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Q&A – Das Interview: METAL CHURCH

Die Band hat sich selbst wiederbelebt!


Seit über vier Jahrzehnten gehört METAL CHURCH zu den Bands, die Heavy Metal nicht nur gespielt, sondern mitgeprägt haben. Wenn man mit Kurdt Vanderhoof spricht, spricht man mit einem Musiker, der ein Stück Metal-Geschichte geschrieben hat – vom legendären Debüt von 1984 über Klassiker wie The Dark oder Blessing in Disguise bis hin zum neuen Kapitel der Bandgeschichte.

Mit dem kommenden Album Dead To Rights schlagen METAL CHURCH erneut ein kraftvolles Kapitel auf: ein neues Line-up, ein frischer Sound und gleichzeitig jene unverkennbare DNA, die Fans seit Jahrzehnten mit der Band verbinden. Grund genug, mit Kurdt Vanderhoof über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen – und natürlich über alles, was dazwischen passiert ist. Und ja, ich war vor dem Gespräch mit einem meiner Helden ziemlich nervös…

Hallo Kurdt, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wie geht es dir momentan und wie läuft das Leben im Hause Metal Church gerade?

Oh, es ist tatsächlich eine verdammt aufregende Zeit. Mir geht es großartig – und ehrlich gesagt fühlt sich das alles fast ein wenig surreal an. Ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet, dass sich dieses Kapitel noch einmal so aufschlägt.

Doch genau das passiert gerade: Mit frischem Blut in der Band, neuen Gesichtern, die spürbar hungrig sind, entsteht eine Dynamik, die man nicht erzwingen kann – die muss einfach passieren. Und sie passiert. Die Leute scheinen die neue Platte zu mögen, die Resonanz ist stark, und am Horizont zeichnen sich bereits die nächsten Shows ab.

Und ganz ehrlich? Dass ich das alles in meinem – nennen wir es charmant „fortgeschrittenen“ Alter – noch erleben und vor allem ausleben darf, ist alles andere als selbstverständlich. Es ist ein Geschenk. Eines, dass ich mit beiden Händen festhalte… und definitiv noch nicht loslasse (lacht).

Es ist mir eine große Ehre, mit dem Mann zu sprechen, der 1984 ein Album veröffentlicht hat, das bis heute auf Platz zwei meiner ewigen Bestenliste steht – direkt hinter Reign in Blood. Schaust du manchmal auf dieses Debüt zurück und denkst dir: „Verdammt, das war wirklich ein Meisterwerk“? 

Nun ja – ja und nein, würde ich sagen. Natürlich schmeichelt es ungemein, wenn alle Welt dieses Album so abfeiert. Aber wenn man mittendrin steckt, denkt man gar nicht in solchen Kategorien.

Als wir die Platte aufgenommen haben, waren wir im Grunde nichts weiter als ein Haufen Kids, die keine Ahnung hatten, was sie da eigentlich tun. Es gab keinen Masterplan, kein großes Konzept – nur den schlichten Auftrag: „Geht ins Studio und nehmt das Ding auf.“ Also sind wir genau das angegangen. Terry Date war damals quasi der Mann vor Ort, und wir haben einfach losgelegt.

Der Großteil des Albums entstand tatsächlich live im Studio – und genau das ist der Punkt: Diese rohe, ungeschliffene Energie wurde eingefangen, ohne dass sie durch endloses Nachpolieren verloren ging. Das Ganze war in weniger als einer Woche im Kasten. Heute kaum vorstellbar, aber genau dieser Zeitdruck, diese Unbekümmertheit haben dem Album seinen Puls gegeben.

Beim Nachfolger sind wir dann schon wieder in eine völlig andere Richtung gegangen – bewusster, strukturierter, vielleicht auch verkopfter. Aber dieses erste Album? Das steht wie ein kleines Manifest für die alte Schule des Aufnehmens: zusammen spielen, sich gegenseitig antreiben, Songs im Kollektiv atmen lassen, statt sie am Reißbrett zu perfektionieren.

