IST BÖSE GUT UND GUT BÖSE?


Als 2014 der Fünfer aus Växjö ins Rampenlicht trat, war nicht nur meine Begeisterung groß, hatten sich die Jungs doch traditionellen Heavy/Speed Metal auf ihre Fahnen geschrieben und somit eine schwedische Tradition nicht nur fortgesetzt, sondern auch verfeinert. „Firestorm“ und sein bereits ein Jahr später veröffentlichter Nachfolger „Desecrator“ waren Granaten der Güteklasse 1A. Doch plötzlich war Schicht im Schacht. Ok, Ambush spielten auf diversen Festivals und Konzerten, doch die Veröffentlichungsmaschinerie schien ins Stocken geraten zu sein. Gründe hierfür konnte man irgendwie nirgends finden.

Nun aber im Jahr 2020 sind die Schweden mit "Infidel" stärker denn je zurück und setzen erneut zum Sprung an die Spitze an, die sie Jahre zuvor bereits in Sichtweite hatten. Doch was war nun der Grund für diese lange Pause? Warum ist „Infidel“ so ein Monster geworden? Fragen, die ich meinem Gegenüber Oskar Jacobsson einfach stellen musste…


Oskar, Ihr habt Euch 2013 gegründet, 2014 mit "Firestorm" bereits das erste und 2015 mit "Desecrator" gleich das zweite Album hinterher. Ein Senkrechtstart in die Karriere und dann...Pause. 5 Jahre kein Album. Was war los?
Um es kurz zu machen. Nach dem Release von „Desecrator“ tourten wir mit dem Album und begannen dort schon, Material für unser drittes Album zu schreiben. Nach unserer Brasilien-Tour im Jahr 2017 ist unser Basser Ludwig allerdings schwer erkrank, so dass sich die Prioritäten der Band änderten. Unser Bestreben war es, dass Ludwig wieder auf die Beine kommt, bevor wir mit irgendwelchen Aufnahmen anfangen würden. Leider hat sich der Zustand von Ludwig bis heute nicht verbessert, so dass wir einen Ersatz suchen mussten, den wir mit Burning Fire von Night, der ansonsten die Gitarre bedient, dann auch fanden und der den Bass für das Album aufnahm. In dieser Zeit haben wir schon ein paar Festivals und Konzerte gespielt, aber leider keine Tournee, was wir jetzt aber nachholen.

Da nimmst Du mir ja gleich eine Frage vorweg. Jetzt geht es ja bald auf große Tour mit Enforcer und Skull Fist. Für jeden Heavy Metal Fan ein absolutes Muss. Freut Ihr Euch auf diese großartige Rundreise?

Hahaha, aber sowas von! Wir freuen uns tierisch darüber, den Leuten endlich unser neues Material live zu zeigen. Diese Tour ist enorm wichtig für uns und die immer noch junge und frische Heavy Metal Szene. Enforcer und Skull Fist sind allesamt tolle und großartige Jungs und sie wissen genau, wie man eine tolle Show auf die Bühne bringt. In meinen Augen eine richtig perfekt zusammengestellte Tour.
07.05.2020 – Weiher @ Live Music Hall
14.05.2020 – Essen @ Turock
16.05.2020 – Hamburg @ Kulturpalast
18.05.2020 – Hannover @ Subkultur
19.05.2020 – Berlin @ Lido
21.05.2020 – Wien (A) @ Viper Room
22.05.2020 – Leipzig @ Hellraiser
23.05.2020 – München @ Backstage
Zurück zur Musik. Nun seid Ihr ja endlich zurück und habt in meinen Augen mit „Infidel“ ein großartiges Album rausgehauen. Wie groß ist die Freude im Hause Ambush?

