DER GESICHTSLOSE ZOMBIE NAMENS HORST


Als mich der Bernie von GODSLAVE anschrieb, ob ich vielleicht Bock hätte, ihre neue Doppel-CD "Into the black/out of the ashes" zu reviewen, musste ich gar nicht lange überlegen, denn nach der schon interessanten Zehnjahresplatte letztes Jahr wollte ich schon mehr von der Band hören. Und obwohl es sich hier um ein Re-Release zweier älterer Scheiben handelt, fand ich, man könnte die Combo doch auch mit einem Interview featuren, vor allem, weil sie sich in dieser für Bands doch recht harten Zeit dennoch auch sozial engagieren. Also, here we go!
Hallöchen. Ich hoffe, im GODSLAVE-Lager sind alle gesund und munter. Ihr habt kürzlich zwei Eurer Altlasten in Form einer Doppel-CD wieder aufgelegt. Erzählt mal was über die Beweggründe!

Hey! Ja, bei uns sind alle wohlauf. Wir sind zwar auch beruflich davon betroffen und die meisten von uns sitzen gerade im Homeoffice, aber wir sind alle gesund und scharren mächtig mit den Hufen (lacht).

Sowohl „Out Of The Ashes“ als auch „Into The Black“ sind beide schon sehr lange vergriffen und auch bei uns nicht mehr zu bekommen. Allerdings werden wir gerade von neuen Fans immer wieder danach gefragt, ob man die Alben nicht doch noch irgendwo bekommen kann und wir fanden es immer schade, sie enttäuschen zu müssen. Jetzt hatten wir das Thema doch schon eine ganze Weile vor uns hergeschoben und dachten, dass wir es jetzt endlich mal durchziehen müssen.


Könnt Ihr uns mal erklären, wie Ihr auf den Bandnamen GODSLAVE gekommen seid, und wie man den jetzt interpretieren soll oder kann?

Ach, das ist gar nicht so tiefgründig, wie man meint, hehe! GODSLAVE ist ursprünglich aus einer anderen Band namens Slavery hervorgegangen, in der Thommy und Bernie zuvor gespielt hatten. Dieser Slave-Begriff klingt halt ganz gut, daher sollte das irgendwie beibehalten werden. Und so kam dann die Idee, dass man selbst ja immer irgendwie Sklave eines Gottes ist. Wobei dieser „Gott“ sinnbildlich für alles Mögliche stehen kann, dem man sich unterordnet: Geld, Job, andere Menschen...was auch immer. Und so war der Bandname geboren.
Ich finde die Aufmachung des Digipacks interessant. Dadurch, dass die Artworks der beiden Platten designmäßig gut zusammenpassen, bot sich das wohl an. Ist dieser gesichtslose Zombie mittlerweile sowas wie ein Bandmaskottchen geworden?

Der Typ taucht ja auch noch auf anderen Veröffentlichungen auf. Ist Jim Svanberg sozusagen Euer Hauszeichner, und sollen die Artworks insgesamt auch eine Art Geschichte erzählen?


Der gesichtslose Zombie heißt Horst und er ist da sehr eigen, was seinen Namen angeht, hahaha! Ja, das ist sozusagen das Bandmaskottchen, allerdings eher, was die Artworks angeht. Live taucht er nie auf. Jim Svanberg war auch tatsächlich bis einschließlich „Welcome To The Green Zone“ der Künstler hinter unseren Coverartworks. Bei „Reborn Again“ hatte er leider keine Zeit und fand auch, dass ruhig ein anderer Künstler sich daran versuchen sollte, die Artworks weiterzuführen. Daher ist das Artwork auf „Reborn Again“ von einem Künstler, der sich „Seeming Watcher“ nennt, und der das Motiv und die Aussage des Albums hervorragend umgesetzt hat.