Und genau deshalb funktioniert die Platte bis heute so gut. Weil man spürt, dass da keine sterile Studioarbeit konserviert wurde, sondern ein Moment – ein ehrlicher, ungestümer, fast schon naiver Augenblick voller Spielfreude und Adrenalin. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Album auch Jahre später noch so viele Menschen packt.

Wenn man heute auf die Geschichte von METAL CHURCH blickt – realisierst du manchmal selbst, was für ein Einfluss diese Band über die Jahrzehnte auf die Metalszene gehabt hat? Ich habe damals mit meiner Band sogar „Metal Church“ und „Gods of Wrath“ gecovert…

Nun ja, ich meine – wenn man mittendrin steckt, denkt man über solche Dinge eigentlich gar nicht in dieser Form nach. Man funktioniert, man macht einfach. Und dann kommen plötzlich Aussagen wie deine – Worte, die ich so oder so ähnlich selbst an einige meiner eigenen Helden richten würde. Das fühlt sich schon… seltsam an. Im besten Sinne.

Natürlich ist das unglaublich schmeichelhaft, keine Frage. Aber man selbst nimmt sich ja selten so wahr. Gerade deshalb hat es noch einmal ein ganz eigenes Gewicht. Es ehrt einen – und gleichzeitig sorgt es für diesen kleinen Moment der Irritation, in dem man kurz innehält und denkt: Moment, geht es hier wirklich um mich?

Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist es nach all den Jahren etwas ganz Besonderes, so etwas zu hören. Etwas, das definitiv nicht an mir vorbeigeht. Versteh das bitte nicht falsch: Ich nehme das sehr wohl wahr. Und ich weiß es wirklich zu schätzen. Es fühlt sich ein wenig seltsam an, das muss ich zugeben – aber auf eine verdammt schöne Art. Es ist großartig, wirklich wunderbar und zugleich ungemein schmeichelhaft. Und ich schätze das mehr, als man vielleicht vermuten würde. Dafür möchte ich einfach nur sagen: Danke. Wirklich, von Herzen – danke.

Euer neues Album Dead To Rights markiert ein neues Kapitel für die Band. Würdest du sagen, dass sich METAL CHURCH heute in einer Art zweiten oder vielleicht sogar dritten Frühling befinden?

Vielleicht reden wir hier schon vom dritten, vierten oder fünften. Wer zählt da noch mit (lacht)? Aber um das klarzustellen: Das ist keine dieser wohlklingenden Anekdoten, die man sich im Nachhinein zurechtlegt. Vor etwas mehr als zwei Jahren sind wir von unserer Australien-Tour zurückgekommen, auf der wir Shows zum For the Congregation-Album gespielt haben. Die Konzerte liefen großartig, wirklich. Doch kaum waren wir wieder zuhause, ist hinter den Kulissen alles auseinandergebrochen.

Das Label verlor das Interesse. Keine Unterstützung mehr, kein Engagement, kein gemeinsamer Weg. Und wie das dann oft läuft: Die Situation wurde schnell unerquicklich, dann unerquicklich dumm – und irgendwann einfach nur noch unerquicklich ermüdend. Ich saß da, habe mir das Ganze angeschaut und für mich beschlossen: „Das war’s. Ich bin raus.“ Denn am Ende des Tages sollte Musik vor allem eines sein: etwas, das Spaß macht. Wir verdienen nicht genug, um uns dauerhaft mit irgendwelchem Unsinn herumzuärgern und dabei die Freude komplett zu verlieren. Die Zeiten haben sich geändert – das Geschäft funktioniert heute völlig anders. Der eigentliche „Lohn“ liegt längst nicht mehr nur im Finanziellen, sondern vor allem darin, dass man das, was man tut, auch wirklich gerne tut.

Solange genug reinkommt, um die Sache überhaupt möglich zu machen, ist alles in Ordnung. Aber der eigentliche Antrieb bleibt die Leidenschaft – und der Spaß. Und genau der war weg. Kein Rückhalt vom Label, keine Perspektive, keine Freude. Also habe ich die Band beendet. Ohne großes Zögern. Und vor allem ohne den geringsten Gedanken daran, jemals wieder zurückzukehren.

