Zum Glück haben wir ja die Freiheit, wählen zu gehen

Wenn es im Duden den Begriff „Intelligente Metal Band“ geben würde, wäre definitiv das Bild von Heaven shall burn darunter, denn nicht nur gute Mucke zeichnet die Thüringer aus, sondern ebenfalls ihr soziales Engagement und Fannähe. Ganz zu schweigen von den teilweise fantastischen Alben, die in schöner Regelmäßigkeit in unsere Stuben flattern. Zuletzt „Veto“…ein Album wie ein Sturm und nach der in meinen Augen recht schwachen „Invictus“ endlich wieder HSB in Reinkultur. Dazu befragt äußerte sich HSB Drummer Matthias Voigt ebenso ausführlich, wie zu vielen aktuellen Themen. Ein tolles Gespräch…

Der momentan 8.Tabellenplatz für Carl-Zeiss in der vierten Liga. Muss man als Fan da momentan besonders leidensfähig sein?

Na mittlerweile ist es Platz 6. Wenn man aber den Aufstieg als Saisonziel ausgegeben hat, kann das natürlich nicht zufrieden stellen. In den letzten Jahren ging es kontinuierlich bergab. Man gewöhnt sich irgendwie daran und stumpft ab. In der letzten Saison war es ja dann irgendwann klar, dass es nur noch um die Goldene Ananas geht und da bin auch ich nur noch aus Pflichtbewusstsein ins Stadion. Das war schon bitter, als einen dann die Tore gar nicht mehr wirklich gejuckt haben. Die Dritte Liga sollte es für den FCC schon sein und langfristig wäre die Zweite Bundesliga auch nicht schlecht, aber momentan ist das alles sehr weit weg.

Was macht eigentlich das Ernst-Abbe-Sportfeld? Das Hochwasser hat dem Stadion ja mächtig zugesetzt…

Die direkten Hochwasserschäden haben sich eigentlich noch in Grenzen gehalten. Das Problem waren vielmehr Versäumnisse der Stadt, die bei den Flutlichtmasten den Korrosionsschutz über Jahre auf die lange Bank geschoben hat. Das Ergebnis war eben, dass die Dinger abgerissen werden mussten und damit der Stadt Jena ein Wahrzeichen verloren gegangen ist. Da das noch die höchsten ihrer Art in ganz Europa waren, haben sie wirklich zum Stadtbild gehört und jetzt fehlt da eben etwas. Alles in allem ist es eine ganz miese Provinzposse, von Politikern, die der Stadt immer mehr Schaden zufügen.

Momentan geht es ja auch um eine neue Multifunktionsarena für Jena, ein Projekt, welches vom Oberbürgermeister Schröter während des letzten Wahlkampfes selbst auf den Weg gebracht wurde. Seine Bedenken meldete er erst später an, als die Wahl lange vorbei war und es konkret werden sollte. Seit dem ist keine Entscheidung gefallen und der Stadtrat und der OB spielen auf Zeit. Das Ganze ist aber insgesamt einfach zu bescheuert, als dass ich es hier komplett erörtern könnte. Ich bin mir sicher, dass das Internet da mittlerweile genügend Information vorrätig hat...hahaha. Mich wurmt es vor allem, dass immer nur drum herum gelabert und keine Entscheidung getroffen wird. So oder so, eine eindeutige Aussage muss endlich her, bevor das alte EAS endgültig verrottet oder vielleicht sogar noch etwas passiert.
Matthias, was war das für ein Gefühl, für einen Tag Schlagzeuger bei Carcass zu sein? Ich spreche da auf diese Blabbermouth Ente an…

