EINE SCHNEISE DER VERWÜSTUNG


1990 gegründet, doch es vergingen vier Demos und schlanke sieben Jahre, bis Disbelief sich erstmals mit dem selbstbetitelten Debüt ins Licht der Öffentlichkeit wagten. Es folgten unfassbare Alben der Marke „Infected“, „66Sick“, „Navigator“ oder „Spreading the rage“, mit denen sich die Hessen ihren Namen in den großen, todesbleiernden Stein meißelten. Doch irgendwie lag immer ein kleiner Schatten auf Gründungsmitglied Karsten Jäger, den man in der Szene nur als Jagger kennt, denn ständige Besetzungswechsel trugen dazu bei, dass man die Band eigentlich immer wieder neu starten musste. Vielleicht seilte er sich auch deshalb 2014 in Richtung Morgoth ab, mit denen er 2015 „Ungod“ veröffentlichte. Was es damit und uns zu tun hatte, steht auf einem anderen Blatt.

Nun, anno 2020 stehen Disbelief erneut da, wo sie die Kritiker und vor allem die Fans seit Jahren sehen: An der Spitze der traditionellen Todesbleier in Deutschland, denn mit „The ground collapses“ hat man eines der besten Alben der Bandgeschichte eingetütet, die nun endlich offiziell am 27.03.2020 veröffentlicht wird. Nicht nur unser Christian feierte die Scheibe mit großartigen 9,8 Punkten ab, natürlich ist unser Marko ebenfalls hin und weg, ebenfalls wie viele Teile der ZO Belegschaft. Grund genug, mit Gitarrist Dave Renner eine Disbelief’sche Bestandsaufnahme zu veranstalten.
Dave, mit Deinem Eintritt bei Disbelief im Jahre 2013 gehörst Du, trotz fast 30jährigem Bandbestehen, zu den alten Hasen der Truppe. Hat diese ständige Besetzungsfluktuation nicht irgendwann auch mal an Jaggers Nerven genagt?

Ja, vom langjährigen "Kern" der Band sind nur noch Jagger und Joe übrig. Jagger hatte Disbelief damals gegründet, Joe stieß - Anbetracht des dreißigjährigen Bestehens der Band - kurz danach dazu. Und wir anderen drei sind eben irgendwann mal nachgerutscht. Das ist natürlich immer mit Arbeit auf beiden Seiten verbunden. Man muss sich richtig kennenlernen, musikalisch aufeinander einlassen und zueinander finden, damit man den Spirit der Band live vermitteln kann. Auch wenn es Songs sind, die man selbst gar nicht geschrieben hat. Und ja, dieser schon fast regelmäßige Besetzungswechsel hat an Jaggers Nerven genagt. Schließlich gibt es nichts Besseres in einer Band als Kontinuität bzw. Stabilität, um sich voll und ganz auf seine Ziele fokussieren zu können.

Im Vorfeld zu „The ground collapses“ wurde immer der 20.Februar als Veröffentlichungsdatum kolportiert, letztendlich wurde der 27.März daraus, was bedeutet, wir reden über eine Scheibe, die außer der Presse noch kaum jemand gehört hat. Was waren die Gründe für diese Verschiebung?

Der 28. Februar war ursprünglich als Veröffentlichungsdatum angedacht und hätte, wenn keine Komplikationen dazwischengekommen wären, auch eingehalten werden können. Das Album war fertig gemixt und gemastert, es fehlte lediglich nur noch das Artwork. Dafür hatten wir wieder Eliran Kantor mit ins Boot geholt, der ja auch schon das Artwork für "The Symbol Of Death" erstellt hat und von dessen Arbeit wir bis dahin sehr begeistert waren. Leider war es dieses Mal gänzlich anders.
Die Kommunikation war langwierig, Fristen wurden nicht eingehalten und das Ergebnis war für uns mehr als enttäuschend, spiegelte es die Thematik des Albums doch in keiner Art und Weise wider. Also hat sich Jagger auf die Suche nach neuen Künstlern begeben, damit das Album auch ein passendes Cover bekommt. Alles natürlich mit Zeitdruck im Nacken. Letzten Endes hat er dann mit Christian Hergt den passenden Künstler gefunden. Nichtsdestotrotz konnte Listenable Records den Releasetermin nicht halten, weil natürlich nach der Abgabe noch mehr passieren muss...Promo, Produktion, usw. Dafür muss einfach etwas Zeit eingeplant werden und so wurde die Veröffentlichung auf den 27. März verlegt.

Dennoch gab es bereits jetzt schon euphorische Kritiken, die runtergehen müssten wie Öl… Da hat sich die harte Arbeit dann doch wohl ausgezahlt, oder?

Auf jeden Fall. Wir freuen uns über jedes einzelne Review und noch mehr über die durchweg positiven Stimmen zur neuen Scheibe. Und wir sind natürlich auch gespannt, wie das Album nach der Veröffentlichung ankommt. Nach dem Lyric-Video zu "The Waiting" haben wir heute das Musikvideo zum Titeltrack "The Ground collapses“" veröffentlicht, das eine andere Facette des Albums zeigt - und natürlich als weiteren Vorgeschmack auf das, was kommt.
Diese beiden Songs wollte ich gerade direkt ansprechen. In meinem Bekanntenkreis waren alle komplett aus dem Häuschen und fiebern der Veröffentlichung entgegen. Waren alle Meinungen so?

Unter dem Strich (und wenn man die Meinungen, die zu "The Ground Collapses" bis jetzt eingegangen sind), war das Feedback durchaus sehr positiv und machte Lust auf mehr. Die beiden Songs sind natürlich etwas unterschiedlich und sprechen verschiedene Hörergruppen an. Aber letzten Endes können wir durch die Vielschichtigkeit des Albums auch verschiedene Hörergruppen einfangen.

