Am 21.1. war es für Orphan Execution soweit, ihr erstes Album „Condemned by Legacies“ unter die Leute zu bringen. Im Zuge der Release Party habe ich der Band einige Fragen, vor allem über das kommende Album, aber auch über die Zukunft der Band stellen dürfen. Geführt wurde das Interview mit David Twers (Sänger), Marcel Buchheim (Gitarre) und Phillipp Strobel (Gitarre).

Fangen wir mit dem ersten an, was man von eurem Album sieht: Das Cover. Was stellt es dar, und wie ist es entstanden? Was bedeutet es für euch Persönlich?

David: Das Cover zu „Condemned by Legacies“ ist über einen langen Zeitraum entstanden. Es ging uns dabei immer um den Bezug zu unserer Stadt, Falkenstein. Wir hatten im Mittelalter ein Pestkrankenhaus in Falkenstein, wir heißen ja Orphan Execution, demnach geht es um Waisenkinder und wir wollten das mit unserem ersten Album aufgreifen. Also wollten wir das Waisen-Thema und ein Stück von unserer Heimatstadt miteinander verbinden. 

Marcel: Wir haben tatsächlich lange gebraucht, um eine Coveridee zu finden um den Bezug wiederzufinden. Auf dem alten „Claim to the Absoluteness“ T-Shirt war die Kirche in Falkenstein, in der ein Pfarrer verbrannt wurde, zu sehen war. Diesmal haben wir aber ein anderes Thema gesucht, und sind dann auf die Pestkranken im Mittelalter gekommen. Das Pestkrankenhaus ist auch auf dem Cover zu sehen.

David: Zur Bedeutung: Dieses Wesen, was auch immer es sein kann, wir lassen da Interpretationsspielraum, es könnte die Mutter des Kindes sein. Vielleicht aber auch ein Arzt zur damaligen Zeit, der dieses Kind in das Spital in den Wald verschleppt und dort aufzieht. Sodass sich in diesem Spital sozusagen eine Lebensform entwickelt, die ab von der restlichen Zivilisation ist und mit der in diesem Haus auch so einiges passieren könnte.

Marcel: Es soll ausdrücken, dass das Kind dahingehend erzogen wird, wie die Menschheit es gerne haben möchte, und dass das nicht nur gute Dinge mit sich bringt.

Wer sich mit eurer EP genauer beschäftigt, oder euch schon einmal live gesehen hat, dem wird auffallen, dass viele Songtexte umgeschrieben wurden und andere Namen haben. Wie kam es dazu?

David: Es war immer so, dass wir gemeinschaftlich alle Texte geschrieben haben. Auch vom alten Sänger waren noch Texte dabei, und daher war es für mich als Sänger einfach Zeit dafür, deutlich mehr Einfluss auf die Texte zu nehmen. Außerdem sollten sie an aktuelle Gegebenheiten angepasst werden, denn auch von der Struktur her waren einige ältere Songs noch für zwei Sänger ausgelegt. So hat also jeder Song eine kleine Überarbeitung bekommen, und manche, die einfach veraltet waren, haben auch einen komplett neuen Text bekommen. Es ging auch darum, die Texte bedeutungsvoller zu gestalten.

Marcel: Mit dem neuen Album wollten wir ein neues Kapitel aufschlagen. Wir mussten mit der Vergangenheit, mit dem zweiten Sänger, abschließen, und somit mussten wir alles noch einmal überarbeiten.

Ihr sprecht den ehemaligen zweiten Sänger an – war es für euch schwierig, ohne den zweiten Sänger, der ja auch auf eurer EP zu hören war, zu diesem Album zu kommen? Gab es viele Diskussionen oder vielleicht sogar Streit?
David: Man muss sagen, der Ausstieg des zweiten Sängers hat der Band nicht viel geschadet. Das war nur eine Art Relikt, wodurch die Songstrukturen immer noch auf zwei Sänger ausgelegt waren. Zum Album hat es allerdings ziemlich lange gedauert. Es hat fast anderthalb Jahre gedauert von dem Zeitpunkt, wo wir das erste Studio gesucht haben zu dem Zeitpunkt wo uns das Presswerk nun die CD’s geschickt hat. Wir mussten ein bisschen aufpassen, es gab einige sehr dubiose Angebote. Wir waren zuerst in einem Studio wo uns der Himmel versprochen wurde, und tatsächlich wären wir auch fast darauf reingefallen. Wir haben dann doch noch die Kurve gekriegt, und haben dann alles komplett neu geplant. Wir haben dann endlich ein neues Studio gefunden, dort haben wir dann alle Instrumente aufgenommen. Da die Texte überarbeitet werden sollten bin ich dann noch einmal sechs Monate später ins Studio gegangen, und habe dort dann den Gesang aufgenommen. Danach waren natürlich noch das Albumcover und das Presswerk ein Thema. Auch da gab es ein paar Probleme, denn unser erster Designer ist abgesprungen, wir mussten uns also jemanden suchen, der das Cover später vervollständigt hat. Wirkliche Streitigkeiten gab es nicht, aber dadurch, dass eben jeder seine eigene Vorstellung hat, war es zum Teil schwierig sich als Band zu einigen.