Ich habe davon eher zufällig erfahren, weil auf meiner Facebook-Pinnwand nach und nach ein paar Gratulationen eingetrudelt sind. Das war schon ganz lustig. Ich denke mal, dass irgendwer etwas verwechselt hatte. Im Jahr 2012 hat Dan Wilding bei uns gespielt und er war zu dem Zeitpunkt auch schon eine Weile bei Carcass. Dann gab es eben die Info, dass der HSB-Live-Drummer bei Carcass spielt und, wie es bei der Stillen Post so üblich ist, fiel das „Live“ dann irgendwann weg, jemand hat vielleicht bei Wikipedia geguckt, wie der HSB-Drummer heißt und schon war die Geschichte fertig. Dan hat aber auch herzlich darüber gelacht und selbst heute gibt es intern ab und zu nochmal einen Spruch, dass ich noch nicht wieder mit HSB spielen kann, weil mit Carcass zu viel um die Ohren hab...hahaha

Wie geht es Dir eigentlich gesundheitlich? Wenn ich es richtig verstanden habe, kannst Du ja momentan leider nicht Deiner Arbeit bei HSB nachgehen…

Mir geht es gut und ich spiele auch jeden Tag Schlagzeug. So langsam geht es wieder in die richtige Richtung, aber es wird noch ziemlich lange dauern bis ausgedehnte Touren wieder für mich in Frage kommen. Das Problem ist eben, dass mittlerweile ziemlich viel daran hängt und wir nicht einfach so probieren können, wie es denn klappt. Irgendwelche kurzfristigen Absagen oder Live-Shows in schlechtem Gesundheitszustand kann man sich nicht leisten. Die Leute wollen ja auch was sehen und am Ende ist es ihnen da auch egal, warum eine Show abgesagt wird. Deswegen muss das alles weiter laufen und 2012 mit Dan Wilding und jetzt eben mit Christian Bass haben wir zwei Leute, die für HSB eigentlich überqualifiziert sind und die das alles locker bewerkstelligen.

Einzelne Shows wären kein so großes Problem für mich, aber eben dauerhaftes Touren, mit 90-Minuten-Shows sind schon was ganz anderes. HSB ist ja nicht sonderlich kompliziert oder technisch, aber körperlich ist es wirklich ein Knochenjob und man geht da jeden Abend an die Grenze. Ich werde mir aber in naher Zukunft ein paar Leute suchen, um einfach so wieder ein bisschen rum zu lärmen und nicht immer nur für mich zu üben. Was dann mit HSB wird, muss man sehen. Wir sind ja alle befreundet und irgendwann haut das sicher auch wieder hin. Bis dahin muss ich eben etwas anderes machen und weiter ein bisschen was dafür tun, dass es wieder klappt.


Zum neuen Album…Wie kam eigentlich die produktionstechnische Zusammenarbeit auf „Veto“ mit Gilbert Rödiger und Sven Wittek, besser bekannt als Elsterglanz zustande? Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert, war aber anfangs etwas erschrocken…

Ich glaube 2012 auf dem With Full Force sind wir uns das erste Mal so richtig begegnet und irgendjemand hat dann den magischen Satz ausgesprochen: „Wir müssen mal was zusammen machen!“. Das Video, welches du im Netz sehen kannst, sollte eigentlich anfangs nur so um die 3 Minuten lang werden, aber am Ende sind es so um die 10 geworden. Wir hatten einfach zu viel Blödsinn aufgenommen und die Jungs haben das dann sehr schön zusammen geschnitten. Wir sind mittlerweile auch gut mit den beiden befreundet und vielleicht machen wir auch mal wieder was zusammen...hahaha
Jetzt mal ernsthaft…“Veto“ ist in meinen Augen Euer mit Abstand bestes Album überhaupt, was ich, ehrlich gesagt nicht ganz erwartet hatte, denn „Invictus“ fiel bei mir damals durch…

