Wenn man in den letzten Wochen mit Leuten über traditionellen Death Metal sprach, fiel zumindest bei den Experten in diesem Genre schnell ein Name: Endseeker! Was der Hamburger Fünfer auf der Pfanne hat, bewies er bereits vor 2 Jahren, als mit der Mini-LP "Corrosive revelation" das erste Lebenszeichen der Hanseaten an die Oberfläche gespült wurde. Was das Quintett heuer allerdings auf "Flesh hammer prophecy" bietet, schlägt dem Fass den Boden aus. Ein Album, welches nicht einen Millimeter Platz für Interpretationen lässt, von vorn bis hinten nur Hits beinhaltet und einem gnadenlos die Scheiße aus dem Leib prügelt. Grund genug, Gitarrist Jury für ein paar Zeilen aus der Außenalster zu fischen.

Jury, Gruß nach Hamburg an diesem eklig dunklen, nassen Tag. Oder ist das Wetter bei Euch etwa anders?

Haha, Moin zurück! Es ist ganz genau so, wie du es gerade beschrieben hast! Die raue Elbe halt...

Dafür müsste Dir aber zumindest die Sonne aus dem Arsch scheinen, wenn man mit "Flesh hammer prophecy" eines der besten traditionellen Death Metal Alben des Jahres veröffentlicht hat, oder?

Oha, das geht natürlich runter wie Öl. Vielen Dank! Aber im Ernst: Ich denke, das sollten die Hörer bewerten. Ich würde das jetzt nicht selber von meinem eigenen Album behaupten. Wir sind aber in jedem Falle sehr stolz auf das fertige Resultat und denken, dass wir uns nicht verstecken müssen. Wir haben ja auch die ganze Zeit über maximale Leidenschaft in das Unterfangen gesteckt.
So ein ganzes Album zu schreiben, einzuproben, aufzunehmen, das Artwork zu gestalten pipapo ist natürlich schon ein ziemlicher Aufriss. Insofern sind wir natürlich gerade ziemlich glücklich, dass nicht nur wir finden, dass die Platte schockt. Ein bisschen erleichtert sind wir auch, haha...aber ich glaube, man muss da auch locker bleiben. In Gedanken sind wir eigentlich auch schon wieder bei der nächsten Platte und nun kommt es für uns ganz bodenständig wieder darauf an, erneut genauso zündendes Zeug zu schreiben. Das war schon nach der EP so....

Gut, dass Du "Corrosive revelation" ansprichst, die bei uns in der Redaktion anno 2015 ebenfalls einschlug wie eine Bombe. Die Unterschiede zum aktuellen Output sind definitiv hörbar, gerade was den Sound betrifft. Dennoch war eine solche Weiterentwicklung nicht unbedingt zu erwarten. Ich glaube, Ihr habt einigen Alteingesessenen einen ganz schönen Schrecken eingejagt.
Gut. Gestandene Death Metaller dürfen auch mal Angst haben! Inwiefern findest Du denn, dass wir uns weiterentwickelt haben?

Gerade der schon damals sehr markante Gesang von Lenny sticht auf dem neuen Album noch mehr hervor und verleiht Eurem Sound eine gewisse Eigentständigkeit und einen hohen Wiedererkennungswert. Und die EP fand ich vom Sound her noch etwas "schmutzig", wo hingegen diesmal alles etwas transparenter und organischer rüberkommt. Ein Verdienst von Eike Freese?

Klar, ganz sicher auch Eikes Verdienst. Wobei es beide Male vielmehr davon abhing, unter welchen Umständen die jeweilige Scheibe denn entstanden ist. "Corrosive Revelation" war ja der Beginn. Alles noch ungeplant. Es stand nur fest, das wir Schwedentod machen wollen. Ich habe dann zuhause Demos gemacht und die irgendwann auf ´ner Party kurz Alex Dietz vorgespielt. Der hat dann angeboten, uns bei den Drumaufnahmen für ein Demo zu helfen. Drums sind ja immer so ´ne schwierige Produktionshürde... Anschließend wollte ich eigentlich den Rest fertigproduzieren, als solides Demo halt. Dann wurde das aber irgendwie immer professioneller. Alle haben immer mehr Blut geleckt. Alex hat mehr Hilfe angeboten, dann war auch plötzlich schon Eike für das Mastering mit ihm Boot, der ja sowieso ein absoluter Freund der Band ist, auch privat.

