auf der Protzen Seite einsetzte, auf der die Bande ihre bereits erworbenen Tickets feilbot. Musikalisch war es, wie immer, ein schöner deathiger Mix gepaart mit witzigen Texten und dementsprechenden Ansagen, die bei den Leuten gut ankamen (ich nenne einfach mal den Bartwal) und den bärtigen Bastarden ein paar neue Freunde einbrachten.

Tja…der Keksgrinder. Entweder mit seinem Bembel bewaffnet, seiner Plastikflasche gefüllt mit White Russian oder als DJ in den vergangenen Jahren…ohne ihn wäre das Protzen definitiv ärmer…doch heuer trat er sogar musikalisch in Erscheinung und präsentierte sich als Growler bei Harmony Dies, mit denen er zusammen im letzten Jahr die vielbeachtete „Indecent paths of a ramifying darkness“ eingebrüllt hat. Professionell wie er ist (und das IST er) vor dem Gig ohne einen Tropfen Alk im Blut bot die Berliner Metal Institution zusammen mit seinen Mitstreitern einen echt brachialen Gig, der für manche Ohren vielleicht an einigen Ecken etwas zu vertrackt rüberkam, er dieses Manko aber mit dem Verteilen seines angepriesenen Schnaps „Der Ekliche“ zu kaschieren versuchte. Dies gelang auf jeden Fall in den vorderen Reihen vortrefflich und auch etwas weiter hinten nickten die Leute nicht nur zum Takt der Riffattacken, sondern auch anerkennend zu dem hier Gezeigten. Gerne wieder!
Bärtige Bastarde
Die Harmonie stirbt...zuletzt
Was nun folgte ist ohne Übertreibung für mich eine der größten Überraschungen der letzten Jahre: Atomwinter. Das Death Metal eh eine meiner bevorzugten Hauptmahlzeiten ist, sollte dem geneigten Leser unserer Postille mittlerweile klar sein. Umso mehr freute ich mich wie Bolle uffm Milchwagen, mit dem Quartett aus Göttingen eine Band live erleben zu dürfen, die ich bereits auf CD lieben gelernt hatte. Auf der Bühne allerdings machen die Jungs so einen unfassbaren Alarm, dass es niemanden auf seinen Platz hielt. Eine unglaublich rohe Energie, musikalische Brutalität, gepaart mit einem vorzüglichen Sound ließ mein Blut in Wallung geraten. Gerade Frontmann Ole ist mit seiner stattlichen Körpergröße, seinem extremem Rauschebart und seiner diabolischen Ausstrahlung allein das Eintrittsgeld wert und spielte diese Trümpfe auch gekonnt aus. Es machte einfach nur unbändigen Spaß, diesem gigantischen oldschooligen Death Metal seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Ich stellte mir lediglich zum Ende dieser meisterlichen Darbietung die Frage, warum die Bande nicht auf der Hauptbühne ihre Hassbotschaften verbreiten durfte. Ein anschließender Besuch beim Merchstand unterstrich meine Begeisterung für die zweitbeste Band des gesamten Wochenendes.
Was für eine unfassbare Energie! Atomwinter!!!
Etwas melodiöser aber nicht minder fett präsentierten sich nun Decembre Noir, denen wir in der Redaktion seit je her verstärkte Aufmerksamkeit widmen und versuchen, bei jedem Gig der Doom Deather in der Nähe mit Anwesenheit zu glänzen. Von daher war ein Besuch in der ersten Reihe selbstverständlich oberste Pflicht, wo ich erneut eine tolle Performance erleben durfte. Doch reicht dieses Adjektiv für diese überragende Truppe? Nein, denn nur „toll“ ist halt nicht herausragend und ich werde einen Teufel tun, den Erfurtern irgendwie etwas antexten zu wollen, doch ich hatte zeitweilig das Gefühl, die Jungs hätten aufgrund des traditionell härteren Programms auf dem POA ihre Spielweise dementsprechend modifiziert und büßten von daher für mich persönlich ein wenig von ihrer Magie ein. Versteht mich nicht falsch, es war wie immer ein Genuss, die Jungs bei der Arbeit begutachten zu dürfen, doch ich habe DN schon weitaus stärker erlebt und werde diesen Gig von daher nicht überbewerten.
Da war Luft nach oben...Decembre Noir
Unerwartet gut. Succubus
Wenn eine Band 5 Jahre älter ist als das eigentlich Festival, dazu mit Atzek den Mitveranstalter an den Kesseln zu sitzen hat ist es eine logische Konsequenz, Succubus auch die dazugehörende Plattform zu bieten, um ihre todesbleiernde Hasstiraden dem geneigten Publikum feilzubieten. Dieses nahm die Einladung zum Tanz auch wohlwollend an und selbst ich, der über die Jahre hinweg eigentlich kein allzu gutes Bild von der Truppe aus Neuruppin hatte gebe unumwunden zu, dass mich das hier Gesehene durchaus mitnahm. Ok, zuweilen ging ein klein wenig rumpelig zu, doch selbst die von mir hochverehrten Autopsy klingen manchmal wie eine kaputte Klospülung, was von daher durchaus als Kompliment und weniger als Kritik zu verstehen sein soll. Nee ehrlich, Succubus machten richtig Spaß und viele auf dem Platz, die die Truppe vorher noch nie wahrgenommen hatten, äußerten sich nach dem Gig mehr als wohlwollend.
Was nun allerdings folgte setzte selbst für das sonst für Superlative bekannte Protzen Open Air neue Maßstäbe in Sachen Arschtreten, denn was Deserted Fear auf dem heilen Protzen-Ground vom Stapel ließen, machte einen während und nach diesem fulminanten Auftritt sprachlos. Eine unfassbare Energie zusammen mit Spielfreude und Esprit machten die nun kommenden und viel zu kurzen 40 Minuten zu einem absoluten Triumphzug. Diese Truppe bietet nicht nur unfassbaren Todesblei mit hohem Wiedererkennungswert, sondern einfach Spaß an der Freude, die jeden in der proppenvolle Halle vom ersten Takt an mitnahm.

