K-M

MENACE (2014)

"Impact velocity"

Kann man nur glücklich werden, wenn man sich am Ende des Lebens selbst verwirklicht hat? Restlos und ohne Kompromisse? Töpferkurse in der Toskana für den pensionierten Banker. Batikmalerei in der Volkshochschule Lichtenberg für rüstige Senioren. Nacktes Menstruieren bei Mondlicht im Schwarzwald soll die frühberentete Chefsekretärin zur inneren und äußeren Verwirklichung ihrer selbst führen. Und Mitch Harris, Halbgott der ewig großartigen Napalm Death, will mit steril überproduziertem Industrial-Experimental-Progrock anscheinend seine Verwirklichung als Allroundtalent finden.

Ich habe mir „Impact Velocity“ gewissenhaft zu Gemüte geführt. Ein Newcomer hätte wahrscheinlich nie und nimmer einen prestigeträchtigen Plattenvertrag mit diesem Material bekommen. Aber die Vorschusslorbeeren als Legende verhelfen unserem Mitch natürlich zu einer Menge Aufmerksamkeit für ein Album, das souverän produziert mit einer Menge Gaststars wie DragonForce Bassist Frédéric Leclercq, Ex- Hate Eternal Drummer Derek Roddy, und Napalm Death Spezi Shane Embury aufwartet. Die ersten Songs lösen bei mir noch jetzt Entsetzen aus: der kindlich kindische Refrain des Openers „I Live With Your Ghost“ ist das Gruseligste, was ich seit Langem gehört habe. Und mit dem nächsten Song „Painted Rust“ verstärkt sich nur meine Fassungslosigkeit. Klar, Mitch ist nicht der geborene Sänger, aber die stark an den begrenzten Stimmumfang angepassten einfältigen Gesangslinien schocken dann doch sehr. Auf dem Gesang liegt permanent ein Effekt. Irgendwas zum Glattbügeln und Geradebiegen. Na ja, Hauptsache der Gute konnte sich mal als Interpret am Mikro ausdrücken. Zum Glück kommt nach den ersten Songs Fahrt auf und, oh Wunder, Songstrukturen, Soundloops, vertrackte Drumspuren beginnen Sinn zu machen und lösen wenn auch keine Begeisterungsstürme dann doch Wohlwollen aus. Es wird sogar mal ein gewisses Brett gefahren („Everything And Nothing“, „Insult To Injury“) und wuchtig ausgeteilt, aber unterm Strich bleibt Verwunderung, denn vom Töpfern in der Toskana hätte Mitch wenigstens ein paar schöne Vasen mit nach Hause bringen können. Bei Menace verhallt der Applaus ungehört vor der heimischen Anlage.

Bewertung: 5,0 von 10 Punkten

Tracklist:
01. I live with your ghost
02. Painted rust
03. Multiple clarity
04. To the marrow
05. I won’t see the sun
06. Drowning n density
07. Positron
08. Everything and nothing
09. Within context
10. Malicious code
11. Impact velocity
12. Seamless integration

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