Marcel: Ja, das stimmt. Es gab einige Diskussionen über das Artwork, über das CD-Design, ob wir ein Digipak oder lieber ein Crystal Case machen. Am Ende haben wir uns dann aber doch komplett geeinigt und haben es so in Angriff genommen, wie es jetzt am Ende rausgekommen ist. Der Absprung vom ersten Studio hat uns, denke ich, gut getan. Wir haben dann mit Andreas Rudolph einen richtig guten Mann gefunden, der auch sehr professionell an die Sache herangegangen ist.

David: Man muss natürlich auch sagen, dass diese Diskussionen absolut notwendig und wichtig sind. Man entwickelt sich zusammen weiter und findet zusammen einen Weg. Bei uns war es nicht so, dass einer alles vorgegeben hat, sondern dass alle ihre eigenen Vorstellungen mit einbringen konnten.

Würdet ihr sagen, dass der Wandel von der EP zum Album nur auf musikalischer Ebene stattgefunden hat, oder hat auch ein Wandel der Mentalität dahinter stattgefunden?

David: Es gibt uns jetzt ungefähr seit 5 Jahren. Die EP ist nach ca. zweieinhalb Jahren entstanden. Wir waren alle vorher nicht in einer Band, daher entwickeln wir uns natürlich auch zusammen sehr weiter. Es war einfach ein notwendiger und ganz logischer Fortschritt. Wir können musikalisch mehr, wir haben viel mehr Live-Erfahrung, wir wissen viel mehr, worauf wir achten müssen.

Welche Bands würdet ihr nennen, die euch als Band oder auch privat als Musiker am meisten beeinflusst haben?

Phillipp: Das ist bei uns sehr schwierig zu sagen, weil jeder einen ganz anderen Einfluss einbringt. Ich selbst kam ursprünglich eher aus dem Hardcore-Bereich. Mittlerweile hat sich das allerdings geändert.

David: Jeder aus unserer Band hört eigentlich eine etwas andere Richtung, obwohl wir uns über die Jahre immer mehr aneinander angenähert haben. Tatsächlich mag der eine den Old-School Death Metal am liebsten, der andere hört lieber Deathgrind, wieder ein anderer hört mehr Deathcore. Daher sind von vielen Richtungen Einflüsse vorhanden, wir versuchen das dann irgendwie als Fünfergespann unter einen Hut zu bekommen.

Marcel: Wir müssen eben alle einen Weg finden, unseren eigenen Stil durchzusetzen. Anfangs war es schon schwierig, einen Stil zu finden, mit dem wir uns identifizieren konnten. Wir wussten nicht, ob das, was wir machen wollten jetzt Death Metal sein sollte.

David: Zumal genau das ja immer alle wollen, dass es da einen Namen gibt, der dann eben auf Flyern stehen kann. Aber man macht eben Musik und versucht nicht, nachzuahmen, sondern versucht sich selbst auszudrücken.

Philipp: Unsere wahre Richtung haben wir eigentlich erst so richtig gefunden, als der zweite Sänger ausgetreten war.

David: Cattle Decapitation! Das musste ich jetzt noch so in den Raum werfen. (Lacht)

Wie entstehen denn bei euch Ideen zu neuen Songs, probiert eher ein Einzelner zuhause etwas aus und kommt dann mit neuen Ideen im Schlepptau zur Probe, oder entstehen neue Songs bei euch eher aus Improvisation bei Proben?
Phillipp: Meistens jammen wir am Anfang einfach ‘ne Runde, und wenn dann eine Idee steht, wird die meistens aufgegriffen und vorgemerkt. Vielleicht nicht gleich aufgegriffen, aber dann zu einem späteren Zeitpunkt.