Wie Du ganz richtig erkannt hast, macht Horst über die Jahre hinweg eine Entwicklung durch, die auch immer ein wenig repräsentativ für die Band ist. „Into The Black“ und „In Hell“ waren recht kritische Jahre für die Band und das durchlebt Horst genauso wie auch später eine Stärkung bei „Welcome To The Green Zone“ und sogar eine Wiedergeburt auf „Reborn Again“. So wie wir als Band uns entwickeln und vorankommen, wird auch Horst selbst stärker und die Wunde in seiner Brust immer kleiner.
Wie kamt Ihr eigentlich auf die coole Idee mit dem used-look? Das sieht so dermaßen echt aus, dass ich wirklich erst dachte, die Scheibe hätte schon einige Jahre harter Benutzung hinter sich.

Haha, das freut mich, dass das so gut rüberkommt. Das war in der Tat die Idee dahinter, da die beiden Scheiben ja auch schon etliche Jahre auf dem Buckel haben und die Originale in dem ein oder anderen Plattenschrank bestimmt auch so aussehen. Auch wenn es Re-Releases sind, versuchen wir dennoch uns aus künstlerischer Sicht immer irgendwas dabei zu denken.

Gesanglich hat sich ja einiges getan bei Euch. Von der „Out Of The Ashes“ über „Into The Black“ bis hin zu den neu eingespielten Klassikern zeigt sich doch eine Tendenz zu mehr Variabilität und sogar Melodie. War das eine künstlerische Entscheidung, oder geht das eher in die Richtung:“wenn ich weiter so schreie, habe ich in fünf Jahren keine Stimmbänder mehr“?

Tatsächlich beides. Thommy hatte zu „Into The Black“ und „In Hell“ massive stimmliche Probleme und bei „In Hell“ stand die Existenz der Band sogar generell auf der Kippe deswegen. Das war auch die kritische Phase, die ich eben erwähnt hatte. Mit viel Schonung und vor allem Gesangsunterricht hat er das dann zum Glück nach und nach in den Griff bekommen und eben den melodischeren Gesangsstil entwickelt, den Ihr heute kennt.

Musikalisch hat sich das natürlich auch weiterentwickelt, erst recht durch die Besetzungswechsel in den letzten Jahren. Mit Manni und mir sind neben Bernie zwei neue Leute ins Songwriting involviert und das hört man dann auf „Reborn Again“ deutlich heraus. Das war aber weniger ein bewusster Entschluss als eher eine natürliche Entwicklung.
Ihr setzt auch gern mal Gastmusiker ein. Wie kommt es da meistens dazu? Fragt Ihr einfach Leute, ob sie Bock hätten oder sind das mehr so Sachen, die man nach nem Gig mit genug Bier abmacht?

Also ohne Bestechung geht da ja gar nix, haha! Natürlich quatscht man auch mal Backstage mit befreundeten Musikern und am Ende geht man mit einem „Lass uns unbedingt mal was gemeinsam machen“ auseinander. Das ist immer super und es macht uns auch großen Spaß, befreundete Musiker in unseren Songs unterzubringen. Auf die Spitze getrieben hatten wir das ja bei „Children Of The Pit“, bei dem fast der komplette Gesang von Freunden übernommen wurde. Dementsprechend wurde das Video zu dem Song auch recht lustig. Die Leute müssen dann natürlich auch immer Zeit haben, ihren Teil beizusteuern, wenn dann gerade die Aufnahmen zum Album laufen.

Wie sieht es derzeit für Euch eigentlich mit Proben aus? Ich habe gehört, dass es im Saarland noch stärkere Kontaktbeschränkungen gab.

Ja, das war bei uns zeitweise auch recht streng geregelt, weil wir hier im Grenzgebiet unmittelbar an die Region Elsass und Lothringen angrenzen, wo Corona sehr stark um sich gegriffen hatte. Inzwischen hat sich das zwar etwas gelockert, so dass man auch mal wieder Leute aus einem anderen Haushalt treffen darf – natürlich mit Maske und Abstand natürlich. Aber Proben sind derzeit noch nicht erlaubt. Wir nutzen die Zeit aber dennoch sinnvoll und machen dann zu unseren regulären Probeterminen Skype-Konferenzen, in denen wir alles Mögliche schon mal planen und vorbereiten können. Aber wir sind schon sehr ungeduldig und können es kaum erwarten, wieder proben zu können, zumal wir ja auch ein neues Album vorbereiten. Da müssen die Songs dringend geprobt werden. Gottesdienste sind unter gewissen Auflagen inzwischen auch wieder erlaubt. Wir hatten schon überlegt, unsere Probe einfach zum Gottesdienst zu erklären, da Metal ja bekanntlich Religion ist, hahaha! Aber ich fürchte, dem wird das Ordnungsamt leider nicht zustimmen.