Um auf den Punkt zu kommen: Letztlich sind die Klampfen aufgrund des Demo - Ansatzes bei "Corrosive" in meinem Homestudio entstanden und dann später re- amped worden. Viel Studiozeit hatten wir nicht. Kurz die Drums reinballern, den Gesang tracken, abmischen und fertig. Bei "Flesh Hammer Prophecy" hatten wir mehr Zeit und haben uns im Vorfeld mit Eike hingesetzt und besprochen, was wir eigentlich für ein Feeling wollen. Da war schnell klar: Ben spielt alles Links, ich Rechts, nur 2 analoge Old School Amps und Wolverine Blues - Feedback, dazu ganz viel Herz. Das klingt dann natürlich viel organischer, tiefer und dreidimensionaler, als wenn man ein digitales Signal re-amped und nur eine Person die Spuren trackt. Aber ich muss auch unbedingt ´ne Lanze für "Corossive" brechen, das Album klingt dennoch immer noch gut und sehr frontal, finde ich. Und Lenny hat auch noch mal ordentlich zugelegt, finde ich auch. Aber auch hier war mehr Zeit vorhanden.

Das die EP nicht frontal klang, habe ich auch in keinster Weise widersprochen. Dennoch hat mich das Teil mächtig umgeblasen und ich sage immer noch: Es gibt kaum ein Album im oldschool Death Metal in jüngerer Vergangenheit, welches eine solch hohe Hitdichte vorweisen kann. Da schließe ich teilweise auch Klassiker wie "Clandestine" oder "Into the grave" mit ein. Egal wo ich was gelesen habe, alle Reviews überschlugen sich...oder gab es auch negative Stimmen?
Wow. Genau das Gefühl wollten wir natürlich bestenfalls in unseren kühnsten aber auch ehrfürchtigsten Träumen bei den Hörern auslösen. Ein schöneres Kompliment gibt es wohl nicht... Ja, die Review sind echt unglaublich gut... Nee, ich habe echt noch kein Verriss gefunden. Ich meine, das "Schlechteste" waren ein paar 7 von 10 Punkte - Reviews.... Tja, da is man schon ein bisschen baff... ich meine, man ist ja wie gesagt selber soooooo ehrfüchtig, mit all diesen großartigen Klassikern im Nacken.

Diese Ehrfurcht schlägt sich ja auch in Euren Coverversionen nieder, wobei auf "Corrosive" ja Entombed mit "Supposed to rot" ein Denkmal errichtet, auf dem neuen Album hingegen eine brillante Version von Bolt Throwers "Powder burns" eingeprügelt wurde, die mich doch etwas verwunderte. Man sagt Euch ja, vollkommen berechtigt, die Nähe zum skandinavischen Todesblei nach und doch zog es Euch diesmal auf die Insel. Für mich als ewiger BT Fan natürlich eine tolle Geschichte, doch warum diesmal nichts von Grave, Dismember oder Nihilist?

Das hat zwei Gründe. Wir waren zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht so megaviel Material zur Verfügung hatten, für eine Show als Headliner gebucht. Da kannste natürlich nicht nach 35 Minuten von der Bühne verschwinden. Dann ist relativ zeitgleich leider noch Martin Kearns von BT gestorben und wir dachten, dass wir ihm und der Band für diese Show doch Tribut zollen könnten. Auch nach der Show hatten wir im Proberaum mit dem Track in unserem HM- 2 - Gewand immer viel Spaß, sodass wir ihn immer wieder spielten und ihn letztlich auch aufnahmen und mit auf das Album genommen haben. Ich finde, er fügt sich da auch ganz gut ein.

Das tut er definitiv und wenn wir schon bei Legenden sind, ex-Morgoth Röhre Marc Grewe tut das bei seinem Gastauftritt bei "Black star rising" ebenso. Aufgrund der Tatsache, dass ich Marc ganz gut kenne glaube ich nicht, dass es ein sehr schweres Unterfangen war, ihn für desen Song zu begeistern...
Marc war die ganze Zeit über megacool. Wir haben ihn einfach angeschrieben und dann hat sich das nach einem anschließenden Telefonat ganz entspannt entwickelt. Das lief von seiner Seite aus völlig unkompliziert und ohne viele Nachfragen ab. Eine ganz schöne Helden - Geschichte! Insbesondere "Odium" ist eine der 10 besten Death Metal Alben. Da gibt es für mich nichts zu diskutieren. Marc gehört mittlerweile richtiggehend zum Endseeker - Inventar und ist ein Freund der Band geworden. Er hat nach den Aufnahmen anschließend ja auch noch das Video zum Song mit uns gedreht und war auch bei unserer Release - Party am Start. Und wie ich verstanden habe, gibt´s gute Chancen, dass er irgendwann nochmal unerwartet mit uns auf der Bühne stehen könnte.

Schade, auf diese Diskussion wäre ich gerne eingestiegen, haha. Die Chance mit Marc wird sich sicherlich nächstes Jahr bei Eurem Auftritt bei dem von uns präsentierten und seit Anbeginn unterstützen Headache Inside präsent sein, da er dort ebenfalls ein gern gesehener Gast ist. Neben diesem Auftritt steht noch das Party San an, quasi das Kamelot für extreme Bands. Vorfreude? Kommt da noch mehr?