Objektiv kann ich das natürlich nicht sehen, aber wir haben versucht, das besser zu machen, was uns bei „Invictus“ nicht mehr so gefallen hat. Ein wenig Abstand ist da immer ganz gut und die Pause zwischen den beiden Alben war unsere längste bisher. „Invictus“ ist einfach zu laut, zu sehr auf die 12 und zu undynamisch. Aber damals wollten wir das auch genau so. Als Band ist man da ja immer sehr fokussiert und dadurch eben auch ziemlich betriebsblind. Das ist aber normal und deswegen bringen Bands im Laufe ihrer Karriere auch unterschiedlich gute Alben raus. Ich denke noch immer, dass auf „Invictus“ ein paar ganz gute Songs sind, aber mit der Produktion haben wir uns selbst ein bisschen was versaut. Deswegen fällt es jetzt auch schwer, die Platte im Nachgang wirklich zu bewerten. Ich weiß ja nicht, ob die Platte besser gewirkt hätte, wenn sie den Sound der „Veto“ bekommen hätte. Sie ist halt am Stück wirklich nicht gut hörbar.

Das wurde auch schon bei älteren Platten von uns bemängelt, aber in gewisser Weise macht es auch den Sound von HSB aus. Das ist natürlich immer eine ziemlich schmale Gratwanderung. Genauso wie kristallklar produzierte Alben nicht zu uns passen würden, war das damals eben auch zu viel von allem. Man muss die richtige Balance finden und mit „Veto“ ist das wohl halbwegs gelungen. Es ist wirklich witzig, weil man heutzutage wirklich alle Möglichkeiten hat, eine Platte so klingen zu lassen, wie man es möchte. Das schützt einen aber trotzdem nicht davor, auch mal die „falschen“ Entscheidungen zu treffen.

Tue Madsen, der unsere letzten Platten gemixt hat, hat uns damals auch gewarnt, als wir bei „Invictus“ zu viel wollten. Als wir ihm jetzt sagten, dass er ja Recht hatte, konnte er sich ein Grinsen auch nicht verkneifen...hahaha
Ihr scheint aber mit Kritik gut umgehen zu können. Als ich Ali 2010 in Wacken traf, sprach er mich gleich auf mein Review an und freute sich sogar etwas, dass ich wohl einer der Wenigen war, der nicht so euphorisch war...

Wenn man merkt, dass sich der Kritiker auch wirklich mit einer Platte auseinander gesetzt hat, sollte man sich die Kritik auch wirklich anhören. Außerdem hören wir ja selbst sehr viel Musik und haben es auch schon erlebt, dass wir einige Sachen mal nicht so gut finden, die anderen vielleicht gefallen. Das passiert eben.

Man freut sich beispielsweise über jedes gute Review, aber bei vielen merkt man doch, dass sie die Platte nicht wirklich gehört haben. Am Ende bleiben auch bei uns die Reviews hängen, die gut geschrieben waren und bei denen man merkt, dass es nicht nur Dienst nach Vorschrift war, bei dem quasi der Infosheet des Labels wiedergegeben wurde. Also wie es den Kritikern mit den Platten geht, geht es quasi auch uns mit den Kritiken. Da gibt es auf beiden Seiten Qualität und eben auch Mist.

Euer Song „Hunters will be hunted“ hat ja in Bezug auf Alois H. in Österreich momentan einen sehr aktuellen Bezug. Hattet Ihr eigentlich mit solch einem Gegenwind bei dem Song und vor allem dem Video gerechnet?

Was ich zuletzt gelesen habe, hat mehr oder weniger ausgesagt, dass der Mann wohl grundsätzlich über eine gewissen kriminelle Energie verfügt hat. Viele seiner Waffen waren gestohlen und einige Motorräder auf seinem Gelände hatte er auch geklaut. Das Wildern war nur eine seiner Facetten.

