H-J

HAKEN "Affinity" (2016)

(2.931) - Florian (10/10)

Label: Inside Out Music
VÖ: 29.04.2016
Stil: Progressive Metal
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Nachdem die Progger von der Insel im Jahre 2013 mit ihrem dritten Studioalbum „The Mountain“ eines der besten Progalben der letzten Dekade ablieferten, und damit sprichwörtlich den Gipfel ihres Schaffens erklommen hatten, besserte man 2014 erst einmal in Form einer Restaurierung das Fundament aus, indem man die Demo grunderneuerte und nun, 3 Jahre nach dem Meilenstein, steht keine geringere Frage im Raum als die nach Abstieg oder Verbleib. Haken entscheiden sich dafür diese Frage konsequent durch Neuerfindung zu umgehen und inszenieren das brilliant.

Affinity“ heißt der Neuling, kommt im Retrocomputing Look daher, mit einem Cover, das man vor über 30 Jahren gerne als futuristisch bezeichnet hätte und für Videospiele in den 80ern bestens geeignet gewesen wäre. Passend dazu natürlich auch der interaktive Teaser mit gcc Interface, doch neben der normalen Fassung und der Edition mit instrumentaler Bonus Cd gibt es leider keine Version mit stilechter Diskette.

Aber genug zur Form, der Inhalt präsentiert sich der Idee adäquat mit dem Intro „Affinity.exe“, und mit „Initiate“ geht es in bester Haken-Manier zur Sache. Stakkatoriffs mit diversen leichten Taktveränderungen, dazu eine schwelgende, melancholische Atmosphäre durch Synthies und Gesang, Ruhepole in den Strophen und all das im Hitsingleformat von etwas mehr als 4 Minuten.

Ganz anders der 9-Minüter „1985“ der frech mit Indiegitarren antäuscht, dann in die Anfangszeiten von Dream Theater abbiegt bevor er mit allerhand 80 Jahre Keyboardsounds um sich wirft, die der Radiohörer mit Europe oder Van Halen, der Progger eher mit Yes, Toto oder King Crimson assoziieren würde. Dazu gesellen sich dann fette 8-Saiter-Riffs, diverse Takt- und Stimmungswechsel, eine Monsterhookline und weil all das noch nicht ausreicht, schaut man am Ende noch mal in der Weltmusik vorbei, wie eine andere Proggröße, nämlich Peter Gabriel, es in den 80ern gern machte, nur um am Ende pünktlich und songdienlich wieder zum Anfang zurückzukehren. Das ist Prog auf allerhöchstem Niveau, Einflüsse und Perspektiven wie Sand am mehr und dennoch Motive die man Mitsingen kann, und die von Mal zu Mal prägnanter werden.

Danach hat sich der Hörer mit „Lapse“ erst mal einmal eine Verschnaufpause verdient, einem verhältnismäßig ruhigem Song, der mit modernem Jazzrock anbändelt aber einmal mehr von Jennings Legatopassagen getragen wird, bevor mit „The Architect“ das Herzstück, der längste, vielseitigste und kontrastreichste Song von „Affinity“ präsentiert wird. Ein Song, der rein vom strukturellen Aufbau an manchen Porcupine Tree Song erinnert, mit längeren atmosphärischen Synthieflächen, die langsam Stück um Stück anschwellen. Dazwischen gibt es wahlweise wilde Instrumentalfahrten, Bombast, einen dieser großartigen Mitsingrefrains, und Conner Green darf auf seiner ersten LP für Haken auch gleich mal ein schönes an Smooth Jazz angelehntes Basssolo zaubern, bevor Leprous Frontmann Einar Solberg seinen großen Gastauftritt hat und für die ersten richtigen Growls bei Haken sorgt.

Danach kommt „Earthside“ als Singleauskopplung fröhlich poppig daher, „Red Giant“ ist durch extra verzögerte Drums ziemlich schräg geraten, moderner Artrock, durchaus interessant aber insgesamt der wohl schwächste Song. Zum Finale gibt es mit „The endless Knot“ mal wieder richtig halsbrecherische Akrobatik mit fiesen Synthieläufen im Uptempobereich und „Bound by Gravity“ ist das atmosphärische Finale, dass in manchen Momenten gerne an Oceansize erinnert und den Hörer sanft aus der Scheibe entlässt.

Was die Briten hier abliefern, ist ein absolut würdiger Nachfolger und nach dem Erfolg von „The Mountain“ ist es den Herren umso höher anzurechnen, dass sie von diesem Erfolgsrezept Abstand genommen zu haben um sich nicht zu wiederholen, und sich soundtechnisch in ein Jahrzehnt gewagt haben, das für viele das düstere Zeitalter darstellt, gerade für die Progfans. Ob diese, gemeinhin als kalt bezeichneten, Keyboardsounds im modernen Gewand nun den persönlichen Geschmack treffen oder nicht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, Fakt ist aber das Haken einen ideen- und facettenreich wie eh und je sind und es dabei nicht vergessen, den Hörer Hörer auch einzusammeln. Für mich ist „Affinity“ bis jetzt das Album des Jahres, immer noch kurz hinter „The Mountain“ anzusiedeln aber dennoch in jeder Hinsicht stark und vor allem frisch.

Bewertung: 10,0 von 10 Punkten

Tracklist:

01. Affinity.exe
02. Initiate
03. 1985
04. Lapse
05. The Architect
06. Earthrise
07. Red Giant
08. The endless Knot
09. Bound by Gravity
 

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