Ein hässliches Rhinozeros

Das Jahr beginnt für Thrash Metal-Fanatiker mit einem wahren Paukenschlag. Mit ihrem unmissverständlich “Steelcrusher“ betitelten zweiten Langeisen offerieren die Israelis von Hammercult aber nicht nur ein Freudenfest für die Nackenmuskulaturen (und Chiropraktiker…) ihrer Zielgruppe, sondern stellen damit auch auf eindrucksvolle Manier unter Beweis, dass sie es locker schaffen konnten der Erwartungshaltung nach ihrem zu Recht gefeierten Debüt “Anthems Of The Damned“ gerecht zu werden.

Sänger und Sprachrohr Yakir Shochat war nicht nur erfreut über die positive Resonanz auf das besagte brandneue Scheibchen, der Kerl entpuppte sich einmal mehr auch als sympathische Plaudertasche, der mit Haut, Haaren und vor allem mit dem Herzen dem Heavy Metal verfallen ist.
Für alle, denen Hammercult bis dato noch kein Begriff sind, wäre es fein, wenn Du uns zunächst einmal etwas über die Anfänge wissen lassen könntest:

Meine ersten Erfahrungen in der Metal-Szene konnte ich schon als Teenager machen. Damals war ich bei einer Thrash-Truppe namens Hangman aktiv und durfte sogar schon erfahren, wie es zu bewerkstelligen um als Underground-Band eine Veröffentlichung unters Volk zu bringen. Im Oktober 2010 gründete ich dann zusammen mit Arie Aranovich (Gitarre), Maayan Henik (Drums) und Elad Manor (Bass) Hammercult, um ebenso wie unsere Vorbilder – zu denen unter anderem Kreator, Manowar, Judas Priest, Running Wild, Manilla Road und Venom zählen - kompromisslose und harte Metal-Kompositionen zu schreiben. Wir sind ganz klar vom 80er Metal-Sound beeinflusst, aber auch Einflüsse aus dem Death Metal, dem Punk und dem Hardcore sind vorhanden, zumal wir uns nie nur darauf beschränken wollten lediglich den Esprit der 80er am Leben zu halten.

Mit dieser Intention legten wir dann 2011 so richtig los, holten mit Guy Ben David einen zweiten Gitarristen ins Boot und hatten schon bald unser erstes Demo “Rise Of The Hammer“ eingespielt. Danach folgte die erfolgreiche Teilnahme am „Wacken Metal Battle“, die uns wiederum diverse weitere Auftritte in Europa (u.a. am „Summer Breeze“ und bei den „Metal Days“) einbrachte. 2012 brachten wir dann unser Debütalbum “Anthems Of The Damned“ über Sonic Attack / SPV auf den Markt und sind so oft es nur möglich gewesen ist, auf die Bühnen dieser Welt gestapft um unsere Songs auch vor Publikum präsentieren zu können. Das ist ein nämlich ein absolut essentieller Teil unseres Schaffens, denn nur so kommt die Energie auch vollständig rüber. Die aus all unseren Gigs gewonnene Erfahrung konnten wir wiederum auf unserem neuen, zweiten Album verarbeiten und mit diesem sind wir nun startklar um in dieser Art auch weiterzumachen.

Im direkten Vergleich zu vielen andere Bands ging bei euch alles verdammt schnell – daher nochmals kurz zurück: Hättet ihr es jemals auch nur zu träumen gewagt, dass ihr in Wacken dermaßen absahen würdet?

Auf jeden Fall! Es mag zwar ein wenig arrogant klingen, aber das sage ich ganz ehrlich und mit voller Überzeugung. Wir hatten ohnehin nichts zu verlieren, wir konnten nur gewinnen! So wie das alle anderen 29 Bands aus aller Herren Länder auch getan haben. Ich persönlich war davon überzeugt, dass wir es schaffen könnten und das nicht, weil wir vielleicht bessere Musiker wären, sondern weil ich mir ganz sicher war, dass unsere Einstellung und Ambition um aus einem solchen Wettbewerb als Sieger hervorzugehen, von Beginn an die richtige war.

Abgesehen davon war dieser Auftritt auch deshalb etwas Besonderes, weil nicht nur wir mit ganzem Herzen bei der Sache waren, sondern viele andere Formationen auch und so hat man auch schnell zueinander gefunden. Es wurden internationale Kontakte geknüpft die bis heute bestehen. Aus manchen haben sich inzwischen sogar anhaltende Freundschaften entwickelt. Wacken wird mir persönlich auf ewig in Erinnerung bleiben!
In wie fern ist denn besagter Event mit eurem Plattenvertrag in Verbindung zu bringen?

