Tja, da hat uns Covid-19 ja im März einen ganz schön fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Klar, die Bands und Labels waren weiterhin in Veröffentlichungslaune, doch live konnte man sich leider nicht davon überzeugen, ob die jeweiligen Musik-Gruppierungen dieses auch auf der Bühne umsetzen würden. Ein Gutes hatte es ja, denn man konnte nach Herzenslust und -laune einen Haufen neuer Musik entdecken, die ansonsten vielleicht an einem vorbeigerauscht wäre.

Bestes Beispiel hierfür sind die Italiener von Tethra, die es unserem Chef ganz besonders angetan haben, oder die von Maik in den Himmel gelobten Solitary Sabred. Beides Bands, von denen wir noch nie etwas gehört hatten und uns jetzt schon darauf freuen zu sehen, wohin die Reise gehen wird. Mit Ambush gesellte sich dann auch noch eine dritte Band dazu, die mit der Höchstnote bedacht wurde, was es uns natürlich erneut schwer machte, die CD des Monats zu küren. Doch wir verließen uns mal auf die fachmännische Meinung unserer Arbeitsbiene aus Kornwestheim und empfanden ebenso wie er.

Aber auch im Thrash gab es diesen Monat unfassbare Bretter von Reactory oder den ebenfalls recht unbekannten Grindpad auf die Fresse, ebenso schafften es Disbelief einmal mehr ihren eigenen Anspruch zu toppen und ein brachiales Meisterwerk in die Röhre zu wuchten. Dazu noch ein erneut granatenstarkes Album von Macbeth, die Rückkehr der allmächtigen My dying bride, das überraschend starke neue Scheibchen von Almanac oder die Schweizer Mädelsbrigabe der Burning witches, die mit neuer Sängerin einmal mehr gewaltig zuschlugen.

Natürlich nicht zu vergessen die unbekannten Rocker aus dem Nichts, besser bekannt als Heaven shall burn, die ihr erstes Nummer 1 Album abgeliefert haben, das holländische Todesblei Kommando von Graceless, Viscera, Lord of light und Depravation, die den bunten Reigen der CDs des Monats März 2020 abschlossen. Ein erneut verdammt starker Monat. Wie soll das im Laufe des Jahres noch weitergehen? Wir sind mehr als gespannt!

TOP 15 - MÄRZ 2020


SOLITARY SABRED – By Fire And Brimstone (2020) - 10 Punkte

Dieses Album ist einfach ein episches Meisterwerk par excellence, und jeder Epic-Metal -Fan sollte sich sofortigst daran machen, dieses Heiligtum anzutesten. Denn näher an musikalische Genialität kann man kaum noch kommen. Vor allem nutzt sich das auch nicht ab, denn je öfter ich das höre, umso begeisterter bin ich.

AMBUSH – Infidel (2020) - 10 Punkte

Ich habe nach Schwachstellen gesucht, nach irgendwelchen Haaren in der Suppe, um die Höchstnote zu umgehen, doch es gibt keine. „Infidel“ ist griffig, in sich geschlossen, abwechslungsreich und eine Vorlage für alle Bands, die sich mit dem Gedanken tragen, sich den traditionellen Heavy Metal auf die Fahnen zu schreiben. Ambush machen hier absolut ALLES richtig, begeistern in allen Punkten und haben sich diese zehn Punkte mehr als nur verdient.

TETHRA – Empire of the void (2020) - 10 Punkte

Dass das abschließende „Ison“ dann für Doom Death Verhältnisse die Messlatte noch einmal in schwindelerregende Höhen legt zeigt, mit was für einem grandiosen Album wir es hier zu tun haben. Für mich ein sicherer Anwärter auf die Top Ten des Jahres 2020!

DISBELIEF – The Ground Collapse (2020) - 9,8 Punkte

Das neue Album ist einfach ein mächtig großer Wurf geworden und weiß von Anfang bis Ende zu überzeugen. Dieses unglaubliche Brett ist ein heißer Anwärter auf den Thron in diesem Jahr. Das Teil gehört in jede amtliche Sammlung.

MACBETH – Gedankenwächter (2020) - 9,6 Punkte

Erneut stark produziert präsentiert sich „Gedankenwächter“ als fantastischer Nachfolger des Überwerks „Imperium“, ohne allerdings komplett an seine (musikalische) Genialität heranzureichen. Doch das ist aufgrund kleinster Nuancen Jammern auf überwältigendem Niveau, denn Macbeth haben bereits in der Vergangenheit bewiesen: Schlecht gibt’s nicht!

