NUDE AUF DEM RUDE

Das Rock unter den Eichen 2019

19.-20.07.2019 - Bertingen



Nach dem letztjährigen Ausfall unserer Berichterstattung, standen wir natürlich in der Pflicht, 2019 eine mehr als fette Nachlese des RUDE abzuliefern. Also setzte ich mich gleich am Samstagmorgen an mein mobiles Büro und hämmerte alles ein, was mir vom Vortag noch im Gedächtnis blieb. Zu meinem Erstaunen eine ganze Menge, denn im Vergleich zu meinen Jahren zuvor, bemaß ich dem Dämon Alkohol diesmal nicht allzu viel Bedeutung bei, was mir ein völlig neues Musikerlebnis eröffnete. Doch genug der Selbstbeweihräucherung und ab zu den Bands, von denen es in diesem Jahr einen ganzen Haufen großartige gab.

Gegen Mittag gab es die erste Waschung mit Warsons aus Hamburg und Umgebung vor sensationellen 9 Zuschauern vor der Bühne (mich und Tonmeister Jacky, der an diesem Wochenende für die kleine Bühne zuständig war, inbegriffen), die mit ihrem rohen Mix aus Death, Thrash und Metal ziemlich gut meinen Nerv trafen und durchaus auch auf der großen Bühne hätten spielen können. Der Sound war für die Art des gezockten Liedguts super und man durfte sogar 2 Zugaben zum Besten geben. Es gab definitiv schon schlechtere Starts in den Tag.

Achja, Warendorf, die Heimat der ersten Band auf der von Stefan Fauth erneut großartig betreuten Hauptbühne. Wie oft durfte ich während meiner Bundeswehrzeit dorthin fahren und nun wurde ich durch Alibi for a murder erneut mit diesem Kaff konfrontiert. Ick wees, hat nüscht mit der Mucke zu tun, doch das musste mal gesagt werden. Die Truppe aus Nordrhein Westfalen gab jedenfalls ordentliches Tempo vor und konnte mit seinem Melodic Death Metal so einigen vor der Bühne und auf den grünen Hügeln die Müdigkeit aus den Knochen prügeln. Ich werde mir die Combo mal notieren.
2 der Tonmeister: Stefan Fauth...
...und unser Jacky
Bevor nun unsere alten Freunde von Strydegor auf der Bühne zum Kaffee und Kuchen aufspielen sollten, setzten wir erstmal eine Idee um, die mir und den Jungs von Traitor gekommen war, als wir bei unserem Bericht zum diesjährigen Full Force auf die Müllproblematik angesprochen hatten und einen dümmlichen Kommentar erhalten hatten, den wir Euch nicht vorenthalten wollen.

(...) Aber man muss ja auch mal bedenken, dass die Besucher des Festivals im pro Person 10€ an Müllpfand bezahlen. Wir waren mit einer Gruppe von 18 Personen dort. Wir haben unseren Platz sehr unordentlich hinterlassen, unser Pavillon zusammengetreten und alles drunter geworfen, was wir nicht mehr mitnehmen wollten. Dennoch haben die Veranstalter 180€ zur Verfügung, um eine Schaufel vom Radlader zu organisieren, einmal unter alles zu greifen und anschließend es einfach in den Container zu schmeißen. Wir haben uns aber zusammengerissen und haben alles auf einen Haufen gepackt und nicht in irgendein Gebüsch geworfen oder sonst was. Es interessiert mich und alle anderen auch nicht, da wir nunmal auf diesem Festival keine Vorbildfunktion zu erfüllen haben der jüngeren Generationen gegenüber, da es nunmal auch eine 16+ Veranstaltung ist.(...)

