EINE UNKOMFORTABLE SITUATION


2006 gegründet und mit nunmehr 4 Alben ganz dicke im Geschäft sind Dust Bolt, die nach dem für mich etwas schwächeren Vorgänger „Mass confusion“ vor einer Woche mit „Trapped in chaos“ ein Album veröffentlicht haben, welches getrost zum Besten gezählt werden darf, was es in den letzten Jahren in der deutschen Thrash Szene gegeben hat. Die Belohnung: Unsere CD der Woche, ein überschwängliches Review meinerseits und Dauerrotation in meinem Player. Selbstverständlich kam ich der Anfrage nach einem Gespräch mit Frontmann Lenny gerne nach…und merkte schnell, wie sehr sich die Band seit unserem letzten Interview weiterentwickelt hat.

Seit 12 Jahren im Geschäft, nunmehr vier zum größten Teil fantastische Alben veröffentlicht, 2 US Tourneen, Asien letztens auseinandergenommen. Willkommen in der Oberliga. Fühlt Ihr Euch jetzt wie die alten Hasen?
Haha, nein ganz so schlimm ist es noch nicht! Spaß beiseite, natürlich ist das toll, wenn man sich jetzt einfach auch mal die Sekunde nehmen kann und auf die letzten Jahre zurückblickt und dabei denkt, „Alter, ganz schöner Wahnsinn, was wir da die letzten Jahre runtergerissen und auf die Beine gestellt haben“, aber im Grunde denken wir nicht darüber nach, oder sehen uns in der Oberliga. Wir lieben was wir tun und das zu viert, zusammen, seitdem wir Kids waren und jetzt sind wir eben sowas wie erwachsen. Glaube ich. Es ist schön als Musiker ernst genommen zu werden und wir lernen ständig wahnsinnig viele tolle Leute und Kollegen kennen, entdecken die Welt und lernen so viel in persönlicher Hinsicht dazu. Das ist ein Privileg. Aber auch eben harte Arbeit.
Mit „Trapped in chaos“ habt Ihr letzten Freitag Euer viertes Album in 7 Jahren veröffentlicht. Eine ordentliche Schlagzahl, denn wo andere Bands jahrelang brauchen, um vernünftige Alben auf den Markt zu bringen, scheint Euch das Alles locker und flockig von der Hand zu gehen. Oder wie sonst kann man sich das erklären, dass Ihr neben all Euren konzerttechnischen Verpflichtungen Zeit hattet, solch ein Monster einzutüten?

Da hat jeder seine eigene Herangehensweise und sein eigenes Tempo. Wir sind noch jung und entwickeln uns stetig. Gleichzeitig sind wir wahnsinnig gerne kreativ und produktiv. Stillstand können wir uns nicht vorstellen. Jedes Album stellt in irgendeiner Weise auch einen Abschnitt in unserem Leben dar. Zudem arbeiten wir gerne unter Druck und mit Deadlines. Ich denke das ist wichtig, um eine unkomfortable Situation zu erzeugen. Nichts Gutes kommt aus einer komfortablen Situation – zumindest nicht Kunst. Wenn ich 3 Jahre lang Zeit hätte für ein Album und mein Studio im Keller, dann würde da nichts bei rumkommen. Zumindest nichts Spannendes. Das mag seltsam klingen, aber ich weiß, dass ich so funktioniere. Umso weniger Möglichkeiten, umso mehr Kreativität ist gefordert. Bevor wir auf unsere erste US Tour gingen, habe ich meinen damaligen Hauptjob gekündigt und bin aus der geliebten gemeinsamen WG ausgezogen. Nach der Tour begannen wir unsere Ideen in Songs umzusetzen. Wir hatten 1-2 Songs grob fertig und dann das Studio für 3 Monate später gebucht. Wir wussten wir konnten nicht im Studio überziehen, denn 1 Tag nach Studioabschluss flogen wir auf die 2. US Tour. Wenn du so gefordert bist, musst du alles aus dir rausholen und musst härter arbeiten als es dir lieb ist. Aber darin entsteht ein Kampf, etwas Spannendes. Und darin sehe ich Kunst.


Ich gehe mal stark davon aus, dass die Freude im Hause Dust Bolt aufgrund der nun vorliegenden neuen Scheibe mehr als überschwänglich ist…oder ist das für Euch mittlerweile auch eher Business as usual?