Grundsätzlich wurde der Song bzw. der Text etwas falsch aufgefasst. Obwohl wir natürlich keine Freunde der Jagd sind, ging es uns nicht darum, den durchschnittlichen Revierförster als Monster darzustellen. Jagd ist ein komplexes Thema und es wird sich da nur langfristig etwas ändern können. Der Mensch hat leider durch sein Handeln einige Mechanismen der Natur außer Kraft gesetzt und benutzt das eben nun als Argument für die Jagd. Wenn beispielsweise Wölfe oder Bären wieder nach Deutschland kommen, dann werden sie als Gefahr gesehen. Dass der Mensch aber der eigentlich Eindringling ist, wird abgestritten. Im Winter werden die Tiere gefüttert, damit sie nicht verhungern und später „müssen“ sie dann geschossen werden, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Wenn die Fakten auf den Tisch gelegt werden würden, würden auch mehr Menschen einsehen, dass es keiner Jäger bedürfen würde. Der Mensch müsste langfristig ein paar Gänger zurückschalten und insgesamt mehr Rücksicht auf die Natur und die Tiere nehmen. Dann gäbe es auch weniger Wildverbiss im Wald und auf den Feldern und alles würde ganz langsam wieder auf ein Gleichgewicht zusteuern. Das ist doch alles ganz logisch. Leider hat aber niemand die Geduld.

Wie schon gesagt, das Thema Jagd ist ziemlich komplex. Im Song selbst geht es aber auch eher um Jäger, die Tiere schießen, um ihr eigenes Selbstwertgefühl aufzupolieren. Also Trophäenjäger oder Leute, die Geld dafür ausgeben, um in Afrika mal eine Antilope, einen Löwen oder mal einen Elefanten zu schießen. Die sind in meinen Augen der purer Abschaum, nicht mehr als das.

So viel Gegenwind haben wir für den Song gar nicht bekommen. Die meisten Leute haben schon unser Anliegen verstanden. Es gab ja nur diesen CDU-Politiker, der auch sonst, also auch für einen Unions-Politiker, viel Mist redet und die BILD, die das dann veröffentlicht hat. Wirklich ernst genommen hat das aber niemand und für uns war es eher Werbung, als dass es und irgendwie geschadet hätte. Wenn uns damit wirklich irgendjemand an die Karre fahren wollte, so hat diese Person alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte...hahaha
Die Kinnlade fiel mir allerding komplett nach unten als ich beim hören realisierte, dass Ihr mit „Valhalla“ tatsächlich einen Blind Guardian Song gecovert habt und sogar Hansi Kürsch als Gastsänger gewinnen konntet. Erzähl mir dazu doch mal bitte die Entstehungsgeschichte…Viele Eurer jüngeren Fans werden die Band ja gar nicht kennen…

Auch wenn man es nicht unmittelbar bei HSB raushört, haben Blind Guardian schon immer einen ziemlichen Einfluss auf uns gehabt. Es ist halt eine der Bands, die die Qualität auch über viele Jahre hinweg immer hoch gehalten hat. Meine Lieblingsalben sind natürlich die Klassiker bis „Somewhere far beyond“, weil man damit einfach eine gewisse Zeit verbindet und die auch tausendmal gehört hat, aber auch die neueren Sachen sind super. Dass wir Blind Guardian mal covern würden, war irgendwie klar und „Valhalla“ war für uns eben DER Gassenhauer schlechthin.

Da viele Leute BG nicht so unbedingt mit HSB in Verbindung bringen würden, wollten wir es auch auf keinen Fall wie eine „Spaßnummer“ aussehen lassen, sondern wie eine echte Hommage. Deswegen ließen wir Century Media auch direkt bei der Band anfragen, ob es OK wäre, wenn wir den Song covern und mitten auf's Album packen würden. Das machen wir sonst eigentlich nicht, weil ja jeder das covern kann, was er will. Irgendwie mochten sie wohl die Idee und da haben wir gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Das ist natürlich ein Jugendtraum und die Zusammenarbeit war auch super. Hansi hat viel mehr gemacht, als wir uns erhofft hatten und hat auch selbst noch frische Ideen in die Arrangements des Songs eingebracht. Also er hat das definitiv nicht mit halbem Arsch gemacht und das kann man auch hören. Wir sind schon ziemlich stolz auf die Version.


