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Q&A – Das Interview: VANIR

Jede Entscheidung zieht Konsequenzen nach sich


Wenn dänische Krieger mit geschärften Klingen und noch schärferen Riffs zurückkehren, dann ist Vorsicht geboten – oder besser gesagt: Vorfreude. VANIR haben sich in den letzten Jahren nicht nur als feste Größe im melodischen Death Metal etabliert, sondern mit „Wyrd“ ein Album vorgelegt, das Geschichte, Schicksal und brachiale Klanggewalt auf bemerkenswerte Weise miteinander verwebt. Zwischen Schlachtfeldern, Mythen und der Frage, ob man nicht längst die nächste Speerspitze des Genres ist, gibt es mehr als genug Gesprächsstoff. Zeit also, den Helm aufzusetzen und ein paar Fragen an Frontmann Martin zu stellen…

Schön, dass Du Dir die Zeit nehmt – wie geht es euch aktuell und wie fühlt sich die Zeit rund um die Veröffentlichung von „Wyrd“ für euch an?

Uns geht es wirklich gut – und natürlich liegt gerade eine ganz besondere Spannung in der Luft. Wenn man über einen langen Zeitraum hinweg an einem Album gearbeitet hat, mit den Songs gelebt und unzählige Stunden in jedes noch so kleine Detail investiert hat, dann ist es immer ein großer Moment, dieses Werk endlich in die Welt zu entlassen.

Für uns fühlt es sich einerseits wie der Höhepunkt einer intensiven, fordernden Reise an – ein Punkt, an dem all die Mühe, der Schweiß und die Hingabe zusammenlaufen. Gleichzeitig ist es aber auch der Auftakt zu einem neuen Kapitel für VANIR, eines, das wir mit gespannter Erwartung und einer gehörigen Portion Vorfreude betreten.

In meinem Review habe ich „Wyrd“ als noch einmal geschärfte Version eures Sounds beschrieben – würdet ihr selbst sagen, dass ihr hier euren bisherigen Stil perfektioniert habt, oder war es eher ein bewusster Schritt in eine neue Richtung?

Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Wir hatten nie den Anspruch, uns um jeden Preis neu zu erfinden – vielmehr ging es uns darum, das zu schärfen, was VANIR ohnehin ausmacht. Wyrd ist in unseren Augen die fokussiertere, kraftvollere und vor allem stimmigere Essenz dessen, worauf wir über mehrere Veröffentlichungen hinweg hingearbeitet haben.

Es ist also kein radikaler Stilbruch, kein hastiger Richtungswechsel – sondern vielmehr ein konsequenter Schritt nach vorn. Einer, der zeigt, dass man sich auch ohne Selbstverleugnung weiterentwickeln kann, indem man die eigenen Stärken präziser herausarbeitet und ihnen mehr Gewicht verleiht.

Das Album dreht sich stark um das Thema Schicksal – wie sehr ist „Wyrd“ für euch ein Spiegel unserer heutigen Zeit, in der Entscheidungen oft weitreichendere Konsequenzen haben als uns lieb ist?

Ziemlich stark sogar. Auch wenn wir unsere Songs häufig auf historischen Ereignissen und mythologischen Motiven aufbauen, lässt sich die Gegenwart kaum außen vor halten – sie sickert ganz automatisch in die Musik ein, ob man will oder nicht. „Wyrd“ steht für uns sinnbildlich für die Erkenntnis, dass jede Entscheidung Konsequenzen nach sich zieht – für den Einzelnen ebenso wie für ganze Gesellschaften.

Dabei handelt es sich keineswegs nur um ein Relikt aus der nordischen Gedankenwelt, sondern um ein Konzept von erschreckender Aktualität. Wir leben in einer Zeit, in der individuelle Handlungen, politische Entscheidungen und globale Konflikte Wellen schlagen können, deren Ausmaß oft kaum abzusehen ist. Genau diese Dynamik, dieses Spannungsfeld zwischen Schicksal und Verantwortung, spiegelt sich unüberhörbar in diesem Album wider.

 „Wyrd“ wird als Reise durch Konflikte, Macht und Überleben beschrieben – was fasziniert euch persönlich an diesen wiederkehrenden Themen der Menschheitsgeschichte?

Es fasziniert uns immer wieder, wie wenig sich der Mensch im Kern tatsächlich verändert. Die Zeiten wandeln sich, die Waffen werden moderner, Gesellschaften entwickeln sich weiter – und doch bleiben die grundlegenden Triebfedern erstaunlich konstant: Macht, Angst, Überleben, Hoffnung, Ehre und letztlich auch der unvermeidliche Untergang.

Gerade darin liegt ihre ungeheure Wucht. Diese Themen sind nicht nur Relikte vergangener Epochen, sondern zeitlos und von bedrückender Aktualität. Sie spiegeln wider, wer wir waren, wer wir sind – und vielleicht auch, wer wir niemals aufhören werden zu sein.

