Healthy Metal Environment

Wenige Woche vor Jahresende zündeten die aus der schon vor Jahren als Metal-Metropole bekannten schwedischen Kleinstadt Bollnäs stammenden Herren von Tad Morose endlich wieder einmal eines ihrer seit zwanzig Jahren beliebten, zuletzt aber leider verflucht rar gewordenen Melodie-Feuerwerke. Dieses wurde auf den Titel “Revenant“ getauft und wusste in komplettem Umfang zu begeistern. Zwar muss man als langjähriger Fan einige, wenn auch nur dezente Änderungen im Klangbild in Kauf nehmen, doch das Gespür für zwingende Hooks und einprägsame Kraft-Sounds ist zum Glück unverändert geblieben.

Die Bühne darf also sprichwörtlich erneut frei gegeben werden für Tad Morose, selbstredend nicht ohne zuvor einige aktuelle Informationen aus dem Lager der Band in Erfahrung gebracht zu haben. Der seit den Ursprüngen 1991 die Geschicke der Band leitende Gitarrist Christer “Krunt” Andersson kam dieser Anforderung gerne nach:

Mann, bin ich froh, dass ihr doch noch nicht zum Eintrag in die Geschichtsbücher „gereift“ seid. Aber was zum Teufel habt ihr denn getrieben? Euer letztes Album “Modus Vivendi“ hat mittlerweile zehn Jahre auf dem Buckel:
Da muss ich ein wenig ausholen. An sich lief es für uns mit “Modus Vivendi“ nämlich wirklich gut, doch Urban (Breed – der Verf.), unser Sänger verhielt sich nach einer durchaus erfolgreichen Tournee zusammen mit Edguy und Nocturnal Rites immer merkwürdiger. Keine Ahnung, was damals in ihn gefahren war, vielleicht das sogenannte „Sänger-Ego-Syndrom“, haha. Jedenfalls war es uns ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich mit ihm zusammenzuarbeiten. Es muss so um 2005 herum gewesen sein, als wir uns dann endgültig von ihm trennen mussten, auch wenn wir damals gerade dabei waren mit dem Schreiben für ein weiteres Album loszulegen.

Es folgte eine offenbar unendliche Geschichte zum Thema „Sänger-Suche“, in der unter anderem auch der früherer Overkill / Annihilator und aktuelle Duskmachine-Mann Joe Comeau ein leider nicht wirklich erfolgreiches Kapitel prägte:

Uns war vom Anfang an klar, dass es kein einfaches Unterfangen werden konnte, es mit einem Sänger zu versuchen, der in den USA beheimatet ist. Da die Zusammenarbeit mit Joe jedoch während der Demo-Aufnahmen und der Live-Shows dermaßen gut verlaufen ist, gaben wir dem „Projekt“ zumindest eine Chance. Nach einiger Zeit mussten wir aus logistischen Gründen diese Zusammenarbeit aber doch wieder beenden, da die Chose einfach zu kompliziert wurde. An der Tatsache, dass Joe ein hervorragender Sänger ist und wir eine wahrlich gute und ertragreiche Zeit gemeinsam verbrachten, ändert das aber auch im Nachhinein nichts! 
Es spricht wohl auch für alle Beteiligten, dass wir Freunde geblieben sind!

Mit ein Grund für die lange Schaffenspause von Tad Morose dürfte aber auch eure schier unerschöpfliche Mitarbeit an diversesten „Nebenbaustellen“ sei, oder? Mir fällt da auf Anhieb natürlich der Name Inmoria ein, doch auch zu Torch, The Citadel und Lack Of Faith dürftest es du etwas wissen?

