Mitsprache ja, Recht nein

Manchmal liegen Genie und Wahnsinn hauteng beieinander. So auch bei der Luckenwalder Hard Schlager Tanztruppe Inge & Heinz, die nicht nur mit ihrem ersten Longplayer „Musik zum Möbel uffbauen“ song- und vor allem texttechnisch sich anschicken, in Konkurrenz mit Knorkator zu treten, sondern dieses auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit live unter Beweis stellen. Ein Konzert der Sieben ist immer wieder ein Erlebnis. So auch an diesem Abend im Berliner Blackland, wo die Südbrandenburger eingerahmt von Bands völlig konträrer Musikstile das Publikum schnell begeistern konnten. Die Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, schnappte mir die Truppe nach ihrem großartigen Auftritt und löcherte sie ein klein wenig…
Warum sieht man auf Eurem Albumcover sieben Leute, auf der Bühne bei den letzten Konzerten allerdings nur 6 Mitglieder? Was ist da los?

Der Alte: Ja…heute waren wir sechse, einfach aus Platzgründen. Und der Mark…ja der Mark…stimmt, der war beim „Rock im Grünen“ in Berlin ooch nich bei. Der is sonst fast immer bei, er ist ja auch quasi ein halboffizielles Mitglied bei uns. Er kann halt nicht immer, ist ein junger Mensch, gerade 18 geworden und von daher konnten wir ihn vorher auch nicht überall hin mitnehmen. Das hatten wir mit unserem Gitarristen Gorgorott auch mal so, der is ja auch noch sehr jung…im Gegensatz zu uns. Mark spielt ja auch kein Instrument und ist ja quasi ähnlich wie Mackse und Sandrachen…also mehr der Performer.

Gibt es da eigentlich kein Kompetenzgerangel, wenn sich 6 oder sieben Leute auf der Bühne drängeln? Dazu noch Kostüme und andere Gimmicks…da bleibt ja gar kein Platz mehr…

Der Alte: Wir passen uns den Gegebenheiten an. Allerdings hatte ich auch schon mal die Gitarre im Kopf stecken oder auf dem letzten Gig hat sich Gorgorott fast selbstmordartig in mein Kabel gestürzt. Aber irgendwie kriegen wir dann doch noch immer wieder die Kurve…kennen uns ja nun auch schon ne Weile und sind lange zusammen unterwegs.

Mackse: Wir wissen schon, was der jeweils andere auf der Bühne macht und dementsprechend nimmt man sich dann selbst etwas zurück, damit solche Komplikationen gar nicht erst entstehen. Man muss schon aufpassen, aber im Eifer des Gefechts können da schon manche Sachen passieren, die dann aber im Umkehrschluss auch wieder komisch sind.

Der Alte: Wenn wir im Vorfeld schon wissen, dass wir auf kleinen Bühnen spielen, stellen wir unser Repertoire natürlich entsprechend um und lassen dann beispielsweise die Tonne im Auto…

Auto oder Tieflader? Ich meine…7 Leute und dazu noch allerhand Jokes und Gimmicks?
Der Alte: Im Normalfall mit einem Hänger, aber heute hatten wir nur nen Auto und da muss dann schon mal einer mit der Bahn fahren…und der war heute icke (Gelächter)

Als ich mir am letzten ersten April einen kleinen Scherz erlaubte und Bolt Thrower auf eine fiktive Tour durch die Provinzen reisen lassen wollte, kam für den Raum Luckenwalde eigentlich und ausschließlich nur die „Revolverdiele“ infrage…doch zu meinem großen Entsetzen fand ich die nirgends. Gibt’s die überhaupt?

Der Alte: Halb und halb (lacht). Wir haben eine bestimmte Route wenn wir im Südosten auftreten und fahren dabei durch ein Dorf, indem sich eine Kneipe befindet, in die man als Normalsterblicher nie reingehen würde. Die sieht von außen aus… (ringt um die richtigen Worte) Da hat uns unser Schlagzeuger mal drauf hingewiesen und immer wieder wenn wir daran vorbeifahren…

Mackse: …sagt er: „das ist die Revolverdiele von Jutta Borutta“ und genau deshalb ist auch das Lied entstanden….

Also noch nie wirklich drin gewesen?

