TFTHS Classic vom 07.03.2026 mit Jan Kubon
Aktuelle Meldungen
Live on Stage Report: ZABBATH FESTIVAL 2026
29.08.2026 – Nürnberg @ Z-Bau
Zwischen Kunst, Doom und langen Bier-Schlangen
Wir durften am 29.08.2026 zum ersten Mal das ZABBATH FESTIVAL 2026 im Z-Bau in Nürnberg besuchen. Da ich der Veranstaltung schon etwas länger entgegenäugelte, dachte ich mir: Wieso nicht einfach mal einen Besuch abstatten und gleich einen Bericht darüber niederschreiben? Laut „Plakat“ gibt es auch eine Kunstausstellung, was mich als Künstlerin natürlich doppelt angelockt hat. Ich muss gestehen, ich bin hier FAST blauäugig hingefahren. Denn ich kenne „nur“ EINE Band. Somit begegne ich dem ganzen Treiben voller Neugier und lasse mich überwiegend überraschen. Ich schnappte mir also mein Männlein und los ging es nach Nürnberg.
Angekommen, erst einmal bekannte Gesichter. Kurzes Zurückdenken an das Party.San. Einer der Giersbergs steht am Merch-Stand. Und so geht es los: BAPHOFEST-Veranstalter Jonas unterm Arm und der liebe Maxi dabei – auf auf! Los geht es im Biergarten mit BLACKEVIL aus Deutschland, die mit ihrem Black/Thrash Metal den Opener geben. Viele Nieten – damit macht man eigentlich alles richtig. Die Jungs wissen jedenfalls, was sie machen. Und wieder einmal zeigt sich: Drei Mann können manchmal mehr als eine Fünf-Mann-Band. Allerdings fällt schon hier das erste kleine Problem auf: das Bier!
Obwohl es insgesamt drei Bars gibt, scheint sich das Ganze irgendwie nicht so richtig zu verteilen, denn es hat nur EINE davon auf. Vor der Bühne steht man eher in einer Schlange, anstatt ordentlich abzuhotten. Und das ist einfach doof. Gerade wenn eine Band den Opener macht und man eigentlich direkt vor der Bühne stehen und feiern möchte.
Weiter geht es mit den deutschen Punk/Noise-Jungs von CUNTROACHES, die in der Galerie auf die Bühne gehen. Der kleine Saal ist voll und hier ging es richtig ab. Genau dafür geht man doch auf ein Festival. Enge Bude, laute Musik und Leute, die einfach machen.
Danach stehen mit GOAT EXPLOSION aus Deutschland Doom Metal auf dem Programm im Biergarten, wo es einfach zu hell war. Aber: geiler Sound! Für Doom schon fast schnell unterwegs, aber diese Stimme... IRRE! Erster Gänsehautmoment des Tages. Und dann auch noch komplett durchgespielt ohne irgendwelchen Ansagen. Danke dafür!
Musikalisch gibt es hier also absolut nichts zu meckern. Nur das mit dem Bier will irgendwie immer noch nicht so richtig fruchten. Schlangen, Wartezeiten... und das zieht sich leider.
Ab in die Halle!
Hier wartet zunächst DOLCHSTOß aus Deutschland mit Black Metal auf uns. Black Metal. Ja gut. Deren Statement mögen einige, andere wiederum nicht. Da muss man ehrlich sein.
Die Show selbst war allerdings gut und das Publikum hat sich förmlich um die besten Plätze gerungen. Ich war kurz irritiert, weil im Publikum für Black Metal erstaunlich viel Bewegung war. Irgendwie hatte ich damit nicht gerechnet. Aber gut – warum eigentlich nicht? Allerdings waren mir die Ansagen zwischen den Songs dann doch einfach des Guten zu viel. Irgendwann war bei mir persönlich der Punkt erreicht, an dem ich mir dachte: Das muss ich jetzt nicht länger haben. Also habe ich den Saal relativ schnell wieder verlassen.
Mit INFILTRATOR aus Deutschland kommt anschließend Death Metal auf die Biergarten-Stage. Bolt Thrower – nur mit eigenen Liedern. Und die Masse hat es gefeiert. Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen. Wobei mich das Publikum an diesem Tag generell etwas verwirrt. Irgendwie hatte ich mir das Ganze anders vorgestellt. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu sehr mit bestimmten Erwartungen an Black-, Death- und Doom-Festivals herangegangen bin.