Nein, das wird nie Business as usual. Würde ich aus Business Sicht denken, hätten wir den Laden schon längst dicht machen müssen, denn da bleibt kein Pfennig über. Darum ist es der pure Spaß an der Freude, Leidenschaft, Freundschaft, wie auch immer man das nennen mag. Es ist etwas sehr Starkes und unbeschreiblich Wichtiges für uns. Wir wissen bis zum letzten Tag im Studio oft nicht wo die Reise hingeht, denn alles entsteht aus einer zunächst reinen Imagination in deinem Kopf, und dann hast du das Ding in der Hand und das Baby ist geboren. Der Release Tag ist sowas wie der 18. Geburtstag dieses Babys, du lässt es in die Freiheit, gibst alle Kontrolle ab und einen Teil, den du sehr lange mit dir rumgetragen hast frei. Für mich persönlich ist jedoch der wichtigste Moment, wenn wir im Studio abgeschlossen haben und dort die Arbeit getan ist. Denn wenn die Arbeit fertig ist, dann ist sie fertig. Dann bin ich auch an Wirkung nicht interessiert. Zumindest aus künstlerischer Sicht. Alles andere ist dann on top.
Ich persönlich konnte mit Eurem Vorgänger „Mass confusion“ nicht ganz so viel anfangen, fand ich die Scheibe ein wenig zu beladen und nicht mehr so eingängig wie beispielsweise „Awake the riot“. Wo seht Ihr die eklatantesten Unterschiede von neuen zum letzten Album?

Ja, „Mass Confusion“ ist sehr voll mit Details und Changes und teilweise sehr Hardcore punkig. Das war unsere wilde ‚wir müssen es allen Zeigen‘ Phase. Ich habe den Entstehungsprozess geliebt. Nico und ich haben da sehr viel geschrieben und waren sehr zornig und erbost, weil wir das Gefühl hatten, nach „Awake the Riot“, still zu stehen. Wir waren in der Hochphase unseres musikalischen Könnens bislang, und wollten das raushauen. Bei Trapped in Chaos war das ganz anders. Jetzt ging es darum, an paar Stellen zurück zu Schrauben und sich auf den SONG und die Geschichte zu fokussieren und ihn wirken zu lassen. Es ist eindeutig Riff-lastiger und jeder davon hat eine gewisse Aussage. Das lässt mir auch mehr Platz für den Gesang.
Absolut begeistert war ich von Deiner Stimme, die herrlich Facetten- und abwechslungsreich rüberkommt und fast wie neu erfunden klingt. War da etwas ein Gesangslehrer am Werk? Wenn ja, haben sich die Stunden aber mehr als gelohnt…

Haha nein, die Frage bekomme ich nun lustiger Weise öfters zu hören. Nein, ich habe immer schon gesungen. Von klein auf – nur eben nicht bei Dust Bolt, oder zumindest nicht auf den drei Alben zuvor. Ich mache auch unabhängig von Dust Bolt Musik und singe dort mit Melodie. Ich bin ein altes Grunge-Kiddie. Irgendwann legte Nico unser aller erstes Demo „Chaos Possession“ auf, obwohl ich mich sträubte. Wir hörten uns selbst, 16 Jahre alt, naiv und keine Ahnung was wir da taten. Aber es war gut und wir beide fühlten das. Wir sahen uns an und wussten Bescheid. Der Titel „Trapped in Chaos“ soll auch darauf zurückführen. Damals legte ich melodische Lines über die Riffs, denn ich hab’s einfach gemacht. Jetzt war es dafür wieder an der Zeit.

Was mir an „Trapped in chaos” so gut gefällt ist der Umstand, dass im Vergleich zu vielen Genrekollegen Eure Songs sehr abwechslungsreich gestaltet sind. Highspeed Granaten wie „Forth strike“ oder „Rhythm to my madness” stehen etwas eingängigere Songs wie “Dead inside” oder “Bloody rain” gegenüber, wo sich hingegen mit „Killing time“ ein Song auf dem Album befindet, der auch locker auf „Violent demolition“ hätte stehen können. Trotz dieses Abwechslungsreichtums klingen die Songs frisch und spontan, quasi aus dem Bauch heraus. Wie seid Ihr dieses Mal ans Komponieren herangegangen?