Genau meine Rede! Metal ist meine Religion! Und das auch unsere Religion sozial wirksam ist, zeigt Folgendes: Ihr seid ja auch sozial recht engagiert, zum Bleistift mit Eurer Verlosung zugunsten der Deutschen Depressionshilfe. Ich finde das cool, dass Bands, die ja gerade selbst genug zu knabbern haben, auch an andere denken. Erzählt mal was drüber!
Vielen Dank für das Lob! Wir hatten in den vergangenen Jahren ja immer mal wieder unsere Aktion „Nicht Labern, machen!“ zum Jahresende durchgezogen, bei der dann die Erlöse unterschiedlichen Zwecken gespendet wurden. Das ist zuletzt in der ganzen Arbeit leider etwas unter gegangen.

Jetzt in der Krise wurden ja viele Diskussionen darüber geführt, wer von der Krise irgendwie betroffen ist, meist aber immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Von daher ist es auch toll zu sehen, wie viele Aktionen es da gibt, um beispielsweise Clubs und Gaststätten zu unterstützen, die kurz vor dem Bankrott stehen. Aber der psychische Druck, der auf vielen lastet, ist uns dabei etwas zu kurz gekommen. Viele Leute haben natürlich berechtigte Existenzängste oder kommen mit dem Social Distancing nicht gut zurecht und fühlen sich alleine. Das ist natürlich ein Nährboden für seelische Erkrankungen und genau da wollten wir gerne ansetzen.

Auf den letzten Alben hatten unsere Texte ja auch zunehmend eine positive Message und daher fanden wir dann eine Aktion zur Unterstützung der Deutschen Depressionshilfe auch passend. Wir haben uns dann auch wirklich gefreut, wie groß die Zustimmung bei den Bands war, die sich an der Aktion und dem Sampler dazu beteiligt haben. Und auch das Feedback unter den Leuten, die bereits mitgemacht haben, war großartig.


Schon auf der „10/10“ ist mir aufgefallen, dass Ihr ziemlich auf Wortspiele bzw. Wortwitz abfahrt. Songtitel wie „Slippery When Dead“ oder „Scholar Eclipse“ ließen mich dann schon etwas grinsen. Ihr scheint ja recht humorvolle Gesellen zu sein, oder?

Ohne Humor ist es ja auch echt scheiße, guck dich doch mal um, haha! Ja, also eine positive Grundeinstellung und immer etwas Witz dazu ist schon unser Credo, das wir nicht nur „predigen“ sondern auch versuchen, zu leben. Wir verarbeiten ja grundsätzlich ernste Themen in unseren Songtexten, aber live, unterwegs oder irgendwie im Kontakt mit Fans geht es uns allen doch am Ende des Tages nur darum, auch mal abschalten zu können und sich gut zu fühlen. Danach hat man auch immer mehr Kraft, um sich um die Dinge zu kümmern, die jetzt weniger Spaß machen.

Wir haben natürlich nicht das Ziel, die JBO des Thrash Metal oder eine Spaßband zu sein, aber wenn sich jemand durch ein Wortspiel, eine Show von uns oder einen Songtext irgendwie besser fühlt als vorher, dann hat es sich gelohnt.

Die DCD ist auf 500 Stück limitiert und nur über Euren Shop erhältlich. Es gibt, glaube ich, auch keine digitale Version auf Bandcamp oder so. Ihr seid auch nicht unbedingt Fans von Digital Album- Sachen, oder?

