DE MORTEM ET DIABOLUM 2019

Da brennt die Pampa - Unser Bericht

13. - 14.12.2019 - Paulinenaue @ JHP Jugendhaus


Auch 2019 durften sich wieder einmal Freunde der dunklen Kunst darauf freuen, kurz vor dem so hübschen und besinnlichen Weihnachtsfest eine ordentlich Schippe Wahnsinn, Wut und Dreck in seiner musikalisch vielleicht schönsten Form in die Ohren geschüttet zu bekommen. Denn das De Mortem et Diabolum bot seinen Fans erneut an zwei Tagen ein sehr ansehnliches und mehr als nur gut hörbares Billing handverlesener Bands. Vor allem der Samstag traf so stark meinen musikalischen Nerv, dass sogar ich fast einem Overload erlang, da ich einfach so herrlich bedient wurde. Aber fangen wir vorn an, das heißt beim Freitag, dem 13.

Tag I
Um einen Pechtag handelte es sich bei mir und meiner (u.a. auch als Fotografin mitgereisten) Frau in so weit, als dass wir (mal wieder) die erste Band des Festivals verpassten. Schuld waren ein etwas herausgezögerter Feierabend und ein „netter“ Baustellenstau kurz vor dem Ziel.
Ärgerlich, denn der Opener EVOHÉ klang nach dem, was ich so hörte, ganz interessant und besonders. Gerade der mehrstimmige Gesang soll ein Hingucker bzw. -hörer gewesen sein. Doch was soll’s, dies war nun nicht mehr zu ändern. So war unser Opener dann eben das schweizer Trio MATTERHORN. Erwartet hatte ich angeschwärztes thrashiges Gerumpel der Marke CELTIC FROST/ HELLHAMMER und bekommen habe ich auch genau das! Zwar ist dieser Stil nicht unbedingt meine erste Wahl, doch das Dargebotene ging ordentlich nach vorn und wies auch einige Überraschungen im Songwriting auf und konnte mich zunehmend gut unterhalten.
EVOHE
Als dann HALPHAS die Bühne enterten überkam mich bereits ein recht breites, vorfreudiges Grinsen noch bevor die Truppe zu spielen begann. Das Bühnenbild und die so gleich agierenden Gestalten passten nun schon optisch deutlich mehr in mein Beuteschema. Als dann die ersten Töne des Fünfers erklangen, erinnerte ich mich, warum mir die Bande noch vom Warmhören positiv im Gedächtnis verharrte. Diese Dreiviertelstunde lieferte eine herrlich fiese Black Metal Show, so wie sie zu sein hat: Harsches Geblaste, rockige Rhythmen, geile Melodien, starkes Posing und böse Visagen. HALPHAS erspielten sich an diesem Tag sicher einige neue Fans und können wohl als Gewinner des Tages, vielleicht sogar des Wochenendes gesehen werden. Denn die sympathische Truppe war viel umgarnt und ständig im Gespräch mit den mächtig zufriedenen Gästen. Übrigens war dies auch der Release Tag ihrer neuen Scheibe „The Infernal Path Into Oblivion“, die sicher einige Male über den Ladentisch ging.
MATTERHORN
HALPHAS
Nach diesem starken Auftritt hatten MEMBARIS es etwas schwer anzuknüpfen – jedenfalls empfanden meine Frau und ich das so. Klar, die Limburger mühten sich mächtig ab und vor allem ihr Frontmann legte alles in seine Performance, doch so völlig sprang der Funken nicht über. Dennoch möchte ich Mitnichten von einer schlechten Show sprechen. Es war eben ein solider Gig, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Bei BLAZE OF PERDITION war ich dann wieder deutlich mehr gefesselt. Auch wenn die Polen gerade erst im letzten Jahr auf dem De Mortem spielten, so war an diesem Abend doch einiges anders als im Vorjahr. Zum Beispiel war es wohl nicht zu übersehen, dass die Besetzung (zumindest live) um ein weiteres Mitglied gewachsen ist. Und der gute Herr war nicht nur ein Akteur im Hintergrund, sondern übernahm einen Großteil des Gesangs und erweiterte den ohnehin schon umfangreichen Klangkosmos der Band durch einen dritten Sechssaiter. So verdichtete sich die Atmosphäre ihres Sounds auch live noch einmal mehr, was zu Folge hatte, das ich das ein ums andere Mal herrlich abdriften konnte.
MEMBARIS
BLAZE OF PERDITION
Dass man aber auch mit einer sehr überschaubaren Besetzung einen verdammt derben und vollen Sound erzeugen kann, bewiesen nun BÖLZER. Es war wieder einmal einfach schier unglaublich, was diese ZWEI unnormal talentierten Musiker da ablieferten. Egal ob auf CD/Platte oder auf einer Bühne: BÖLZER sind pure Energie und waren auch an diesem Abend nicht zu zähmen. Während Okoi seine Finger so weit dehnte, dass er auf seiner zehnsaitigen Wahnsinnsklampfe gleichzeitig Bass und Gitarre spielte, hämmerte Drummer Fabian „HzR“ Wyrsch alles mit Urgewalt, jedoch in irrer Präzision in Grund und Boden. Dabei streiften sie fast ihre komplette Diskografie. Dieser Auftritt war wieder einmal ein Triumphzug und offenbarte zugleich, wer hier eigentlich der Headliner des Tages war.
BÖLZER...
...und ihre Setlist
Denn auch wenn einige Die Hard Fans die Darbietung von DØDHEIMSGARD hart abfeierten, so lichtete sich das Publikum doch deutlich. Auch weder meine Frau noch ich konnten uns dieser Klangwelt und dem dank seiner Protagonisten schrägen Bühnenbild so recht öffnen. Die Kombination aus Black Metal und Industrial liest sich ja bereits sehr gewöhnungsbedürftig, aber da ich nicht unbedingt ein Purist bin, lass ich mich eigentlich gern mal belehren. Doch auch live konnte uns - und viele andere - dies dann nicht überzeugen.
DØDHEIMSGARD
Der größte Wehrmutstropfen bei der Sache jedoch: Bei einem Stück des ersten Albums, ein Song aus traditionellen Tagen, zeigte sich, dass die Band durchaus Nummern in Petto gehabt hätte, die wohl deutlich mehr Leute an diesem Abend mitgenommen hätten – der eigene „rotlackierte“ Gitarrist eingeschlossen, der bei besagtem Liedgut das einzige Mal wirklich Freude an der ganzen Sache zu haben schien. Letztendlich entzogen wir uns dieser Freakshow noch vor dem endgültigen Schlussakkord und traten die Heimfahrt zum Hotel an.