Hähä. Schwer zu verheimlichen, dass wir nicht gerade wenig zu tun haben, was? Wobei, von den genannten Baustellen ausschließlich
Inmoria wirklich arbeitsintensiv gewesen sind. Ich darf diesbezüglich aber dafür sogar schon verraten, dass wir uns in Bälde mit den Aufnahmen für ein weiteres Album beschäftigen werden. Was das wiederum für Tad Morose bedeutet, kann man sich aber ausmalen, denn neben meiner Wenigkeit spielen ja auch Ronny (Hemlin, Gesang – der Verf.), Tommi (Karppanen, Gitarre – der Verf.) und Peter (Moren, Drums – der Verf.) auch bei Inmoria. Einzig unser zweiter Gitarrist Kenneth Jonsson ist nicht mit von der Partie (und wird bei Inmoria quasi von Keyboarder Danne Eriksson „vertreten“, der – welche Überraschung - früher auch bei Tad Morose aktiv war – der Verf.). Kenneth ist momentan der einzige, der ausschließlich auf Tad Morose fokussiert ist, denn er hat vor längerer Zeit schon seine Mitarbeit bei Torch und The Citadel aufgegeben. Ob es Lack Of Faith überhaupt noch gibt, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Ronny war dort aber auf jeden Fall noch vor seiner Zeit bei Steel Attack engagiert, das muss so knapp vor 2004 gewesen sein. Was nach dem letzten Album bei LACK OF FAITH (“Aeturnus Caligatio“; veröffentlicht 2003 über Rivel Records – der Verf.) alles geschehen ist, weiß ich aber echt nicht.
Wenn Inmoria als Thema schon dermaßen naheliegend sind, muss ich selbstredend kurz vom eigentlichen Gespräch abweichen und nachhaken, um mich nach dem aktuellen Stand erkundigen. Im Sinn des Titels sollten wir - wie von dir auch schon kurz angedeutet - mit “A Farewell to Nothing - The Diary Part 2“ in durchaus absehbarer Zeit rechnen können, gell?

Jawohl! Dieses Album wird es geben und zwar definitiv! Allerdings hängt viel davon ab, wie es für
Tad Morose läuft. Auf jeden Fall aber kann ich zwar sagen, dass wir 2014 mit den Aufnahmen dafür loslegen - nähere Zeit- und Terminpläne wage ich aber noch nicht zu treffen.

Egal, versprochen ist versprochen und außerdem: kommt Zeit, kommt Album. Zu Hast besteht jedoch kein Grund, schließlich gilt es erst einmal “Revenant“ zu genießen. Wann habt ihr denn mit diesem „Comeback-Album“ überhaupt begonnen?

Eines gleich vorweg: wir selbst betrachten das Album gar nicht als „Comeback“. Wir waren nämlich nie wirklich „weg“, sondern immerzu bestrebt ein weiteres Album aufzunehmen. Zugegeben, es hat ein klein wenig länger gedauert als bei einigen anderen Bands, haha. Doch als wir unser aktuelles Line-Up beisammen hatten, konnten wir wieder richtig zur Sache gehen und sind seit diesem Zeitpunkt auch wieder voll Motivation und Tatendrang.

Und seit wann ist die aktuelle Besetzung nun schon beisammen?

Seit knapp anderthalb Jahren, genauer gesagt seit wir Kenneth als Mitglied gewinnen konnten, der sich verdammt rasch und gut zu integrieren wusste. Der „Rest“ von uns ist seit 2008 konstant als Band zusammen und die Songs von “Revenant“ sind im Prinzip in einem stetigen Prozess seit dieser Phase entstanden. Mit den Aufnahmen haben wir dagegen gewartet bis wir komplett sind und daher kann man Kenneth auch in einigen Tracks auch als Solo-Gitarrist hören.

Als Glücksgriff scheint sich auch Ronny entpuppt zu haben, zumindest hinterlässt er auf dem Album einen verdammt guten Eindruck. Wie ist Ronny zu Euch gestoßen? War Kerl denn so einfach zu haben, schließlich war er bis 2009 bei Steel Attack mit an Bord?

Ich kenne Ronny schon seit Jahren und bin auch schon seit Ewigkeiten von seiner Klasse überzeugt. Er stammt obendrein aus einer Nachbargemeinde und da er ebenso wie ich, schon seit langer Zeit als Musiker aktiv und unterwegs ist, haben sich unsere Wege in der Vergangenheit immer wieder mal gekreuzt. Da ich ihn als Mensch und Musiker gut genug kannte, war er meine erste Ansprechperson nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Urban. Damals war er allerdings noch zu sehr bei
Steel Attack eingespannt, während er bei meinem zweiten Versuch 2008 nicht mehr ganz so involviert in das Geschehen war und kurzentschlossen zu uns wechselte.