Erkläre mir doch mal bitte Euer Album Cover? Was hat das Mädel auf dem Ross mit „Veto“ zu tun? Oder bin ich dafür zu doof?

Auf dem Cover siehst du Lady Godiva, die Frau eines englischen Edelmannes im 11. Jahrhundert. Die Legende sagt, dass sie ihren Ehemann dazu bewegen wollte, die Steuern der Stadt Coventry zu senken und damit die Bürger zu entlasten. Um das zu erreichen ritt sie nackt und nur von ihrem langen Haar bedeckt durch die Stadt. Der Mann war tatsächlich so beeindruckt, dass er bis auf die Pferdesteuer alle Steuern erließ. Sie hat also ihr Veto gegen die Steuerpolitik ihres Ehemannes eingelegt.

Für uns ist das ein Beispiel dafür, dass es auch gut situierte Leute geben kann, die sich für die Probleme der schlechter gestellten einsetzen können. Das ist mit Sicherheit eine Geschichte, die jeder Politiker zumindest kennen sollte...hahaha

Ohne jetzt populistisch labern zu wollen, ist es doch zu erkennen, dass viele Politiker oder auch Menschen in hohen, gut bezahlten, Positionen fernab der Realität leben und sich kaum für die Probleme der anderen Leute interessieren. Man sieht es ja auch bei dieser Wahl, dass viele Menschen genau die gewählt haben, von denen sie sich persönlich den größten Vorteil versprechen. Außenpolitik oder die Diskussion um die gleichgeschlechtliche Ehe waren zum Beispiel gar kein Thema. Ich kann mir nicht vorstellen, dass über 40% der Menschen hier, den Homosexuellen ihre Rechte nicht zugestehen wollen – gewählt haben sie aber so. Aber ich schweife ab...hahaha

Am Ende geht es aber einfach darum, dass man sich auch mal für die Sorgen der anderen interessieren und dafür eintreten kann, ob nun Politiker oder Normalverdiener.


Der Charteinstieg mit „Veto“ auf Platz 2 der deutschen Verkaufscharts war ja wohl nicht kalkulierbar. Wie groß war dementsprechend die Freude?

Mit Platz 2 konnte man nicht rechnen, aber wir haben schon gehofft, dass es vielleicht wieder ein Platz in den Top 10 werden könnte. Seit „Invictus“ waren wir ja gewachsen und damals hat es auch zu Platz 9 gereicht. Allerdings hängt es auch immer sehr von der Release-Woche und den anderen Platten ab, die auch veröffentlicht werden. Da gab es auch Christina Stürmer, Fler und noch so eine Kirmes-Kapelle aus Südtirol, aber für den zweiten Platz hat es doch gereicht. Das ist super, aber man sollte es nicht überbewerten. Es macht die Platte ja nicht besser oder schlechter. Es ist eher etwas für die Vita, das einem niemand mehr nehmen kann...hahaha
Im November geht’s ja on the road zusammen mit Hypocrisy, Dying fetus und Bleed from within. Eine ziemlich wilde Mischung. Wer hat denn das organisiert?

King Star haben sich um das Booking gekümmert, aber wir hatten natürlich das letzte Wort, als es um die Bands ging. Es ist gar nicht so einfach, eine Tour zusammen zu stellen, die auch für die Leute interessant ist und bei der sie auch etwas für's Geld geboten kriegen. Viele Bands haben da auch unrealistische Forderungen und wir bemühen uns wirklich immer, dass die Preise halbwegs human bleiben und man trotzdem ein gutes Package bekommt.

