Das Grundgerüst entsteht praktisch nur in meinem Kopf

Als ehrgeiziges Projekt 2003 ins Leben gerufen und dann doch 2006 als vollwertige Band mit dem Debüt "Ven" gestartet, haben sich Eluveitie im 11.Jahr ihres Bestehens nun vollends freigeschwommen und veröffentlichen am 05.08.2014 mit ihrem 6. abendfüllenden Album "Origins" ihr bis Dato ausgereiftestes Werk, welches ebenso die Anfänge sowie die Weiterentwicklung dieser außergewöhnlichen Combo beleuchtet. Ein Album, welches von Christian bereits jetzt in den höchsten Tönen gelobt und entsprechend reviewt wurde. Dennoch gab es einiges zu erfragen, weshalb ich sehr dankbar war die Gelegenheit zu bekommen, mit Bandchef Chrigel Glanzmann über die noch offenen Fragen zu sprechen.
Chrigel, 2006 mit „Spirit“ das erste Album. Nun, gerade mal 8 Jahre später bereits Album Nummer 6 namens „Origins“. Ein ziemlich fettes Tempo, was Ihr da vorlegt. Macht Ihr Euch den Druck selber oder fliegt Euch die Kreativität nur so zu?

(lacht) Naja, den Druck machen wir uns schon selbst, dennoch lassen wir uns da nicht von außerhalb beeinflussen. Wir machen einfach ein neues Album wenn wir darauf Bock und genügend Ideen haben, ein neues Album zu machen. Auf der anderen Seite müssen sich Druck und Kreativität nicht unbedingt widersprechen, sondern können auch Hand in Hand gehen. Ein gewisser Druck kann durchaus die Kreativität fördern. Aber long story short, wir machen einfach zu dem Zeitpunkt eine Scheibe, wenn wir selbst am meisten darauf Lust haben. Vorgestern haben wir sogar schon eine Idee für einen neuen Song für das nächste Album aufgenommen. Es passiert einfach so...

Origins“, Euer neues Album, welches am 05.08.2014 erscheint, ist in meinen Augen und natürlich Ohren ein neuer Abschnitt in der Karriere von Eluveitie, da dieses Album im Gegensatz zu „Helvetios“ nicht mehr ganz so eingängig ist, sondern vielmehr einen kleinen Schritt zurück zu den Wurzeln Eurer Schaffensphase darstellt. Wie bist Du persönlich an die Entwicklung des Albums herangegangen?

Genauso wie bei jedem Album zuvor: Ich habe mir gar nichts überlegt oder geplant! Unser Gitarrist Ivo und ich denken nie, wenn wir zusammen Musik schreiben, wir machen jedes Album so, wie es sich für uns am besten anfühlt und das kann man nicht planen. Unsere Songs wachsen aus der Intuition heraus, sind daher sehr organisch und niemals so konzipiert, als müssten wir nun ein härteres oder kommerziell ausgerichtetes Album kreieren. Es ist aber witzig das Du sagst, dass es etwas zurück an unsere Anfänge geht, denn so wirklich eingängig ist es tatsächlich nicht und die Songs sind komplexer geworden.

Begonnen haben wir mit dem Songwriting für "Origins" nach der Beendigung unseres "Helvetios" Tourzyklus, der diesmal mit zweieinhalb Jahren unser bis Dato längster war und in der Zeit haben wir uns den Arsch abgespielt, geprobt wie die Wilden und sind daher auch musikalisch gewachsen, was man an den neuen Songs auch hört. Den Anspruch haben wir natürlich an uns selbst und vom technischen her ist "Origins" weit über dem, was wir vorher je gemacht haben. Gleichzeitig ist es in meinen Augen für den Hörer nicht ganz so offensichtlich, denn Musik ist für mich dann gelungen, wenn sie Bilder im Kopf des Hörers entstehen lassen kann und das haben wir, glaube ich, mit dieser Scheibe geschafft. Jedenfalls haben wir es nie so empfunden oder es uns im Vorfeld überlegt, zu unseren Wurzeln zurück zu kehren. Es stört uns aber nicht im Geringsten (lacht).
Mit Nicole Ansperger habt Ihr ja ein neues Mitglied bei Eluveitie, die Meri Tadic ersetzte. Wie kam es zu dem Wechsel und hatte Nicole noch irgendeinen Einfluss auf das Material auf „Origins“?