EIN PAAR IMPRESSIONEN

Tag II
Der erste Streich war nun also getan und schon so einige Höhepunkte konnten vermerkt werden. Vor allem die positive Überraschung der uns zuvor weitestgehend unbekannten HALPHAS sowie die erneut überragende Darbietung von BÖLZER blieben im Gedächtnis. Doch heute, also am Samstag, sollte noch einiges auf uns zukommen…

Den Anfang machte die süddeutsche Formation GROZA. Wir freuten uns auf eine treibende Jagd mit viel Wums und Melodie und wurden absolut nicht enttäuscht.
GROZA
Zwar ließen sich nach wie vor starke Ähnlichkeiten zu MGŁA und UADA – sowohl musikalisch als auch optisch – nicht leugnen, doch das war mir bereits bei ihrem Debüt ziemlich egal. Der Vierer schickt einfach geile Musik aus den Boxen und wusste uns, wie auch eine Vielzahl anderer Gäste, bestens zu unterhalten. Und ich bin mir nicht sicher, ob es ein neuer Song war oder dieser live nur eine andere Wirkung hatte, aber ihr dritter Titel an diesem Tag zeigte die gewünschte eigene Note von GROZA. Da habt ihr’s, ihr Zweifler! Haha… Jedenfalls war der Besuch am Merchstand im Anschluss an ihren Gig nicht allzu gering und auch ich konnte nicht widerstehen und erstand ihr extra fürs De Mortem gefertigte und limitierte Shirt.
Auch die nachfolgenden Italiener ENISUM konnten das Publikum bannen. Ihr 2017er Werk „Seasons of Desolation“ hatte ich noch äußerst positiv in Erinnerung und daher erwartete ich für die nächsten 40 Minuten einen schön verträumten Ausflug in atmosphärischere Gefilde – und bekam dies auch zu 100%. Angenehme Rhythmusvarianten und große Melodien verursachten bei mir eine Menge Gänsehaut und auch meine Frau, die die Band noch nicht kannte, war mächtig positiv überrascht.
ENISUM
Die Cottbusser ARROGANZ trafen unseren Nerv dagegen nicht so sehr. Zwar war es eine nette Abwechslung, mal etwas ruppigen und rotzigen Todesstahl zwischen die schwarze Eleganz der anderen Bands zu packen, aber völlig warm wurden wir mit ihnen einfach nicht. An sich machte das erfahrene Trio aber einen anständigen Job und ließ die Brechstange ordentlich kreisen. Etwas überflüssig fanden wir allerdings das Auffordern der Besucher, noch dichter nach vorn zu rücken. Ehrlich Männer, das hattet ihr nicht nötig! Wäret ihr schon am Freitag angereist, hättet ihr festgestellt, dass ihr mehr Publikum als der dortige Headliner DØDHEIMSGARD hattet.
ARROGANZ
Zurück zum Thema „tiefe Atmosphäre“ ging es dann mit ALMYRKVI – und mit „tief“ meine ich „tief wie die Weiten des Kosmos“. Um diese Thematik dreht es sich bei den Isländern, wie man schnell herausfinden kann, und genau dahin wollen sie einen (klanglich) entführen. Und man fühlte förmlich die Kälte des Alls und sah vor dem inneren Auge schwarze Löcher. Kurz um: die Band schaffte es großartig, ihr Konzept dem Hörer nahezubringen. CRIMSON MOON schienen dagegen mehr Wert auf den vertonten Hass zu legen und ballerten höchst präzise und gnadenlos ihre Hymnen raus, was sie zu einer der brutalsten Bands des Wochenendes machte. Das war fies, das ging nach vorn das war… einfach herrlich. Muss ich mehr sagen?!
