WER WILL SCHON 50 MINUTEN DEATH METAL HÖREN?


Ja, begeistert war ich nicht sonderlich vom nunmehr vierten vollständigen Album von Deserted Fear namens „Drowned by humanity“ und befürchtete fast die Aufkündigung einer langanhaltenden Freundschaft, die ebenso insgesamt gezählte 17 Gigs überstand. Doch trotz meiner Kritik und Anmerkungen muss ich zugeben, dass die neuen Songs auf dem Konzert in Berlin mächtig zündeten und von mir nochmal genauer unter die Lupe genommen wurden. Nichtsdestotrotz kam es vor dem Auftritt zum Gespräch mit Fabian Hildebrandt, zu dem sich etwas später noch Drummer Simon Mengs hinzugesellte. Ebenfalls wurde ich vorher Zeuge, wie furchtbar cateringtechnisch mit Bands umgegangen wird, denn den Jungs wurde lediglich eine Pizza vom örtlichen Bringdienst angeboten, was ich persönlich als Frechheit und Respektlosigkeit gegenüber den Künstlern erachte.

Im Übrigen finde ich Euren Festivalnamen Z.O.F.F. ziemlich geil…

Danke. Ja, war eher ein Zufall, der auf eine spontane Eingebung von unserem Robsess fußte. Vorab zu unserem Gespräch möchte ich mich in aller Form dafür bedanken, dass Ihr noch mit mir redet (Gelächter). Meine Begeisterung hielt sich ja ein wenig in Grenzen. Es wurde auch bei uns innerhalb der Redaktion kontrovers diskutiert. Viele meinten, es fehle die Rohheit früherer Alben, andere hingegen meinten, Ihr seid reifer und erwachsener geworden…
Es ist natürlich immer schwierig, seine eigene Mucke zu beurteilen. Erwachsener kann ich zustimmen, da ich mittlerweile im Gegensatz zu unserem ersten Album einfach besser weiß, wie ich mit meiner Gitarre umzugehen habe (lacht). Geplant war da jedenfalls nichts. Wenn wir Songs schreiben setzen wir uns hin, schreiben drauf los und wenn es uns gefällt, bleibt das so. Vielleicht ist das die vielzitierte natürliche Weiterentwicklung.

Ich hatte zumindest früher immer so den Eindruck, die Songs entstünden spontan, aus dem Bauch heraus. Diesmal wirkte es für mich eher so, als ob Ihr wirklich lange daran gefeilt hättet. Etwas verkopft vielleicht.

Nö, wir haben eigentlich wie immer gearbeitet. Nach der 2017er Tour haben wir uns hingesetzt und mit dem Songwriting begonnen und da Manu und ich ja Nachbarn sind, war das auch wieder vollkommen entspannt. Das macht die Sache sowieso einfacher, da Manu ja auch mittlerweile Papa ist. Da wird dann einfach mal kurzfristig gefragt: Und? Haste noch Bock? Dann komm doch rüber. Wir haben ein paar Riffs zusammengebastelt, die Drums dazu gemacht, es wieder weggelegt und wenn es und nach 2 Wochen noch gefallen hat, haben wir den Song weiterentwickelt. So sind wir dann im letzten Sommer ins Studio gegangen, weil und die Demos dann tatsächlich noch gefallen haben (lacht).

Wie kam denn das Video zur Albumankündigung zustande? Century Media hat das ja auch noch blöderweise veröffentlicht…

Einer lacht immer und man braucht dann schon mal 20 Anläufe, um so ein Teil im Kasten zu haben (lacht). Wir haben einfach spaßeshalber eines dieser „Outtakes“ mitgeschickt, welches die dann witzigerweise tatsächlich verwendet haben. Uns hat es aber wirklich gefreut, denn solch gestelzten Aktionen sind eh nichts für uns.
Platz 20 in den deutschen Verkaufscharts. Gefeiert?

(lacht) Nö, gar nicht. Wir wollen immer nach Beendigung des Aufnahmeprozesses eine große Party feiern, doch das haben wir seit 4 Alben nicht geschafft, hahaha.