Wie du es sagst, aus dem Bauch heraus und wenig überdenken. Viele Künstler folgen oft der Vorstellung, man müsse der Musik sagen was sie zu tun hat. Aber das ist glaube ich nicht richtig. Du musst die Musik dir sagen lassen, was du zu tun hast, geschehen lassen, deine Geschichten erzählen. Wenn du keine hast, dann lass es. Ich stelle mir oft selbst die Frage warum ich so aggressive Musik mache und warum ich schreie. Die Antwort ist, dass mich etwas zum Schreien bringen muss - die Geschichte, die ich erzählen will, muss und kann nur durch diese Intensität rübergebracht werden.
Sicherlich gab und gibt es auch einen Grund, weshalb Ihr mit „Another day in hell“ Eure erste Ballade aufgenommen habt, die mir ein wenig zu sehr aus dem Rahmen fällt. Musikalisch ist ja die eine Seite, aber scheinbar scheint es sich hier um ein ernstes Thema zu handeln…

Um ehrlich zu sein, nein, es gab keinen Grund, oder irgendeine Absicht. Es ist ein Song, wieder nur aus dem Bauch heraus. Eine Geschichte. Klar, eine sehr markante und womöglich auch persönliche, aber auch diese Tage sind Realität und waren für mich eine Zeit lang ein großer Teil der Realität. Der Text ist so wie er ist, wie eine Art Tagebuch entstanden, während ich unterwegs war. Wenn wir auf ein Album hinarbeiten habe ich immer ein Text/Notizbuch dabei. Der Song ist dann auf der Akustik Gitarre entstanden und es gibt im Grunde einen ersten one Take - mit dem Handy aufgenommen. Das habe ich irgendwann Nico gezeigt und wir sind in den Proberaum und haben den Song frei raus gejammt und auf Metal umgesetzt und gefühlt - dass ein Teil des Albums ist. Vor dem Studio haben wir ihn insgesamt vielleicht 4-5-mal gespielt und der Rest passierte dann, als record gedrückt wurde.


Was mir ebenfalls gefällt ist der herrlich transparente und warme Sound, der mir bei „Mass confusion“ ein wenig fehlte. Hier fühle ich mich diesmal abgeholt, eingekuschelt in eine fette und dennoch immer klar akzentuierte Soundwand. Seid Ihr diesmal anders an die Aufnahmen herangegangen?

Ja! Das freut mich zu hören und da bin ich ganz bei dir. Wir hatten diesmal einfach eine andere Vorstellung als bei „Mass Confusion.“ Dort wollten wir rohen Dreck und fast schon Punk sound. Für „Trapped in Chaos“ hatten wir ganz klare Vorstellungen, dass wir in ein fettes, düsteres Sound Ambiente müssen. So haben wir das dann auch umgesetzt.

Habt Ihr schon einen ungefähren Überblick über die Resonanzen der Fans und der Presse zum neuen Album, welches ja gerade erst am 18.01.2019 veröffentlicht wurde?

Von den Fans bekomme ich viel mit, ja! Gerade nach „Another day in hell“ - hier haben wir z.B. ungemein viele persönliche Nachrichten bekommen, dass der Song den Leuten was bedeutet. Was mir wiederum sehr viel bedeutet. Wir haben auch eine kleine Release Party gemacht mit Listening Session im Backstage München, das war wie ein großes Familientreffen und wahnsinnig toll! Wenn ich zurück denke lacht mein Herz immer noch! Was die Presse angeht informiere ich mich da natürlich schon grob, weil es aus einer Businessperspektive wichtig oder zumindest interessant ist. Aber eigentlich versuche ich das so gut es geht auszublenden. Ich bin happy mit dem Album, die Jungs sind es, meine Mum und Tom. Das zu Wissen reicht mir, das es gut ist.