Mackse (völlig entsetzt): Nee, denn wenn Du das Ding nur vom außen siehst…da willste ums Verrecken nicht rein. Da musste dein Bier wirklich selber mitbringen…

Der Alte: …sonst nimmste von da was mit, was Du wirklich nicht brauchst (Gelächter).

Im Vorfeld zu diesem Gespräch fiel mir auf, dass in Bezug auf Inge & Heinz eigentlich fast alles schon gesagt und gefragt wurde. Was würdest Du denn gerne mal für eine Frage gestellt bekommen?

Der Alte (überlegt lange): Über die Texte wurde schon oberflächlich gefragt, doch irgendwie fragte noch nie jemand, worum es in dem Song „Inge & Heinz“ eigentlich geht. Da geht es um ein altes Ehepaar, was auch mal was Neues ausprobiert…also wenn Heinz nach Hause kommt und ne Peitsche mitgebracht hat, weil er darüber was gelesen hat und dann aber feststellt: Ups, das tut ja ganz schön weh (lacht).

Mackse: Ich weiß gar nicht, was ich gerne gefragt werden würde. Ok…meine Boxershorts reißen auf der Bühne des Öfteren, da ich leicht adipös bin (Gelächter) Bin aber auf dem Weg der Besserung. Aber…wenn ich es mir so überlege…da gehen schon pro Gig 2 Boxershorts druff.

Daniel…(Der Alte), wie kommt man vom Death Metal, den Du ja früher gezockt hast, zu Inge & Heinz? Was ist da schiefgelaufen?

Der Alte: naja…das war ja mehr ne Zwei-Mann Kapelle und komischerweise hatten wir nach dem zweiten Gig schon Hüte uff, was ja nunmehr ein Trademark bei Inge & Heinz geworden ist. Das war irgendwie so ein Selbstläufer…und begann nach einem Gig in Cottbus, wo ich bei jedem Song nen anderen Hut uffm Kopp hatte.

Wie viele Hüte hast du denn überhaupt?

Der Alte: So um die 30. Na wenn ick wat schönet sehe, kann ick nich einfach vorbeiloofen (lacht).

Haste denn mittlerweile ne schöne Farbe für deine „Kautsch“ gefunden?

Mackse: Umbra! (Gelächter)

Der Alte: Die liegt sich einfach gut und wir haben uns nunmehr für Apfelgrün entschieden. Dazu passt einfach auch gut das Bild von Zeisig und Fink, mit dem dezenten Braunton.

Also tatsächlich Lieder, die das Leben schrieb?

Der Alter: Die schönsten Geschichten schreibt halt das Leben…

Mackse: Und wir verarbeiten damit einfach auch unsere alltäglichen Probleme…eine Therapie quasi (Gelächter).

Heute beim Blackland Festival hatte ich anfangs aufgrund der Zusammenstellung der Bands ein klein wenig bedenken…

Der Alte: Wir ooch, hahaha. Haben wir aber immer. Ich bin da mittlerweile immer recht optimistisch, aber unser Drummer Atze ist immer recht angespannt, wenn wir beispielsweise auf irgendeiner Knüppelveranstaltung auftreten. Da hat er Bammel, motiviert sich dann aber vorher mit „Reign in blood“ und dann geht’s. Is schon komisch, doch wir haben schon die unterschiedlichsten Veranstaltungen gespielt. In Bernburg auf dem Klosterfest waren die ersten 15 Reihen nur Rentner…und da haben wir noch mit Slayer angefangen (Gelächter) und selbst das hat funktioniert…wobei der Pit etwas mager ausfiel, die saßen fast alle im Rollstuhl.

Mackse: Es hat aber dennoch funktioniert. Liegt auch daran, dass wir lustige Hüte aufhaben, hahaha.

Ich war allerdings ein klein wenig enttäuscht, Dich heute nicht als He-Man auf der Bühne zu sehen…dafür war Deine 70er Huldigung mit dem bunten Death Metal Patch aber auch nicht ohne…
Der Alte: Der gehört ja wohl mal dazu! Aber für den He-man war es heute einfach zu heiß. Und ich habe nichts passend Kurzes für heute Abend gefunden.