Großartig war ebenfalls die am Bühnenboden befestigte Pappteller-Setlist und die Tatsache, dass sich die meterlange Matte von Fabian permanent in seinem Gitarrenhals verhedderte, er selbst darüber herzhaft lachen musste und gleich zu Beginn das Banner am rechten Bühnenrand (von unten gesehen) mit seinem Kreuz auffangen musste. Mich wundert allerdings bis heute, wie es die Hosennaht bei dem extremen Spreizschritt von Fronter Manuel aushält. Die Halle jedenfalls bebte, vor dem Hangar war ebenfalls proppevoll und FDA Recke Ronny neben mir machte den Zopfgummi ab, bangte, Zopfgummi wieder dran…dann das gleiche Spiel…es war herrlich zu beobachten. Überhaupt sah man überall nur strahlende Gesichter in denen man ablesen konnte, was die Thüringer hier gerade vollbracht hatten: Die totale Eskalation und eine Meßlatte, die an diesem Wochenende, trotz ebenfalls noch folgender Highlights, nicht mehr übersprungen wurde. Der kommende Headliner für eine der nächsten Ausgaben des POA. Dank an Deserted Fear für diesen unglaublichen Abriss!!!
Wurde an diesem Wochenende nicht mehr getoppt: Deserted Fear
Die totale Eskalation
Nach dem gerade Erlebten war es natürlich schwer für Marc Grewe, Silenoz und die restliche Bande von Insidious Disease den Begeisterungslevel aufrecht zu erhalten, doch trotz der Tatsache, dass das bisher einzige Album „Shadowcast“ dieser Allstar-Band bereits sieben Jahre auf den Buckel hat, ging es ziemlich bratzig zur Sache und die Leute schienen froh, Todesblei-Urgestein Grewe endlich mal wieder auf der Bühne erleben zu dürfen. Ich fand’s ebenfalls ziemlich geil und freue mich tierisch auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album. Und natürlich auf den nächsten Auftritt beim Headache Inside, um das hier Erlebte noch einmal zu intensivieren, denn das hatte volle Kanne Eier!