Musikalisch geht es mit HEMELBESTORMER aus Belgien und ihrem Doom/Post Metal weiter. Und diese Band ist für mich definitiv etwas Besonderes.
Nur instrumental. Im großen Saal. Und ich glaube, hier zeigt sich ganz gut, wie unterschiedlich Musik wahrgenommen werden kann. Das Publikum war – ich sage es einmal vorsichtig – ziemlich jung. Und ich glaube, viele konnten mit dieser Art von Musik nicht wirklich etwas anfangen. Denn es gibt eben nicht nur Bands, die einfach „hau drauf“ machen. Es gibt auch Bands, die ihre Instrumente fühlen. Und genau das machen HEMELBESTORMER.
Die Bühnenpräsenz übernehmen dabei die älteren Herren, ihr Leuchtsymbol und vor allem die Videoshow. Eisige Kälte, brennende Hitze wie Lava, Überflutung und vieles mehr. Die Bilder vermitteln genau die Gefühle, die die Band mit ihrer Musik an den Hörer weitergeben möchte. Leute, die Musik fühlen, sind hier mehr als richtig. Für emotionale Hörer wie mich suchen sich irgendwann die Tränen ihren Weg über das Gesicht.
Man sieht den Musikern regelrecht an, was sie bei jedem einzelnen Part vermitteln wollen. Und genau solche Momente liebe ich auf Festivals.
Danach wird es mit LIMBES aus Frankreich und Atmospheric Black Metal wieder etwas anders. Eine One-Man-Show im kleinen Saal. Strange. Vielleicht bin ich hier auch einfach etwas voreingenommen, denn ich habe selbst einen Mann, der eine One-Man-Band betreibt. Aber genau deshalb fühlt sich das Ganze für mich teilweise etwas unglaubwürdig an, wenn letztendlich alles vom Band kommt.
Ich glaube durchaus, dass sehr viel Emotion dahintersteckt. Auf Platte kann das auch absolut funktionieren. Live ist es für mich allerdings schwierig. Wenn da nur ein Mann steht, der sich die Seele aus dem Leib schreit, während der Rest vom Band kommt, fehlt mir persönlich einfach etwas. Die letzte Band im Biergarten sind schließlich BURIAL aus Italien, die mit ihrem Death/Doom Metal noch einmal für ordentlich schwere Kost sorgen. Und ich frage mich ehrlich: Warum schon wieder draußen? Es ist Doom! Warum muss Doom wieder draußen spielen?
Der Sound war im Vergleich zu den Bands zuvor auch noch einmal anders. Stimme, Drums und Bass waren da – aber vieles andere ging für mich irgendwie unter. Schade. Dafür eine Dame am Gesang beziehungsweise bei den Growls, die ordentlich abgeliefert hat.
Meine Begleiter und ich hatten irgendwann dann auch mal Hunger. Und hier muss ich jetzt doch einmal etwas loswerden.
Es gab NUR VEGAN UND VEGETARISCH.
Nimmt es mir nicht böse, aber das fand ich schon ziemlich unverschämt. Klar kann auch ein Fleischesser mal etwas Vegetarisches essen. Überhaupt kein Thema. Aber extra vom Festival weggehen zu müssen, um etwas Vernünftiges zu essen, ist dann doch eine andere Geschichte. Vor allem, wenn man dadurch vielleicht eine Band verpasst, die man eigentlich unbedingt sehen wollte. Und in unserem Fall war es dann gegen 20 Uhr auch noch so, dass die „Fleischwurst-Ersatz-Brötchen“ bereits ausverkauft waren. Das fanden dann doch einige ziemlich albern.
Abgesehen von diesem ganzen Essens und Bier-Getue mit den teilweise echt langen Schlangen muss man den Veranstaltern allerdings eines lassen: Bei den Headlinern haben sie sich etwas gedacht. Alle Leute in den großen Saal! Und das war auch gut so.
Mit ULTHA aus Deutschland steht nun Black Metal auf dem Programm. Für mich ist Ultha eine gute Band. Stimmlich komme ich live allerdings nicht so richtig rein. Dazu ist mir das allgemeine Feeling stellenweise doch zu monoton. Irgendwie bleibt bei mir nicht so viel im Gedankengang hängen. Zum Ende des Sets gab es dann noch einmal eine politische Ansage. Und da muss ich für mich sagen: Muss das wirklich sein?