Genau, unter anderem darauf hat er eventuell Bock. Abwarten, wie er will und kann... und ja Mann, klar freuen wir uns wie Bolle auf das Party.San! Keine Frage. Das ist eine Chance, die wir nutzen werden. Und ich freue mich auch als Fan, mal wieder hinzufahren.
Unanimated spielen! Geil! Was weitere Shows angeht: Wir sind da immer am planen. Und wir haben natürlich Bock auf mehr. Insofern, Veranstalter dieser Welt, schreibt uns einfach über Facebook oder booking@endseeker.de an!
Erneut habt Ihr Mark Riddick für Euer Coverartwork verpflichten können, der ja bereits für Bands wie Arch Enemy oder Morbid Angel gearbeitet hat und Euch sicherlich Rekordumsätze beim Merch bescheren wird. Wie kommt man als „kleine Band“ an solch einen Künstler ran? Die HSH Nordbank ausgeraubt?

Nee falsch! Das neue Artwork ist nicht von Riddick, sondern von Albert Che, einem Künstler aus Südkorea.

Oh...die Ähnlichkeiten sind aber frappierend...wie kamt Ihr denn an den?

Eigentlich wollten wir zum 3. Mal (er hat neben dem EP - Artwork ja auch unser HM- 2 - Shirtdesign gemacht) mit Mark arbeiten, aber er hatte dieses Mal keine Zeit. Dann haben wir uns nach Alternativen umgesehen. Insbesondere auf Instagram sind viele gute Künstler unterwegs. Den eigentlichen Schwarz - Weiß - Stil wollten wir auch gar nicht ändern, der passt wie die Faust aufs Auge zu uns und sieht nun mal auf Shirts geil aus. Wir haben uns dann mit 4- 5 Künstlern näher ausgetauscht, zeitweilig Skizzen von ihnen bekommen und uns letztlich für Albert entschieden. Ich finde, Alberts Arbeiten zeichnet insbesondere der filigrane Detailgrad aus. Beide Künstler sind absolut super und ebenbürtig!

Eine letzte persönliche Frage: Wenn man Dich so sieht…und ich kenne Dich ja schon etwas länger über die sozialen Netzwerke…wie kommt vom Aussehen eines perfekten Schwiegersohns mit solch einer Musik in Berührung, wann war das, mit wem und wieso?
Harhar, sehe ich wirklich so aus??? Oje! Diese Aussage wird die Jungs aber seeehr freuen. Also, ich bin schon fast mein ganzes Leben lang ein Metalhead. Zur Mucke bin ich über meinen Onkel gekommen, als ich ca. 9 oder 10 Jahre alt war. Von ihm wurde ich zunächst an Guns n´ Roses, Mötley Crue und auch an so andere Haarspray - Sachen rangeführt, aber eben auch an die "Bomber" von Motörhead oder die "Ram It Down" von Judas Priest, welche ihm zu hart waren, sodass er mir die Kassetten schenkte. Dann führte mich ein Nachbar an "South Of Heaven" von Slayer ran. Das war wirklich einschneidend. Ich hatte vorher noch nie so ein ultraböses Riff wie in dem Intro gehört.

Dann wurde es immer krasser und ich bin dann irgendwann spätestens 1993 beim Death Metal und insbesondere beim Schwedentod angelangt. Diese Liebe ist nie gestorben, auch wenn ich mittlerweile nicht mehr nur Death Metal höre und sowieso ziemlich "open minded" bin. Ich war ja auch damals in ´ner Band namens Mephistopheles, das war so Black - Death. Da hatte ich noch lange, schwarz gefärbte Haare, mehrere Nasenringe und überall Nieten...böse aussehen war mir damals wirklich noch wichtig, haha... Aber hey, weißt du, ich bin mittlerweile 39 Jahre alt, habe wie alle in diesem Alter ´nen halbwegs soliden Job und Kinder und bin mittlerweile mehr als nur der Vollzeitmetaller. Ich mache mir, was z. B. das Aussehen und Verhalten angeht, auch absolut nichts aus Klischees und Grenzen. Mal hab´ ich halt Bock auf meine XXL - Metalshirts aus den 90ern, dann wieder aufn Hemd in Größe S (wobei das wird so langsam echt eng!). Gleichermaßen liebe ich die Klischees aber natürlich im musikalischen Sinne... Aber ich glaube, dass ich letztlich auch nicht wirklich wie ein perfekter Schwiergersohn aussehe, ich trage ja schließlich keine Schnabelschuhe aus Wildleder, haha...

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