Jein (lacht). Grundsätzlich nicht, da Ivo und ich hauptverantwortlich für die Kompositionen für alle Instrumente sind. Ok, wenn ich dann die fertigen Stücke an unsere Bandmitglieder weitergebe, interpretieren sie diese durch ihre eigene Spielweise natürlich anders, als wie ich es geschrieben habe. Insofern sind wohl doch alle an den Entstehungen der einzelnen Songs beteiligt (lacht). Nicole ist eine wahnsinnig gute Geigenspielerin, die auch schon seit Jahren in der keltischen Musik verwurzelt ist und damit hat sie ihre energetische Energie schon mit reingebracht hat, was man auch deutlich hört.

Um was handelt es sich exakt bei „Origins“? Da mir keine Texte vorliegen fällt es mir schwer zu erkennen, ob sich ein roter Faden hinter den Songs verbirgt.

Ja, es ist ein roter Faden vorhanden! Es dreht sich um die keltische Mythologie, etwas konkreter um Sagen aus Gallien und Gründungslegenden, die es seit damals geschafft haben, sich in die heutige Zeit zu retten. Daher auch „Origins“ = Ursprünge.

Im Vorfeld hattet Ihr bereits „The call of the mountains“ vorab veröffentlicht. Ein Song, der mit seiner eher für Euch untypischen Schlichtheit in meinen Augen so gar nicht in das Konzept von „Origins“ passt. Warum ausgerechnet diesen?

Hmmm…ja, warum nur? (lacht) Der erste Song war ja ursprünglich „King“ und „Call…“ war eine spontane Idee, die wir schon vor den Aufnahmen zu „Helvetios“ hatten. Ursprünglich war es eher ein Jux, den Song in der Schweizer Landessprache aufzunehmen, doch die Zeit passte irgendwie nicht. Als wir in der Produktion zu „Origins“ waren, griffen wir die Idee einfach wieder auf und suchten den passenden Song dafür. „Call…“ hat vom Konzept am besten gepasst, beinhaltet auch eine keltische Legende und bot sich von daher perfekt an.

Viele Eurer Texte sind ja in alten Sprachen verfasst. Ist das zum Teil Gälisch?
Ja, ist es. Eine Version von „Call…“ ist in Rätoromanisch verfasst, doch zumeist verfassen wir unsere Texte ja in Englisch. Dennoch ist es wichtig, wenn man sich schon mit der keltischen Mythologie auseinandersetzt, diese Texte auch in den ursprünglichen Sprachen zu verfassen.

Aber es ist doch mit Sicherheit nicht gerade einfach, Texte in diesen alten Sprachen zu verfassen und aufzupassen, dass man da nicht irgendeinen Blödsinn verzapft, oder?

Es ist natürlich ein großer Aufwand, der aber notwendig ist, da sonst die Authentizität verloren gehen würde. Ich arbeite immer mit Universitäten und Wissenschaftlern zusammen, damit eben nicht dieser von Dir angesprochene Blödsinn bei rauskommt. Es ist zwar eine aufwendige, dafür umso schönere Arbeit wenn man das fertige Produkt sieht.

Du legst also viel Wert auf das Gesamtkonzept und achtest nicht unbedingt darauf, dass Du irgendwelche „Sing-along-Songs“ kreierst, die die Leute dann auf Konzerten mitsingen können…

Erstaunlicherweise tun sie das aber immer (lacht). Das ist etwas, was mich immer wieder umhaut, wenn wir in Südamerika oder Asien spielen und die Leute von Anfang bis Ende die noch so schwierigsten Texte mitsingen. Das ist immer wieder beeindruckend, cool und bringt mich regelmäßig aus der Fassung. Aber um auf Deine Frage zurück zu kommen…ja, ich lege viel Wert auf dieses Werk, mein Werk und achte akribisch darauf, dass esd exakt meinen Vorstellungen entspricht. Dementsprechend lasse ich mir nicht von außen dreinreden.

Ihr habt viele Sprecher in Euer Album integriert. Erzähle mir mal von denen. Wer sind sie und wie kamen sie zu der Ehre, auf Eurem Album mitwirken zu dürfen?
Ich würde erstmal sagen, dass die Ehre ganz auf unserer Seite war! Der ältere Herr, der auf einigen Stücken zu hören ist, war schon auf „Helvetios“ mit von der Partie. Er ist ein schottischer Schauspieler, den ich damals für uns entdeckte und der auch diesmal einen ganz hervorragenden Job gemacht hat. Dazu gesellen sich noch eine ältere Dame und ein Mädchen die wir beide benötigten, um die Geschichte von „Origins“ richtig umsetzen zu können. Wir haben uns dann auf die Suche gemacht und sind über eine „Voice over Artist“ Agentur auf die beiden gestoßen.

Was steckt hinter dem, für Eure Verhältnisse diesmal recht spartanisch ausgefallenen Coverartwork?

