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Live on Stage-Report: Tuska Metal Open Air 2022

Das waren die Sommerfestivals - Teil 4



Freitag | Samstag


TAG 1 - FREITAG, 01.07.2022


DIE ANREISE
Nein, um 4:00 Uhr aufstehen ist und bleibt unmenschlich, auch wenn die Aussicht auf meinen nunmehr zweiten Helsinki Trip und dem damit verbundenen Besuch beim Tuska Metal Festival meine Lebensgeister etwas früher aus dem Tiefschlaf riss. Tuska, da werden Erinnerungen wach an einen der besten Trips ever und dementsprechend groß war bereits Monate vorher die Vorfreude auf die Reise in die finnische Landeshauptstadt, genauso groß wie die Gewissheit, dass es ordentlich teuer werden würde. Doch spare in der Zeit, dann haste Geld... oder so ähnlich.

Erstmals mit den Öffentlichen wurde der Weg zum Milliardengrab BER angetreten, nicht ohne sich vorher mit einigen Mettbrötchen zu stärken, wohl wissend, dass der Hauptstadt Flughafen in Sachen Qualität, Angebot und preislicher Gestaltung des Frühstücksangebotes im unteren Drittel meiner persönlichen Ernährungspyramide rangiert. Allerdings war der Kaffee bei Marche' ein Hochgenuss, auch wenn man sich dafür schon einen gebrauchten Mittelklasse Wagen hätte anschaffen können.

Der Flug verlief dann unspektakulär, ich konnte sogar noch etwas Schlaf nachholen, und nach eineinhalb Stunden landeten wir unversehrt in Vantaa und knapp 45 Minuten später im Hotel. Ein etwas in die Jahre gekommenes Haus, doch eine gut funktionierende Dusche, ein stilles Örtchen und ein gemütliches Bett reichen mir völlig zum Glücklichsein.

30 Grad in der Sonne lockten uns dann sofort raus Richtung Hafen, nicht aber ohne vorher in der Craft Beer Bar direkt um die Ecke ein spanisches Stout mit Schoko und Mandelaroma zu verköstigen, welches mit knapp 13 Schleifen schon recht happig bepreist, geschmacklich allerdings mit das Beste war, was ich jemals getrunken habe. Danach gab es ein wenig Sightseeing mit der Entdeckung, dass ebenfalls just around the corner ein Craft Beer Festival direkt vor dem Hauptbahnhof stattfand, welches wir am Abend noch besuchen sollten.

Helsinki ist eine kleine, recht laute, aber dennoch schöne Stadt, die allerdings wenig Schatten bietet und somit brutzelten wir so langsam vor uns hin und das weckte die Erkenntnis in mir, meine Lederkutte für die folgenden Tage im Schrank zu lassen. Wir fanden dann ebenfalls recht schnell die Kneipe, in der die offiziellen Tuska Aftershow Partys stattfinden werden, verhafteten dort ebenfalls ein paar verdammt leckere finnische Biere, aßen nebenan megaleckere Burger und gingen dann zu besagten Bierfestival, welches eigene Gläser parat hielt, die man sich für einen jeweiligen Obolus immer nachfüllen lassen und sogar später an eigens eingerichteten Punkten auswaschen konnte.

Da waren schon ein paar nette Teile bei, doch irgendwann meldete sich der Körper und verlangte seinen Tribut, denn die Uhr zeigte bereits gegen 21 Uhr 25.000 Schritte an. Also nochmal kurz zum Hafen, dass Wasser genießen und Richtung Hotrel, wo wir dann verdammt schnell in Morpheus Arme sanken.

Die Urlaubskasse hat zwar bereits jetzt ein recht ordentliches Loch, doch das war es allemal wert. Ein toller erster Tag mit vielen zu verarbeitenden Eindrücken.