Dass wir heute wieder hier stehen, mit dieser Besetzung, mit neuer Energie – das war weder geplant noch erzwungen. Es ist einfach passiert. Und genau das macht es so besonders. Es fühlt sich ehrlich an. Ungekünstelt. Fast schon wie ein kleines Wunder. Und genau deshalb ist es jetzt umso aufregender, das alles noch einmal erleben zu dürfen.

Das Line-up von METAL CHURCH hat sich im Vergleich zum letzten Album deutlich verändert. War das eine bewusste Entscheidung, weil du mit der vorherigen Situation oder vielleicht auch mit dem letzten Album nicht vollständig zufrieden warst – oder ergaben sich diese Veränderungen eher aus den Umständen? 

Ich habe die Band damals dichtgemacht. Für mich war METAL CHURCH erledigt – endgültig, ohne Hintertür, ohne „Vielleicht irgendwann“. Es war vorbei. Ohne Rückhalt vom Label, ohne echtes Interesse daran, die Band in der damaligen Konstellation weiterzuführen, gab es schlicht keinen Grund mehr, weiterzumachen. Und ich bin keiner, der solche Dinge groß in die Welt hinausposaunt, um sie dann durch sämtliche Medien zu jagen. Kein dramatisches „Wir lösen uns auf“-Statement, kein letzter Vorhang mit Ansage. Ich habe es einfach gut sein lassen. Dinge müssen manchmal leise sterben dürfen.

In den darauffolgenden anderthalb, fast zwei Jahren habe ich mich auf andere Projekte konzentriert. Ich habe mit Rat Pack gearbeitet, mich mit Presto Ballet – meiner Prog-Band – beschäftigt, nebenbei mit Hall of Flame Rock’n’Roll gemacht, im Studio gearbeitet, mit anderen Künstlern – kurzum: Ich war beschäftigt. METAL CHURCH spielte in meinem Kopf schlicht keine Rolle mehr. Das Kapitel war abgeschlossen.

Und dann – völlig aus dem Nichts – bekam ich zwei MP3-Dateien zugeschickt. Kein Name, keine große Erklärung. Einfach zwei Songs: einmal Start the Fire, einmal ein weiterer Track. Beim ersten Hören von Start the Fire dachte ich ernsthaft: „Moment mal – ist das ein alter Song aus der David-Wayne-Ära, den ich nie gehört habe?“ So authentisch klang das. Und beim zweiten Track – einem Song aus der Mike-Howe-Zeit – genau das gleiche Gefühl. Dieser Typ klang einfach verdammt gut.

Ich erinnere mich noch genau: Mein erster Gedanke war, halb im Scherz, halb im Ernst – „Sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen, die Band neu zu beleben, dann wäre das genau der richtige Sänger dafür.“ Mehr war da nicht. Kein Plan, keine Absicht, nichts Konkretes.

Wie sich herausstellte, war dieser Sänger Brian Allen. Und hinter der ganzen Aktion steckte niemand Geringeres als unser gemeinsamer Freund Todd La Torre von Queensrÿche. Er hatte Brian wohl dazu ermutigt, ein paar Demos aufzunehmen und mir zu schicken. Ohne Anfrage, ohne Auftrag – einfach aus eigenem Antrieb. Und plötzlich lag dieses Material auf meinem Tisch. Parallel dazu arbeitete Rat Pack mit dem Ellefson/Soto-Projekt, und irgendwann ließ David Ellefson verlauten, dass er – sollte METAL CHURCH jemals wieder aktiv werden – durchaus Interesse hätte, Teil davon zu sein. Das zu hören, war schon ein kleiner Moment. Dave und ich kennen uns seit über 40 Jahren – und plötzlich steht so etwas im Raum. Da fängst du an zu überlegen.

Dann meldete sich auch noch Jeff Plate und signalisierte, dass er im Falle einer Reunion dabei wäre. Und da wurde mir langsam klar: Ich musste niemanden suchen. Ich musste niemanden überreden. Die Dinge fielen einfach zusammen. Sänger, Bassist, Drummer – alles fügte sich fast von selbst. Und dazu ein Sänger, der nicht nur passt, sondern auch tief in der DNA der Band verwurzelt ist, geprägt von David Wayne und Mike Howe. Also fing ich an, wieder Songs zu schreiben. Ganz vorsichtig, ohne großen Plan – einfach, um zu sehen, wohin das führt.

