VOLLGAS VORAUS, DIE TORPEDOS GELADEN


Als 2008 mit „War without end“ das erste Lebenszeichen der Kollegen von Warbringer auf dem Markt erschien, befand sich die amerikanische oldschool Thrash Landschaft gerade in der Neustrukturierung. Viele extrem gute Bands wurden plötzlich an die Oberfläche gespült und begeisterten sofort. Die Jungs aus Ventura gehörten ebenso dazu und wo sich viele Genrekollegen nach einem anfänglichen Hoch schnell wieder im Untergrund und ohne vorzeigbare Veröffentlichungen verkrochen, hielt der Fünfer die Flagge hoch, auch wenn man in der Folgezeit durch personelle Fluktuationen stark gebeutelt wurde. Vor allem die Mitglieder der Rhythmus Sektion gaben sich reihenweise die Klinke in die Hand und neben Gründungsmitglied Adam Carroll wechselten die zweiten Gitarristen schneller, als man „Thrash Metal“ sagen konnte.

Mit der Hinzunahme von Chase Becker an der Klampfe 2016 sowie Chase Bryant am Bass 2018 hat man seit zwei Jahren ein stabiles Line Up vorzuweisen, was sich scheinbar auch beim komponieren des neuen und bereits sechsten Albums "Weapons of tomorrow" ausgezahlt hat. Weg von den etwas experimentelleren Songs und zurück zu den Wurzeln des hochklassigen, gradlinigen Thrash Metals im Westcoast Style. Dementsprechend freute ich mich auf kommende Live Auftritte der sympathischen Kalifornier, doch dann kam das böse C und alles wurde auf Null gefahren. Ein Umstand, der an Frontmann und Bandgründer John Kevill ebenso nagt, wie an 99,9% der Heavy Metal Fans weltweit ebenso. So jedenfalls hörte es sich für mich an, als ich nach einem herrlichen Ausflug bei schönstem Wetter auf der Terrasse saß und die Verbindung nach Kalifornien aufbaute…

Hallo nach Berlin in Deutschland! Ich sitze gerade auf meiner Veranda an einem grauen, regnerischen und kalten Tag in Kalifornien, ähnlich wie bei Euch in Deutschland gerade, schätze ich (lacht). Dazu befinden wir uns in einer selbst auferlegten Quarantäne, verbringen die meiste Zeit im Haus und versuchen, vor Langeweile nicht zu sterben, hahaha.

Ach weißte, bei uns waren es heute 23 Grad, Sonne, wir waren im Zoo und hatten einen echt schönen Tag.

Hey, das klingt echt nice. Wir haben hier momentan echt merkwürdiges Wetter für Kalifornien. Seit einem Monat regnet es, es ist düster und so langsam reicht es uns gewaltig (lacht).
Wobei während der jetzt vorherrschenden Corona Pandemie so ein Wetter einem das „Drinbleiben“ doch etwas erleichtert…

Naja, schön ist anders. Die ganze Zeit so eingesperrt zu sein, drückt schon ein wenig aufs Gemüt, auch wenn wir ein echt schönes Haus haben. Doch irgendwann muss ich auch wieder raus, unter Menschen, ansonsten kann ich für nichts garantieren, hahaha. Am meisten kotzt mich die Tatsache an, dass wir mit dem neuen Album nicht auf Tour gehen können, um den Leuten zu zeigen, was für ein Brett wir am Start haben. Stattdessen lungere ich Zuhause rum und koche jeden Tag mit meiner Frau zusammen, da wir ja auch nicht essen gehen können.

Als sich dieser ganze Corona Wahnsinn anbahnte, gab es da von Eurer Seite aus vielleicht Überlegungen, den Release von „Weapons of tomorrow“ zu verschieben?

Wir haben darüber tatsächlich diskutiert, doch schlussendlich haben wir es beim 24.April belassen. Ab da hieß es: Vollgas voraus und die Torpedorohre geladen, hahaha.

War das eine gute Idee? Ich meine, Ihr habt mittlerweile einen recht großen Status in der Szene, könnt aber das Album nicht live promoten.