Gute Frage. Früher wurden die siegreichen Bands bekanntlich mit einem Deal beim festival-eigenen Label gekürt. Seit dessen Betrieb jedoch eingestellt wurde, gibt es eine Kooperation mit Nuclear Blast. Wir allerdings haben uns dazu entschieden, es stattdessen besser auf eigene Faust zu versuchen und haben uns mit Karl-Ulrich Walterbach und Sonic Attack Records zusammengetan. Auch wenn ich sicher bin, dass uns das Wacken-Festival sehr viel als Band gebracht hat, bin ich davon überzeugt, dass es erst die Kooperation mit Herrn Walterbach war, die den Namen Hammercult wirklich bekannt gemacht hat. Durch die Tatsache, dass Sonic Attack und SPV zusammenarbeiten, erhielten wir schließlich auch die Möglichkeit “Anthems Of The Damned“ in einer Vinyl-Auflage herauszubringen, was wohl anders nicht geklappt hätte. Daher habe ich auch ein verdammt gutes Gefühl für alles was sich mit “Steelcrusher“ für uns ergeben wird. Ich bin davon überzeugt, dass diese Kooperation für alle Beteiligten eine erfolgreiche sein wird und dass Hammercult mit diesem Album einen weiteren Schritt nach vorne tätigen werden können!

Durch die positive Resonanz auf das Demo und das Debüt, aber auch durch die Heimat eures Labels kann man Europa wohl durchaus als „euren“ Markt betrachten?

Absolut! In Europa wurden wir schon immer mit offenen Armen empfangen. Vor allem in Deutschland scheint es verdammt gut zu laufen. Das lässt sich auch daran feststellen, dass wir von den knapp 120 Shows, die wir bislang absolviert haben, öfter in Deutschland zu sehen waren als bei uns in Israel. Im internationalen Vergleich lässt sich zudem feststellen, dass der Heavy Metal in Europa über eine wesentlich treuere und loyalere Fangemeinde verfügt als irgendwo anders. Bei Euch wird Metal noch wirklich gelebt, während diese Musik anderswo eher als Trend betrachtet wird. Ich wage es sogar zu behaupten, dass wir auf Grund unserer musikalischen Vorlieben ohnehin sehr „europäisch“ sind. Um genau zu sein, fühlen wir sogar mehr „deutsch“ als „israelisch“.

Verdammt wichtig für eure bisherige Entwicklung dürfte auch die Möglichkeit gewesen sein Sepultura auf deren letzter Europa-Tournee zu begleiten. Soweit ich mich erinnere, bist du dabei sogar selbst als Berichterstatter tätig gewesen.
Korrekt. Ich durfte mich für ein israelisches Medium betätigen und verfasste eine Art Tourtagebuch in hebräischer Sprache, mit dem ich der Band „nebenbei“ hoffentlich auch einen zusätzlichen Bekanntheitsschub verabreichen konnte. Doch auch völlig unabhängig davon war diese Tournee – unsere zweite übrigens bereits mit Sepultura, denn schon 2012 durften wir sie begleiten – ein absolut fantastisches Erlebnis und auch ein voller Erfolg. Wir waren dieses Mal sogar als Main-Support engagiert und durften an Orten spielen die wir nie zuvor besucht hatten. Dazu kommt auch noch, dass wir uns mit Sepultura bestens verstehen haben und erneut viel von ihrer Erfahrung auf Tournee für uns herausfiltern konnten. Außerdem bin auch sehr stolz darauf, dass sich Andreas Kisser bereit erklärte ein Solo für uns aufzunehmen. Ich weiß zwar nicht immer genau wann und wo diese Geschichte beschlossen wurde, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass er vor unserer Show in Essen auf die Bühne stapfte, wir das Aufnahmegerät anschlossen und man sein Solo im gesamten Backstage-Bereich nicht nur hören, sondern förmlich spüren konnte. Wir sind wirklich stolz darauf, Andreas als Gast auf dem Album zu haben. Das besagte Solo ist auf unserem neuen Album als Teil des Tracks “We Are The People“ verewigt.

