SPERRIG, JEDOCH BEDEUTUNGSSCHWANGER


Es ist durchaus ein Privileg, als Chefredakteur immer wieder Alben zugesandt zu bekommen, um dabei ein ums andere Mal auch echte Perlen zu entdecken. Die Schweizer Kollegen von Czar of crickets hatten da in der Vergangenheit bereits einige heiße Eisen im Feuer, doch mit Mnemocide könnte das kleine Schweizer Label endlich einen echten Megaseller gefunden haben. Die fünf Eidgenossen haben auf "Feeding the vultures" ein extrem geiles Todesblei Brett abgeliefert, welches voll und ganz in der Tradition der englischen Bolzenwerfer steht und mir bis heute fast täglich die Rübe rasiert. Kein Wunder, dass ich mir umgehend Frontmann Matthias greifen musste, um Euch diese großartige Truppe ein wenig näher zu bringen.

Matthias, Danke Dir für Deine Zeit, uns Mnemocide etwas genauer vorzustellen. Wo kommt Ihr her? Wo geht es hin? Warum gibt es Euch? Und vor allem, wer hat sich denn diesen etwas sperrigen, ein wenig irreführenden und schwer aussprechbaren Namen ausgedacht?
Wir kommen aus der Region Basel aus der Schweiz und haben uns 2017 gegründet. Eigentlich sind wir aus einem vorangegangenen Bandprojekt hervorgegangen, sind von daher seit Jahren ein eingespieltes Team. Mnemocide bedeutet so viel wie Gedächtnismord und darum geht es auch in den Texten. Die Menschheit findet sich immer in Tragödien wieder, weil sie aus den Fehlern der Vergangenheit nichts lernt. Der Name kommt, glaube ich, von unserem Gitarristen Chris. Ist vielleicht sperrig, jedoch bedeutungsschwanger und wenn du den im Netz eingibst, kommen praktisch nur Einträge von uns (grinst).

Ok, dass ist natürlich ein Vorteil. Tragödien, die von Fehlern aus der Vergangenheit herrühren. Ziemlich aktuell, wenn man sich das ganze Corona Dilemma anschaut. Inwieweit seid Ihr davon als Band und Menschen betroffen? Ich hörte, dass die Schweizer Regierung nicht unbedingt viel unternommen hat, um Künstlern und Freischaffenden zu helfen.

Nun, wir sind im privaten Umfeld von der Krankheit verschont geblieben. Natürlich kam es durch Corona zu drei Gigabsagen, wobei wir zwei von diesen gar nicht erst kommuniziert haben auf unseren Pages, da absehbar war, dass sie in Wasser fallen werden. Nun sind wir in der glücklichen Lage, dass wir unser Geld außerhalb der Band verdienen und von daher zumindest finanziell nicht wirklich Einbußen hatten, ich denke da trifft es hauptberufliche Musiker viel härter. Aber natürlich nervt uns die Liveabstinenz hätten gerne ein paar Stages zerlegt.

Dazu werdet Ihr bei diesem exorbitant geilen Album sicherlich in naher Zukunft mehr als genug Gelegenheit haben. Wie habt Ihr es eigentlich geschafft, „Feeding the vultures“ so fett klingen zu lassen? Ich meine, das klingt nach Bogren, nach Tägtgren, doch als junge Band sollten Euch dafür sicherlich die Mittel fehlen.

Das Geheimrezept ist Christoph Brandes mit seinen Iguana Studios. Der Kerl ist ein absoluter Hammerproduzent und es wundert mich wirklich, dass er nicht bekannter ist. Für mich produziert er auf Augenhöhe mit Tägtgren und Bogren, hat aber sehr faire Preise. Brandes passt den Sound der jeweiligen Band an, macht Dir quasi einen Maßgeschneiderten Klang, unglaublich, dazu ist der ein absoluter sympathischer und umgänglicher Charakter. Wir lieben es, mit ihm zu arbeiten. Wenn Du Dir verschiedene Produktionen von ihm anhörst klingen die immer der Band angepasst (Unlight, Finsterforst) es gibt nicht den klassischen Brandes Sound, es gibt immer nur den Sound, der zum Charakter Deiner Band passt.
Und Charakter habt Ihr. Ich muss mich allerdings ein wenig entschuldigen, da ich in meinem review ziemlich oft den Namen meiner absoluten Lieblingsband Bolt Thrower erwähnt habe. Sehr Ihr Euch selber in der Nähe dieser Legende?

Wenn Du uns mit Bolt Thrower, der ultimativen Deathmetal Walze, vergleichst, bedarf es hierfür keiner Entschuldigung, wir sagen einfach Danke. Unser Ziel war es, groovenden schweren Death Metal zu spielen, einfach straight forward in die Fresse. Dabei hatten wir nicht eine bestimmte Band im Auge, wie z.B. Bolt Thrower, sondern einfach die direkte Wucht vieler DM Bands Anfang der 90ziger Jahre. Dabei geht es nicht um Geschwindigkeitsrekorde oder technische Zauberkünste. Wir wollten einfach die geballte Wucht eines Vorschlaghammers und ich denke das ist uns gelungen.

Ihr habt Euch ja erst 2017 gegründet, 2018 mit „Debris“ eine erste EP veröffentlicht. Nun bereits das Debüt, welches bei mir seit Tagen in Dauerschleife rotiert. Ist dieses Tempo selbst gewählt und gewollt oder war das eher Zufall?