Als das Konzept für das Album geboren wurde war für uns klar, dass wir ein Artwork wollten, welches den Inhalt des Albums gut aufnimmt und gleichzeitig ziemlich simpel ist und abstrakt ist. Ich habe mich dann auf die Suche gemacht und wurde im Netz ziemlich schnell fündig. Nebenbei habe ich bei dem Konzept auch mit der Universität Zürich zusammen gearbeitet, da ich auf jeden Fall den keltischen Stil beibehalten wollte und das was man da sieht, ist basierend auf den keltischen Mythen und Legenden, die wir auf diesem Album verarbeitet haben.

Wenn man sich mit der Mythologie näher befasst, stößt man immer wieder auf eine Gottheit der keltischen Unterwelt, von dem man heute aber den Namen nicht mehr kennt, der Legende nach aber der Urvater aller Kelten ist. Das ist seit Jahren ein ganz heißes Thema in der Wissenschaft, wer das denn nun hätte sein können und die meist fundierte These deutet darauf hin, dass es sich um Kellus handelt
(Anm.d.Verf – Ich habe lange recherchiert, habe dazu allerdings nichts gefunden und weiß daher nicht, ob ich den Namen richtig verstanden habe…). Bei Ausgrabungen in ganz Europa wurden keltische Statuen gefunden, die immer wieder auf diesen Gott hinwiesen und bei einer Ausgrabung wurde er mit einem sonnenartigen Heiligenschein dargestellt und diesen siehst Du auf dem Cover an der Seite. Das ist die Geschichte dahinter.

Bei all der Dramatik auf „Origins“ und dem fast theaterhaften Touch wäre doch vielleicht mal eine Verfilmung oder ein Theaterstück denkbar…
Witzig, das Du das sagst, denn wir haben bereits vor längerer Zeit darüber gesprochen, ein Eluveitie Musical zu machen. Aber zu mehr als einer Idee hat es bislang aus Zeitgründen auch nicht gereicht. Die Eltern von Anna Murphy kommen beide von der Opernbühne und haben uns da mehr oder minder drauf gestoßen. Ich finde solche neuen Sachen prinzipiell mehr als spannend und soweit ich weiß gab es noch nie ein Death Metal Musical (lacht). Wir alle fänden das schon gut, mal sowas zu machen, doch unser Kerngeschäft ist einfach ein anderes. Aber es wäre absolut cool.

Eine solch vielschichtige Musik, so wie sie von Dir und Eluveitie gespielt, ja fast aufgeführt wird, folgt mit Sicherheit einer bestimmten kompositorischen Linie. Was schwirrt Dir dabei als erstes im Kopf herum? Die traditionellen Instrumente oder doch mehr das harte, metallische Klangbild?

Eigentlich alles! Ich empfinde es auch nicht als kompliziert, mir ein komplettes Klangbild mit allen Instrumenten vorzustellen. Das Songwriting ist bei uns ein sehr natürlicher und intuitiver Prozess, bei dem ich keinerlei Instrumente oder ein Blatt Papier und ein Stift brauche. Die Bilder entstehen in meinem Kopf, die Musik ebenso…

Sehr bemerkenswert, denn ein Song wie „From darkness“ ist so vielseitig…da brauchen andere Musiker Monate für, um den richtig zu Papier zu bringen…

Es wächst einfach in meinem Kopf und ist für mich einfach kein großes Ding. Klar feilen wir nachher im Endeffekt alle zusammen an den Instrumenten, doch das Grundgerüst entsteht praktisch nur in meinem Kopf.

2009 kam „Evocation Part 1“ auf den Markt. Wann ist denn mal mit Part 2 zu rechnen?Kommen wir der auf jeden Fall, worauf wir uns auch extrem freuen, aber es besteht noch kein Masterplan, wann wir das in Angriff nehmen wollen. Wir haben aber gerade erst letztens darüber gesprochen. Erst mal kommt „Origins“, was alleine schon in der Tourphase und ähnlichem knappe 3 Jahre dauern wird.

Wie fühlt es sich eigentlich an, quasi als Vorreiter oder Speerspitze des Folk Metal bezeichnet zu werden? Ist sowas nicht auf die Dauer auch irgendwann mal nervig?

Ich selber bezeichne uns selber ja nicht als Folk Metal. Es ist eigentlich mehr Death Metal mit folkloristischen Instrumenten. Klar sind auch viele angepisst wegen unseres Erfolges, doch den haben wir uns ja über die Jahre hinweg hart erarbeitet. Aber…was ist eigentlich Folk Metal? Das hört von uns noch nicht einmal Jemand privat, hahaha.

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