David: Genau. Es gibt bei uns niemanden, der zuhause sitzt, sich alles ausdenkt, und dann spielen das alle nach; Sondern es ist so, dass alles aus dem gemeinsamen tun heraus entsteht. Wenn man dann das Gefühl hat, dass da ein cooler Part entstanden ist, dann wird der aufgegriffen und verfeinert, manchmal aber eben auch wieder weggeworfen.

Marcel: Wir arbeiten mit einem Aufnahmegerät, das bei der Probe meist einfach mitläuft. Später hört man sich das dann an, und so entstehen dann Ideen, die wir dann zum Teil für Songs verwenden. Allerdings gibt es natürlich auch viele Dinge, bei denen wir uns denken: „Ok, das löschen wir mal lieber wieder.“

Phillipp: Es gab teilweise sogar ganze Songs, die wir erst fertig geschrieben hatten, dann aber doch lieber ganz bleiben gelassen haben.

Es wurde angesprochen, dass die Texte mehr Bedeutung haben sollten. Was für Themen findet man denn in den Texten wieder?

David: Nicht unbedingt mehr Bedeutung, aber es ging um eine Konkretisierung, darum, mehr stilistische Mittel einzubringen, und dem Ganzen mehr Raffinesse zu verleihen. Die Texte handeln um den Kopf, die Psyche, um die Gesellschaft und ihre Eigenheiten. Es gibt als Themen wie psychische Krankheiten, aber auch sozialkritische Themen aus der Moderne. Das digitale Zeitalter wird genauso aufgegriffen wie Selbsthass, Depressionen, Suizid, Stockholm Syndrom, Nekrophilie. (lacht) Das sind alles Themen, die gern verschwiegen werden, die im Metal aber ihren Platz finden, einfach mal aufgegriffen zu werden. Es geht aber nie darum, das makaber darzustellen, sondern um die Raffinesse dahinter und das nachfühlen zu können, was dahinter steckt.

Nun ist das heute Abend ja euer Album-Release Konzert, seht ihr das deswegen heute anders als die bisherigen Konzerte?

Marcel: Ich glaube, das ist für jede Band ein besonderer Tag. Jetzt können ja alle unser Album hören, demnach ist das heute natürlich schon was Besonderes. Wir haben coole Bands eingeladen, die mit uns spielen, die Location ist auch sehr cool.

David: Wir haben uns sehr lange darauf vorbereitet, auch die Artworks auszuarbeiten die damit in Verbindung stehen. Die letzten acht bis neun Monate haben wir eigentlich dauerhaft darauf hingearbeitet, dass dieser Abend so stattfinden kann. Den Termin mussten wir auch immer wieder verschieben, nicht für das Album, aber für das Konzert.

Marcel: Das wir eine geeignete Location gefunden haben, war auch nicht gerade einfach.

David: Also für mich ist der heutige Tag schon sehr besonders. Wir spielen auch das gesamte Album komplett in der Reihenfolge durch, wir sind hier Lokalmatadore, hiermit sind wir groß geworden, hier hatten wir unsere ersten Gigs, und ich glaube, dass wir viele bekannte Gesichter wiedersehen werden. Demnach ist das für mich heute ein sehr besonderer Abend, der so in den nächsten Monaten oder sogar Jahren nicht noch einmal stattfinden kann.

Wie sehen denn eurer Pläne für die nächste Zeit aus, stehen mehr Konzerte innerhalb Deutschlands oder vielleicht sogar eine Tour an, vielleicht auch der eine oder andere Gig im Ausland?

Marcel: Wir schauen, dass wir das Bestmögliche bekommen. Letztes Jahr haben wir eine Wochenend-Tour mit Disrepute gemacht, dadurch haben wir Blut geleckt und wollen dieses Jahr wieder Deutschlandweit unterwegs sein. Wenn sich allerdings die Möglichkeit bietet, würden wir auch sehr gern im Ausland spielen. Von einer Osteuropa-Tour war bereits die Rede, doch leider sind wir keine professionellen Musiker die sich damit über Wasser halten könnten. 

David: Genau, wir sind Arbeiter, Studenten und Auszubildende. Das unter einen Hut zu bekommen ist natürlich super schwierig. Aber ja, wenn ein paar Festivals dabei wären wäre das natürlich nicht schlecht.

Gut, dann freue ich mich darauf euch dieses Jahr weiterhin verfolgen zu dürfen. Vielen Dank für das Interview.

Marcel: Wir danken dir!

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