Hm, das stimmt schon, doch was sollten wir machen? Das Album war fertig und wollte endlich das Licht der Welt erblicken. Sollten wir uns irgendeinen Veröffentlichungstermin aus den Fingern saugen oder mit Fragezeichen versehen? Klar kotzt uns das total an, aber der Termin stand und alles weitere befand sich da schon außerhalb unserer Kontrolle. Ich meine, wir haben das Album aufgenommen, da war von irgendwelchen Einschränkungen oder gar einer Pandemie noch gar keine Rede, geschweige denn man hat an so etwas auch nur im Entferntesten gedacht. Wir glauben aber, dass die Leute gerade in dieser schweren Zeit auf gute Musik angewiesen sind und diese brauchen und deshalb kam das Album wie geplant raus (grinst).

Viele Leute haben an dem Release im Hintergrund mitgearbeitet, haben unglaublich viel Engagement gezeigt und da wäre es für sie und unsere Fans unfair gewesen, alles künstlich zu verzögern und auf einen Termin Gott-weiß-wann zu verlegen. Die Singles und dazugehörigen Clips waren ja auch schon bereits im Kasten, die Presswerke waren gebucht, also gab es da auch keine andere adäquate Lösung, die infrage gekommen wäre. Natürlich hat das jetzt alles für uns negative Auswirkungen, doch wenn der ganze Scheiß vorbei ist, werden wir uns live den Arsch abspielen und alles nachholen, dass kann ich Dir und Deinen Lesern versprechen.

In Deutschland wurde vor allem das „Krisen Management“ Eures Präsidenten scharf kritisiert…
Und das vollkommen zurecht! Er hat einen furchtbaren Job gemacht, besser gesagt gar keinen und jeder, der etwas anderes behauptet ist entweder dumm, oder er lügt, dass sich die Balken biegen. Es gab gleich zu Beginn so viele Fragen, auf die er und sein komischer Stab keine Antworten wussten und auch heute nicht wissen. Nicht eine Frage konnte ernsthaft beantwortet werden und man einmal mehr gesehen, was das für ein Clown ist.

Glaubst Du, dass das Covid-19 Virus eine „Weapon of tomorrow“ ist?

Nein. Pandemien sind eher Waffen der Vergangenheit und als wir die Platte im Juli letzten Jahres komponiert haben, war das ja auch kein Thema. Natürlich kann man davon ausgehen, dass dieser Virus generiert wurde und auch später noch aufbereitet werden kann, doch ich denke immer noch, dass diese Krise, die daraus resultiert, viel schlimmer ist und durch Desinformationen und falschen Behauptungen begünstigt und erzeugt wurde. Die echten Waffen von morgen haben wir erst kürzlich erleben dürfen, als der iranische General Süleymani quasi von einem Flughafen aus mit einer Drohne getötet wurde, die man auch auf unserem Albumcover findet.

„Weapons of tomorrow“ ist mehr eine offene Phrase und blickt dabei über den Tellerrand, was zukünftig noch alles an tödlicher Technologie in der Welt Einzug halten wird. Wir wissen nicht, was es sein wird, doch wir wissen, dass es mächtige Waffen sein werden.


Ende der Nullerjahre habt Ihr fast in einem zweijährigen Rhythmus Eure Alben veröffentlicht. Zwischen "IV: Empires collapse" und "Woe to the vanquished" lagen dann schon vier und nun zum neuen Album etwas mehr als drei Jahre. Braucht man im fortgeschrittenen Alter etwas länger zum Komponieren?
Ey! Ich bin 33, fortgeschrittenes Alter…pfft (lacht). Aber ich gebe Dir in gewissem Maße recht, denn Musik mache ich bereits seit 15 Jahren, bin also kein blutiger Anfänger mehr und 6 Alben sind in der heutigen, schnelllebigen Zeit in meinen Augen auch eine ganze Menge. Es wird mit den Jahren einfach schwerer, sich nicht zu wiederholen, spannend zu bleiben, interessante Themen zu finden. Zwischen „Empire“ und „Woe“ kam auch noch der Umstand dazu, dass die Band zu geschmiedet wurde und somit ein etwas größerer Abstand entstand. Von „Woe“ to „Weapons“ waren es nun mal 3 Jahre, weil wir keinen Schnellschuss riskieren wollten, sondern neue Ideen ausarbeiteten, die Zeit benötigten.

„Woe“ war eine total geile Platte und dementsprechend mussten wir uns gewaltig strecken, um die nochmal toppen zu können. Was bringt es dir, wenn du 2 Jahre später irgendeinen halbgaren Scheiß veröffentlichst? So sind wir nicht! Wir haben uns einfach die Zeit genommen und gegönnt, die wir benötigten, um unserer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das Ergebnis hierzu liegt nun vor Dir.