Und noch einmal zurück zur Atmosphäre – und nach Island: SINMARA waren nun an der Reihe. Ob nun alle oder nur ein Teil der Isis, die zuvor noch mit ALMYRKVI auf der Bühne standen, erneut agierten, kann ich aufgrund ihrer Kapuzen nicht so genau sagen. Klar war aber, dass einige von ihnen nun ein zweites Stelldichein hatten. Doch war dies natürlich nicht der einzige Unterschied. Es blieb zwar düster und beklemmend, schwer und drückend, was ja ohnehin ein Markenzeichen der Bands von der kalten Insel ist, jedoch ging es hier deutlich mehr nach vorn als noch ca. zwei Stunden zuvor. Während ALMYRKVI von der Dunkelheit berichteten, trieben SINMARA die Hörer förmlich in selbige hinein. Man könnte also sagen, dass „die zweite Runde Island“ nicht nur noch einmal die tiefste Finsternis zurückbrachte, sondern dieser noch einen gewissen Schrecken verlieh.
ALMYRKVI
CRIMSON MOON
SINMARA
Da passte es nur allzu gut, dass nun ASCENSION auf der Agenda standen. Die Herren aus Sachsen-Anhalt halten mit ihren Releases schon eine Weile die Messlatte enorm hoch. Und auch live konnten sie abermals mit ihrem Mix aus dichter Atmosphäre, aggressivem Riffing, kraftvollem Gesang und abwechslungsreicher Rhythmik glänzen.
ASCENSION
Zum Abschluss des fünften De Mortem kehrte der Headliner der Erstauflage zurück: MGŁA betraten unter den gespannten Blicken vieler Fans und mit reichlich Beifall die Bühne und zeigten einmal mehr, warum ihre Musik dieser Tage so stark gefeiert wird. Sich ihren hymnenhaften Melodien zu verschließen ist eigentlich so gut wie unmöglich und so hatten die Polen im Handumdrehen die Menge fest im Griff. Der Schwerpunkt der Songauswahl lag auf den Stücken des 2015er Meisterwerkes „Exercises in Futility“, von dem lediglich Titel „III“ heute ausblieb. Des Weiteren gedachten sie auch ihrem neusten Album „Age of Excuse“ mit dessen zweiten und dritten Titel. Doch auch „Evergreens“ wie das unvermeidbare „With Hearts Toward None VII“ und sogar Song „II“ von „Mdłości“ fanden Einzug ins Set. MGŁA sorgten wieder einmal für Gänsehaut, geschlossene Träumeraugen und schüttelnde Mähnen. Beschlossen wurde dieser überragende Auftritt wie so auf mit dem Doppel „Exercises in Futility VI“ & „V“.
MGŁA
Und dann war es auch schon wieder vorbei, dass De Mortem et Diabolum. Doch Grund für Wehmut gab es nun wirklich keinen: Denn zum einen standen schon zu Beginn des Festivals die ersten, wirklich großartigen Acts für die nächste Auflage fest – Islands MISTHYRMING und die Westfalen SULPHUR AEON locken bereits jetzt für das DMeD 2020 – und andererseits planen die Veranstalter in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Deaf Forever und metal.de noch ein weiteres Event am 30. April, welches den Namen Walpurgisnacht tragen und uns unter anderem die Bands UADA, GRIFT, SOLBRUD und VELNIAS bescheren wird. Diese soll dann auch wieder in unserer Landeshauptstadt Berlin stattfinden, ebenso wie das De Mortem 2020.

Fast schade, wie meine Frau und ich finden, haben wir uns doch in der Paulinenaue, die weit mehr als nur Alternativen-Qualität aufwies, sehr wohl gefühlt. Doch aus logistischen Gründen ist ein Zurückverlegen in die Großstadt natürlich absolut nachvollziehbar. Zum Schluss möchte ich mich persönlich noch für die Gastfreundschaft der Veranstalter bedanken und wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg, sodass diese starke Veranstaltung – und sein frisches Töchterchen – weiterhin wachsen und gedeihen wird.

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