Hypocrisy und auch Dying Fetus darf man hier auch nicht wirklich als „Support-Bands“ sehen. Dafür sind sie viel zu groß. Wir sind ja auch selbst Fans und uns dessen auch absolut bewusst. Die Beschreibung „Special Guest“ passt da weitaus besser. Auf der anderen Seite ist es auch ein riesiger Rucksack, den wir uns da ausgeladen haben. Man muss jeden Abend ordentlich abliefern, um in diesem Package nicht abzustinken. Jeder weiß aber, dass man an seinen Aufgaben wächst...hahaha. Es wird sicherlich eine gute Tour und die Leute werden am Ende auch zufrieden sein. Für HSB wird es sicherlich auch teilweise ein anderes Publikum geben und viele jüngere Leute werden sicher auch Hypocrisy oder Dying Fetus für sich entdecken. Es können also alle gewinnen.


Da Du ja momentan nicht spielen kannst, wer wird denn auf der Tour dabei sein? Daniel Wilding ist ja fast parallel mit Carcass auf Tour sein. Aber die Frage hattest du mir ja schon beantwortet...

Dan hat jetzt permanent mit Carcass zu tun. Bei HSB wird jetzt Christian Bass spielen, der eigentlich schon seit 2007 immer mal eingesprungen ist, wenn ich gerade verhindert war. Er hat auch jetzt schon das gesamte Jahr gespielt und macht das ausgezeichnet.

Wie hast Du eigentlich 2012 diesen legendären Gig beim With full force miterlebt, bei dem pünktlich bei „Endzeit“ die Hölle losbrach und alles im wettertechnischen Chaos versank?

Ich hab mir die Show bis zu „Endzeit“ von unten angeschaut, weil auch auf der Bühne einiges passieren sollte. Bis zu dem Song war die Bühne noch teilweise abgehängt und verkleinert und mit dem Start von „Endzeit“(es war der vierte oder fünfte Song) ist der letzte Vorhang dann auch weggerissen worden und es kam eine riesige Bühnendeko zum Vorschein. Pünktlich dazu kamen die Blitze vom Himmel und es hat angefangen zu gießen. Also von der Dramaturgie her hat es voll gepasst...hahaha. Ich habe mich dann schnell hinter die Bühne verkrochen und auf der Bühne waren dann auch die Monitore ausgefallen, es stand dort das Wasser usw.

Das war wirklich eine ziemlich kritische Situation und die meisten Bands hätten wohl abgebrochen. Das Problem ist eben nur, dass die Leute vor der Bühne nicht so schnell verschwinden können. Also egal, was man getan hätte, es wäre sau gefährlich geblieben. Man hat ja hinterher auch von den Einschlägen auf dem Zeltplatz gehört, bei dem einige Leute teilweise schwer verletzt wurden. Das sind wirklich Momente, in denen einen die Natur zeigt, dass sie doch am längeren Hebel sitzt.

Das Konzert ist dadurch natürlich vielen in Erinnerung geblieben, aber es war wirklich ein ziemlich schmaler Grat. Als das Unwetter los ging, war eigentlich schon alles zu spät. Da war keine Reaktion mehr möglich – nur noch Augen zu und durch. Man kann froh sein, dass nichts passiert ist.
Wie war es denn dieses Jahr eigentlich beim Party San? Im Vorfeld haben sich ja Einige mächtig über Euren dortigen Auftritt beschwert und aufgeregt.

Ich habe zwar nicht gespielt, war aber selbst auch vor Ort. Es ist wirklich gut gelaufen und ich glaube schon, dass auch ein paar Leute gesehen haben, dass HSB gar nicht so schlimm ist...hahaha. Es ist halt via Internet immer so, dass jeder seine Meinung kundtun kann und sich dann auch Leute melden, die provozieren wollen und denen es weniger um die Sache als solche geht. Auf dem Festival gab es keinerlei Unmutsbekundungen und alles war cool.