Und dazu kann man Euch nur gratulieren, denn „Weapons of tomorrow“ vereint alle Trademarks von Warbringer auf eine spannende Art und Weise. Best of both worlds würde ich das nennen…

Und da gebe ich Dir vollkommen recht! Ich bin mehr als glücklich mit dem Album, denn es folgt den Fußspuren unserer letzten Alben. Die größte Veränderung indes sind die Veränderungen im Songwriting Team, denn unser Drummer Carlos Cruz ist nunmehr voll mit eingestiegen und hat ziemlich viel zum Album beigetragen. Außerdem haben wir ein sehr stabiles und tightes Lineup, mit dem man besser arbeiten kann als in der Vergangenheit und einem mehr Selbstvertrauen gibt. Wir können uns auf unsere Fähigkeiten fokussieren und dementsprechend Vollgas geben.

Reden wir doch mal ein wenig über Deine aktuellen Texte. In einem unserer früheren Gespräche hast Du dein vielseitiges Interessenfeld kundgetan, welches von Geschichte über Politik, Kunst und Geographie bis hin zu Literatur ein riesiges Spektrum abdeckt. Wenn ich Songtitel wie „Notre Dame“ oder „Heart of darkness“ sehe gehe ich stark davon aus, Du hast Dich auch dieses mal mannigfaltig inspirieren lassen.
Absolut! Victor Hugo und Joseph Conrad sind Koryphäen der Literatur und dem wollte ich Tribut zollen. Quasimodo repräsentiert bis heute für mich Entfremdung und persönliche Isolation, das Weggesperrtsein von der restlichen Welt und „Heart of darkness“ ist eine Auflistung von Rassismus in der Kolonialzeit und die Beschreibung einer Denkweise, wie es sie heute nicht mehr geben dürfte und darf. So sehe ich das Buch und gerade diesen beiden von Dir angesprochenen Songs bedeuten wir sehr viel.

Bei „Glorious end“ habe ich mich von den unzähligen 1.Weltkriegs Denkmälern inspirieren lassen, bei „Crushed beneath the tracks“ schaue ich ein wenig in die Zukunft. Alle Songs zusammen sind definitiv kein Konzeptalbum, doch jeder einzelne Song hat ein eigenes Konzept. Jeder Song hat seine eigene Geschichte, steht komplett für sich alleine und das ist das, was meine persönlichen Trademarks beim Komponieren ausmachen. Für einen Thrash Metal Sänger ist es vielleicht etwas ungewöhnlich, sich mit solch komplexen Themen auseinanderzusetzen und nicht dem gängigen Stereotyp zu entsprechen, doch das war schon immer meine Herangehensweise und es bringt doch auch Abwechslung, als immer wieder das Gleiche zu hören.


Erneut habt Ihr mit Mike Plotnikoff zusammengearbeitet, der auch schon bei „Woe“ an den Reglern saß, diesmal aber in meinen Augen eine ganze Schippe noch draufgepackt hat.

Wir sind auch mehr als zufrieden, haben aber diesmal lediglich in Mike seinem Studio aufgenommen und den Mix dann Zack Ohren überlassen, der bereits bei unserem zweiten Album „Waking into nightmares“ einen fantastischen Job erledigt hat. Das finale Produkt spricht dann, glaube ich, für sich. Wir sind alle komplett euphorisiert, glücklich über das Ergebnis und für mich persönlich beinhaltet der Sound absolut alles, was eine Metal Platte ausmacht. Sie ist klar produziert, man kann alle Instrumente super heraushören und dennoch hat sie eine gewisse Rohheit und Schmutz. Das war genau die Balance, die wir gesucht und mit diesem Album gefunden haben. Der Sound ist hammerhart, dennoch klar akzentuiert und heavy as fuck.