Deine bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass zumindest einige der Songs von “Revenant“ doch schon eine gewisse „Reifedauer“ hinter sich bringen konnten.

Absolut! Einige der Songs haben in der Tat schon mehrere Jahre auf dem Buckel, einige Fragmente sind sogar gute zehn Jahre alt. Denn wie schon erwähnt, hatten wir bald nach der Veröffentlichung von “Modus Vivendi“ mit dem Schreiben neuer Songs begonnen und dieser „Prozess“ dauerte bis zur Fertigstellung des neuen Drehers an

Eine bestimmte Intention wie das Album zu klingen hätte, gab es demnach wohl nicht?
Nein, wir gaben uns damit zufrieden, die bestmöglichen Songs abliefern zu können, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Ich hoffe das reicht; haha?

Sicher doch. War es denn Zufall, dass die aktuelle Scheibe straighter und auch heftiger klingt als sämtliche anderen Tonträger eures bisherigen Schaffens?

Keine Ahnung. Vielleicht lag es schlicht und ergreifend an der nicht gerade einfach handzuhabenden Zeit, die wir durchzustehen hatten. Eine bestimmte Absicht gab es jedoch sicher nicht und Rücksicht genommen haben wir ebenso auf nichts. Man kann als gerne „Zufall“ stehen lassen, um einen Grund für die Ausrichtung herauszufinden.

Wie aber würdest Du dann den Unterschied zwischen “Revenant“ und den früheren Alben beschreiben?

Ich bin ganz deiner Meinung, dass die Scheibe deutlich härter und direkter ausgefallen ist. Allerdings denke ich auch, dass “Revenant“ unser bislang dunkelstes Album geworden ist. Auch was den Sound betrifft, klangen
Tad Morose bisher wohl noch nie so heftig. Dabei haben wir uns mit einem Trick geholfen: Die Gitarren wurde über ein „Kemper“-System gesondert und speziell verstärkt.

Gibt es denn auch schon Pläne was in absehbarer Zukunft, respektive nach der Veröffentlichung von “Revenant“, geschehen wird?

Die Zukunft kann man leider immer noch nicht voraussagen. Aber ich hoffe doch, dass es nicht abermals zehn Jahre dauern wird, ehe ein weiteres Album fertig ist, zumal die ersten Ideen für Songs sogar schon eingetütet sind. Abgesehen davon liegt unser Fokus für 2014 aber eindeutig auf dem organisieren von Gigs und zudem werden wir wohl in diesem Jahr auch noch ein Video drehen. Wenn alles klappt, könnte das nächste Album dann sogar 2015 erscheinen. Nicht schlecht, was? Vorsicht ist aber dennoch geboten, denn sicher sein kann man trotzdem nie [lacht].

Nicht übel. Doch abgesehen davon sollte sich doch auch eine Tournee wieder einmal im Terminkalender „aufdrängen“, oder?

Das hoffe ich zumindest! Unser Management ist momentan gerade dabei diverse Booker zu kontaktieren und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in Bälde auch wieder unterwegs sein können. Es gibt einfach nichts Wichtigeres für eine Band als auf die Bretter zu gehen und loszurocken. Und genau danach ist uns im Moment auch zumute!

Logisch – und auch wir hier in Mitteleuropa würden uns sehr über eine Gastspielreise freuen. Geht da eventuell was?

Na hoffentlich! Und an uns soll es auch nicht scheitern! Wer uns also buchen will, braucht sich nur an unser Management zu wenden und wir kommen sofort zu Euch!

