Es gibt keine coverbaren Songs mehr!

Mal davon abgesehen, dass es bei Schalke momentan nicht besonders in der Bundesliga läuft, beim zweiten Urgestein aus dem Pott scheint momentan rundum Zufriedenheit angesagt zu sein. Tom Angelripper hat mit seinem zweiten Standbein Onkel Tom das neue Album „H.E.L.D.“ am Start, ist etwas ernster geworden, vergisst dabei dennoch nicht seinen augenzwinkernden Humor, was dieses Album zum abwechslungsreichsten der Bandhistorie werden lässt. Ich freute mich jedenfalls sehr darüber, mit Tom mal wieder einen ausführlichen Schwatz zu halten, denn wenn das sympathische Ruhrpott Original zu reden beginnt, gibt es kein Halten mehr…
Tom, wie geht’s Dir?

Geht gut! Viel zu tun, da ja die Platte jetzt fertig ist, Promo Arbeit, dazu ein paar Releaseparties, ein Video wollen wir noch machen. Es läuft, ist schön und ich freue mich sehr darüber, dass es wieder weitergeht.

Die größte Veränderung im Vorfeld zum neuen Album war ja, dass dein langjähriger Weggefährte Alex Kraft gegangen ist. Eine friedliche Trennung mit weiter bestehender Freundschaft war zu lesen. Wahrheitsgemäß?

Ja klar, doch die Entfernung zueinander war einfach nicht mehr tragbar. Ich bin einer, der gerne seine Band im Proberaum hat und nicht so gerne über eine so große Distanz an Songs arbeitet. Dadurch haben sich die Veröffentlichungen auch immer in die Länge gezogen, was mir persönlich gar nicht geschmeckt hat. Und Alex hat ja selber mit den Dirty Deedz und den Dezperadoz noch zwei Pferde im Stall, mit denen er ja auch ne Menge macht und von daher war eine Trennung die logische Konsequenz. Ich hab mir dann einen Gitarristen aus dem regionalen Umfeld genommen und von daher sind die neuen Songs auch recht schnell entstanden.

Also war von vornherein geplant, nicht schon wieder so einen großen Abstand aufkommen zu lassen? Wenn ich bedenke… Von „Ich glaub nicht an den Weihnachtsmann“ bis zu „Nunc est bibendum“ waren es geschlagenen 11 Jahre. Nun lediglich knappe 3…
Eine unverzeihlich lange Zeit! Wobei ich zwar mit Sodom oft unterwegs war, kam lediglich die Single „Bon Scott hab ich noch live gesehen“ und die DVD raus, das war viel zu wenig. Bei „Nunc est bibendum“ war die Mehrzahl der Bandmitglieder ja schon aus dem Großraum Essen und wir waren und von vornherein darüber einig, nie wieder so eine große Zeitspanne aufkommen zu lassen. Wenn’s nach mir geht, können wir gerne nächstes oder übernächstes Jahr gleich das nächste Album hinterher schmeißen. Eine Band muss in meinen Augen dazu in der Lage sein, alle zwei Jahre ein neues Album zu veröffentlichen.

Braucht man ja auch, wenn man an Gigs herankommen will, die ja heutzutage auch nur dann möglich werden, wenn man was Neues am Start hat…

Exakt! Künstler leben heute von Liveauftritten und den damit verbundenen Einnahmen im Merchbereich. Hast du ein neues Album, kriegst du Auftritte, verkaufst automatisch mehr. Aber wir sind ja auch kreativ und von daher ist dieser 2 Jahres Turnus locker zu bewerkstelligen. Geht ja mit Sodom auch…
Wie bist Du denn an den Gitarristen der Japanischen Kampfhörspiele, Klaus Nicodem, gekommen? Er ist ja eigentlich prädestiniert für gänzlich andere Mucke…

Ich kenne Klaus und JaKa schon eine ganze Weile, finde sie auch super, schönet Gebolze, aber Klaus kann auch anders! Gitarristen müssen heutzutage in meinen Augen verschiedene Stile draufhaben, um überlaben zu können und bei Onkel Tom ist es ja so, dass jeder Musiker noch in anderen Bands aktiv ist, was natürlich dann auch dem Songwriting zugutekommt. Klaus hat einfach Spaß an der Mucke, hatte zwar mit dem Songwriting zum neuen Album noch nicht ganz so viel zu tun, wird aber mit Sicherheit beim nächsten Album eine ganze Menge zu beitragen. Ich bin froh, dass er dabei ist.

