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BLIND GUARDIAN – The God Machine (2022)

(7.915) Patrick (9,5/10) Power Metal


Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 02.09.2022
Stil: Power Metal


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Da wird mir altem Krachfanatiker doch die große Ehre zuteil, die neue BLINDGUARDIAN zu besprechen. Einerseits freue ich mich sehr darüber, denn gerade die früheren Werke (die ersten Sechs Alben) der Krefelder Band stehen bei mir sehr hoch im Kurs und drehen auch heute noch in schöner Regelmäßigkeit ihre Runden auf dem heimischen Plattenteller. Außerdem halte ich das 1995 erschienene Meisterwerk „Imaginations From the Other Side“ für absolut konkurrenzlos im gesamten Genre und finde, dass die Jungs mit diesem Magnum Opus nichts weniger als das Beste deutsche (Power) Metal Album hervorgebracht haben.

Auf der anderen Seite regierte vorm Drücken der Play-Taste ein klein wenig die Angst, denn entgegen der glorreichen Klassikerphase BLIND GUARDIAN´s, stehen ausnahmslos alle Alben, die nach der „Nightfall In Middle-Earth“ (1998) erschienen sind. Diese sind wahrlich nicht zwingend als schlecht zu bezeichnen, konnten mich aber zum größten Teil aufgrund der zunehmend ausschweifenden Orchestrierung und der immer progressiver werdenden Ausrichtung im Bandsound nicht mehr wirklich abholen. Also gut. Neues Album, neuer Versuch. Los geht’s.

Schon die erste Singleauskopplung „Deliver Us From Evil“, welche auf „The God Machine“ als Opener platziert wurde, gibt die Marschrichtung des Albums in eindrucksvoller Art und Weise vor und ich bekomme während des Songs mein dämliches Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht. Allein dieses grenzdebil geniale Gitarrengespann aus Markus Siepen und André Olbrich ist im Metal einzigartig und kann spielend leicht aus tausenden Bands herausgehört werden. Neben den beiden derb riffenden Saitenhexern regiert hier Tempo, druckvolles Doublebass Drumming, ein anbetungsvoller Refrain zum Niederknien, der einem ums Verrecken nicht mehr aus dem Kopf weichen will und ein Hansi Kürsch, der seine Botschaften schon lange nicht mehr so inbrünstig und aggressiv ins Mikro geschmettert hat. Was für eine Hymne!

Damnation“ täuscht danach eine etwas atmosphärischer anmutende Schlacht an, schlägt aber sehr zu meiner Freude, nach kurzer Zeit in eine ähnlich heftige Kerbe, bietet ebenfalls und völlig wohltuend diese jahrelang schmerzlich vermisste GUARDIAN Kost, wartet mit unglaublich großen Gesangslinien auf und entwickelt sich mit jedem weiteren Durchlauf zu einem grandiosen Highlight (unter vielen) des Albums. Die zweite, im Vorfeld bereits ausgekoppelte Single „Secrets Of The American Gods“ zeigt sich dann von einer etwas gemäßigteren Seite, kommt aber dafür umso epischer und erhabener um die Ecke und büßt trotz der Tempodrosselung absolut nichts an Intensivität und heavyness ein. Hier kommen zum ersten Mal ein paar proggige Versatzstücke und bombastische Elemente ins Songwriting, dennoch gelingt dem Track das große Kunststück, sich direkt und ohne Umwege im Gehörgang einzunisten und dank des erneut absolut großartigen Refrains, wird er da auch sicherlich noch eine ganze Zeitlang verweilen.

Schneller, heftiger riffend und mit kräftigem Gesang geht die Reise weiter und die Band lässt die „Violent Shadows“ auf den Hörer los. Ein derber und schön nach vorn preschender Song, der einerseits mit einer abartig geilen Gitarrenarbeit zu beeindrucken vermag und andererseits wieder mit einem sehr eindringlichen Refrain dafür sorgt, ebenfalls auf längere Zeit in den langsam dahinschwindenden grauen Zellen zu verweilen. Mein persönliches Highlight haben die Jungs allerdings mit dem sechsten Song „Architects Of Doom“ abgeliefert und für die Ewigkeit auf diesen Tonträger gebannt. Mit einer stimmigen und atmosphärischen Eröffnung leitet uns BLIND GUARDIAN in eine wahnsinnig fette und dermaßen treibende Heavy Metal Hymne, die so in dieser Form auch problemlos auf einem Album aus den 90igern hätte stehen können.

Sangesbarde Hansi brilliert in diesem Nackenbrecher absolut großartig und wirft sein gesamtes beeindruckendes Stimmspektrum in die Waagschale. Aggressive und z.T. fast giftig ins Mikro gespuckte Vocals treffen auf ein regelrechtes Doublebass Gewitter, welche wiederum von diesen ganz eigenen und so bandtypischen Gitarren perfekt begleitet werden und als wäre das alles noch nicht genug, packt die Band letztendlich abermals einen unglaublich eingängigen und furchtbar einschmeichelnden Refrain in den Song, der einfach nicht von dieser Welt zu sein scheint. Völlig großartig. Wahnsinn.

Nach dem Genuss dieser wahrhaft famosen musikalischen Kost, wird dem Hörer im mittleren Alter sofort klar, dass die Wünsche der Fans aus längst verblichenen Bandtagen endlich erhört wurden. BLIND GUARDIAN scheinen in eine Art Jungbrunnen gefallen zu sein, sind auf „The God Machine“ verdammt heavy unterwegs, haben sich einer Frischzellenkur unterzogen, den Bandsound entschlackt, sämtlichen überflüssigen Bombast über Bord geworfen und konzentrieren sich auf den wesentlichen Kern ihres Handwerkes. HEAVY FUCKIN´ METAL! Herrlich!