Man kann sich sicherlich streiten, ob HSB musikalisch auf solch ein Festival passen, aber man muss es auch nicht übertreiben. Das Party.San ist ja auch ein Festival von Fans, für Fans und dort stehen eben andere Dinge im Vordergrund, als nur die Musik oder der Erfolg einer Band. Wir sind mit den Leuten vom Party.San wirklich schon seit vielen Jahren befreundet, haben schon auf ihren Festivals gespielt, als es noch gar nicht Party.San hieß und wir nicht HSB. Es soll jetzt bitte nicht überheblich wirken, aber wenn ein 20-jähriger sagt, dass HSB auf dem Festival nichts verloren haben, dann muss man das nicht so ernst nehmen. Die Leute, die schon lange dabei sind, kennen auch die gemeinsame Geschichte und die Verbindungen und wissen, warum wir dort spielen.


Ich erinnere mich immer wieder gerne an diesem legendären Wacken Auftritt von 2007. Ein T-Shirt als Backdrop und die Geburt des wohl größten Circle Pits aller Zeiten. War das die Geburtsstunde der „Live-Legende“ HSB?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Bei vielen Leuten kam es wohl so an und der Auftritt hat auch echt Spaß gemacht. Wir hatten aber schon immer den Ruf, live ganz gut zu sein. Meist hat man das von Leuten gehört, die sonst gar nichts mit unseren Platten anfangen konnten. Die Konzerte fanden die meisten ganz unterhaltsam. Wir sind nicht gerade Virtuosen an unseren Instrumenten, aber wir haben von Anfang an das Publikum immer mit einbezogen und wenn ein Konzert gut läuft, dann ist bei uns auch das Publikum mitverantwortlich. Aber das hat schon früh so angefangen und sich auch herumgesprochen. Davon hat die Band von Anfang an gelebt und das hat uns auch geholfen, weiter zu kommen.

Neben dem Konzert 2007 in Wacken gibt auch wirklich viele kleinere Konzerte, die irgendwie nicht weniger wichtig waren, auch wenn natürlich viel weniger Leute daran teilgehabt haben. Unsere erste richtig professionelle Tour hatten wir 2005 mit der Hell On Earth mit As I Lay Dying. Es war schon erstaunlich, dass wir als absolute Hobby-Truppe da neben einer professionellen Band bzw. mehreren professionellen Bands doch ganz gut bestehen konnten. Das war auch ein wichtiger Punkt in der Entwicklung.


Am heutigen Sonntag, an dem ich das Interview schreibe, sind Bundestagswahlen, die natürlich bei Veröffentlichung bereits wieder Geschichte sind. Da Ihr ja alle in der Band sehr engagiert seid…wie würdet Ihr einem Unentschlossenen es schmackhaft machen, wählen zu gehen?

Mittlerweile ist die Wahl ja Geschichte und es waren mehr Leute wählen, als 2009. Zum Glück haben wir ja die Freiheit, wählen zu gehen oder es sein zu lassen. Ich finde es natürlich gut, wenn jemand zur Wahl geht und seiner Stimme Ausdruck verleiht, aber genauso ist es OK, wenn man nicht geht. Auch diese Recht hat man sich ja erst erkämpft und ich bin wirklich froh, dass man nicht mehr zur Wahl gezwungen wird. Eigentlich ist auch die Nichtbeteiligung an der Wahl ein Votum, ganz egal, ob es mir nun gefällt oder nicht. Über Leute, die einfach zu faul sind, rede ich dabei aber nicht, auch wenn das Ergebnis das gleiche ist. Nichtwähler ist nicht gleich Nichtwähler.

Ich selbst war natürlich wählen, habe aber auch keine Partei gefunden, die alle meine Interessen und Ansichten vertritt. Es gibt allerdings viele, die für mich absolut unwählbar sind und eben eine, die als einige meiner Ansichten vertritt. Für die habe ich mich dann entschieden. Bei den anderen in der Band weiß ich nicht so genau, was sie gewählt haben, höchstens was nicht...hahaha. Wir haben da sicherlich auch keine einheitliche Bandmeinung, sondern stimmen in den wichtigsten Sachen überein. Viele Leute denken auch immer, dass 5 Leute in der Band immer die gleiche Meinung haben, aber dem ist nicht so.

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