Trinkfest isser wohl dann hoffentlich auch…
Ja isser! Aber es geht ja bei uns nicht nur ums Trinken und man hört ja auch an den Texten auf dem neuen Album, dass es nicht nur um Alkohol geht…

Greif mir da bitte nicht vorweg, dazu kommen wir später noch. Ist „H.E.L.D.“ irgendein Akronym? Beispielsweise für „Hanauer Engel lieben Diebels?

(lacht) Hart, ehrlich, laut, durstig! Es ist nicht immer einfach, einen Albumtitel zu finden, doch diesmal war es echt schön, da wir uns alle in der Band Gedanken um einen Titel gemacht haben. Wir suchten einfach nach den besten Attitüden, die auf unsere Band zutrifft und das kam dabei raus. Wir wollen ehrlich sein, authentisch und durstig sind wir sowieso…und irgendwann kam da „H.E.L.D.“ bei raus und ich dachte: Dat isset! Es gab zwar noch andere Optionen, dich wir hielten an dem Titel fest. Der Held der Arbeit, des Lebens, der, der sein Leben meistert…

Und deswegen sitzt der Gutste uffn Pott?

(lacht) Das wird sich im Video auflösen! Ich will jetzt nicht sagen, dass wir Alkoholiker sind, aber jeder von uns hat mal Bock auf Abwechslung, Zerstreuung…ob das nun der Banker in seinem Anzug ist der Abends sich seine Pulle Bier aufmacht oder die Leute, die es im Verborgenen machen und die man dabei nicht sieht…alle machen es irgendwie. Wir wollen natürlich Alkohol nicht glorifizieren und wenn man lernt, damit gut umzugehen, ist Alkohol durchaus gesellschaftsfähig. Es gibt nichts dagegen einzuwenden, wenn man abends mit seinen Freunden oder Kollegen um die Häuser zieht, um ein paar Bierchen zu trinken, doch es wird hart, wenn man sich jeden Tag ne Pulle Schnaps reinhaut, weil man sonst nicht klarkommt. Bestes Beispiel war ja der Chris Witchhunter (ehemaliger Sodom Drummer-der Verf.), der täglich zwei bis drei Flaschen Wodka zusätzlich zu seinem Bier getrunken hat.

Wir rennen jetzt aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Gegend, was mit Onkel Tom natürlich eh nicht möglich ist, sondern wollen einfach nur zeigen: Hey, es gibt noch andere Probleme aber wenn es darauf ankommt, trinken wir uns auch mal einen…

Nach mehrmaligen Durchhören habe ich festgestellt, dass die Scheibe textlich das bislang beste und ausgereifteste Werk von Dir ist. Mir scheint fast, dass Du diesmal unglaublich viel Wert darauf gelegt und viel Zeit darauf verwendet hast…
Das habe ich eigentlich schon immer und ist jetzt keine große Leistung.

Ich meine da beispielsweise einen Song wie „Auf Gedeih und Verderb“, bei dem Du viele Missstände anprangerst. Ein Text, der einen zum Nachdenken anregt. Eigentlich nichts das, was die hochprozentige Hörerschaft unbedingt von Onkel Tom erwartet.

Der fällt tatsächlich etwas raus. Man ist ja nicht immer mit seinem ganzen Umfeld oder der globalen Gesamtsituation zufrieden und wenn ich den ganzen Mist im TV sehe oder in der Zeitung lese, dann geht mir das zuweilen schon an die Nieren. Ich kann das bei Onkel Tom natürlich etwas besser thematisieren, denn eine
Sodom Platte nur mit deutschen Texten…wer will das hören? Das politische Tagesgeschehen macht uns schon fertig und machen wir uns nix vor: Wir stehen kurz vor dem dritten Weltkrieg, da fehlt nur noch ein kleiner Schritt und das bewegt uns und daher schreiben wir auch darüber! Es wird natürlich niemals eine komplett politische Scheibe von Onkel Tom geben, das kann ich gar nicht als klassischer SPD Wähler…

Oh…darf ich das schreiben?