MY DYING BRIDE – The ghost of Orion (2020) - 9,6 Punkte

In dem hier vorliegenden Fall nur von Musik zu sprechen, würde „The ghost of Orion“ in keiner Weise gerecht werden, denn hier handelt es sich um ein Gesamtkunstwerk, mit dem My dying bride ihren bereits zementierten Legendenstatus nicht nur ausbauen, sondern sich selbst ein Denkmal setzen. Ein bitteres, trauriges, ergreifendes und einfach wunderschönes Album, bei dem man so vieles noch schreiben möchte, aber einfach nicht die passenden Worte findet.

REACTORY - Collapse To Come (2020) - 9,5 Punkte

Für „High on radiation“ gab es 8, für „Heavy“ 8,5 Punkte. Diese kontinuierliche Steigerung um einen halben Punkt werde ich nun durchbrechen, denn Reactory haben mit „Collapse to come“ eines der besten Thrash Metal Alben Deutschlands der letzten drei Jahre ausgeschissen, dem man sich nie und nimmer entziehen kann.

ALMANAC – Rush of Death (2020) - 9,5 Punkte

„Rush of Death“ ist somit ein vorzüglich arrangiertes Album geworden. Welches wuchtigen Power Metal, Bombast, viel Melodie und eine ausgewogenen Prise progressiver Leidenschaft ziemlich hochwertig miteinander agieren lässt. Höchste Zeit für die Power Metal Jünger aller Orten hier mal den Lauschtrichter anzulegen! Ganz starkes Album!

LORD OF LIGHT – Morningstar (2020) - 9,4 Punkte

Wie schrieb ich eingangs? Ich wollte mich überraschen lassen? Na, das haben die Knaben von LORD OF LIGHT auf jeden Fall gut hinbekommen, und sich als brandheißer Kandidat für meinen Jahresabschlusspoll qualifiziert. Progressive Mucke mal so hinzukriegen, daß sie kurzweilig ist, und man jedesmal erstaunt aufschaut, dass das Ding doch schon wieder zu Ende ist, das, meine lieben Schwestern und Brüder in Metall, muss man erst einmal hinkriegen.

GRINDPAD - Violence (2020) - 9,3 Punkte

Wer die letzte EXUMER geil fand, und auch Bands wie EXODUS, S.O.D. oder eben überhaupt fett produzierten Thrash mag, sollte sofort seine Finanzplanung abzüglich des Kaufpreises von „Violence“ gestalten. Das Coverartwork stammt übrigens vom Altmeister Ed Repka, und zeigt mit dieser Baywatch-Tussi, die den weißen Hai mit einer Kettensäge tranchiert, auch einen gewissen Sinn für Humor.

VISCERA - Obsidian (2020) - 9,3 Punkte

Die Songs, das Songwiriting, ein moderner aufgeräumter und druckvoller Mix machen das Album zu dem, was es ist. Ein kleines Meisterwerk als Debütalbum rauszuhauen schafft auch nicht jeder, für Freunde des sehr modernen Death Metals spreche ich eine absolute Kaufempfehlung aus.

HEAVEN SHALL BURN – Of truth and sacrifice (2020) - 9,0 Punkte

Allein für dem Umstand, dass HSB ein Doppelalbum an den Start gebracht haben, gebührt ihnen Lob, Anerkennung und Respekt und mindestens ein halber Punkt in der Endabrechnung mehr. Ebenso der Umstand, dass die Thüringer dieses Medium exzellent ausgenutzt haben, um sich komplett auszutoben und kreativ zu entleeren. Da hat man als Hörer schon eine Weile dran zu knabbern, zu entdecken und immer neu zu analysieren.

GRACELESS – Where Vultures know your name (2020) - 9,0 Punkte

Mir persönlich gefällt das Album sehr gut, landet deshalb erstmal im Top 20 Ordner für dieses Jahr. Wer auf guten Old School Death Metal mit fetten Doom Parts steht sollte hier bedenkenlos zugreifen. Feine Scheibe.

DEPRAVATION – III-Odor Mortis (2020) - 9,0 Punkte

DEPRAVATION haben mit „III:Odor Mortis“ ein qualitativ absolut hochwertiges Album abgeliefert, daß bei vielen Fans da draußen unbedingt Gehör verdient hat. An der Live-Front sind die Jungs ohnehin sehr aktiv und werden euch ganz sicher mit ihrer Art der Musik genauso abholen, wie mich.

BURNING WITCHES – Dance with the devil (2020) - 8,7 Punkte

Die brennenden Hexen haben alles richtig gemacht und ein fettes Heavy Metal Album in Reinkultur abgeliefert, welches dem internationalen Standard locker standhalten kann und bei einer Veröffentlichungen Mitte der Achtziger den Mädels nicht endend wollenden Ruhm, Ehre und schnöden Mammon eingebracht hätte. Starkes Teil, was bei einem Gläschen Wein ebenso zündet, wie bei einem Büchsenbier von Lidl. Weiter so!