TAG 1
Man wird wach, guckt aus dem Fenster, entdeckt strahlenden Sonnenschein und denkt sich: Jaaa, das wird ein geiler Tag, Zeit zum Aufstehen, doch warum bin ich so müde? Ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist 3:20 Uhr. Skandinavien im Sommer bedeutet: Sonnenuntergang: 23:50, Aufgang um 3:10 Uhr. Mit einem Grinsen und leichtem Kopfschütteln also wieder umgedreht und weitergepennt. Das sollte auch bitter nötig sein, denn Tag eins sollte verdammt anstrengend werden.

Am Vormittag noch ein wenig durch die Stadt getigert, ein zwei Bierchen verhaftet, um dann gegen halb Zwölf Richtung Gelände zu laufen. Ja…LAUFEN, denn es lagen lediglich 2 Kilometer zwischen unserem Hotel und dem Gelände, auf das ich später noch eingehen werde. Herrlich entspannend am Meer entlang, um dann festzustellen, auf der verkehrten Seite des Tuskas gelandet zu sein. Also einmal komplett außen rum um das Gelände und in das mittlerweile nebenan liegende und vor ein paar Jahren erbaute Einkaufszentrum, wo in einem an Versaille erinnernden Spiegelsaal die Akkreditierungen vonstattengingen. War schon cool, solch einen Konsumpalast in der Hand von tausenden schwarz Gewandten zu sehen. Draußen dann eine Bar entdeckt, in der das Maiden Trooper Ale vom Fass ausgeschenkt wurde und für viele glückliche Gesichter sorgte. Also alles in allem eine verdammt gechillte und coole Aufwärmphase für das nun startende Tuska 2022.

Eigentlich wollte ich gleich zu Beginn bei Church of the dead mir das bis dato angelaufen Karhu abtrainieren, doch statt der angekündigten Band lärmte da nun eine Truppe namens Numento, die ähnlich wie ihr Bandname absolut nichtssagenden Nu Metal mit Trällerelsen Geschrei zu bieten hatte. Ok, der Tag hatte ja gerade erst angefangen.

Tja und wenn man mal die Oojen uffsperrt findet man auch besagte Kirche der Toten, die ein paar Meter nebenan auf der Inferno Stage ihren interessant groovenden Black/Death Mix mit einer fetten Portion Crust zum Besten gaben und dabei definitiv die bessere Figur machten als ihre trällernden Kollegen nebenan. Tja, was die Jungs zwischen den Songs zum Besten gaben, kann ich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht wiedergeben, doch Spaß machten die Finnen allemal.

Eigentlich wollte ich Verikalpa einen Besuch abstatten, doch in der Hektik fand ich tatsächlich den Weg zur Halle nicht und somit landete ich erstmals vor der Hauptbühne, wo die Eisgenossen von Eluveitie verdammt früh im Billing in die Saiten griffen und in die Flöte pusteten. Allerdings war der Sound beim Opener, um es gelinde auszudrücken beschissen, doch im Laufe des Gigs besserte sich auch dieser. Somit konnten Hits wie „Inis mona“, „Epona“ oder das überragende „Call of the  moountains“ oder ihre Kraft vollständig entfalten. Starker Gig, aber viel zu früh in der finnischen Mittagshitze. Schlussendlich aber verdammt überraschend, wie stark Eluveitie hier aufspielten und sich präsentierten. Das hat mein Interesse an den Schweizern erneut entfacht.

Das Schöne an solchen Veranstaltungen in fremden Ländern ist, dass man Bands kennenlernt, die vorher so ziemlich unter jedem Radar liefen. Elder beispielsweise, denn das amerikanische Quartett machte mit seiner Stoner/Doom Variante verdammt viel Spaß und dürfte im Club für noch mehr Spaß sorgen als hier auf der Inferno Stage. Das Publikum hatte Spaß, die Band auch und somit waren alle Anwesenden voller Zufriedenheit. Und so muss das doch sein, oder?

Zwischendurch gab es noch ein wenig symphonischen Black Metal von den Lokalmatadoren Abstrakt, die allerdings nicht sonderlich wehtaten, da waren und jut is. Ebenso passten die Northern Kings um ex-Nightwish Basser Marko Hietala nicht in mein nachmittägliches Programm, da ich den Metal der Finnen nicht sonderlich spannend finde und mir nicht erklären kann, warum die Truppe nach 12 Jahren wieder auf der Bildfläche erschienen ist. Mit Tony Kakko war es jedenfalls der erste Gig, dem ein zweiter mit Sonata Arctica am Sonntag noch folgen sollte.