Als Ihr Mitte der Nullerjahre das erste Mal auf meinem Radar erschienen seid, nannte ich Euch die Speerspitze des New Wave of Thrash Metal. Sechs Alben, unzählige Touren und Erfahrungen später…fühlt Ihr Euch da mittlerweile mehr den alten Hasen der Szene zugehörig?
Auf jeden Fall, denn mit unserem Backkatalog gehört man definitiv nicht mehr zu den Newcomern. Allerdings mit einer Band wie Metallica können wir NOCH nicht mithalten, hahaha. Warbringer waren allerdings nie eine Band, die den kommerziellen Durchbruch geschafft haben, weil wir allem Anschein nach mit unserem Thrash einfach zu hart für den Mainstream sind (lacht). Wir sind gerade auf dem Höhepunkt unseres Schaffens angelangt, was Bands mit vergleichbaren Releases vielleicht nicht von sich behaupten können, vor allem nicht im Thrash Metal, denke ich. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben und auch wenn ich es mir manchmal selbst nicht eingestehen will, zähle ich mich wirklich schon zu den, sagen wir mal, älteren und nicht alten Hasen (lacht). Wir haben über einen recht langen Zeitraum immer wieder Qualität veröffentlicht, unsere Fanbase erweitert und wollen das zukünftig auch so beibehalten.

Ich habe während meiner Recherche ein Interview entdeckt, in dem Du von Exodus Sänger Zetro Souza interviewt wurdest. War das eine Ehre, warst Du nervös? Wie ist das, von solch einer Legende befragt zu werden?

Es war großartig und ja, ich war anfangs wirklich nervös. Ich meine, hey, Exodus! Ich bin seit je her ein großer Fan seiner Platten und auch die Jungs sind allesamt extrem gut drauf. Das Interview fand in seinem Haus statt, just an dem Tag, als wir sowieso in San Francisco eine Show zusammen mit Death Angel gespielt haben und abends kam er dann bei unserer Coverversion von „(We are) The Roadcrew“ von Motörhead mit auf die Bühne und sang den Chorus mit uns. Das war pretty nice. Eine richtig große Ehre. Durch die Mitarbeit von Gary Holt an „Waking into nightmares“, die er ja produziert hat, haben wir sowieso eine mehr als gute Exodus-Connection und fühle nicht weniger als bedingungslose Liebe zu den Jungs.

Gibt es eigentlich nach dieser schon jetzt recht erfolgreichen Karriere von Warbringer immer noch Träume und Wünsche, mit wem man gerne auf Tour gehen würde?

Ich war schon mit vielen Bands auf Tour, von denen ich niemals gedacht hätte, diese mal zu begleiten. Kreator, Exodus, Testament. Slayer sind ja nun leider in Rente, dieser Wunsch wird sich also für mich nicht mehr erfüllen. Wir haben sogar mal ein Konzert im Vorprogramm von IronMaiden gespielt, das ist wirklich eine enorme Hausnummer für mich gewesen. Aber ganz ehrlich: Als Support einer großen Band unterwegs zu sein ist schon cool, kann aber eine eigene Tour, auf der man Abend für Abend vor DEINEN Fans auf der Bühne steht, nicht kompensieren. Das ist für uns und mich das Wichtigste. Ebenso wichtig ist, dass die Musik der Bands auf Tour zusammenpasst. Was nützt die ein Supportslot einer großen, angesagten Band, wenn sich in der Halle keine Sau für deine Musik interessiert? Von daher achten wir stets darauf, bei unseren Tourneen Supports mitzunehmen, die stilistisch zu uns passen und mit denen das Publikum etwas anfangen kann. Etwas anderes macht in meinen Augen keinen Sinn.
Jeder Metalfan auf der Welt ist natürlich nach dem Überstehen der Corona-Krise heiß auf Konzerte. Ihr habt ja noch die Möglichkeit, in diesem Jahr in unsere Breitengrade zurückzukehren und Destruction auf ihrer Tour zu supporten. Kann man sich, trotz der momentan vorherrschenden Maßnahmen, dennoch schon freuen?

Weißte, der November ist so unfassbar weit weg, vor allem für eine Band und ein Album, welches im April erschienen ist. Allerdings habe ich schon ein wenig Bammel davor, ob der November nicht schon zu früh ist, um wieder auf Tour zu gehen. Natürlich ist es wichtig, den Fans schon mal den Mund wässrig zu machen und zu zeigen: Hey, wir kommen wieder, doch die Angst, dass wieder alles umkippt, bleibt in meinem Hinterkopf bestehen. Allerdings sollte das normalerweise reichen, um entspannt im November und Dezember endlich wieder mit unseren Fans die Häuser zu rocken. Es kann ja auch nicht sein, dass 2020 als Jahr in die Geschichte eingeht, in dem keine Konzerte stattfanden. Wie furchtbar ist das denn?


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