Ich sprach ja schon unsere teilweisen kontroversen Diskussionen innerhalb der Redaktion an. Jeder hat da so seinen Lieblingssong. Bei mir ist es komischerweise „Die in vain“, der lediglich als Bonus Track bei Euch gelistet ist, aber in meinen Augen exakt die Rohheit besitz, die ich an manchen Stellen vermisse. Warum diesen nur als Bonus?

Weil wir mit einem Google Dokument darüber abgestimmt haben…

Mit einem Google Doc?

Ja, denn wir befinden uns in einer Demokratie, ob man es glaubt oder nicht (lacht). Wir fanden tatsächlich alle, dass gerade dieser Song nicht ganz in das Gesamtkonzept passt und deshalb haben wir ihn als Bonus mit drauf genommen. Es ist trotzdem ein geiler Song und musste von daher natürlich auch veröffentlicht werden.

Mit „Tear of my throne” habt Ihr ja auch einen Song neu eingespielt, der lediglich als Demo bzw. auf der Re-Issue von „My empire“ zu finden war. Warum?

Das war einer unserer ersten Songs, den wir auf einer Konzert CD von uns gebrannt haben, quasi unser erstes Lebenszeichen, welches auf lediglich 10-12 Exemplaren auf einfachem CD Rohling ohne Beschriftung herumkreist. Die alten Säcke aus Eisenberg haben sich damals so darüber gefreut, dass es endlich eine Death Metal Band aus ihrer Stadt gibt und haben gerade diesen Song immer extrem abgefeiert, so dass wir ja fast keine andere Wahl hatten, als diesen neu aufzunehmen, denn selber fanden wir den Song eher so lala. Es ist ein Dankeschön und mittlerweile ist es doch ein recht fetter Song geworden, hahaha.

Simon: Er war halt eine ganze Weile komplett von der Bildfläche verschwunden, dann haben wir ihn wieder ausgekramt, überarbeitet…obwohl…nein, haben wir eigentlich nicht, sondern ihn einfach so neu eingespielt. Das Intro ist ein wenig anders, aber ansonsten ist es der absolut gleiche Song.
13 Songs inklusive Bonustracks. Ein ziemlich umfangreiches Paket, was Ihr da geschnürt habt…

Naja...wie Du schon sagtest...Bonustracks, die ja meistens bei den Promos, die Ihr erhaltet, gar nicht gekennzeichnet sind und von daher sieht das ganz schön umfangreich aus. Auf dem letzten Album haben wir da gänzlich drauf verzichtet. Dadurch kann es durchaus vorkommen, dass es etwas langatmig wirkt, denn wer will schon 50 Minuten Death Metal hören (grinst).

Mit dem heutigen Tage habe ich Euch in Eurer Karriere bislang 18 Mal live gesehen, doch immer entweder als Support oder auf Festivals. Mit dem nunmehr vierten Album geht es erstmals auf eine Headliner Tournee…

Und gestern in Hamburg war schon ein großartiger und fetter Startschuss. Die Leute waren total cool drauf und haben gut gefeiert.

Simon: Es ist definitiv auch für uns eine neue Erfahrung, denn als Headliner weißt du, dass der größte Teil der Leute tatsächlich nur wegen dir kommen. Das macht es diesmal so besonders spannend.


Ihr hattet aber auch einen guten Start: Morbid Angel, die Cavaleras, als Support von Mantar…
Und jetzt alleine, da geht dir schon etwas die Muffe (lacht). Wenn du als Support unterwegs bist und keiner kommt, liegt es auf jeden Fall nicht an dir. Die Vorverkäufe laufen und liefen jedenfalls gut und als der Nightliner dann vor unserem Proberaum vorfuhr…alter Schwede (Gelächter). Wir haben Deserted Fear gegründet, um im Proberaum Death Metal zu spielen, an solch eine Entwicklung hat damals niemand von uns gedacht…ok, als wir 14 waren vielleicht… (und er strahlt über das ganze Gesicht).