Aufgrund einer etwas längeren Pipipause meines holden Weibes verpasste ich ein frühzeitiges Erscheinen in der ersten Reihe, um mir zum dreitausendsiebenhundertvierundsechzigsten Mal die verrückten Zicken aus Goataragua anzutun. Nun gut dachte ich…einfach etwas weiter hinten in der Halle und zack die Bohne. Nüscht war, denn in und vor der Halle stapelten sich die Menschenmassen und selbst für „Panzerkreuzer“ Thor gab es zum Fotografieren keinerlei Durchkommen mehr. Somit konnte ich lediglich 3-4 Songs erhaschen, wobei natürlich das nagelneue „Nemesis Bettina“ und der Klassiker „Ding Dong“ am meisten haften blieb. Der Pöbel hatte seinen Spaß, auf der Bühne ging die Post ab und alle waren zufrieden…naja…bis auf mich und Thor, was aber den Umständen geschuldet war…Merke: Milking the goatmachine = volles Haus! Einfache Formel.
Toller Gig: Insidious Disease
Nein, bei Paule Speckmann und seinen beiden Compadres, zusammengefasst unter dem Banner Master, kann man als Fan und Veranstalter absolut nichts verkehrt machen. Gut, wer auf Abwechslung, Breaks oder irgendwelche technischen Spielereien steht, ist hier vollkommen fehl am Platze, denn das Todesblei Urgestein bietet ebensolchen und zwar voll aufs Fressbrett, ohne irgendwelche Umwege. Jacky hatte erneut die richtigen Finger an den Knöpfen und konnte es so hindrehen, dass man als aufmerksamer Hörer kaum mitbekam, dass da lediglich ein Trio auf der Bühne stand, welches angestachelt von der famosen Publikumsreaktion, einen Killergig auf die Bretter legte. Da machte es auch gar nichts aus, dass die meisten der Anwesenden keinen fingerbreit mit der Speckmann’schen Discographie vertraut sind, sofern sie so abgehen wie bei dieser bärenstarken Performance. Klasse!
Hail to the Master
Wer noch stehen konnte und noch nicht in Morpheus Arme versank, fand sich nun zum Totalabriss im Hangar ein, um sich von Asphyx fulminant die Locken föhnen zu lassen. Wer die Truppe kennt weiß ganz genau, was einen erwartet, nämlich eine Soundwand, die die Wellbleche des Hangars nach außen drücken. Allerdings saß diesmal nicht Jacky an den Reglern, sondern Markus Rödl, der zwar ebenfalls für eine druckvolle Welle sorgte, aber irgendwie fehlte mir da doch etwas Schmackes. Nun sei aber gesagt, dass die Lokalität extrem schwierig zu mischen und vielleicht nur einer Handvoll der Unterschied aufgefallen ist, dennoch hätte man eventuell Jacky weitermachen lassen sollen. Egal, denn trotz alledem bot das Holländische Todesblei Urgestein eine großartige Show, bei der man entweder an Van Drunens unglaublicher Bühnenpräsenz kleben blieb, oder Trommel-Koloss Husky beim Verrichten seines Tagwerkes durch Erheben der Faust seinen Respekt zollen sollte. Ein großartiger Strauß bunter Melodien ergoss sich über die zahlreichen Fans und wer den Hangar nüchtern betrat, wurde aufgrund des hier Dargebotenen trunken vor Freude. Asphyx sind und bleiben eine Macht und Garant für kurzweiliges Fratzengeballer auf Champions League Niveau.
Großes Foto vom Trommelgott: Husky von Asphyx
So neigte sich also der zweite Festivaltag zur Neige und ich verließ das Gelände in der Gewissheit, heute einen der denkwürdigsten Tage beim POA überhaupt erlebt zu haben. Großartige Bands, überragende Performances, tolles Publikum. Einen Wermutstropfen gab es allerdings doch. Da ich an diesem Tag nicht fahren musste hatte ich die Freigabe zur Einnahme diverser gerstenhaltiger Erfrischungsgetränke seitens meiner Regierung erhalten, was ich auch ausgiebig nutzte. Doof nur, dass sich der gewünschte Effekt nicht blicken ließ und ich nüchtern wie der Papst die Heimreise antrat. Wie konnte sowas nur passieren???

Ein paar Impressionen
The Loudmaker: Jacky
Van Drunen ebenfalls gut im Futter
Die "zweiten" Gewinner des Festivals: Atomwinter
Unangefochten die Sieger: Deserted Beer...ääh...Fear
Die Setlist von Deserted Fear
Endlich mal wieder live: Marc Grewe
Lampen an bei Sabiendas
Die Drei vonner Tanke

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OLAF

Bandfotos by Thor

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