Wir ärgerten uns so sehr darüber, dass wir mit Gummihandschuhen, Müllbeutel bewaffnet und einigen Fans loszogen, um ein wenig auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Doch wie ich es mir bereits im Vorfeld dachte: Gerade die kleinen und familiären Festivals, insbesondere das RUDE, ist von dieser Problematik vollkommen unbetroffen. Nach einigen anfänglichen Irritationen der Campingplatz Bewohner kamen wir schnell ins Gespräch und jeder stimmte uns zu, dass es so nicht geht und fanden unsere Aktion super. Danke an Traitor für diese tolle Aktion, die wir gerne auf dem Party San dieses Jahr wiederholen können.
Scheiß Thematik...
...dennoch ein Erfolg. Danke Traitor!
Nun aber die Viking Metaller aus McPomm, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr live gesehen habe und überrascht war, wie sich Florian und seine Mannen seit ihrem letzten Album „Enraged“ aus 2014 gemausert haben. Herrlich straight mit einem tollen Sound seitens der Herren Andreas Rudolph und Sven Schulze ausgestattet gaben Strydegor ordentlich Gas, bliesen den Leuten Pfeffer in den Arsch und präsentierten sich als homogene und fit aufeinander eingespielte Kapelle, die ordentlich Applaus einheimsen konnte. Es machte mächtig Spaß, den Mannen zu lauschen und zuzusehen und die Hoffnung stirbt zuletzt, bald mal wieder neues Material auf Polycarbonat zu erhalten. Definitiv eine DER Überraschungen auf dem RUDE.

Die größte Überraschung für mich waren danach allerdings Archaic aus Ungarn, die sowas von Vollgas gaben und mit ihrem beinharten Thrash a’la Legion oft he damned so einigen die Kinnlade herunterklappen ließen. Frontmann Tamas brüllte sich die Seele aus dem Leib, die Gitarrenfraktion Laszlo und Peter rifften sich um Kopf und Kragen und die Rhythmus Sektion Akos und Csaba gaben der ganzen Geschichte den nötigen Bumms. Ich hatte vorher von der band nur vage was gehört und war hellauf begeistert, was ich auf der Bühne sah und in die Gehörgänge geblasen bekam. Beinhart, dennoch immer auf den Punkt mit tollen Soli und noch besseren Moshattacken ballerten die Ungarn hier und heute alles in Grund und Boden und empfahlen sich für höhere Weihen. Was für eine Band und was für ein Gig, der mich im Anschluss dazu veranlasste, mir trotz meiner selbst auferlegten Haushaltssperre ein bedrucktes Leibchen zuzulegen. Meines Erachtens nach Sodom die beste Band des Wochenendes, soviel kann ich vorwegnehmen.

Nein, Atomwinter können nicht schlecht und das bewiesen sie im Anschluss erneut eindrucksvoll. Frontmann Olle, der bereits tags zuvor seine bedinnungslose Fanliebe zu Sodom mit mächtigem Haarschütteln und Eierlikör mit der Band auslebte, lief einmal mehr zu Hochform und rotem Gesicht auf und brüllte alles in Grund und Boden, was sich im 100 Meter Radius befand. Die Band war ebenfalls in Spiellaune und die Setlist war ebenfalls ein schöner repräsentativer Querschnitt aus dem bisher veröffentlichten Werk der Hessen. Wer diese musikalische Urgewalt bislang noch nicht erleben durfte dem sei gesagt: NACHHOLEN!!!
Archaic
Atomwinter
Nachdem sich die Balinger die Hände gewaschen und mich an den Merchstand verpflanzt hatten, gab der Vierer nach seinem mittlerweile legendären Intro Vollgas und die Meute kreiste aus, was ich an den Umsätzen an bedruckten Leibchen und Tonträgern am eigenen Leib miterleben durfte. Da war Bewegung vor und auf der Bühne und sichtlich begeistert von der Resonanz des Publikums präsentierten Traitor einen knüppelharten Set, der auch auf dem bald stattfindenden Party San für einige Circle Pits sorgen dürfte. Bockstark…wie immer eigentlich.
Robbses hatte auch Spaß
Auf der Schwarzer Bock Stage gab zwischenzeitlich das Slayensemble Liedgut der kalifornischen Totschläger zum Besten und zeigte ziemlich eindrucksvoll, wie die Tonkunst dieser großartigen Band noch klingen könnte, wenn ein Lombardo noch dabei und ein Hannemann noch am Leben wäre. Ehrlich, zeitweise konnte man die Augen schließen und dachte, man steht 1987 vor der Bühne und erlebt das Original…und glaubt mit, ich habe es erlebt! Die Jungs gaben in jeder Pause Vollgas und das Publikum reckte mehr als einmal die gespreizten Finger gen sich den immer mehr verdunkelnden Himmel. Erneut ein riesiges Kompliment an den Veranstalter Thomas und seine Crew, immer wieder solche Perlen auf die Bühne zu holen. Was soll da in den nächsten Jahren noch kommen, um diese Vorstellung zu toppen?

