ES GAB KEINEN GRUND UND DAS WAR GRUND GENUG


Ja, es war ein kleiner Nackenschlag als Dew-Scented kurz vor Beginn des diesjährigen Protzen Open Air die Ankündigung vom Stapel ließen, dass man sich noch in diesem Jahr auflösen würde und somit letztmals die Chance bestand, sich in unseren Breitengraden von dieser famosen Kapelle die Socken auf links drehen zu lassen, was dann am 2.Tag auf vortrefflich durchgezogen wurde. Doch als die Abschiedstränen getrocknet waren kam die Ankündigung, dass man noch eine letzte Rutsche mit den Groovemonstern von Prong durchziehen würde, womit ich also doch noch einmal im SO36 in Genuss herrlicher Thrashgranaten wie „Sworn to obey“ oder „Thrown to the lions“ kam und natürlich die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen konnte, letztmals mit Frontmann Leif Jensen einen kleinen Plausch über die Hintergründe der Auflösung und eventuell neuer Projekte zu führen.

Leif, das letzte Mal Dew-Scented in Berlin, wobei ich allerdings doch etwas überrascht war, Euch noch einmal in der Hauptstadt erleben zu dürfen, galt der Protzen Gig ja quasi als Euer Abschied…

Für uns war es keine Überraschung, wir mussten nur darauf warten, dass Prong die Konzerte offiziell ankündigen. Wir wussten schon vorher, dass diese Rutsche mit Konzerten in Deutschland und Holland noch kommen würde. So haben wir letztmals noch die Möglichkeit, Freunde zu besuchen, als Band zusammen zu sein und noch ein wenig rumzukommen. Prong war da genau das richtige, denn wir sind seit Ewigkeiten Prong Fans, haben sie auch mal mit „Steady decline“ gecovert und wir haben noch nie im SO36 gespielt, obwohl wir ca.30x hier waren. Auch ein guter Grund für diese Tour (lacht).

1992 gegründet, 2018 ist unwiderruflich Schluss. 26 Jahre…warum…

Warum so lange? (Gelächter)

Neee…warum so plötzlich Schluss? Ich hatte so das Gefühl, dass gerade in den letzten 2-3 Jahren wieder richtig Schwung in die Band kam.
Das Gefühl hatte ich allerdings auch, gerade mit diesem tollen Line up und unserem Drummer Marc Dzierzon, der seit knapp 2 Jahren mit an Bord ist und mit dem wir eigentlich dabei waren, auch ein neues Album aufzunehmen. Doch irgendwie bot sich der Schlussstrich gerade einfach an. Um es kurz und knapp zu sagen: Die Entscheidung war rein pragmatisch. Emotional hätte ich wahrscheinlich noch 10-20 Jahre weiter gemacht (grinst etwas gequält), aber ich stehe auf gute Enden bei Dingen, auf runde Sachen.

Bei der Arbeit an der neuen Platte merkten wir, dass es mehr Energie benötigt, als wir bereit waren selbst zu geben. Der Kalender im Alter wird immer voller und es wird immer schwieriger, sich auf eine einzige Sache zu fokussieren und es sah einfach danach aus, als ob ein Ende zu diesem Zeitpunkt der richtige Schritt wäre. Wir wollten als Band noch eine gute Rutsche an Konzerten machen, zusammenspielen, eine tolle Zeit haben, bevor man darauf wartet, sich selbst zu zerfleischen oder die Lust zu verlieren. Dew-Scented waren immer eine Liveband und hätten wir jetzt eine neue Platte gemacht, hätten wir erneut Shows spielen müssen und es wäre 2-3 Jahre weitergegangen. Ich glaube allerdings, es ist einfach genug…im Guten! Wir hatten ein sehr realistisches Gespräch innerhalb der Band und die anderen Jungs haben meine Beweggründe verstanden.