Mit „Der Schuh“ habt Ihr einen Song im Liveset, den Ihr so nicht auf CD brennen dürft, da sich die Band, dessen Song Ihr verwurstet (…der Schuh, der Schuh, der passt nicht…) da etwas quer stellt. Doch andersrum habt Ihr mit „Tonne“ (1…hier kommt die Tonne…) einen ebensolchen auf "Musik zum Möbel uffbauen" gebannt. Wie geht das zusammen?

Der Alte: Wir hatten tatsächlich wegen dem Schuh angefragt, doch da wir den Text ein klein wenig angeglichen hatten, wollte die Band das nicht. „Tonne“ haben wir raufgeschmuggelt und von daher ist die CD auch nur limitiert erhältlich und wenn uns jemand fragt können wir sagen, die is nur für jute Kumpels (Gelächter). Von daher haben wir den Schuh zum kostenlosen Download rausgehauen, quasi als kleines Geschenk…da wir den ja eh nicht veröffentlichen dürfen…

"Der Schuh" zum downloaden

Coverversionen liegen Euch ja eh im Blut, gerade die Version von Roxette’s Klassiker „The look“ hat es mir angetan. Aber…mal Hand aufs Herz…hattest Du wirklich schon einmal eine Katze, die geguckt hat? (…die Katze guckt…)

Der Alte: Meine Schwiegereltern haben zwei Katzen…und..äääh ja…die waren öfter schon einmal da (lacht). Allerdings wurde Paul jetzt eingeschläfert…war aber nen Netter.

Musikalisch habt Ihr ja ein recht breites Spektrum. Wie kann man sich bei Euch ein Songwriting Prozess vorstellen? Ich meine, „Revolverdiele“ hat nen fettes Riffing, schon fast Bolt Thrower lastig…doch dann kam der Gesang, der mich beim ersten Mal etwas erschrak…
(Gelächter) Gorgorott: Das geht uns auch immer so. Wir haben beim Songwritingprozess alle ein Mitspracherecht…oder andersrum…Mitsprache: ja. Recht: Nein (Gelächter)

Der Alte: Ich habe schon in der Vergangenheit immer wieder fertig und ausgereifte Songideen mitgebracht, aber mittlerweile machen alle mit. Wenn Gorgorott mit einem Song ankommt…

Gorgorott: Bleibt davon lediglich ein Viertel übrig…

Der Alte: Neeneenee…das war bei „Koffer“ ganz anders. (Es bricht eine wilde Diskussion aus) Du siehst, jeder darf seinen Senf dazugeben.

Mackse: So entsteht dann ein Song wie „Döner“, der nun selbst für uns aus dem Rahmen fällt. Da kam der Papst mit an und schwupp…haben wir ihn gemacht. Sandrachen schreibt auch herrlich blödsinnige Texte…
Hat sich IKEA eigentlich bei Euch mal wegen dem Albumtitel gemeldet? Es wird einem ja quasi suggeriert…

Der Alte: Das hat sich aber unser Covermensch ausgedacht, den wir da etwas einbremsen mussten, aber ansonsten hat er das prima hinbekommen.

Mackse: Aber die CD ist wirklich gut zum Möbel uffbauen, denn wenn der Schrank mal schief steht oder der Tisch wackelt, kann man die ganz hervorragend drunterstellen (Gelächter). Zum Hammer ablegen…

Der Alte: Den berühmten Imbusschlüssel wollten wir dann aber doch nicht beilegen, sonst wären die uns auf die Schliche gekommen.

Wie werdet Ihr eigentlich von anderen Medienvertretern wahrgenommen? Es ist ja nun nicht ganz so einfach, Euch zu kategorisieren…
Der Alte: Komischerweise haben wir durch die Bank weg gute Kritiken bekommen, aber auch wenn mal eine schlechte dabei war, ist das vollkommen ok, denn es wirklich nicht ganz einfach mit uns. Die große Presse macht eh einen Bogen um uns. In Luckenwalde sitzt ja die MAZ (Märkische allgemeine Zeitung) …die haben noch kein Interview mit uns gemacht. Aber das ist eh nicht unser Zielpublikum…wir freuen uns über die Szenemagazine, sei es nun Print oder online, die sich mit uns auseinandersetzen…dafür sind wir dankbar.

Mackse: Unser Humor ist zuweilen schon gewöhnungsbedürftig und nicht für Jedermann geeignet, aber im Großen und Ganzen sind wir über jegliche Resonanzen dankbar, wundern uns aber dann auch schon oft, dass es tatsächlich Leute, so wie Dich, gibt, die echt was von uns wissen wollen (Gelächter).