Finnischer Punk'n'Roll von The Rivet nun im saugemütlichen Kult Club, doch musikalisch klingt das alles ziemlich schief und unausgereift. Anlagen sind aber vorhanden und der Basser wirkte ein wenig übermotiviert. Nicht mehr als eine Überbrückung zu Lost Society, die von ihren Landsleuten auf der Mainstage frenetisch begrüßt wurden. Ich bin ja wenigstens froh, dass die Truppe um Samy Albana mit ihren bald erscheinenden neuen Album wieder etwas thrashiger werden, doch mit den alten Schandtaten hat das immer noch nicht viel gemein. Dennoch zeigten die Jungs aus Jyveskälä vollen Einsatz und brachten das Publikum schnell auf ihrer Seite. Dennoch fehlt mir einfach die Räudigkeit von früher, denn heute sind sie irgendwie nur eine weitere modern Metal Band, von denen es tausende gibt. Dementsprechend langweilig war das alles.

Also nutzte ich die spärliche Zeit für einen etwas ausgedehnten Rundgang über das Gelände, welches nicht einmal mehr ansatzweise etwas gemein hat mit dem, welches ich zuletzt 2016 gesehen hatte, anzutreten. Doch ehrlich, dieser Turnaround macht sich mehr als positiv bemerkbar, denn trotz der Tatsache, dass das Tuska komplett ausverkauft ist, findet man immer genügend Raum und Platz, um sich mal zu entspannen, die Seele baumeln zu lassen oder um in Ruhe ein 10€ teures Bierchen zu verköstigen. Ich hielt mich da eher an Kaffee und einer Fanta-ähnlichen Brause, die nach Ananas schmeckte und in dem Shopping Container, der neben alkoholfreien Getränken auch Snacks und diverse andere Dinge zum normalen Ladenpreis anbot, für wenig Geld käuflich erworben wurde.

Auch die Expo, die tollen Food Stände, die überall positionierten Trinkwasserspender, die Hängematten, die Toilettensituation (wo sonst kann man nach 23 Uhr von Rand der Dixie Klobrille noch etwas essen?) oder, oder, oder…die Veranstalter haben sich Gedanken gemacht und scheinbar die Wünsche ihrer Zuschauer eins zu eins umgesetzt, um ein rundum wohliges Gefühl und Erlebnis zu generieren, was als gelungen anzusehen sein muss. Wirklich eines der besten Festivalgelände, welches ich jemals gesehen habe und erleben durfte. Einen fetten Negativpunkt gab es aber dennoch, doch da komme ich später zu, denn jetzt aber sollte es weiter Musik geben, auf die ich mich ganz besonders freute…

Nun gab es die Wahl zwischen Omniun Gatherum und Mariannas Rest, doch die Entscheidung war verflucht einfach, haben doch letztgenannte 2021 unser Album des Jahres abgeliefert und somit Bei mir dafür gesorgt, Dass ich mich auf den ersten Auftritt dieser großartigen Band mehr als nur freute. Und das ging scheinbar nicht nur mir so, denn die Halle, in der der Auftritt stattfand, war stattlich gefüllt, so dass man kurz vor Beginn des Sets keine Leute mehr rein ließ. Überhaupt war diese Location sehr speziell, denn nur hier bekam man mein geliebtes Karhu Bier, welches man aber unter keinerlei Umständen mit nach draußen nehmen durfte, ebenso wenig Getränke von außerhalb mit rein. Sehr seltsam, doch das sollte dem nun folgenden Komplettabriss nicht im Wege stehen.