Ich habe die Band mit 15 angefangen, nun bin ich 42, liebe die Musik immer noch, gehe auf Konzerte und ich glaube nicht, das mir langweilig werden wird. Es ist ein ehrbares Ende.

Dennoch war die Überraschung innerhalb der Szene recht groß…

Das habe ich ebenfalls mitbekommen, doch wann wäre der RICHTIGE Zeitpunkt? Wartet man, bis man sich streitet? Bis man vor sich hin dümpelt? Wartest du, bis einer stirbt (lacht)? Wie löst man eine Band im Guten auf? Das geht eigentlich nur, wenn man ein Konzept hat, was wir ja nie hatten. Wir haben die Band gegründet und wussten damals nicht, wohin die Reise gehen würde. Wir waren Schüler, machten Abitur…ach vielleicht macht man ein Demo, eine Platte und schwupps wurden es insgesamt 10 in 27 Jahren. Da kann meines Erachtens nach ruhig eine Wachablösung kommen, denn es stehen genug hungrige und vor allem gute Bands in den Startlöchern. Es natürlich ein Unterscheid, ob du 18 oder 42 bist. Ich habe früher gerne mit der Isomatte auf dem Fußboden eines besetzten Hauses geschlafen, aber das geht in meinem Alter jetzt nicht mehr, hahaha.

Die Band hat es halt auch viel länger gegeben, als wir uns das damals selbst ausgemalt haben und wir waren mit der Entwicklung megaglücklich und genauso möchte ich es in Erinnerung behalten. Es gab keinen Grund und das war Grund genug.

Du bist ja das einzig verbliebene Gründungsmitglied…

Das ist so nicht ganz richtig. Ich war ab der Namensgebung dabei, doch die Jungs hatten bereits 3 Songs fertig geschrieben.


Ok, na dann als „fast“ Gründungsmitglied…seit 2012 hattet Ihr ja ein recht stabiles Line Up, was in der Vergangenheit nicht immer gegeben war…

…und es irgendwann schon fast ein Projektcharakter hatte, ich weiß, was Du meinst. Da waren von außen schon diverse Zweifel, da ich in Deutschland wohne und die anderen Mitglieder aus Nachbarländern kamen. Doch wenn man die richtigen Mitmusiker hat, ist solch ein geographischer Unterschied eine Lappalie, wenn man richtig plant und die korrekte Einstellung zur Musik hat. Ich selber wohne ca.2 Stunden vom Proberaum entfernt und das macht mir überhaupt nichts aus. Früher war die Entfernung noch viel größer, als die Musiker aus Süddeutschland kamen.

Dew-Scented sind bald Geschichte, um die Belange von Morgoth kümmerst Du Dich ja auch nicht mehr. Was machst Du mit der ganzen freien Zeit?

(lacht) Na die Decke wird mir nicht auf den Kopf fallen, da ich ja noch eine ganze Menge an anderen Bands weiter betreue und selber mit Phantom Corporation auch noch ne kleine Band am Start habe, doch da bin ich ehrlich. Das sind Kumpels, die drei Bier trinken und Musik machen, hahaha. Dew-Scented war immer ein ernsteres Niveau und konnte nicht so einfach ohne gemeinsam zu proben auf eine Bühne springen. Es ist aber schön, wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen und locker Musik zu machen. Ich bin seit 20 Jahren in vielen Feldern in der Musikbranche am arbeiten und habe da noch genügend Musik um die Ohren.

Ich arbeite für eine Agentur, die Künstler dabei berät, wie man Verträge liest, diese entsprechend behandelt und dementsprechend nicht übers Ohr gehauen wird. Das ist mein Vollzeit Job.
Mit Phantom Corporation hast Du mir ja quasi schon eine Frage vorweggenommen. Wie wird es denn da weitergehen?