Klar, is halt so. Manchmal ist es vielleicht sogar falsch, die zu wählen, aber wir sind halt Jungs von der Straße, typische Arbeiter. Ich habe in meiner langen, musikalischen Karriere schon eine Menge gesehen und viel Dreck und Scheiße gefressen, aber ich bin immer noch ein Typ von der Straße geblieben, der dann entsprechend wählen geht.

Deshalb vielleicht auch „Zu wahr, um schön zu sein“?

Auch ein Hammertitel! Uns wird mit DSDS und dem ganzen Scheiß so dermaßen viel vorgegaukelt das man schon gar nicht mehr weiß, wo das alles noch hinführen wird. Wir leben jedenfalls nicht in dieser Scheinwelt, die uns überall suggeriert wird. Die jungen Leute von heute, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, sollten auch mal wieder rausgehen, am normalen Leben teilnehmen. Ich bin eines Morgens mal an einer Haltestelle vorbeigefahren…alle…wirklich ALLE die da standen waren total mit ihren Handys beschäftigt. Ich will das auf keinen Fall verteufeln, ich hab ja selber so ein Teil, aber man darf dabei nicht den Blick auf die richtige Welt verlieren. Wir haben das dann nur in unsere ureigene Form gepresst, wobei nicht nur ich, sondern auch der Corny eine Menge Texte beigesteuert hat. Die Zusammenarbeit war jedenfalls großartig, bis auf die Ballade „Ich bin halt am leben“, wo ich anfangs echt Probleme mit hatte, dann aber einwilligte. Der Text war gut und überhauptmerkt man alleine daran schon, wie gut die Zusammenarbeit auf dieser Scheibe war.

Dafür gibt es dann aber mitFlatus antelucanus“ (Der Atem vor Tagesanbruch wieder den typischen Onkel Tom Humor…
Das hat mit dem „Atem“ wenig zu tun, sondern ist mehr der morgendliche Furz (lacht). Ein Bekannter von uns hat seiner morgendlichen Flatulenzen immer mit dem IPhone aufgenommen und uns geschickt. Wenn man dann das Gerät noch in die Schüssel hält, gibt dat noch einen ganz eigenen Klang. Corny hat die halt gesammelt und wir haben überlegt, was mir daraus machen könnten und dann haben wir das im Intro verwendet, was allerdings auf Anhieb nicht als Furz erkannt werden könnte. Es gibt aber noch eine zweite Version, da wird dat deutlicher (lacht). Der is als hidden Track mit auf der Platte…musste mal spulen…Auf dem ersten Blick ist das vielleicht abstoßend…aber hey, dat is dat wahre Leben und als Intro kommt das gut.

Du hast auf dem neuen Album nicht eine Coverversion drauf. Nichts gefunden?

Es gibt ja gar keine mehr! Wir haben echt keine richtigen Sauflieder mehr gefunden…und Schlager? Nee, muss nicht sein. Wir haben nichts gefunden, was wir hätten noch unbedingt covern müssen. Wir hatten bei der „Nunc…“ schon noch ein paar Ideen, die dann aber von den Rechteinhabern abgelehnt worden sind und von daher wollten wir uns das nicht noch einmal antun. Es gibt vielleicht noch ein paar lokale Trinklieder, die dann aber keiner kennt und von daher haben wir diesmal unsere eigenen gemacht.

Du bist ja bald wieder mit Sodom on the road, Dein Gitarrist Celli startet gerade mit Crossplane durch. Somit ist ja fast davon auszugehen, dass es nur sehr wenige Gigs von Euch geben wird, oder?