Nein, wir haben das Tempo selbst gewählt. Nach der Gründung war uns wichtig, möglichst zeitnah ein erstes Lebenszeichen von uns zu geben, um auch Veranstalter und Promoter auf uns aufmerksam zu machen. Nachdem wir unsere Sound DNA gefunden hatten, ging das Komponieren recht zügig von der Hand und somit haben wir unser Debüt knapp zwei Jahre nach „Debris“ auf die Menschheit losgelassen.

Du hattest vorhin schon kurz Eure Texte angerissen. Erzähl mir mehr…

Nun, die Songs auf dem Album beschreiben, wie es durch Aufwiegelung und Spaltung der Massen zu Hass und Zwietracht kommt. Dies wird in „Crash and Burn“ beschrieben, wie die Massen durch die Straßen ziehen, geblendet durch Hass und fanatischen Nationalismus (übrigens etwas, was dem ersten wie auch dem zweiten Weltkrieg vorangegangen ist, beim dritten wird’s nicht anders laufen).
„To the nameless“ beschreibt den Krieg/die Schlacht und „In Pain“ die Szenerie danach aus der Sicht eines überlebenden Soldaten, der fast daran zerbricht, dass alle seiner Kammeraden gefallen sind. „Like Ghosts“ besingt die vergessenen Opfer vergangener Konflikte und beim Song „Again“ nimmt die Entwicklung in die nächste Tragödie ihren Lauf: „so let the fallen die once more“.

„Let me feed you“ beschreibt die Hörigkeit der Massen dem nächsten Demagogen gegenüber. Bei „Dead men walking“, gehen die Massen steil, endlich haben sie wieder etwas was, worauf sie ihre blinde Wut und ihren Frust lenken können. „Fear me“ beschreibt die niederen Instinkte, die die Massen befallen und dies über Generationen hinweg „fight like me like you fathers once did so hopelessy“ und bei „Revolution Required“ verhallt der Ruf nach einem Ausstieg aus diesem Kreislauf des Hasses und der Zerstörung und alles beginnt wieder von vorn...


Das klingt mir fast nach einen Konzeptalbum…

Es ist ein Konzeptalbum geworden, allerdings ohne, dass wir es so beabsichtigt haben. Erst als es darum ging, die Reihenfolge der Songs zu arrangieren hat sich gezeigt, dass wir bei der richtigen Abfolge der Titel eine durchgängige Story vor uns haben. Das war natürlich eine sehr aufregende Entdeckung. Du kannst bei dem inhaltlichen Ablauf der Geschichte bei jedem x-beliebigen Song einsteigen, wenn du danach mit den Folgesongs fortfährst, denn die Geschichte dreht sich so quasi im Kreis und wiederholt sich, kann im Sinne von „Mnemocide“.
Mit Czar of crickets als Label seid Ihr ja landesintern geblieben. Find ich gut, da ich das Label und seine Veröffentlichungen sehr mag. Aber gab es nicht auch Interesse von größeren Firmen? Bei diesem Sound könnte ich mir fast vorstellen, dass die Labels Euch die Bude einrennen…

Da wir Fredy von Czar of crickets kennen und wir wissen, mit welchem Eifer er seine Bands unterstützt, haben wir ihn so quasi als Ersten kontaktiert. Wir waren hierbei sehr nervös, da Fredy extrem kritisch ist, wenn es um seine Singnings geht. Er macht seit über 20 Jahren aktiv Musik, kennt viele Bands und hat neben seiner Hauptband Zatokrev in zahlreich anderen Projekten mitgewirkt. Wir fühlten uns sehr geehrt als er uns den Zuschlag gab. Zum jetzigen Zeitpunkt ist für uns ein kleines aber verdammt feines Label die richtige Wahl und da sind wir mit Czar of Crickets an der absolut richtigen Adresse.

Nun ist also der Startschuss für Mnemocide gefallen. Wie geht es weiter, was erwartet uns und welche Ziele habt Ihr?

Wir hoffen nun endlich auf dem Livesektor durchzustarten. Außerdem planen wir noch einen regulären Videoclip (kein Lyricvideo) mit Daroc, unser Mann für alles Visuelle, den wir inzwischen als vollwertiges Bandmitglied sehen. Er hat unser Logo entworfen, alle Promopics gemacht, die Artworks zu den Veröffentlichungen und neuerdings ist er auch klangtechnisch involviert. So hat er alle Intros/Outros und Zwischenstücke auf der „Vultures“ geschaffen und so maßgeblich zur düsteren Stimmung des Albums beigetragen. Außerdem schreiben wir wieder an neuen Songs, aber Gut Ding will Weile haben.

Zu guter Letzt überlasse ich Dir die letzten Worte, um den Leuten ein schlechtes Gewissen einzureden, weshalb sie „Feeding the vultures“ noch nicht im Regal zu stehen haben.

Was? Es gibt Menschen, die das Album noch nicht haben (lacht)? Das muss dringend geändert werden. Jeder der auf stampfenden grollenden Death Metal steht sollte unbedingt ein Ohr riskieren und sich das Teil anschaffen. Ihr werdet es garantiert nicht bereuen!


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