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COSMIC MINTS – Near Mint (2026)
(10.529) Timo (7,0/10) Psychedelic Blues Rock
Label: Eigenproduktion
VÖ: 21.10.2026
Stil: Psychedelic Blues Rock
COSMIC MINTS servieren auf Near Mint 8 Songs, die tief in den musikalischen Schatzkisten der 60er- und 70er-Jahre beheimatet sind. Blues, Hardrock, Psychedelic, Soul und progressive Elemente werden dabei zu einem farbenfrohen Retro-Cocktail vermengt. Der Sound ist angenehm warm, die Orgel darf ausgiebig mitmischen und die Gitarren vibrieren auch mal dezent fuzzig. Nach einem schwierigen Start und einigen Umbesetzungen scheinen die Freiburger ihre musikalischen Erfahrungen nun gebündelt zu haben. Bereits 2020 erschien ihr selbstbetiteltes Debut. Der Zeitpunkt hätte allerdings nicht ungünstiger sein können. Ausgerechnet im ersten Pandemiejahr. Keine Shows, miese Streaming Übertragungen, viel Aufwand, wenig Ertrag. COSMIC MINTS wagen nun also quasi einen Neustart.
Bei mir war allerdings ein wenig Geduld nötig bis der Funke bei ihrem zweiten Langspieler übersprang. Der Opener Spanish C plätschert zunächst recht unaufgeregt durch die Gegend. Entspannter Indie-Rock, ordentlich sortiert und mit Orgelklängen garniert – nett anzuhören, aber noch kein Grund, die heimischen Lautsprecher herauszufordern. Rolling High legt mit fetzigeren Fuzz-Gitarren, bluesigem Rock und quirligen Soli zwar eine Schippe drauf, bleibt unter dem Strich aber ebenfalls eher reserviert. Das ist gefällig, harmonisch und besitzt durchaus seinen Charme. Nur fehlt mir hier noch der letzte Biss. Oder For Now soulig, tanzbar und mit einer dichten, beinahe cineastischen Klangkulisse ausgestattet. Das hat Atmosphäre, lässt mich aber noch immer nicht wirklich Feuer fangen.
Aber bei Kill Me geht für mich die Sonne auf! Der Song versprüht herrliches Surf-Feeling, erinnert mit seiner lässigen Gitarrenarbeit an den Soundtrack zu Pulp Fiction und bringt eine erfrischende Portion Eigenständigkeit ins Spiel. Psychedelische Gitarren treffen auf gospelartige Gesänge und Country-Anleihen – eine charmante Mischung, die sich nicht lange bitten lässt. Mit weniger als vier Minuten ist die Nummer zudem angenehm auf den Punkt gebracht. Hier stimmen Groove, Charakter und Spielfreude. Das ist der erste richtige Volltreffer!
Auch Turn Around weiß mit seiner psychedelischen Tiefe zu überzeugen. Kurze elektronische Beats setzen kleine Akzente, bevor sich der Song beschwingt und verträumt in bluesiger Gelassenheit auf den Weg macht. Filigrane Soli und griffige Passagen nehmen einen an die Hand, während die Musik zunehmend zum entspannten Treibenlassen einlädt. Einen vortrefflichen Schlusspunkt setzen COSMIC MINTS mit dem starken Heavy Nights. Der Song entfaltet eine Atmosphäre, die mich sofort abholt. Surfige Gitarren, wieder einmal ein lässiges Pulp Fiction-Flair und die Vorstellung von glühendem Asphalt irgendwo zwischen Roadmovie und Film Noir lassen Bilder im Kopf entstehen. Eine verschwitzte Spur nach Red Rock West drängt sich unwiederbringlich auf. Eine harte Nacht in den Knochen, liegt hinter einem, der Schmutz klebt noch an den Schuhen und der weitere Weg führt ins Ungewisse.
Getragen, schweigsam und dennoch herrlich groovy entwickelt das Stück einen ganz eigenen Sog. Die Orgel hält die Stimmung zusammen, Pianoklänge setzen zusätzliche Farbtupfer. Gegen Ende kommen weiblicher und männlicher Gesang im Duett zusammen, dazu gesellen sich chorartige Elemente, die dem Song eine imposante, beinahe filmische Breite verleihen. Was für eine Punktlandung! Hätte man kaum besser hinbekommen können. Mein Interesse ist geweckt.
Near Mint ist kein Album, welches das Fuzzpedal bis zum Anschlag durchtritt. Es setzt vielmehr auf Groove, Melodie, Atmosphäre und eine angenehme Portion cineastischen Charme. Dabei sind sie angenehm leichtfüßig und geradezu unaufdringlich unterwegs. Und manchmal landen sie richtige Volltreffer, die mich nicht mehr loslassen. Gerne mehr davon, dann bin ich mit meiner Euphorie wohl nicht mehr zu halten.
ANSPIELTIPPS
⚰️Kill Me
🦉Heavy Nights
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Spanish C
02. Rollin High
03. Y So Depressed
04. For Now
05. Kill Me
06. Turn Around
07. Zatanaz
08. Heavy Nights