Apropos: Da ihr nahezu permanent auf Achse seid, muss die Frage gestallt werden, wann ihr eigentlich mit den Aufnahmen für “Steelcrusher“ begonnen habt?

Mit dem Schreiben der Songs haben wir irgendwann gegen Ende 2012 begonnen. Drei der Songs waren zwar schon zum Teil fertig und an sich für die limitierte Vinyl-Ausgabe von “Anthems Of The Damned“ geplant, doch wir haben sie übernommen und überarbeitet, schließlich existierten sie nur als Demo-Versionen. Alle anderen Kompositionen sind erst später entstanden und im Laufe der ersten Jahreshälfte 2013 fertig geworden, sodass wir im Juli ins Studio gehen konnten. Dadurch kamen wir insofern ins Schwitzen, da wir immer wieder mal unterbrechen mussten, um diverse Festival-Gigs zu absolvieren. Doch im Endeffekt haben wir unseren Zeitplan einhalten können und alles unter Dach und Fach gebracht.

Hattet ihr eigentlich eine bestimmte Intention wie sich “Steelcrusher“ anhören sollte?

Die haben wir immer. Wir sind uns einig, dass zwar alles erlaubt ist, jede einzelne Nummer aber immer nach
Hammercult klingen muss! Wenn dem nicht ist, landet das Stück in der Mülltonne. Fertig. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Wodurch unterscheidet sich “Steelcrusher“ eurer Meinung nach von “Anthems Of The Damned“? Ich persönlich denke, dass man bei dieser Scheibe trotz aller Härte und Heftigkeit schneller Zugang erhält, auch weil es vermehrt Hooks und Melodien zu hören gibt.

Sehr interessante Frage. Vor allem weil “Anthems Of The Damned“ etwas ganz Einzigartiges für uns darstellte und diese Platte sehr roh und heavy geklungen hat. Mir ist sogar zu Ohren gekommen, es würde sich um eines der brutalsten Thrash Metal-Alben aller Zeiten handeln. Daran wollten wir natürlich ansetzen, aber doch mit Fokus auf mehr Melodien. Von daher denke ich, dass sich deine und unsere Ansichten nicht großartig unterscheiden, denn wie du es auch schon gesagt hast, ist “Steelcrusher“ ja dennoch ein verdammt hartes, brachiales Stück Thrash Metal. Wichtig für dieses Ergebnis war mit Sicherheit auch die Hilfe von Chris „Zeuss“ Harris, der uns bei der Produktion sehr intensiv unter die Arme gegriffen hat. Ich bin mir ganz sicher, dass alle Fans denen unser Debüt gefallen hat, auch mit “Steelcrusher“ etwas anfangen werden können. Denn irgendwie handelt es sich dabei um die logische Fortsetzung unseres Erstlings und außerdem ist unsere Musik noch immer ein Rhinozeros und kein Einhorn, haha. Genau, das ist es, “Steelcrusher“ ist ein Rhinozeros und ein ziemlich hässliches noch dazu!

Wird denn dieses possierliche „Viecherl“ von Euch in Bälde auch auf diverse Bühnen transportiert werden?

Es ist zwar noch ein wenig zu früh um genauere Details bekanntgeben zu können, aber zumindest darf ich schon verraten, dass wir die Chance bekommen mit Napalm Death in Europa unterwegs zu sein. Diese Tour wird so gegen April beginnen und ich bin sicher, dass auch diese Reise für uns in jeder Weise eine lohnend sein wird. Darüber hinaus sind wir auch gerade dabei diverse Sommer-Festivals-Shows zu buchen und im November könnte sich sogar noch eine weitere Tournee ausgehen. Das Jahr 2014 wird für uns also demnächst komplett ausgebucht sein und das ist auch gut so!Doch ganz egal wie intensiv dieses Konzertjahr für uns auch ausfallen wird, wir werden irgendwie die Zeit finden um 2015 mit unserem dritten Album am Start sein zu können! Verlasst Euch drauf!
Wir nehmen Dich beim Wort. Das heißt dann auch, dass wir Euch auch in diesem Jahr wieder hier bei uns in Mitteleuropa zu sehen bekommen?

Das hoffe ich doch. Nein, mehr noch - ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass wir das schaffen, haha! Und weil wir gerade dabei sind: Ich möchte mich hiermit bei allen Lesern dieses Artikels für ihre Unterstützung bedanken! Wir sehen uns Leute!