Mit „Never Surrender“ greift ihr die Schlacht um Wien 1683 auf – wie tief geht eure Recherche bei solchen historischen Themen und wo beginnt künstlerische Freiheit?

Wir steigen ziemlich tief in die Recherche ein, weil es uns wichtig ist, auf einem wirklich soliden Fundament zu stehen. Es geht uns nicht nur um oberflächliche Fakten – wir wollen den historischen Kontext begreifen, die prägenden Figuren verstehen, die Atmosphäre jener Zeit spüren und die Konflikte nachvollziehen, die im Hintergrund gewirkt haben.

Doch am Ende sind wir eben eine Metalband und kein Geschichtsbuch. Und genau dort entsteht der Reiz: Zwischen akribischer Recherche und künstlerischer Interpretation. Es muss Raum geben für Dramatik, für Emotion, für das gewisse Maß an Überzeichnung, das Musik lebendig macht.

Die künstlerische Freiheit beginnt genau an dem Punkt, an dem wir Geschichte in Klang verwandeln – in Riffs, in Dynamik, in Stimmung. Ohne dabei den Respekt vor dem Thema zu verlieren, aber mit genug Leidenschaft, um aus Fakten etwas Greifbares, Intensives und vor allem Hörbares zu erschaffen.

Ihr verbindet melodischen Death Metal mit epischem Storytelling – wie wichtig ist euch diese Balance zwischen Härte und erzählerischer Tiefe?

Die Balance ist dabei der alles entscheidende Faktor. Wird es ausschließlich hart, gehen die feinen Nuancen verloren – und mit ihnen die emotionale Tiefe, die Musik erst wirklich greifbar macht. Kippt es hingegen zu sehr in Richtung reiner Erzählung, leidet die Durchschlagskraft, die Wucht, die einen Song unmittelbar treffen sollte.

Für uns müssen Songs beides können: Sie sollen im Körper einschlagen und zugleich den Kopf beschäftigen. Man muss die Energie physisch spüren können – dieses Drücken, dieses Ziehen, dieses unmittelbare Vibrieren unter der Haut. Gleichzeitig soll man hineingezogen werden in das Universum, das sich hinter den Klängen verbirgt, in die Geschichten, die zwischen den Riffs und Melodien mitschwingen. Genau dort entsteht diese besondere Spannung, die Musik lebendig macht.

Die Produktion klingt extrem druckvoll und präzise – was war euch im Studio besonders wichtig, um die Wucht von „Wyrd“ einzufangen?

Das Wichtigste war für uns, dass die Platte gleichermaßen wuchtig, lebendig und detailreich klingt. Eine sterile, überpolierte Produktion kam für uns nie in Frage – dafür ist diese Art von Musik viel zu sehr von Emotion und unmittelbarer Energie geprägt.

Die Drums sollten mit ordentlich Druck nach vorne marschieren, die Gitarren ein sattes Fundament liefern, das nicht nur trägt, sondern regelrecht drückt, und gleichzeitig mussten die Melodien genug Raum bekommen, um sich zu entfalten, statt im Klanggewitter unterzugehen.

Der Gesang wiederum fungiert als verbindendes Element – er hält die Fäden zusammen, verleiht dem Ganzen Tiefe und trägt maßgeblich zur epischen Atmosphäre bei, die wir erreichen wollten. Unterm Strich ging es uns darum, einen Sound zu erschaffen, der groß wirkt, ohne seine Seele zu verlieren – kraftvoll, greifbar und mit genau der richtigen Portion rauer Kante, die ihm das nötige Leben einhaucht.

Ihr seid seit 17 Jahren aktiv und habt euch kontinuierlich weiterentwickelt – gab es einen Moment, in dem ihr wusstet: Jetzt haben wir unseren eigenen Sound endgültig gefunden?

Es gab wohl nicht diesen einen, alles verändernden Moment – eher war es ein schleichender Prozess, eine Entwicklung, die sich mit der Zeit ganz natürlich entfaltet hat. Stück für Stück beginnt man zu spüren, welche Elemente sich wirklich richtig anfühlen, was organisch wächst und letztlich das eigene künstlerische Selbst widerspiegelt.

Mit Wyrd jedoch wird dieses Gefühl greifbarer denn je. Hier stehen wir an einem Punkt, an dem sich unsere Identität als Band nicht nur gefestigt, sondern regelrecht verdichtet hat. Alles wirkt geschlossener, klarer, entschlossener – als hätten sich all die einzelnen Puzzleteile endlich zu einem Gesamtbild zusammengefügt, das stärker ist als alles, was wir zuvor geschaffen haben.

Wenn ihr heute auf eure Diskografie blickt – wo ordnet ihr „Wyrd“ selbst ein? Eher als Krönung oder als neues Kapitel?