Jeff konnte letztlich nicht dauerhaft einsteigen, weil die Savatage-Reunion Fahrt aufnahm – und das ist absolut großartig für ihn und die Band. Ich gönne ihnen das von Herzen. Aber kaum war dieses Kapitel wieder offen, ergab sich schon das nächste: Ich kam ins Gespräch mit Ken Mary, einem alten Weggefährten aus Seattle. Wir kennen uns seit den Anfangstagen, seit dem ersten Album – die Szene damals war klein, man kannte sich. Und als er sagte: „Ich wäre dabei“, war das nächste Puzzlestück an seinem Platz. Und genau so hat sich alles entwickelt. Ich habe die Band nicht wiederbelebt – sie hat sich selbst wiederbelebt.

Ich musste nichts erzwingen, nichts planen, nichts konstruieren. Es ist einfach passiert. Und jetzt stehen wir hier: Eine Band voller erfahrener Musiker, Veteranen, die wissen, was sie tun, die an einem Strang ziehen und vor allem eines wiedergefunden haben – die Freude. Und genau das ist heute vielleicht wertvoller als alles andere. Dass wir das noch einmal erleben dürfen, ist – und das meine ich ganz ehrlich – ein verdammtes Geschenk.

Mit Brian Allen am Gesang, Rick Van Zandt an der Gitarre, David Ellefson am Bass und Ken Mary am Schlagzeug steht nun eine echte All-Star-Truppe an deiner Seite. Wie hat sich diese Besetzung musikalisch auf das neue Album ausgewirkt?

Da sitzt du dann als Musiker und schaust dich plötzlich in einer Runde um, bei der du selbst fast schon ehrfürchtig wirst – weil da Leute stehen, von denen du eigentlich Fan bist. Ken Mary zum Beispiel: ein absolutes Monster am Schlagzeug, einer, der nicht einfach nur spielt, sondern jede Nummer nach vorne prügelt, als ginge es um Leben und Tod. Und dann natürlich Dave – komm schon, Dave von Megadeth! Da muss man eigentlich nichts mehr erklären. Der Mann ist eine Institution.

Brian? Unglaublich. Eine Stimme, die sich mühelos durch jeden Mix schneidet und trotzdem Charakter hat. Und Rick… Rick ist ein Ausnahme-Leadgitarrist, einer von der Sorte, die nicht nur technisch brillieren, sondern auch wirklich Bock auf Soli haben. Und das passt perfekt, denn ich selbst sehe mich eher als klassischer Rhythmusgitarrist – einer, der das Fundament legt, auf dem die anderen glänzen können.

Und genau deshalb funktioniert das Ganze so verdammt gut. Da greift ein Zahnrad ins andere, ohne großes Tamtam, ohne erzwungene Chemie. Es ist einfach passiert. Natürlich. Organisch. Fast schon selbstverständlich.

Am Ende steht da so etwas wie eine neue Version einer Supergroup – ohne dass wir uns jemals hingesetzt und gesagt hätten: „Jetzt bauen wir mal eine Supergroup.“ Es ist einfach gewachsen. Und ganz ehrlich: Wie hätte ich da Nein sagen sollen? Zu sagen „Kein Interesse, ich will weder mit Dave noch mit Ken Mary arbeiten“ – das wäre doch absurd gewesen. Also musste ich es machen.

Und ich bin verdammt froh darüber. Man hört es ja auch.

Alle Songs auf Dead To Rights stammen aus deiner Feder. Spürst du dabei manchmal den Druck, als kreativer Kopf der Band immer wieder neue Ideen liefern zu müssen?

Nicht wirklich. Das ist einfach das, was ich tue. Es ist das, worüber ich den ganzen Tag nachdenke. Ich befinde mich eigentlich ständig in einem kreativen Zustand – ganz egal, ob es um Metal, Rock, Prog oder irgendetwas dazwischen geht. Manche würden das vielleicht als musikalische Schizophrenie bezeichnen, aber für mich ist das eher ein Geschenk als eine Last. Druck empfinde ich dabei kaum – zumindest nicht im klassischen Sinne.

