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Live on Stage Report: KERRY KING | DUST BOLT

12.06.2024 - Berlin @ Huxleys


Normalerweise stehe ich Soloprojekten ziemlich skeptisch gegenüber, sowie auch in diesem Fall im Jahr 1 a.S., sprich anno Slayer, welches Kerry King mit seiner ersten Scheibe "From Hell I rise" auszufüllen versuchte und dies mit ziemlich durchschlagendem Erfolg auch schaffte. Nun galt es aber das Teil auf die Bühne zu bringen und ich bin ehrlich: Zum erwartete ich nicht viel und zum anderen hätte ich definitiv keine 65€ ausgegeben, um mir den glatzköpfigen Gitarristen anzuschauen. Deswegen geht mein dicker Dank an DreamHaus, die für eine Akkreditierung sorgten, auch wenn diese tatsächlich recht spontan zustande kam.

Beim Huxleys angekommen, liefen einem natürlich einmal mehr die üblichen Verdächtigen der Berliner Thrash Szene über den Weg, die sich dieses Konzert ebenfalls nicht entgehen lassen wollten und ich befürchtete, ein pickepacke volles Haus. Meine Vermutung erhielt Nahrung, als ich am Eingang keine Abendkasse feststellte, doch als ich die altehrwürdige Halle betrat, war das Teil vielleicht zu 20% gefüllt. Na Hoppla! Mir kam das entgegen, denn mein vom Vortag von Body Count geschundene Körper hatte keinen Bock auf Drängel-und Schubsereien und ich mag es, wenn ich mich frei bewegen und einen schnellen Zugang zum Bierstand habe.

Nun galt meine Aufmerksamkeit aber dem Support Act und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie oft ich Dust Bolt schon in diesem Leben live gesehen habe (im anderen wahrscheinlich auch), doch ich war gespannt wie ein Flitzebogen, ob sich der vollzogene Stilwandel mit dem aktuellen Album "Sound Fury" in irgendeiner gearteten Form auf die Livepräsenz auswirken würde. Nun ja...diese Antwort kann man ohne Zweifel mit Ja beantworten, denn ich hatte während des gesamten Gigs das Gefühl, dass man den Bajuwaren noch zusätzlich rektal Zitteraale verabreicht hat, denn die schossen noch mehr als früher wie angeschossenes Dammwild über die Bühne und versprühten einen herrlichen good friendly violent Fun.

Obwohl zu Beginn des Sets der Lichtmann scheinbar tiefschlafend vergas, die Lampen zu entzünden, entzündete dafür der Münchner Thrash Express ein Feuerwerk an fetten Riffs, geilen Songs und einem wie bereits erwähnt wilden Stageacting, bei dem ich nach spätestens dem zweiten Song die eiserne Lunge benötigt hätte. Lenny Bruce keifte, schrie und sang sich die Seele aus dem Leib und das sich stetig füllende Huxleys fand sichtlich Gefallen an dem hier dargebotenen Liedgut. Vollkommen zurecht, denn als die Band nach 30 Minuten klatschnass das Ende einläutete, waren die Leute begeistert, ob sie die Band nun vorher schon kannten oder nicht. Ich für meinen Teil musste mit dem Kauf eines Leibchens diese Performance honorieren und hoffe, dass Dust Bolt bald mal wieder in Berlin aufschlagen, dann aber bitte in einem anderen Laden als dem Cassiopeia. Fazit: Brillanter Support!

Wie bereits oben erwähnt war ich schon gespannt, was der nun auf Solopfaden reitende Kerry King mit seinen Vasalen auf die Bühne zaubern würde und Fatal Embrace Gitarrist Christian säuselte mir die ganze Zeit ins Ohr: „Lass uns an den rechten Bühnenrand gehen, ich will den King hören.“ Meinte er Burger King? Ricky King? Natürlich den Kerry, doch als die Truppe nach dem geilen Intro „Diablo“ mit „Where I reign“ einstieg, war schnell klar: Die King’sche Brut hatte den wohl besten Sound, den ich im Huxleys jemals zu hören bekam. Egal ob Phil Demmel oder der Namensgeber des Abends die Äxte zum Jaulen brachten, alles war klar, deutlich, differenziert und fräste einem Furchen in die Horchorgane. Dazu ein Paul Bostaph, der zusammen mit Kyle Sanders einen fetten Teppich legte und natürlich the one and only: Death Angel Frontmann Mark Osegueda, den ich hier mit einem eigenen Absatz erwähnen muss.

Das Mark ein außergewöhnlicher Frontmann ist, weiß der geneigte Metalfan auch nunmehr seit fast 38 Jahren. Dass er ein umfangreiches Repertoire besitzt, ebenso. Dennoch bezeichnete ich ihn ein wenig despektierlich in meinem Review als „Araya-light“, und da muss ich dringend Abbitte leisten. Natürlich klang er bei den neuen Songs eben wie jener KK-Frontmann, doch sobald es Slayer Songs zu hören gab, änderte er seine Tonlage, passt sich an und klang so, wie der mittlerweile im Ruhestand befindliche Frontmann der einstigen Totschläger zu seiner Paradezeit. Viel mehr noch…besser! Ich hingegen hätte als ungeübter Vokalist danach mindestens drei Wochen nicht sprechen können. Ergo: Eine Weltklasse-Leistung von Mark Osegueda und wer etwas anderes behauptet, hat keinerlei Ahnung von Metal. Weiter im Text.

Ohne jegliche Ansagen schredderte sich die Band (ja, es ist eine und kein Ego-Trip von King, das merkte man deutlich) durch die ersten vier Songs, wobei mit „Repentless“ der erste von insgesamt sieben Slayer Songs intoniert wurde. Einfach nur bärenstark! Man muss aber auch neidlos anerkennen, dass das neue Material ebenfalls zündet und voll in die Lücke stößt, die das Ende der Thrash Legende hinterlassen hat, doch das Publikum wollte natürlich mehr altes Material hören. Wie wär’s denn mit „Chemical Warfare“? Meine Fresse, was für eine Brutalität und vor allem timingsicher, wie ich es von einer Thrash Band diesen Kalibers selten erlebt habe.

Was mich allerdings störte war, dass Kollege Bostaph beim ikonischen Intro zu „Raining blood“ zu viel Tammtamm auf den Toms veranstaltete und dem Song ein wenig die Magie nahm. Dafür entschädigte aber das direkt daran anschließende „Black Magic“ voll und ganz. Auch hier eine gebrochene Lanze für Phil Demmel, der nicht nur vom Aussehen her an den unvergessenen Jeff Hanneman erinnert, er balgte sich ebenso souverän durch die Parts dieses Ausnahmegitarristen, ohne sich persönlich in den Vordergrund zu stellen, sondern diente voll und ganz der Musik und dem Vermächtnis dieser einst zu überragenden Band.

19 Songs, neunzig Minuten Spielzeit, das komplette erste Album und 7 Slayer Klassiker, wobei auch „At Dawn they sleep“ erwähnt werden muss, machten diesen Abend tatsächlich magisch und wo ich vorher nichts erwartet hatte, muss ich im Endeffekt eingestehen, dass dies eines der besten Konzerte der jüngeren Vergangenheit war. Wer das verpasst hat: Selbst schuld! Sollte sich die Gelegenheit noch einmal ergeben, ich wäre sofort dabei und diesmal ohne lange zu überlegen.




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