Cheers Olaf und danke für die Blumen! Wir sind mehr als zufrieden mit dem neuen Album und dem dahinterstehenden Konzept. Natürlich finden sich hier und da immer wieder kleine Details, die einen stören oder an denen man noch etwas hätte feilen können, doch wenn man das Album in Gänze hört, denken wir alle, dass es sich um ein großartiges Album handelt. Ich gebe Dir also recht, hahaha. Und die störenden Details haben wir mit Absicht draufgelassen, damit wir für das vierte Album noch Raum für Verbesserungen haben (lacht).

Wenn ich euer Album höre bin ich begeistert darüber, wie abwechslungsreich Heavy Metal auch heute noch klingen kann. Neben Speed Metal der Marke „Infidel“ gibt es auch herrlichen Tresen Rock wie „Yperite“ oder tollen Hard Rock wie „Hellbiter“. Wie lange habt Ihr letztendlich an dem Album gearbeitet bis es euch zufriedengestellt hat?
Wir wollten von Beginn an ein dynamisches Album aufnehmen, welches eine abwechslungsreiche Kombination aus schnellen und Midtempo Sachen beinhaltet. Das war für uns von vornherein wichtig, damit es den Hörer wach und interessiert hält, ohne dass er weiß, was als nächstes um die Ecke gebogen kommt (lacht). Aufgrund der beschriebenen Umstände hatten wir ja viel Zeit, um an den Songstrukturen und den Arrangements zu arbeiten. Man könnte es einen vier Jahre andauernden Low-Tempo-Prozess nennen. Wir sind alle der Meinung, dass es sich bei Ambush um eine Band handelt, die in keiner Weise eingeschränkt ist und dementsprechend keine Angst davor hat, was die Hörer eventuell denken könnten. Wenn wir der Meinung sind, dass es ein Song wert ist, auf dem Album zu erscheinen, machen wir es einfach und Punkt. Sich diese künstlerische Freiheit zu bewahren ist enorm wichtig für uns. Dennoch sind unsere Fans das sechste Mitglied der Band und wir werden sie niemals enttäuschen, hahaha.

Das ist sehr gut, denn ich bin auch von Anfang an ein Fan und kann meine erste Ambush Show und mein erstes Shirt nicht erwarten, wenn du in Berlin spielst

Ah gut! Ich werde dich in Berlin nach der Show schwitzend und stinkend umarmen, Bruder, hahaha!

Wenn man sich das Albumcover und den Albumtitel anschaut, spielt Ihr mit viel christlicher Thematik. Was für ein Konzept oder Idee steckt dahinter?

Da gibt es viele verschiedene Dinge, die das Konzept beinhaltet. Für mich geht es um Polaritäten und die Frage: Wer ist gut und wer ist böse? Ist böse gut und gut böse? Der Begriff „Infidel“, also ungläubiger, ist nicht nur im christlichen Glaubenssystem enthalten, sondern wird immer mit der Opposition gegen dogmatische oder Mainstream-Überzeugungen in Verbindung gebracht. Ein Ungläubiger ist ein Ausgestoßener, der keine Rechte oder Befugnisse zur Änderung hat.

Das Albumcover und der Titeltrack handeln von der Inquisition, in der Frauen als Hexen beschuldigt wurden. Die mächtige Kirche sah die Möglichkeit, starke unabhängige Individuen loszuwerden und Menschen gegen sie aufzubringen. "Ungläubiger" ist ein Schimpfwort gegen dogmatische Überzeugungen und mächtige gewalttätige Zustände, denen der Respekt vor dem Recht einer Person fehlt, ihr Leben auf eine Weise zu leben, die sich für sie richtig anfühlt.

In gewisser Weise sehe ich diese kleine traditionelle Metalszene als Ausgestoßenen, die im Schatten leben und bereit sind zu kämpfen, und selbst wenn die Szene wächst, werden wir immer noch ein bisschen von Leuten ausgelacht, die keine Ahnung haben, was das alles ist und was es uns bedeutet.
Das ist ja ein bisschen wie bei den Wikingern. Von denen wusste auch kaum jemand etwas, bevor sie dann an Land gingen. Eine schöne Metapher für die Metal Szene.