Ich habe Euch schon mal mit Knorkator verglichen…

Der Alte: Wen? Kenne ick nich (Gelächter). Das hören wir aber öfter und schmeichelt uns gewaltig, doch wir sehen da schon grobe Unterschiede. Musikalisch können die weitaus mehr als wir…

Mackse: es sind einfach großartige Musiker und auch textlich sind sie uns um Lichtjahre voraus. Wir haben auch schon einmal mit ihnen zusammen gespielt…

Der Alte: Da haben wir einen Bandcontest gewonnen bei dem der Preis ein Slot als Opener bei Knorkator gewesen ist, doch im Endeffekt waren es nicht nur der Gewinner, nämlich wir, sondern die ersten 3 Bands und somit hatten wir netterweise aufgrund diverser Überziehungen der beiden anderen Combos lediglich 10 Minuten Zeit, um uns vor Knorkator zu präsentieren. War aber auch cool…obwohl es anders gedacht war. Ha…da kommt der Gorgorott wieder…wir wurden anfangs, wo du noch nicht dabei warst gefragt, welche Frage wir mal gefragt werden möchten…

Gorgorott: Hmmm….is schwierig. Wie kamst du um Gottes willen dazu, bei Inge & Heinz zu landen?

Der Alte: Das fragen aber alle (Gelächter).

Gorgorott: ist schon merkwürdig, denn vom Alter und optisch liegen wir ja Welten auseinander. Vor allem in der Breite…

Mackse: Ey!!! (Gelächter)

Der Alte: Aber stimmt schon. Unser Keyboarder ist 43, Gorgorott ist 19, also könnte er quasi sein Sohn sein…

Wie ist das eigentlich zusammen mit seinem Bruder (Der Papst, Keyboarder) in einer Band zu spielen?
Der Alte: Eigentlich ziemlich cool und mit unserem kleinen Bruder war es noch cooler, wenn der auch mit auf der Bühne stand. Bei unserer Death Metal Phase war er ja der Bassist und icke der Schlagzeuger, doch wir merkten schnell, dass das nicht unsere Bestimmung war…und deswegen ist er jetzt an den Tasten und icke am Bass. Es ist aber was Besonderes…

Warum gibt es auf Euren Konzerten eigentlich immer Eierlikör? Und dazu noch für Umme?

Mackse: Hmmm…wie kam das zustande. Wir hatten damals ne Zeitlang immer welchen mit und haben den auch selbst gerne getrunken…

Der Alte: Wir sind gerne für jeglichen Schabernack zu haben. Wir haben auch schon einmal direkt vor der Bühne gegrillt. Die Würschte haben wir dann aber selber weggefressen. (Gelächter)

Mackse: das mit dem Eierlikör ist schon ein running Gag geworden. Beim Spreewald Rock wurden sogar Eierlikör Schilder hochgehalten. Kommt auch immer gut an.

Ich war ja anfangs etwas entsetzt, dass Ihr auf dem Spreewald Rock aufgetreten seid. Da tummelt sich für mich persönlich doch zu viel Grauzone rum…

Mackse: Danke für die Frage! Wir distanzieren uns KOMPLETT von irgendwelchem rechten Gedankengut, sahen das ähnlich und hatten schon etwas Bammel. Aber die Resonanzen waren großartig und es waren auch viele Bands dabei, die sich klar von dieser Ideologie abgrenzen, dieses auch immer betonen und deshalb haben wir nach vielen Diskussionen zugesagt.

Gorgorott: Auch wenn es schön war, hatte ich im Vorfeld schon dolle Bauchschmerzen dahin zu fahren. Ich bin da den Tag mit einem Beutel rumgelaufen auf dem „Fuck AfD“ draufstand, einfach nur um zu sehen, was passiert und mit wie vielen Knochenbrüchen ich zurückkomme, doch ich habe viel Zuspruch bekommen. Klar rennen da auch viele gruselige Gestalten rum, doch ich habe davon nichts gemerkt.

Mackse: Wir wurden super umsorgt, die mochten uns und wir würden auch jederzeit wieder dort spielen.

Gorgorott: Kein Bier für Nazis, kein Sex mit Nazis…

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