Wir haben ja bereits zwei EPs und eine Split veröffentlicht und wollen eigentlich immer wenn wir uns treffen und Songs schreiben, diese auch gleich und umgehend aufnehmen. Nach unserem nächsten Gig in Bremen werden wir uns zum Writing wieder zusammensetzen und hoffen, tatsächlich ein Album zusammen zu bekommen, aber alles entspannt. Wenn was dabei rumkommt gut…wenn nicht, auch gut.

Wäre ja schön, denn der Protzen Gig war ja ziemlich fett…

Ja, fand ich auch es macht einfach Spaß mit den Jungs. Es ist auch musikalisch einfach mal was komplett anderes als Dew-Scented, aber dennoch extreme Metal-Musik. Ein bisschen Crust angefärbt…na jedenfalls läuft das alles ohne Druck, einem Kalender oder finanzielle Interessen.

Und wenn die erste Plattenfirma dann doch anklopft?

(lacht) Die kam schon, aber da haben wir gleich abgesagt. Wir wollten mit den Veröffentlichungen erstmal abklopfen, ob die ganze Sache überhaupt angenommen werden würde. Aber das ist wirklich alles non-profit, mal ne 500er Auflage, mal 300. Mal schauen, was da noch kommt.
Nun wird es am 06.10.2018 das absolut letzte Dew-Scented Konzert in der Welt-Metal-Hauptstadt Walsrode geben…

Wir haben dort einfach angefangen! Die Band entsprang ursprünglich aus der Lüneburger Heide, habe selbst in Walsrode gewohnt und das allererste Lineup hat in Krellingen direkt an der Autobahnausfahrt geprobt. Mit dem zweiten Line Up sind wir dann in Richtung Nienburg weitergewandert und da wir alle aus der Ecke Dorfmark, Hodenhagen und Walsrode kamen, hat das schon gepasst. Im Walsroder Jugendzentrum, wo das letzte Konzert stattfinden wird, habe ich auch mein Schulpraktikum gemacht und auch ein paar kleine Konzerte mit internationalen Künstlern dort veranstaltet. Arch enemy haben da sogar auch mal gespielt (grinst). Wir haben da auch viele Releasepartys gemacht, immer wieder dort gespielt und die lokale Szene versucht, mit neuen Bands aufzufrischen…insofern schließt sich ein Kreis.

Wir haben zig ex-Bandmitglieder eingeladen, haben als Support Kumpel-Bands wie The very end von Björn Goosens, der auch viele unserer Artworks gemacht hat, und als Lokalmatadore Ravager, eine Band, die zwar schon damals da war, doch aufgrund ihrer noch geringen Größe nicht auf unserem Schirm waren. Sie haben nun auch ein neues Album beim Jörg Uken eingespielt, wo ich letztens ebenfalls vorbeigeschaut und einen Gastgesang eingesungen habe…da hat sich der Kreis ebenfalls schön geschlossen.

Der 06.10.2018 wird eine riesige Party, den die Walsroder Metal Köppe, kurz WMK, mitveranstalten und für die Aftershow verantwortlich sein werden. Ich war jedenfalls nicht sonderlich überrascht, dass das Konzert so schnell ausverkauft war, obwohl wir alle nunmehr in einem Alter sind, wo man nicht sofort aus seiner Höhle gekrochen kommt, hahaha. Wichtig ist natürlich noch zu erwähnen, dass die ganze Veranstaltung ein Benefiz sein wird, womit wir das Jugendzentrum, Lebenshilfe- und Kinder Projekte unterstützen wollen. Das fühlt sich gut an und ist ein schönes Ende.

Versuch mal die vergangenen 27 Jahre Dew-Scented in zwei Sätze zu packen…

Ui…hmmm… (überlegt lange) Es war eine großartige Lebenserfahrung, aus der viele Freundschaften hervorgegangen sind und es war, wenn man über die Zahl „27“ nachdenkt, absolut kurzweilig…und das obwohl alle irgendwie damals sagten: Ach, warte mal 2-3 Jahre, da ändert sich dein Geschmack eh (lacht). Ich habe nicht studiert, habe keine Familie gegründet...all das, was man mir damals prognostiziert hat. Ich war in einer Band und das über einen solch langen Zeitraum, was heutzutage absolut selten ist, kenne ich doch genügend Musiker, die von einer Band zur anderen springen. Es war ein absolut positiver Ritt.