Haha, ja, das alte nordische Glaubenssystem ist offensichtlich dem Christentum zum Opfer gefallen, aber die Echos der Vergangenheit sind immer noch in uns vorhanden, haha. Wir wollen nur, dass die Leute nett sind, ein Bier trinken und Musik genießen. Heutzutage verschwenden zu viele Menschen ihr Leben mit Bullshit.

Ich finde bei euren Album Cover immer den schwarzen Rand um das Bild herum sehr schick und ausdrucksstark. Warum macht Ihr das?

Die Idee mit dem Rand war, die Leute dazu zu bringen, das Albumcover für unser erstes Album, Firestorm, als ein Gemälde zu sehen. Wir wollten, dass die Leute die Kunst schätzen, während sie sich die Scheibe anhören. Wir haben beschlossen, dieses Konzept für Desecrator und für Infidel beizubehalten. Wir legen großen Wert auf das Artwork und die Arbeit unserers Designers Alexander von Wieding ist für uns sehr wichtig und ein fester Bestandteil von Ambush. Wir werden sehen, wie das vierte Album aussehen wird.

Vielleicht einen rosa Rand?

Werde ich mal so weiterleiten. Vielleicht ein rosa Rand mit einem betrunkenen Flamingo-Buddy, hahaha. Obwohl…

Du hast eine sehr variable Stimme und singst gerne und viel in den hohen Lagen. Nun kenne ich viele schwedische Bands, die gerne auch mal einen heben, rauchen und den Rock’n’Roll leben. Wie schaffst Du es, Deine Stimme fit zu halten? Gibt es da einen Tip von Dir?

Der einzige Tipp ist leider, sich von allen lustigen Dingen fernzuhalten und sich auf seinen Job zu konzentrieren. Ich bemühe mich heutzutage, mich im Hintergrund zu halten, weil es wichtiger ist, Nacht für Nacht eine Show zu liefern, als dir den Arsch volllaufen zu lassen.

Ich habe auf Tour viel getrunken und trotzdem ein paar Mal ziemlich gut gesungen, aber ich weiß, was ich kann, wenn ich es etwas ruhiger angehen lasse. Die Fans haben das verdient! Verdammt langweilige Antwort, ich weiß (lacht)! Für melodisches Hochsingen gibt es jedoch keinen Platz für Fuckups. Es ist immer eine sehr feine Linie zwischen Himmel und Hölle, hahaha.
Ihr seid ja bei High Roller Records unter Vertrag. Ein Plattenlabel, was sich momentan sehr um den traditionellen Speed/Heavy Metal verdient macht. Wie froh seid Ihr, bei diesem tollen Label zu sein?

Wir sind sehr zufrieden mit unserer Partnerschaft. Sie gingen das Risiko ein, uns einen Vertrag zu geben, als wir unser Demo veröffentlichten und das war der Beginn unserer Karriere. Steffen bei High Roller ist ein ausgewachsener Profi, hat unser volles Vertrauen und unseren Respekt! High Roller nehemen viele talentierte, junge Bands unter Vertrag und daran erkennt man die Hingabe an die Szene.

Oskar, ich danke Dir für das lustige und informative Gespräch, habe es sehr genossen. Ich wünsche Dir und Deinen Kollegen den Erfolg, den Ihr verdient. Die letzten Worte sollen Dir gehören.

Cheers Mate und Danke für das wirklich schmeichelhafte Review zu „infidel“. Ich wünsche Euren Lesern alles Gute und hoffe darauf, einige von ihnen auf unserer Tour im Mai begrüßen zu dürfen. Außerdem hoffe ich, dass Ihr unserem Baby „Infidel“ ein paar Runden auf dem Plattenteller gönnt und eine großartige Zeit damit habt.


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