Die Malaysier von Humiliation gaben wieder Vollgas und das nunmehr richtig zahlreich anwesende Publikum feierte die Jungs nach allen Regeln der Kunst ab. Kein Wunder, denn die für mich legitimen Nachfolger von Bolt Thrower lieferten einmal mehr ab und traten mit ihrem auf den Punkt genau gespielten Todesblei exakt den Nerv der zahlenden Kundschaft. Erneut ballerte ein amtlicher Sound aus den Boxen, womit dieser Auftritt zu den besten gehörte, die ich je von dieser geilen Truppe gesehen habe. Hammer!

RAM hatten nunmehr das Pech, dass aufgrund des nun stark einsetzenden Regens vor der Bühne ziemlich wenig los war, weil sich jeder vor den Wassermassen irgendwie in Sicherheit bringen wollte. Doch den Schweden schien dieser Umstand völlig Banane zu sein, denn sie legten los wie die Feuerwehr und klangen dabei weniger wie eine reine Metal Band, sondern eher nach hoch energetischen Thrash Metal. Der Sound war einmal mehr überragend und die übrig gebliebenen Fans feierte die Truppe vollends ab, wodurch sich die gute Laune der Skandinavier nach dem Gig erklären ließ. Ganz starker Auftritt, womit die Vorfreude auf das bald erscheinende neue Album noch zusätzlich angefacht wurde.

Auch Debauchery mussten mit dem regenbedingten Zuschauerschwund zurechtkommen, was Thomas und seine beiden Mitstreiter aber nicht davon abhielt, eine tolle Show auf die Bühne zu bringen. Ja, ich bin eigentlich kein großer Fan der band, doch das hier Gesehene machte schon richtig Spaß, was mir die übriggebliebenen Fans vor der Bühne bestätigten. Natürlich war die Resonanz bei Songs wie „Blood for the bloodgod“ am stärksten und trotz der geringen Anzahl an Leuten hatte die Band sichtlich Spaß, ihre einfach gehaltenen Death Metal Granaten in die Eichen zu feuern. Hat Spaß gemacht.

Als Headliner des zweiten Tages waren nun Dying Fetus an der Reihe, die ich mir vor einer Woche beim In Flammen aufgrund der heute anstehenden Show geklemmt hatte, womit also kein Vergleich zum hier und heute Gesehenen möglich war. Der Regen war mittlerweile nicht mehr ganz so stark und die nunmehr auch etwas zahlreicher anwesenden Fans bildeten einige Circle Pits und verliehen somit ihrer Freude an der Band nachhaltig Ausdruck. Allerdings muss man trotz der hier gezeigten Leistung ganz klar konstatieren, dass das Trio aus Annapolis keine Chance gegenüber Sodom als Hauptact des ersten Tages hatte, was vielleicht auch daran lag, das man ab und an das Gefühl hatte, die Band hätte nicht allzu viel Bock auf den Gig, was natürlich auch täuschen kann. Der Funke jedenfalls wollte bei mir heute, trotz einer enorm guten Setlist mit viel altem Scheiß nicht überspringen. Dennoch…schlecht können Dying Fetus nicht, obwohl dies heute nicht die beste Leistung dieser Truppe war.
Ein paar Impressionen
Damit endete für mich ein erneut großartiges Rock unter den Eichen mit deutlich weniger Mücken als in den vergangenen Jahren, deutlich weniger Schnaps, dafür umso mehr Bier. Gewinner waren ganz klar Sodom, Archaic, Humiliation und Infight, doch auch alle anderen Bands gaben Vollgas, womit kein einziger Ausfall zu verzeichnen war. Die kleine Bühne wurde einmal mehr super angenommen, die Fans feierten eine tolle Party, ich traf mal wieder lange nicht gesehene Freunde und hielt gleich vor Ort fest, dass bei Asphyx, Malevolent Creation und Macbeth meine Reise 2020 erneut nach Bertingen führen wird.



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