Bei all diesen großen, bereits von mir angesprochenen Bands, wobei mir auch noch Overkill einfällt…habt Ihr von diesen Bands etwas gelernt und mitgenommen?

Behandle jeden mit Respekt, sag „Bitte“ und „Danke“ und vergiss niemals, wo du herkommst. Gerade Bobby von Overkill fällt mir als bestes Beispiel ein, der fast jeden zweiten Abend bei uns vorbeikam und fragte, ob uns alle gut behandeln, ob irgendwas fehlt und meist brachte er sogar noch Pizza mit, hahaha. Sowas ist schon sehr cool…und dabei waren Overkill noch nicht einmal Headliner auf dieser Tour. Wenn so eine Legende, der quasi den Thrash Metal miterfunden hat, dann in deinen Backstage kommt und mit dir das plaudern anfängt…ja…das ist schon cool. Diese Einstellung sollte man sich bewahren, egal wo die Reise uns hinführt.

Simon: Das waren so viele Shows mit Bands, die bereits 20 Jahre und länger unterwegs sind, da kann man sich schon was abgucken. Soundcheck, Bühnenaufbau und solche Sachen…

Wie man mit der Scheiße am Nachmittag am schnellsten fertig ist, hahaha.


Ihr habt in großen Hallen gespielt, habt ausladende Back- und Sidedrops, nun kleine Hallen und Clubs…
Also das Backdrop passt heute definitiv nicht hin (Gelächter). Aber ich weiß, worauf Du hinauswillst. Alles wird nun ein wenig kleiner, intimer und da Manu ja etwas ausladend auf der Bühne herumsteht, kann es schonmal aufgrund des mangelnden Platzes krachen. Da kommt man sich schon etwas ins Gehege, doch ich finde es geil, wenn die Leute so direkt vor dir stehen, das ist eine vollkommen andere Energie, die da freigesetzt wird.

Simon als Drummer kann das ja egal sein, ob Ihr Euch vor Ihm umrennt…

Ich habe mich auch schon in einem seiner Becken verheddert…

Das liegt wahrscheinlich an Deinen langen Flusen (Gelächter)

Simon: Ach, für mich ist das auch ein Unterschied, ob die Leute nun 10 oder 50 Meter von Dir entfernt sind.

Wann macht Ihr Euren Live Bassisten Seppl eigentlich zu einem vollwertigen Bandmitglied?

Nach den 2017er Release Shows ist er quasi bei uns eingestiegen, wobei er während der Headbangers Ball Tour aufgrund eines neuen Jobs nicht mitkonnte und von Chris von Path of destiny ersetzt wurde. Ansonsten ist er eigentlich immer mit am Start.

Aber eben nicht als festes Bandmitglied…

Er wohnt leider 2 Stunden von uns entfernt. Was willste da machen? Somit spielt er nur die Shows und trinkt uns unser Bier weg (Gelächter). Organisatorisch ist es halt so, dass nur wir drei die Songs schreiben, doch ansonsten ist er schon ein vollwertiges Bandmitglied bei Deserted Fear.
Ihr habt für die Tour sogar spezielle Hardtickets anfertigen lassen…

Aber auch nur in einer begrenzten Stückzahl. Du musst die nummerieren, verschicken und so weiter. Die Zeit haben wir gar nicht. Aber der Fan freut sich genauso wie wir früher, wenn man so ein schickes Teil in der Hand hielt. Ich glaube Mahne hat sein erstes Party San Ticket bis heute in seiner Brieftasche, hahaha.

Wie kam eigentlich Euer Engagement für die Jugendarbeit des Science City Jena Basketball Teams zustande? Und hat der Hallenwart nicht gekotzt, als Ihr für das Foto mit Straßenschuhen in die Halle marschiert seid?

Mahne und ich sind große Basketball Fans und uns ist immer aufgefallen, dass wahnsinnig viele Kids bei den Spielen der Science City Jena sind. Da haben wir uns mal über die Jugendarbeit schlau gemacht und die ist wirklich großartig. Das wollten wir unterstützen.


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