Welches waren Deine Highlights mit der Band? Ich erinnere mich an einen richtig geilen Gig 2010 in Wacken, als Ihr mittags um 12 als Erstes auf die Hauptbühne musstet…
Es war tatsächlich eine schöne Sache vor allem wenn man bedenkt, dass wir bereits vorher, 2003, die Hauptbühne eröffneten. Ja, es war ein Ritterschlag, denn man ist mit dem Festival, welches ich 1993 oder 94 erstmals besuchte, einfach mitgewachsen über all die Jahre. Insgesamt hatten wir die Ehre, dort viermal aufzutreten und die ganze Entwicklung mitzuverfolgen, obwohl ich mittlerweile mehr die kleinen, feinen Sachen bevorzuge. Ich habe es genossen, in der Welt herumzukommen, vor allem die drei Mal in Japan waren ein Ereignis, da ich nie daran gedacht habe, dass unsere Musik uns da mal hintreibt (lacht).

Wir haben mit vielen Bands zusammengespielt, die uns maßgeblich beeinflusst haben und darüber waren wir ebenfalls froh und glücklich zugleich. Mann, wir waren anfangs froh darüber, überhaupt unfallfrei ein Instrument halten zu können (lacht). Death, Morbid Angel, Edge of sanity…das war schon abgefahren und vor allem haben wir gesehen, dass all diese großartigen Bands auch nur mit Wasser kochen. Da haben sich Freundschaften draus entwickelt…und wenn man bedenkt, wie groß die Metalszene ist, ist sie dennoch klein geblieben. Wenn Du jetzt zum Beispiel ebenfalls jemanden triffst, der ein Shirt von…man, ich kann das auf Deinem Shirt gar nicht lesen…

Torturized

…also der auch ein Shirt von Torturized trägt, würdest Du ihn wahrscheionlich ansprechen, da Du einen Bezug zu hast und vielleicht weißt, dass es dieses spezielle Shirt nur auf Konzerten gibt. Ich war mal in Mexiko im Urlaub und treffe da einen Typen, den ich vor 20 Jahren mal wegen der Band kennengelernt habe…sowas meine ich mit der Größe der Szene. Das sind und waren persönliche Highlights…natürlich auch, mit tollen Musikern und großartigen Menschen in der Band gewesen zu sein. Marvin, der bei uns Gitarre spielt, ist da auch ein gutes Beispiel. Kennen tu ich ihn seit ungefähr 1994. Er hat immer wieder ausgeholfen, wenn mal einer von unseren etatmäßigen Gitarristen nicht konnte, beispielsweise 2002 auf der Cannibal Corpse Tour oder mit Nevermore, und stieg dann 2008 kurzfristig mit ein. Als dann 2012 alle Bandmitglieder ausstiegen, wollte ich Dew-Scented nicht einfach so gehen lassen, vor allem nicht nach der ganzen Arbeit, die ich auch persönlich investiert hatte…und da war Marvin der Erste, der das Zepter in die Hand nahm und die letzten Jahre das Line Up eingeschärft hat. Unsere Freundschaft währt seit 23 Jahren. Das sind Highlights, die ich so niemals vergessen werde.

Dew-Scented Interview aus dem Jahr 2013
Review DEW-SCENTED / ANGELUS APATRIDA (2015) - Immersed (Split)
Review DEW-SCENTED (2015) - Intermination
Review DEW-SCENTED (2013) - Icarus

Und diverse Konzertreviews findet Ihr ebenfalls bei uns von einer Band, die in der deutschen Hartwurst-Landschaft eine große Lücke hinterlassen wird. Vielen Dank für tolle Platten, tolle Shows und immer wieder großartige Musik.

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