Das Quintett aus Kotka legte furios mit dem Titeltrack des letzten Albums los und vom ersten Ton an hatte ich Erpelparka am gesamten Körper. Was für eine Performance, was für eine Eindringlichkeit und was für eine tieftraurige und düstere Gesamterscheinung, der man sich einfach nicht entziehen kann. Der Applaus nach jedem Song war jedenfalls frenetisch und bestätigte meine Meinung, dass die Finnen in Sachen Doom Death das nächste große Ding sein werden, wenn sie es nicht längst schon sind. Schön war, dass sich die Truppe sehr über meinen Besuch, die Auszeichnung des Vorjahres und den gemeinsamen Schnaps Konsum nach der Show freuten. Ja, die Finnen können nicht nur Musik, sondern auch saufen wie die Rinder.

Ich war danach sowas von im Arsch, dass wir die 10 Minuten Bahnstrecke ins Hotel einem Auftritt von Beast in Black (würg) und Ensiferum (doppelwürg) vorzogen, um uns für den anstehenden Abend ein wenig zu wappnen, denn da sollten noch massivste Geschütze aufgefahren werden.

Pünktlich um Viertel Neun standen dann Carcass auf der Bühne, die ich vorher schon verdammt oft live gesehen habe, die aber am heutigen Tag einen ihrer besten Gigs ever ablieferten. Was für eine Wucht, was für eine Intensität und eine oldschool Setlist, die den Altvorderen wie mir einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Der Sound war fett wie viele der anwesenden finnische Mädels und die Briten in absoluter Spiellaune. Da tat es auch keinen Abbruch, dass der Bassgurt von Jeff Walker dreimal seinen Dienst versagte und die Deathgrind Legende das schwere Teil während des Gesangs quasi tragen musst. Die Band hatte Bock, war motiviert bis in die Haarspitzen und das Drumming von Daniel Wilding war überragend! Bis zu diesem Zeitpunkt waren Carcass die klaren Gewinner des ersten Tages auf der Hauptbühne und ich freue mich schon jetzt wie ein Schnitzel auf den Gig beim diesjährigen Party San.

Noch vollkommen geflasht von diesem Zuckerkonzert ging ich kurz zur Zeltbühne, um mir mal anzuschauen, warum die ganze Welt Heilung so abfeiert. Nach wenigen Minuten war ich noch ratloser als vorher, denn dieser Schamanen-Quark ist sowas von unwichtig und musikalisch bedeutungslos, dass sich mir die Frage stellt, warum man mit solch einem gequirlten Murks so einen Erfolg haben kann.

Da sind The Night Flight Orchestra eine vollkommen andere Hausnummer und Björn Strid nebst seinen Kumpanen (und –innen) zeigten dies auch mehr als deutlich. Da flogen die Haxen und die Tanzbeine kamen in Wallung und selbst besagte Band aus Kotka schwelgte im Bierdunst den AOR Klängen aus dem Nachbarland Schweden. Die Publikumsreaktionen waren grandios, es wurde getanzt, gefeiert und zu jeder sich bietende Gelegenheit die Band bejubelt. Spiel Satz du Sieg für eine der besten Live Bands momentan.

Nun allerdings sollte der erste Headliner die große Bühne zerstören und wer eignet sich da besser als die Nu Metal Veteranen von Korn, auf die sich wirklich alle auf dem Gelände gefreut hatten. Die Ernüchterung war allerdings groß, denn der Sound war unter aller Sau! Zu leise, zu breiig und das genau in der Mitte des FOH. Was war da los? Das trübte die Stimmung ungemein, obwohl die Körner einen arschvoll Hits im Petto hatten, wobei ich doch ein paar alte Gassenhauer schmerzlich vermisste.

Zwar wurde im Verlauf des Gigs etwas an den Stellschrauben gedreht, doch die richtige Partystimmung war verflogen, so dass das größte Gedränge später in der U-Bahn stattfand, die von den Ordnungskräften vorbildlich befüllt wurden. Überhaupt war es trotz des Massenandrangs recht entspannt und so fielen wir ziemlich zerstört irgendwann nach Mitternacht in die Koje und ließen die erste Aftershow Party sausen. Gute Entscheidung, wie sich nächsten Tag herausstellen sollte.


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