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Live on Stage Report: WARDRESS
13.03.2026 – Kornwestheim @ The Landlord
Wer schon immer mal ein Metalkonzert in nahezu familiärem Kreis erleben wollte, hatte am Freitag, dem 13. März, die Gelegenheit dazu. Dazu muss ich ein wenig erklärend ausholen. Vor einigen Jahren eröffnete Mitko einen Irish Pub in unserem verschlafenen Kornwestheim. Und als ob eine coole Kneipe nicht schon reichen würde, etablierte der Wirt sein Lokal zu einem kulturellen Brennpunkt.
So gibt es neben Karaokeabenden auch mal Bingo, Quiz, Whiskyverkostungen und ab und an Livemusik. Meistens von kleinen Bands, die eher im gemäßigten Rahmen musizieren. Eine ABBA-Tribute-Band war auch schon mal dort zugange.
Nun hatte ich ja schon mit der Veröffentlichung des WARDRESS-Albums Metal ’Til The End einen Narren an der Kombo gefressen, was auch ein Interview nach sich zog. Ich war jedoch bass erstaunt, als ich die Nachricht bekam, dass besagte Combo in eben jenem Irish Pub, genannt „The Landlord“, aufzuspielen gedachte. Klar, dass der Gig für mich zum Pflichtprogramm wurde. Nun wohnt Sänger Erich ja ebenfalls in Kornwestheim und Gitarrist Gor stammt auch von hier. Demzufolge konnte die Trumpfkarte ‚Heimvorteil‘ hier gut ausgespielt werden. Nur der Rest der Band hockt im Raum Frankfurt.
Zu diesem Behufe heuerten WARDRESS zur Verstärkung Metal Detl (git.) und Josh (bass) von Erichs Ex-Band MANTIC RAYDER und einen gewissen Chris als Drummer an und machten sich fit für diesen Gig. Die Räumlichkeiten sind nicht gerade üppig im Landlord, und ‚Eintritt frei‘ aufs Plakat zu schreiben, kann in Schwabistan gewaltige Auswirkungen haben, also wurde die Werbung aufs Nötigste reduziert und der Gastraum vom meisten Mobiliar befreit.
Wir trudelten eine gute Stunde vor Konzertbeginn ein, und nach der Begrüßung mit Erich und Gor wurde erst mal eine Ampulle Kilkenny geordert. Erstaunlich viele Besucher standen im WARDRESS-Dress da, womit sich mein Alleinstellungsmerkmal flugs auf Null reduzierte. Die Mundpropaganda zog doch einige Leute in den Pub, und augenscheinlich war eher das Stichwort ‚Metal‘ dafür verantwortlich als der Hinweis ‚Eintritt frei‘.
Ich ergatterte einen Platz am Tresen, von dem man gut schräg auf die ‚Bühne‘ schauen konnte, was für mich aus drei Gründen optimal war. Zum einen konnte ich Behindi mich gut aufstützen. Zweitens standen vor der Bühne die üblichen Zweieinhalbmeterleute, was sich auf mich als Schrumpfgermanen sichtmäßig eher suboptimal ausgewirkt hätte. Und zum Dritten – auch nicht zu verachten – Pole Position an der Tränke. Metalfans sind durstige Gesellen, und so zapften sich Mitko und Gefolge einen Wolf nach dem anderen. (Dies nur zur Erklärung für lästerliche Chefredakteure namens O. aus B. an der S.)
Überpünktlich starteten WARDRESS mit dem Albumopener Berserk und brachten in Nullkommanix die Bude zum Kochen. Stageacting ist auf einer ‚Bühne‘, welche kleiner ist als unser Wohnzimmer, nicht gut möglich, dennoch schafften es die Jungs, ihre Mucke ohne gegenseitige Rempeleien oder Unfälle auf die Bahn zu bringen. Erstaunlich, was für einen klaren und fetten Sound der Mann am Mischpult in diese kleine Kneipe hexte. Alles war super gut zu verstehen und so konnte man die Mucke ohne akustische Hindernisse genießen. Der Titeltrack des letzten Albums und das doomige Serpents Kiss kamen als nächstes, bis mit Metal Melodies ein alter Bandklassiker auf die Fans losgelassen wurde, gefolgt vom benzinhaltigen MotorLust.
Mit einem alten MANTIC RAYDER-Song namens Call Me Iron ging es weiter, bevor sich WARDRESS mit Serves You Right in die vom Wirt gewünschte Pause verabschiedeten. Passte für mich, so konnte ich die Abfallprodukte der verhafteten Biere im dazu vorgesehenen Etablissement entsorgen, ohne etwas zu verpassen.
Sputen musste ich mich dennoch, denn als ich den ‚Konzertsaal‘ (Haha) wieder betrat, hämmerten schon die ersten Takte von Atrocity vom Dress For War-Album durch die Bude. Danach gab es einen weiteren MANTIC RAYDER-Song, nämlich eben Mantic Rayder, gefolgt von einem weiteren Song vom WARDRESS-Debütalbum, und zwar Dark Lord. Mit dem Song Metal League endete der offizielle Hauptteil, aber wer einen solchen Abriss hinlegt, muss natürlich auch Zugaben spielen. Und so beglückten uns WARDRESS noch mit dem genialen OZZY-Cover Mr. Crowley, bei dem ich immer Gänsehaut kriege, und dem Track Wardress.
Setlist:
Prelude To Wardress (intro vom Band)
Berserk
Metal ’Til The End
Serpent’s Kiss
Metal Melodies
MotorLust
Call Me Iron
Serves You Right
Atrocity
Mantic Rayder
Mr. Crowley
Wardress
Metal Melodies
Metal ’Til The End
Die Bande vor der Bühne hatte natürlich noch nicht genug und skandierte rotzfrech „Zugabe! Zugabe!“. Da die Band mit ihren Ersatzleuten keine weiteren Songs eingeübt hatte, blieb ihr nichts weiter übrig, als Metal Melodies und Metal ’Til The End noch mal hintendran zu packen. Den Fans war es egal, denn Hauptsache, es gab noch mal ne fette Schippe Metal auf die Lauschlappen.
Fazit: Metal in ’nem kleinen Irish Pub geht, wenn der Wirt willig ist, ein fähiger Soundmann an den Reglern schiebt und vor allem, wenn eine Band mit maximaler Spielfreude ein metallisches Feuerwerk abbrennt.
Die Fans waren glücklich, die Band schien Spaß zu haben und der Getränkeumsatz war wohl auch nicht von schlechten Eltern. Mitko haben sicher die Ohren noch zwei Tage danach geklingelt. Für mich war es gigantisch, obwohl sich der Heimweg in Kombination mit meiner Erkrankung und diversen Bieren etwas schwerfällig gestaltete. WARDRESS hatten nicht viele Auftrittsmöglichkeiten in letzter Zeit, wie mir Gor anvertraute. Wer also ein schön hartes, traditionelles Metalbrett auf seiner Veranstaltung möchte, sollte sich diese Band auf jeden Fall vormerken.
Danke an Christl, dass ich die Fotos verwenden durfte.
Danke an Erich für die hilfreichen Infos.