Musik war für mich immer ein Rückzugsort aus der Welt, ein Ort, an dem ich für ein paar Stunden alles andere ausblenden und mich einfach der Musik hingeben kann. Umso mehr schade finde ich es, wenn politische Aussagen diesen Rückzugsort durchbrechen. Natürlich darf jeder seine Meinung haben, aber für mich hauen solche Ansagen mittlerweile oft einen echten Keil zwischen Mensch und Musik. Gerade diejenigen, die einfach mal ihre Ruhe vor dem ganzen politischen Thema haben wollen, werden damit wieder aus ihrer musikalischen Blase gerissen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass die Musik einfach für sich sprechen darf.
Danach sollten eigentlich GRAVE MIASMA aus Großbritannien mit ihrem Death Metal übernehmen. Eigentlich. Denn die Jungs starteten mit ordentlichen 20 Minuten Verspätung. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der große Saal schon deutlich geleert, was vermutlich nicht ganz unbeteiligt daran war, dass die Stimmung nicht mehr so richtig aufkommen wollte.
Musikalisch gaben GRAVE MIASMA trotzdem noch einmal ordentlich Gas. Druckvoll, sehr guter Sound und im Gegensatz zu den vorherigen Bands diesmal kein Nebel. Dafür rotes und blaues Licht und somit ein ziemlich klares Bühnenbild. Eigentlich alles da, um noch einmal richtig aufzudrehen. Nur die Stimmung wollte irgendwie nicht mehr so recht.
Wir haben uns dann letztendlich nach drei Songs verabschiedet. Alle waren müde und so richtig überzeugen konnten sie uns zu diesem Zeitpunkt dann auch nicht mehr. Gefühlt hatten nach Ultha einfach schon alle alles gesehen.
Und natürlich darf für mich als Künstlerin ein ganz bestimmter Programmpunkt nicht fehlen: die Kunstausstellungen von Zenz-Art & Ikosidio sowie die Plattenstände im Kunstverein. Hier musste ich natürlich hin. Und WAO! Wie schön können Striche sein? Im Stil von DEM Künstler schlechthin: Gustave Doré.
Die Künstlerin von IKOSIDIO hat richtig schöne, emotionale Bilder geschaffen. Bilder mit viel Tiefe, aber auch „komplizierte“ Werke waren hier gerahmt ausgestellt. Und was mir fast genauso gut gefallen hat wie die Kunst selbst, war die Künstlerin an sich. Eine ultra liebe Persönlichkeit, die von der Masse und dem Erstaunen der Leute sichtlich gerührt war. Man hat gemerkt, dass hier nicht einfach irgendwelche Bilder an die Wand gehängt wurden. Die Werke haben Menschen erreicht. Und genau dafür ist Kunst doch da.
Die Aftershow-Party mit DJs haben wir übrigens nicht mehr mitgenommen. Da lagen wir schon im Bett. Ich hatte dann doch deutlich zu viel gesehen für dieses kleine Zeitfenster.
Fazit
Unterm Strich finde ich es erst einmal richtig gut, dass es das ZABBATH FESTIVAL überhaupt gibt. Gerade in einer Zeit, in der es für die Szene sicherlich nicht immer einfach ist, solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und am Leben zu halten, verdient das meiner Meinung nach Respekt.
Natürlich gibt es immer irgendwo Dinge, die man verbessern kann. Sei es die Situation an den Bars, das Essen, die Abläufe oder auch die Reihenfolge der Bands. Aber genau dafür gibt es uns als Berichterstatter – wir schauen hin, sprechen Dinge an und geben vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß für das nächste Mal.
Denn trotz meiner Kritik bleibt am Ende vor allem eines hängen: Das ZABBATH ist ein Festival, das eine Szene zusammenbringt und dabei sowohl jüngeren als auch älteren Metalheads eine Bühne bietet. Und dafür kann man den Veranstaltern und natürlich auch all den anderen Menschen, die solche Festivals überhaupt erst möglich machen, nur den Hut ziehen. Sie halten unsere Szene am Leben. Für Alt und Jung.