Es fühlt sich tatsächlich nach beidem an. Einerseits wie eine Art Kulminationspunkt – ein Moment, in dem sich all das bündelt, woran wir über Jahre hinweg gearbeitet haben, nun in einer deutlich stärkeren, geschlosseneren Form zusammenfindet.

Gleichzeitig trägt das Ganze aber auch die Aufbruchsstimmung eines Neuanfangs in sich. Denn wir stehen heute an einem Punkt, an dem wir genau wissen, wer wir sind, wofür wir stehen – und vor allem, wohin die Reise gehen kann.

Und genau dieses Bewusstsein gibt uns das nötige Selbstvertrauen, den nächsten Schritt nicht nur zu gehen, sondern ihn mit Nachdruck und voller Überzeugung zu setzen.

Ihr werdet oft mit Bands wie Amon Amarth verglichen – ganz ehrlich: Wird es nicht langsam Zeit, dass ihr den Thron übernehmt?

Es ist selbstverständlich eine große Ehre, in einem Atemzug mit einer Band wie Amon Amarth genannt zu werden – nicht zuletzt, weil sie das Genre über Jahre hinweg maßgeblich geprägt und mitgestaltet haben.

Doch wir verspüren keinerlei Drang, jemandem den Thron streitig zu machen oder in fremde Fußstapfen zu treten. Unser Anspruch ist ein anderer: Wir wollen unser eigenes Fundament errichten, unsere eigene Handschrift hinterlassen. Es geht uns nicht darum, „die Nächsten“ zu sein – sondern darum, die stärkste, kompromissloseste Version von VANIR zu verkörpern und Musik zu erschaffen, die für sich selbst steht, unabhängig, eigenständig und mit echtem Gewicht.

Eure Texte bewegen sich zwischen Mythologie, Geschichte und Gegenwart – gibt es ein Thema, das ihr bisher bewusst noch nicht angefasst habt, aber unbedingt noch vertonen wollt?

Es gibt nach wie vor eine Fülle an Themen, in die wir noch tiefer eintauchen möchten. Die Geschichte selbst scheint schier unerschöpflich – ebenso wie die Abgründe der Mythologie und die dunkleren Facetten des menschlichen Wesens. Besonders reizen uns jene Motive, bei denen die Vergangenheit mit überraschender Klarheit in die Gegenwart hineinleuchtet und dort ihre Spuren hinterlässt. Genau diese Verbindung aus einst und jetzt wird auch künftig ein zentrales Element unseres Schaffens bleiben, das wir weiter ausloten und mit Leben füllen wollen.

Wie wichtig ist euch eure Herkunft aus Dänemark – prägt die Szene oder Kultur euren Sound stärker, als man von außen vermuten würde?

Unsere dänischen Wurzeln sind für uns von großer Bedeutung – auch wenn sich das nicht immer in eine klar greifbare Klangfarbe übersetzen lässt. Es ist vielmehr dieses tief verwurzelte nordische Erbe, geprägt von Geschichte, Kultur und einer ganz eigenen Atmosphäre, das sich wie ein roter Faden durch unsere Musik zieht. Es beeinflusst unsere Stimmungen, unsere Themen und letztlich auch unsere Identität als Band.

Gleichzeitig stammen wir aus einer Metalszene, in der man sich seinen Platz nicht schenken lässt, sondern ihn sich erkämpfen muss. Genau diese Haltung hat uns geformt – roh, entschlossen und mit dem unbedingten Willen, gehört zu werden.

Wenn ihr „Wyrd“ in drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?

Schicksal. Stärke. Feuer.

Drei Worte, die nicht nur für sich stehen, sondern wie in Stein gemeißelt wirken – als würden sie eine Geschichte erzählen, die irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart lodert. Schicksal, das uns formt. Stärke, die uns trägt. Und Feuer, das niemals erlischt, sondern immer weiterbrennt.

Und zum Abschluss – was sind eure berühmten letzten Worte an eure Fans und Leser von Zephyr’s Odem?

Tausend Dank für euren Support – dafür, dass ihr zuhört, dass ihr auftaucht und dass ihr Teil dieses Universums seid, das wir mit unserer Musik erschaffen. Wyrd ist ein Album, auf das wir unglaublich stolz sind, und wir hoffen, dass ihr diese Reise gemeinsam mit uns antretet – auf Platte genauso wie vor der Bühne, wo der Schweiß tropft und die Riffs noch eine Spur härter treffen.

Bleibt euch treu, bleibt heavy – und kapituliert niemals.

Ein Album wie „Wyrd“ wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt – und genau das macht seinen Reiz aus. VANIR bewegen sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schlachtfeld und Gegenwartsanalyse, und genau dort entsteht ihre größte Stärke. Bleibt nur zu klären, ob hier gerade eine Band ihren Zenit erreicht hat – oder ob das erst der Anfang eines noch viel größeren Kapitels ist.




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