Wenn man Eure Promobilder sieht, dass bereits angesprochene Albumcover…ich finde diese Bilder sind allesamt mit einer tollen Ästhetik behaftet, sind düster und dennoch sehr kunstvoll. Da habt Ihr Euch diesmal aber richtig aus dem Fenster gelehnt…

Ja, die Bilder sind an den Drehtagen des Videos zu "The Ground Collapses" entstanden, also auch noch bevor wir die Entscheidung treffen mussten, einen anderen Künstler für das Artwork zu beauftragen. Somit konnten wir auf Bildmaterial vom Shooting zurückgreifen, Jaggers Vision zum Coverartwork wurde umgesetzt und wir haben einen schönen Bezug zum Bildmaterial - und auch zum Musikvideo des Titeltracks. Für die Bilder konnten wir wieder Axel Jusseit gewinnen, der auch schon die Promobilder für unser letztes Album gemacht hat. Er hat wirklich ein Auge dafür, nicht nur die Band, sondern auch eine gewisse Atmosphäre einzufangen und kleine Kunstwerke daraus zu machen.

Kommen wir zur Musik, bzw. zu den Texten. Erzähle mir doch bitte mal ein wenig zum Konzept zu „The ground collapses“. Ich deute den Titel so, dass uns allen so allmählich der Boden unter den Füßen wegbricht…
Da liegst Du richtig. Das Album thematisiert den menschgemachten Verfall der Gesellschaft und des Planeten, auf dem wir leben. Verschiedenste Themen, die heutzutage leider omnipräsent sind, hat Jagger beim Songwriting verarbeitet, auch um der Menschheit durchaus mal den Spiegel vorzuhalten. Ausbeutung und Zerstörung der Natur, Ausrottung von Tierarten, Krieg und Terror als Machtdemonstration oder wegen anderer religiösen Ansichten sollten leider nicht die Errungenschaften sein, mit denen sich die Menschheit auszeichnen sollte. Homo homini lupus...Jeder kämpft für seine eigenen Interessen, ganz egal welcher Natur diese sind, aber vergisst, das große Ganze zu betrachten und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.
Musikalisch gibt es natürlich einmal mehr die absolute Disbelief Groove Hämmer, doch auch für die Speedfreaks ist reichlich dabei. Die absolute Schnittmenge gibt es aber bei „Soul destructor“, der absolut alles beinhaltet, was Euren Sound ausmacht.

Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Euch griffige Melodien und mitbrüllbare Textzeilen einfach so zufliegen. Manchmal habe ich das Gefühl, Ihr schreibt Musik, wie Ihr sie selber gerne als Zuschauer hören und sehen wollt. Täuscht dieser?


"Soul Destructor" ist seit langem der erste Song, der nicht aus der Feder von Joe kommt, sondern den Marius zum neuen Album beigesteuert hat. Somit schön zu hören, dass gerade in diesem Song Disbelief in voller Gänze zu finden ist. Es mag aber auch daran liegen, dass wir alle Songs intensiv im Proberaum bearbeiten, Arrangements ändern, neue Passagen ergänzen oder alte weglassen, damit sie rund klingen und sich beim Spielen auch gut anfühlen. Jagger hat in dieser kreativen Phase schon durchaus einen Ablauf für die Vocals im Kopf, auf die die Songs dann weiter zugeschnitten werden. Und letztlich werden die Songs dann im Rahmen der Produktion finalisiert, eventuell auch das Arrangement hier und da angepasst, bis uns jeder Song gefällt - subjektiv sowie objektiv betrachtet.

Produziert hat das Album Corny Rambadt, der sich schon mit Sodom und aktuell mit der großartigen Bonded Scheibe seine Lorbeeren verdient hat. Ich finde, er hat Euch einen Sound auf den Laib geschneidert, wie er besser nicht hätte sein können.
Corny hatten wir ja schon für "The Symbol Of Death" mit an Bord geholt und für uns war klar, dass auch "The Ground Collapses" wieder seinen Rambado Recordings entspringen soll. Die Erfahrungen, die wir aus der vorigen Produktion sammeln konnten, haben wir mit einfließen lassen, um unseren Soundvorstellungen noch näher zu kommen. Drums und Vocals wurden bei Corny im Studio aufgenommen, den Bass hat Joe bei sich aufgenommen und die beiden Gitarren haben wir bei mir aufgenommen, danach habe ich die Spuren bei mir gemixt und reamped.
Wir haben uns im Vorfeld auch schon viele Gedanken über den Gitarrensound gemacht, damit der noch mehr in Richtung Death Metal geht. Neu war dieses Mal, dass die Songs schon während der Vorproduktion in Cornys Studio gewachsen sind, also dass Vocals und Drums bereits in Studioqualität aufgenommen wurden. Somit kommt es kaum zu einem Bruch im Sound, wenn man Vorproduktion und Produktion vergleicht. Somit kann quasi fließend in die eigentliche Produktion übergegangen werden.

Zum Abschluss eine kleine Wette gefällig? Ich sage, „The ground collapses“ wird in die Top 20 der deutschen Verkaufscharts einschlagen. Wenn Du dagegensetzt und verlierst, schreibst Du uns ein Gastreview über irgendeine Poser Rock Kapelle. Deal?

Na, das ist ja schon fast Nötigung zum Gastreview (lacht). Wenn ich dagegensetzen würde, stünde ich nicht hinter unserem Album, für das man natürlich nur das allerbeste hofft.  Also schließe ich mich Deiner Meinung an...und wenn "The Ground Collapses" doch nicht so einschlägt, wie erhofft, kriegt ihr ein Gastreview von mir.


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