Und dennoch: Natürlich wäre es gelogen zu behaupten, dass mir egal ist, was dabei herauskommt. Im Gegenteil. Ich habe einen verdammt hohen Anspruch an mich selbst und will am Ende etwas in den Händen halten, auf das ich wirklich stolz sein kann. Genau dieser Anspruch ist es, der mich antreibt – nicht lähmt.

Was diesmal allerdings besonders war, ist dieses Gefühl von: „Verdammt, ich darf das alles noch einmal machen.“ Diese erneute Chance, kombiniert mit der Zusammenarbeit mit genau diesen Leuten, hat dem gesamten Songwriting-Prozess noch einmal eine ganz eigene Energie verliehen. Da war plötzlich wieder dieses Kribbeln, diese Aufbruchsstimmung, die man nicht planen kann.

Klar, ich schreibe das Grundgerüst, entwickle die Demos und bringe die Ideen auf den Punkt. Aber mir ist es extrem wichtig, dass jeder Beteiligte seinen eigenen Stempel aufdrücken kann. Ich will keine Marionetten, ich will Persönlichkeiten. Also sage ich ganz bewusst: Spiel, was du fühlst. Bring dich ein. Mach es zu deinem Ding. Dave soll spielen, wie Dave eben spielt, Brian bekommt Texte und eine grobe Melodie – und dann heißt es: Mach daraus dein eigenes Biest.

Am Ende geht es genau darum: Dass es nach einer Band klingt. Nach einem echten Kollektiv. Und nicht nach einem Soloalbum mit angehängter Begleittruppe. Denn diese Magie entsteht nur dann, wenn alle involviert sind, wenn jeder etwas von sich selbst in die Musik gießt. Genau das macht den Unterschied – und genau das hört man auch.

Ich finde, das neue Album trägt viel vom Geist der frühen METAL CHURCH in sich – fast wie eine Mischung aus dem Debüt und Blessing in Disguise. Liege ich mit diesem Eindruck richtig?

Ich denke schon – auch wenn es immer schwierig ist, so etwas objektiv zu beurteilen, wenn man selbst mitten im Geschehen steckt. Aber gerade die Tatsache, dass ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet hätte, dass dieses Kapitel überhaupt noch einmal aufgeschlagen wird, verleiht dem Ganzen eine ganz besondere Energie. Da ist plötzlich wieder dieses Kribbeln, diese unerwartete Aufbruchsstimmung.

Und dann ist da natürlich Brians Stimme – ein entscheidender Faktor. Sie trägt diesen klassischen, erdigen Ton in sich, der sofort Erinnerungen an die alten Tage wachruft. Genau das hatte ich beim Schreiben ständig im Hinterkopf: Wie würde das klingen, wenn man bewusst diesen Spirit wieder einfängt, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken?

Ich glaube, genau dieses Zusammenspiel hat am Ende dazu geführt, dass die Songs diesen unverkennbaren Old-School-Vibe atmen. Insofern liegst du mit deiner Einschätzung absolut richtig.

Der erste Song, der vorgestellt wurde, war F.A.F.O., und der hat ordentlich Druck. War euch bewusst, dass dieser Track perfekt als erste Duftmarke für das Album funktionieren würde?

Ich selbst war mir ehrlich gesagt gar nicht so sicher – aber die Plattenfirma wusste ziemlich genau, wo es langgehen sollte. Die haben das Material gehört und ziemlich schnell entschieden: „Das ist es. Damit gehen wir zuerst raus.“ Und ganz ehrlich? Solche Entscheidungen überlasse ich gern genau diesen Leuten. Sie stehen ein Stück weit außerhalb des kreativen Prozesses, hören als Fans, als Liebhaber von Musik – und genau das macht oft den Unterschied.

Wenn du mitten im Bandgefüge steckst, das Album aufgenommen und produziert hast, entwickelst du zwangsläufig eine andere Art zu hören. Man verliert ein wenig die objektive Perspektive. Ich ertappe mich selbst dabei: Da gibt es Songs, die ich liebe – einfach, weil ich diesen einen Riff gern spiele. Weil er sich gut anfühlt, weil er Spaß macht. Aber das heißt noch lange nicht, dass er auch für den Hörer da draußen genauso funktioniert.