Das muss man etwas trennen, glaube ich. Grundsätzlich sind wir sogar sehr digital unterwegs und stellen unsere Musik auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu Verfügung, weil sich der Konsum von Musik einfach dorthin entwickelt. Es ist ja auch einfach praktisch. Was hab ich mich früher geärgert, wenn ich nicht die CD im Auto hatte, auf die ich jetzt gerade Bock hatte und irgendwann hatte man mehr CDs im Auto herumfliegen, als im Wohnzimmer, hehe! Von daher folgen wir dieser Entwicklung und sehen auch die Chancen, dadurch Leute zu erreichen, die wir normalerweise nicht erreichen würden, weil ein Song von uns in irgendwelchen Playlists landet, die von anderen Leuten entdeckt werden.
Metal-Fans haben aber immer noch einen ausgeprägten Sammlertrieb und wollen auch was in der Hand haben. Das ist genau die Kehrseite davon: Booklets blättern, Artworks bewundern – ein gutes Album geht gerne über das musikalische hinaus und ist insgesamt ein Kunstwerk. Das würde wiederum fehlen, wenn es das nicht mehr gäbe. Von daher gibt es unsere Releases natürlich immer auch zum Anfassen und in den Schrank stellen, selbst wenn man die Alben digital auf dem Handy mit sich herumschleppt.

Dass das Re-Release jetzt in kleiner Auflage nur über unseren Shop zu beziehen ist, liegt eigentlich nur daran, dass es sich an eine sehr kleine Zielgruppe richtet, nämlich die Leute, die die Originale nicht mehr bekommen haben und gerne ihre Sammlung komplettieren wollen. Da hat es sich nicht gelohnt, das groß in den Vertrieb zu geben. Digital sind die ganzen Songs aber alle zu haben.


Nun haben wir ja gerade eine ziemliche Scheiß-Situation. Angesichts der Spielfreude, die Ihr auf den Alben an den Tag legt, kotzt Ihr doch sicher gerade Steine in Kometengröße, dass Ihr nicht live zocken dürft, oder?

Ja, absolut. Wir verstehen uns als Live-Band und haben immer einen riesigen Spaß, wenn wir auftreten dürfen. Ich denke, das sieht man uns auch an. Aufgrund der Beschränkungen, sind bis jetzt fast alle Gigs dieses Jahr für uns schon ausgefallen und der Rest folgt vermutlich noch. Das ist natürlich schon bitter für uns, aber lässt sich nicht ändern. Die Sicherheit der Leute geht da natürlich vor. Auch finanziell macht sich das natürlich bemerkbar, weil damit Gagen und Mercheinnahmen verbunden waren, die wir für die Produktion des Albums brauchten. Aber Jammern hilft ja nix, oder? Dann geben wir nächstes Jahr eben umso mehr Gas, wenn wir endlich wieder von der Leine gelassen werden.

Ihr habt ja für nächstes Jahr einen neuen Longplayer angekündigt. Wie sieht es derzeit damit aus? Schon etliche neue Songs geschrieben?


Ja, da sind wir eigentlich super im Plan. Die Songs sind größtenteils musikalisch fertig und bekommen jetzt noch Texte und Vocal-Lines. Wir werden wohl mit einem guten Dutzend Songs ins Studio gehen und die alle aufnehmen. Davon werden es nicht alle aufs Album schaffen, aber so sind wir in einer echt guten Situation, was das Songmaterial angeht. Und das behauptet wohl jeder von seinen neuen Songs, aber es wird geil! Manche Songs sind nochmal etwas melodischer ausgefallen, aber es sind auch ein paar härtere Granaten dabei, von daher für jeden was dabei. Da Manni wieder einen Großteil der Songs geschrieben hat, werden wir uns ziemlich die Finger brechen, aber wir freuen uns auf jeden Fall schon tierisch, die Songs zu proben und dann auch sobald es geht mal live zu spielen.

Okay, das soll es vorerst mal sein, Falls Ihr noch was loswerden möchtet, ist jetzt hier der richtige Zeitpunkt dafür. Und schon mal Danke für Eure Zeit!

Vielen Dank für das Interview! Hat mich sehr gefreut! Wer das Re-Release noch nicht hat, uns unterstützen möchte oder generell neugierig ist, kann immer mal einen Blick in unseren Shop werfen unter godslave.de/shop. Ansonsten bleibt alle gesund und haltet noch eine Weile durch, bis sich das alles wieder normalisiert! Wir freuen uns auf jeden Fall schon tierisch, Euch wieder auf Konzerten treffen zu dürfen!


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