Unser Berliner Thrash Tausendsassa Tom war ja auch ein wenig in das neue Album eingebunden, sowie auch des Öfteren in Eure Liveaktivitäten. Erzählt mal, wie das zustande gekommen ist…
Ja was soll ich sagen. Tom ist im Grunde eine Art fünftes Mitglied und wahrscheinlich einer meiner engsten Freunde. Ich weiß nicht, wie sehr er das weiß, aber auch wenn wir nicht in einer Stadt leben, gibt er mir viel Motivation weiterzumachen und weiterzukämpfen - jedes Mal, wenn ich es brauche. Wenn auch unbewusst. Ich betrachte ihn als ein absolutes Genie, in vielerlei Hinsicht und vor allem auch menschlich. Er hat uns mehrmals den Arsch gerettet, ist bei Shows für Bene eingesprungen und hat für das Album das Layout erstellt, Poster Artworks gestaltet, und vieles mehr. Er war mitten drin, im Chaos, und hatte einige schlaflose Nächte, dank uns. Danke Tom! Never give up. (Fun Fact: Ich sitze gerade im Zug auf dem Weg zu ihm)
Um noch einmal kurz auf Eure US Rundreisen zurückzukommen. Wie sind eigentlich Obituary auf Euch aufmerksam geworden? Ich finde solche Packages Oldshool Death vs. Oldschool Thrash sowieso immer mehr als interessant…

Wir haben ca 2012 das erste Mal mit „Obituary“ zusammengespielt. Zuerst als local support in München, dann für 4 weitere Shows in Deutschland. Schon da haben wir uns super verstanden und die Jungs kennengelernt und ihre lockere Art und Do-It-Yourself Art bewundert. John und Donald meinten bei der Verabschiedung zu mir, ich solle ihnen doch einfach mal ne Mail schreiben irgendwann. Einfach so, bisschen quatschen und in Kontakt bleiben. Dann schickte ich Donald „Awake the riot, als wir frisch aus dem Studio kamen. Erst hörte ich lange nichts, dann kam eine Mail und seitdem bezeichnet er sich als größter Dust Bolt Fan. Er hört jedes Album, auf und ab, und kennt es auswendig. Es ist eine Freundschaft entstanden. Er kümmert sich um Nico wie ein großer Bruder, die beiden sind in mancher Hinsicht wie ein und dieselbe Person (Zitat John Tardy). Die Jungs haben uns unter ihre Fittiche genommen, wir waren bei John zu Hause, mit seiner Familie in Florida etc. Wir teilen die Ansichten zur Musik, konnten unfassbar viel lernen und der Tourbus Alltag bestand nur aus Musik, Air drums und Luftgitarren. Ich vermisse die alten Rednecks schon…

Weil wir gerade beim Thema Tourneen sind. Ab dem 28.02.2019 führen Euch Eure Wege einmal mehr durch die Konzerthallen Deutschlands, mit dem Beginn in Berlin und dem Ende in Eurer Heimatstadt München. Da ich Euch als hungrige und energetische Liveband kenne kann ich mir lebhaft vorstellen, die Vorfreude ist riesig, oder?

Ja!! Endlich dürfen wir wieder ran! Und das mit neuen Songs! Ich bin gespannt!
28.02.2019 – Berlin @ Cassiopeia
01.03.2019 – Marburg @ KFZ
02.03.2019 – Cham @ LA
07.03.2019 – Wiesbaden @ Schlachthof
08.03.2019 – Mannheim @ MS Connexion
09.03.2019 – Dresden @ Beatpol
13.03.2019 – Köln @ Helios 37
14.03.2019 – Bochum @ Rockpalast
15.03.2019 – Oldenburg @ Cadillac
16.03.2019 – Hamburg @ Bambi Galore
21.03.2019 – Arbedo-Castione (CH) @ Woodstock Music Pub
22.03.2019 – Lenzburg (CH) @ Met-Bar
23.03.2019 – St.Maurice (CH) @ Le Manoir Pub
29.03.2019 – Nürnberg @ Der Cult
30.03.2019 – München @ Strom
Wenn Ihr auf die zurückliegenden Jahre und Euren Erfolg blickt, müsst Ihr Euch da manchmal kneifen, um zu realisieren, was Ihr bis Dato geschafft habt?

Nein nicht wirklich. Manchmal muss mir es jemand sagen, wenn ich wieder anfange zu meckern, dass ich unzufrieden bin, mit dem was ich erreicht habe. Aber im Grunde ist mir nur wichtig, zu zeigen, dass jeder Traum wahr werden kann, wenn du bereit bist alles dafür zu geben und es wirklich willst und keine Ausreden akzeptierst. Träume sind schön, Träume sind wichtig und dürfen, sowie können niemals sterben. Also los. Egal was die anderen sagen.

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