Deshalb ist es ungemein wichtig, frische Ohren von außen zuzulassen. Menschen, die nicht emotional an jedem Ton hängen, sondern die Musik einfach als das wahrnehmen, was sie ist. Und in diesem Fall war es genau richtig, diese Einschätzung anzunehmen – auch, weil es uns nach außen hin klar positioniert hat. Es war gut, damit rauszugehen und zu zeigen: Wir meinen es ernst. Hier wird nicht herumprobiert – hier wird geliefert.

Das Album wurde von Zeuss im Planet-Z Studio gemischt und gemastert. Was hat er aus deiner Sicht klanglich aus den Songs herausgekitzelt, das vielleicht vorher noch nicht da war?

Die Produktion trägt dieses Mal ganz klar eine modernere Handschrift – und das sage ich als jemand, der eigentlich ein Faible für den warmen, organischen Klang alter analoger Aufnahmen hat. Genau dieser Spagat macht das Ganze aber so spannend. Während ich gerne in diesen klassischen Soundwelten verharre, hat Zeus dem Ganzen eine zeitgemäße Wucht verpasst – mehr Druck, mehr Präsenz, diese gewisse „Loudness“, die man heute fast schon erwartet.

Und seien wir ehrlich: Die Art, wie Musik konsumiert wird, hat sich massiv verändert. Kaum noch jemand sitzt zwischen zwei Boxentürmen im Wohnzimmer. Stattdessen läuft alles über Kopfhörer, Laptop oder Smartphone. Und genau darauf ist dieser Mix perfekt abgestimmt. Er knallt, ohne zu nerven, wirkt modern, ohne seine Seele zu verlieren – und sorgt dafür, dass die Songs heute einfach besser ankommen.

Unterm Strich: Zeus hat hier einen verdammt starken Job gemacht. Einer, von dem wir definitiv noch einiges lernen können.

Hand aufs Herz: Das Cover von Dead To Rights wirkt sehr modern – ist da vielleicht ein bisschen künstliche Intelligenz im Spiel gewesen oder liege ich völlig daneben?

(antwortet wie aus der Pistole geschossen) Ich glaube, ein gewisser Anteil davon war sicherlich dabei – aber ganz ehrlich, das gehört heutzutage fast schon zum guten Ton. Gerade beim Artwork eröffnet das natürlich Möglichkeiten, die man früher so nicht hatte. Wenn man eine klare Vision im Kopf hat und die richtigen Ideen einbringt, können dabei schon ziemlich beeindruckende Dinge entstehen.

Ich bin scheinbar nicht der Erste, der diesbezüglich nachfragt…

(lacht) Nein, eher der zweihundertste…

Wir arbeiten allerdings seit mehreren Alben mit einem festen Künstler zusammen, der die visuelle Handschrift von METAL CHURCH maßgeblich geprägt hat. Und der geht das Ganze noch klassisch an – sprich: Handwerk, Erfahrung, Photoshop, aber eben mit einem oldschooligen Ansatz und dem richtigen Gespür für Atmosphäre. Ob und in welchem Maß da moderne Tools mit reingespielt haben, kann ich nicht einmal genau sagen – und ehrlich gesagt wollte ich das auch gar nicht bis ins letzte Detail sezieren. Mein erster Gedanke war schlicht: Sieht stark aus, passt perfekt zum Albumtitel – genau so soll es sein.

Natürlich bekommt das Thema KI aktuell ordentlich Gegenwind, und das kann ich absolut nachvollziehen. Gerade im musikalischen Bereich wird es schnell absurd, wenn jemand ein paar Schlagworte in eine Maschine tippt und anschließend behauptet: „Schaut mal, was ich geschrieben habe.“ Nein – hast du nicht. Das ist bestenfalls ein Experiment, vielleicht sogar ein faszinierendes Spielzeug, aber eben keine echte kreative Leistung im klassischen Sinne.