Bei all dem Krawall darf natürlich die obligatorische Ballade nicht fehlen und diese folgt mit „Let It Be No More“ sofort und auf dem Fuße. Glücklicherweise besitzt dieses sehr gefühlvoll gesungene Stück, dank der melancholisch breiten Gitarrenwand im wunderschönen Refrain und dem traumhaft herrlichen, Gänsehaut erzeugendem Gitarrensolo immer genügend Eier und driftet daher nicht allzu sehr in die Kitschecke ab und weiß ebenfalls durchaus zu gefallen.

Selbstverständlich kommen auf „The God Machine“ auch etwas vertracktere und pompösere Kompositionen zum Zuge. Hier wäre z.B. das völlig geniale „Life Beyond Sense“ und der Rausschmeißer „Destiny“ zu nennen. Da es die Band aber im erstgenannten zu keiner Zeit übertreibt, stellt auch dieser Song, trotz des etwas sperrigeren Songwritings und dem hinzugefügten Einsatz von orchestralen und choralen Passagen, ein absolutes Highlight auf dem Album dar. In „Destiny“ hingegen, kommt dann am Schluss doch noch die etwas überambitionierte, verkopfte Prog-Seite der Band zum Tragen und somit wirkt der Song etwas zerfahren und kann mich nicht vollends überzeugen. Auch hier gilt zwar die Devise, je öfter man den Song hört, desto besser wird er, aber für mich ist das am Ende…und vor allem im Kontext zum restlichen und wirklich Bockstarken Material der Scheibe…der mit weitem Abstand schwächste Track des Albums, welcher meiner bescheidenen Meinung nach auch durchaus verzichtbar gewesen wäre.

Überhaupt sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass die klassischen Elemente und vor allem die ausladenden und vielschichtigen Gesangspuren nach wie vor vorhanden und z.T. auch sehr prunkvoll konzipiert sind. Es wäre ja auch irgendwie komisch, wenn diese Trademarks im Sound der Fantasy Liebhaber nun völlig verschwunden wären, denn schließlich gelten diese genutzten Stilmittel spätestens seit der „Tales From The Twilight World“ aus dem Jahre 1990 als Markenzeichen von BLIND GUARDIAN. Gleichzeitig wurde aber, so komisch das auch klingen mag, genau dieser Aspekt auf ein Minimum, oder besser gesagt, aufs wesentliche reduziert und genau dieser Umstand führt letztendlich dazu, dass sich der (wenige) vorhandene Bombast einfach wahnsinnig perfekt ins sonst sehr direkte Heavy Metal Klangbild der Scheibe einfügt. Songwriting in Perfektion!

Zugegeben, als ich die Scheibe zum ersten Mal gehört habe, empfand ich diese Rückbesinnung auf die Ursprünge der Band zunächst als sehr angenehm und wahrhaft überraschend. Da man aber aufgrund der durchaus vorherrschenden „Back To The Roots“ Ausrichtung sofort anfängt, die Klassiker der Band mit dem aktuellen Output zu vergleichen, reichte es nach dem ersten Hördurchgang erstmal nur für ein „ganz nett“. Die Songs entfalten sich aber mit der Zeit immer mehr und fräsen sich ganz unterschwellig und unaufhaltsam unter die glibberige Hirnrinde, wo sie sich so dermaßen festkrallen und dort fast permanent in Form von diesen abartig grandiosen Melodien und wahrhaft göttlichen Refrains durch den Kopf spuken, was letztendlich unausweichlich in der Tatsache endet, „The God Machine“ immer und immer wieder aufzulegen. Dieses Album wird mit jedem Durchlauf immer besser, immer größer und führt beim geneigten Fan und Hörer unweigerlich zu einer Dauerrotation auf dem heimischen Plattenspieler. Ich jedenfalls krieg das Teil nicht mehr vom Teller!

Die Drums ballern ordentlich nach vorne, die Saitenfraktion weiß mit brettharten und lang vergessen geglaubten Riffsalven zu überzeugen und über allem thronen diese unfassbar genialen Refrains, bzw. diese perfekt konzipierten, rundum ausgewogenen und fantastisch performten Gesangslinien und lassen „The God Machine“ zu einem kleinen und in dieser direkten und aufs metallische Grundgerüst reduzierten Form nicht unbedingt zu erwartetem Meisterwerk heranreifen. Dabei kopiert die Band nicht einfach nur ihre Glanztaten aus den 90igern, sondern verbindet gekonnt die alten BLIND GUARDIAN mit den neuen und hebt den Bandsound dabei auf ein völlig neues Level. Der knallige, druckvolle und schön differenzierte Klang rundet dieses außergewöhnliche Werk auf exzellente Art und Weise ab.

BLIND GUARDIAN befinden sich auf „The God Machine“ in überragender Form und sorgen mit diesem brettharten Dampfhammer für die Überraschung des Jahres! Was für eine Zeitreise! Diese Scheibe ist GUARDIAN wie ich sie liebe und haben will! Meinen allergrößten Respekt und endlosen Dank an die „Blinden Wächter“ für dieses fantastische Album.

Anspieltipps: „Architects Of Doom“ und „Damnation“


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Deliver Us From Evil
02. Damnation
03. Secrets Of The American Gods
04. Violent Shadows
05. Life Beyond The Spheres
06. Architects Of Doom
07. Let It Be No More
08. Blood Of The Elves
09. Destiny




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