Was gibt es denn bezüglich „Bühnenerfahrung“ aus der Vergangenheit Interessantes zu berichten?
Jede Menge! Wobei wir ausnahmslos positiven Erinnerungen in uns tragen. Zwar muss ich gestehen, dass ich mich nicht an alles erinnern kann, was eventuell dem einen oder anderen Bierchen zu viel geschuldet ist [lacht], dennoch war es bislang immer und überall – und das auf jeder Seite des Atlantiks – phantastisch mit diversesten Größen der Szene rocken zu können. Zusätzlich war es auch eine ganz besondere Sache einem Könner wie Jeff Waters vom Bühnenrand aus bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Sein Spiel hat mich ohnehin nachhaltig beeinflusst, in einer solchen Situation denkt man allerdings einzig und allein daran, noch viel, viel mehr üben zu müssen.

Zusammenfassend lässt sich nun also festhalten, dass bei Euch wieder alles bestens läuft. Doch nicht nur Tad Morose zeigen sich wiedererstarkt, auch eure Kollegen von Morgana Lefay scheinen wieder zu ihren alten Form gefunden zu haben - zumindest hat ihr fulminanter Auftritt beim „Bang Your Head!!!“-Festival im vergangenen Jahr darauf schließen lassen. Jetzt aber raus mit der Sprache, was geschah in eurer Heimatstadt?

Haha, das hat was! Keine Ahnung, was genau es wirklich ist, aber Du hast völlig Recht. Es mag was dran sein an der Theorie, dass in einer verhältnismäßig kleinen Stadt wie Bollnäs (in der lt. Wikipedia knapp weniger als 13.000 Einwohner leben – der Verf.) sich sämtliche Bands gegenseitig zu Spitzenleistungen regelrecht anspornen. Neben uns und Morgana Lefay konnten sich nämlich inzwischen auch Bloodbound international etablieren und auch Gormathon (eine Melodic Death Metal-Band, in der sich mit dem früheren MORGANA-Klampfer Stefan Jonsson und dem Ex-Bloodbound und Ex-Tad Morose-Gitarristen zwei erfahrene Musiker tummeln, deren zweites Album demnächst über Napalm Records erscheinen dürfte - der Verf.) sollten sich in Kürze einen Namen machen können. Vielleicht sollten wir tatsächlich mal über unsere Umwelt-Situation nachdenken, hähä. Ich denke, man kann bei uns tatsächlich von „Healthy Metal Environment“ sprechen, haha.

Coole Ansage! Aber nicht nur bei Euch hat sich in letzter Zeit offenbar wieder vieles zum Guten gedreht. Die „Szene“ allgemein scheint eine ähnliche Entwicklung durchgemacht zu haben, die uns aktuell eine ähnlich große Auswahl-Situation an Bands offenbart, wie weiland in den 80er Jahren, die wohl jeder Metaller als den „Garten Eden“ empfand.

Naja. Ganz so rosig sehe ich die Sache jetzt auch wieder nicht. Und zwar deshalb nicht, weil die Verkäufe einfach im Keller sind und sich wohl so schnell auch nicht wieder erholen werden. Dadurch müssen viele Bands ohne die entsprechenden Budgets ihre Produktionen übernehmen und das ist nicht gerade einfach. Auf der Gegenseite ist es momentan jedoch leichter denn je seine Musik an den Interessenten bringen zu können, da sich eben neue Möglichkeiten durch die Technik ergeben haben. Dadurch besteht zwar sehr wohl auch die Gefahr, dass ein geiles Album in der Flut an Veröffentlichungen unentdeckt bleibt, dafür kannst du aber umso leichter einen neuerlichen Versuch starten. Ich persönlich empfinde es im Moment jedoch gar nicht so einfach wirklich gute, neue Bands für mich finden, denn bei allem Wohlwollen, den ich sehr wohl aufbringen, denke ich, dass viele Musiker den Sound ihrer Idole nur noch „aufwärmen“, als dass sie selbst etwas kreieren würden. Aber das ist einzig und alleine meine Meinung und man sagt mir immer schon nach, ein „Ewiggestriger“ zu sein. Na und? Solange Bands wie Accept oder Saxon coole Scheiben rausbringen, soll mir das recht sein!

Gut gebrüllt Löwe – auch wenn “Revenant“ alles andere als „ewiggestrig“ klingt!

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