Ich finde es gut, dass sich hier Widerstand regt. Denn bei aller technischen Faszination sollte man nicht vergessen, dass Musik – und auch Kunst im Allgemeinen – von Persönlichkeit, Erfahrung und manchmal auch von Fehlern lebt. KI kann vieles simulieren, aber sie ersetzt nicht das, was echte Künstler ausmacht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Ganze irgendwann wieder einpendeln wird. Dass die anfängliche Euphorie ein Stück weit abkühlt und die Dinge wieder in eine gesunde Perspektive rücken – dahin, wo Technologie ein Werkzeug ist und nicht der Ersatz für Kreativität. Und genau da gehört sie auch hin.

Wenn du heute auf über vierzig Jahre METAL CHURCH zurückblickst – was hat dich persönlich am meisten überrascht auf diesem Weg?

Es ist schon fast absurd, wenn man sich das einmal bewusst macht: Wir sitzen hier, sprechen über Tourdaten, neue Alben und all das – und das nach über 40 Jahren. Dass das überhaupt noch passiert, hätte ich früher wohl selbst nicht für möglich gehalten. Und genau deshalb ist es auch keine Selbstverständlichkeit. Ganz im Gegenteil. Es ist ein Geschenk. Eines, das ich sehr bewusst wahrnehme und ganz sicher nicht als gegeben hinnehme. Wenn ich also gefragt werde, was das Schönste daran ist, dann genau das: dass ich es immer noch tun darf. Dass dieses Feuer noch brennt.

Du kommst ursprünglich aus Seattle – was sagst du zum Super-Bowl-Sieg der Seattle Seahawks? Für mich als 49ers Fan der absolute Worst-Case…

Das kann ich mir vorstellen (lacht) Nun ja… ehrlich gesagt habe ich das gar nicht so wirklich verfolgt. Ich habe irgendwann aufgehört, mich groß damit zu beschäftigen. Ich schaue auch kaum noch Fernsehen, also ist das alles ein bisschen an mir vorbeigegangen. Früher war ich großer Fan der Minnesota Vikings – mit entsprechend durchwachsenen emotionalen Ergebnissen, sagen wir mal so.

Seit ich nun in Südkalifornien lebe, dachte ich zwischenzeitlich, ich könnte vielleicht bei den San Diego Chargers andocken… bis mir klar wurde, dass es die in der Form ja gar nicht mehr gibt und die ja mittlerweile in Los Angeles spielen (lacht). Tja. So viel dazu….

Unterm Strich: Ich bin da heutzutage nicht mehr besonders tief drin. Aber hey – schön für sie, Glückwunsch. Wirklich.

Und ganz zum Schluss natürlich die berühmten letzten Worte: Was möchtest du den Lesern von Zephyr’s Odem und den METAL CHURCH Fans in Europa noch mit auf den Weg geben?

Vielen Dank, dass ihr uns über all die Jahre hinweg die Treue gehalten habt – durch sämtliche Besetzungswechsel, stilistischen Wendungen und die unvermeidlichen Höhen und Tiefen, die eine Bandkarriere nun einmal mit sich bringt. Das ist alles andere als selbstverständlich, und genau deshalb wissen wir euren Support umso mehr zu schätzen.

Wir hoffen sehr, euch im kommenden Sommer und darüber hinaus wieder vor den Bühnen dieser Welt zu sehen. Kommt zu den Shows, bringt eure Leidenschaft mit – und wir versprechen, dass wir unseren Teil dazu beitragen werden, damit ihr noch immer genauso viel Freude daran habt wie am ersten Tag.

Vier Jahrzehnte Heavy Metal, unzählige Klassiker und immer noch der unerschütterliche Wille, neue Kapitel zu schreiben – METAL CHURCH zeigen mit Dead To Rights, dass Tradition und Weiterentwicklung sich nicht ausschließen müssen. Kurdt Vanderhoof bleibt dabei der kreative Motor einer Band, die nie versucht hat, Trends hinterherzulaufen, sondern stets ihren eigenen Weg gegangen ist. Und genau deshalb steht der Name METAL CHURCH bis heute für ehrlichen, kompromisslosen Heavy Metal.




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