Ich hoffe, dass sich das nächstes Jahr aber ändert! Allerdings ist das Jahr ja nun auch bald vorbei und zu Weihnachten und Sylvester suchen wir schon einige Auftrittsmöglichkeiten. Wir versuchen dann schon, Onkel Tom so oft wie möglich auf die Bühne zu bringen, was natürlich auch mit Sodom kombinierbar bleiben muss. Wir hoffen jetzt natürlich auch, mal mit Onkel Tom ein paar Gigs im Ausland reißen zu können, denn wir machen ja auch gute Musik…

Argentinien ist für deutschsprachige Musik ja immer ein gutes Pflaster…

Absolut! Aber auch in den USA, beispielsweise in Milwaukee, mag man das traditionell deutsche, allerdings meist mehr das bayerische, doch mit unseren Coverversionen könnten wir da schon was reißen. Wir haben jetzt erst einmal ne gute Platte gemacht mit tollen Songs, guten Refrains und darüber freuen wir uns alle.

Du bist ja Dauergast in Wacken, ob Du nun selbst auftrittst oder nicht. Was zieht Dich immer wieder zu dem, leider in meinen Augen zur Touristenhochburg verkommenen Event?
Ich weiß auch nicht…aber ich war ja von Anfang an dabei und so langsam hat das schon Tradition bei mir. Dieses Jahr war es für uns mal wieder die Gelegenheit dort zu spielen, aber ich habe ja auch schon an anderen Sachen da mitgemacht und gemerkt, wie sich das über die Jahre verändert hat. Das Kampftrinken, die Kochshow mit mir…das waren schon Dinger…und da habe ich schon gemerkt, was das manchmal für ein Zirkus ist. Aber dennoch ist es für uns natürlich immer schön, unsere Musik einer großen Masse zu präsentieren. Ich würde niemals auf den Jägermeister Turm klettern oder Bungee Jumping machen (lacht). Aber es ändert ja nichts, wenn Du oder ich nicht mehr hingehen würden, denn dieses Event zieht halt die Massen an. Es ist einfach ein Phänomen…ob man es nun gut findet oder nicht. Ich bin da eigentlich, ungeachtet des Rummels, immer wieder gerne, weil ich auch einen Haufen Menschen dort treffe.

Ich soll Dich von ein paar Fans noch was fragen und bitte Dich, darauf kurz zu antworten: Welches Haarspitzenfluid nimmst Du?

(lacht) Kar keins! Manchmal ne normale Spülung, aber mir hat das schon mal Jemand empfohlen, denn nach einer Show, wenn man viel gebangt hat, verknoten schon mal die Haare und man kann sie danach besser ausbürsten. Als Shampoo benutze ich Panteen Pro V

Besteht die Möglichkeit, dass Du vielleicht mal beim Metal Bash in Neu-Wulmstorf Deine Visitenkarte abgibst?

Ich bin der Meinung, da schon einmal gespielt zu haben. Aber ich spiele überall gerne und vor allem die kleinen Festivals haben schon ihr eigenes Flair. Gerade da kommt man sehr gut an die Fans ran, das ist immer sehr familiär. Manchmal sage ich auch: Je kleiner, desto besser.

Bier oder Pils?

Alt (lacht).

Die Antwort wusste ich…

Na wo ist denn da der Unterschied? Wir unterscheiden da zwischen Export und Pils…und wenn ich da die Wahl habe, ganz klar Pils! Es gibt aber auch gutes Export wie Dortmunder Kronen…

Enni von den Skullcrushern aus Dresden fragt ob Du Dir darüber im Klaren bist, was Dich beim Metalfestival für krebskranke Kinder erwartet? Kleine Bühne, ausverkauftes Haus?

Solche Dinger gehören einfach dazu und in Griechenland oder Südamerika gibt es die europäischen Standards auch nicht…und wir genießen das total! Solange keiner verletzt wird…schon gar nicht von uns…ist alles toll. Dresden und die Ecke haben wir eh immer etwas sträflich vernachlässigt, doch wir hatten von dort auch nicht immer ganz so viele Angebote. Aber auf das Event freue ich mich ganz besonders, denn Enni hat das was ganz Tolles auf die Beine gestellt, bei dem wir gerne mitmachen. Das wird eine Riesenparty!

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