Deiner Euphorie entnehme ich, dass es für Hammercult bisher auch auf der Bühne prima gelaufen ist – unabhängig vom Ort?

Auf jeden Fall! Wie schon gesagt, konnten wir bisher so an die 120 Shows abliefern und es ist uns ein Anliegen, dass es in dieser Tonart auch weitergeht. Für eine Band aus Israel ist das zwar eine gehörige Anzahl, da es bei uns kaum Möglichkeiten für Konzerte gibt, dennoch wäre es mir lieber wir hätten schon 1200 Gigs auf der Haben-Seite haha. Wir arbeiten auf jeden Fall hart an uns weiter und werden uns auch nach wie vor voll ins Zeug schmeißen. Egal, ob auf riesigen Festival-Bühnen oder in ganz kleine Clubs und auch völlig unabhängig davon zu welcher Tages- oder Nachtzeit wir die Bretter entern dürfen - Hammercult werden immer alles geben! Seid Euch sicher: solange sich irgendjemand findet, der Gefallen an unserem Auftritt hat, wird Vollgas gegeben!

Das glaub‘ ich aufs Wort. Haben denn die Bands mit denen ihr schon auftreten durftet auch ihre Spuren in eurem Sound hinterlassen?

In gewisser Weise natürlich - ansonsten hätten wir Andreas Kisser ja nicht als Gast auf unserem Album - dennoch sind wir bestrebt uns in erster Linie an uns selbst zu orientieren und versuchen immer zu 100% nach Hammercult zu klingen! Das ist auch der Grund, weshalb keiner von uns in irgendeiner Form an einem Nebenprojekt beteiligt ist. Für uns gibt es momentan nichts anderes als Hammercult.

Und gerade deshalb dürfte wohl euer „Rhinozeros“ auch dermaßen intensiv aus den Boxen getrampelt kommen. Was anderes noch: Wie Du bereits kurz eingebracht hast, scheint es nicht gerade einfach zu sein sich als Metal-Band in Israel etablieren zu können. Seht ihr eure Karriere durch eure Herkunft beeinträchtigt oder fühlt ihr Euch dadurch gar benachteiligt?

Auf jeden Fall. Unsere Herkunft ist in manchen Angelegenheiten sogar ein Riesennachteil! Zum einen, weil es verdammt schwierig ist in einem so kleinen Land überhaupt eine Tournee zu organisieren und Auftrittsmöglichkeiten in nicht gerade üppiger Anzahl zu finden sind. Zum anderen, und das empfinde ich als noch trauriger, weil es so gut wie unmöglich ist in den angrenzenden Ländern etwas zu checken. Selbst in jenen Ländern, wo es einem als israelischer Staatsbürger nicht völlig untersagt ist einzureisen, wagt es kaum jemand einer Metal-Band soweit zu vertrauen, dass man diese allein durchs Land ziehen lässt um Auftritte zu absolvieren. Es ist ein Drama! Daher freut es uns natürlich umso mehr, dass es für uns bei Euch in Europa so gut läuft. Für viele unserer Musikerkollegen hier klingt es nahezu unglaublich, dass wir nur unsere Sachen zu packen und in den Flieger steigen müssen und uns dann auf dem europäischen Kontinent ohne gröbere Probleme bewegen dürfen.

Wenn wir jedoch von unserem Equipment sprechen, sieht die Sache leider wieder ganz anders aus. Davon können wohl auch unsere Freunde von Orphaned Land ein Liedchen singen, denn auch ihnen wurden schon mehrfach Steine in den Weg gelegt als sie ihre Anlage und ähnliches mit nach Europa bringen wollten. Auch uns wurde es untersagt, unser Zeug mit nach Europa zu nehmen, doch auch davon haben wir uns nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil, speziell diese Schwierigkeiten, die uns Metal-Musikern hier gemacht werden, sind es, die uns zu hart kämpfenden Individuen gemacht haben, die alles für ihre Bands tun!

Und genau das werden Hammercult auch weiterhin tun! Wir geben einfach alles für diese Band! Davon könnt ihr euch auf “Steelcrusher“ ebenso überzeugen, wie bei jeder sich bietenden Gelegenheit uns live zu sehen!

Das glauben wir gerne, denn dermaßen hingebungsvoll und im positiven Sinne aufgedreht um die Karriere voranzureiben, sind wohl in der Tat nur ganz wenige Formationen!

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