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PRO-PAIN – Stone cold Anger (2026)

(10.246) Olaf (8,4/10) Hardcore


Label: Napalm Records
VÖ: 15.05.2026
Stil: Hardcore






Elf verdammte Jahre. In der Zeit werden Bands gegründet, lösen sich wieder auf, veröffentlichen drei Comeback-Alben und verkaufen nebenbei noch ihren eigenen Kaffee in Totenkopf-Tassen. Und PRO-PAIN? Die tourten gefühlt weiter wie ein rostiger Panzer mit Motorschaden, der trotzdem jeden Hügel hochkommt, spielten jede Bühne zwischen Jugendzentrum und Festival-Hauptslot auseinander und ließen dabei nie Zweifel daran aufkommen, dass Gary Meskil und seine Mannschaft irgendwann wieder zuschlagen würden. Trotzdem habe ich beim Blick auf das Veröffentlichungsdatum von Voice of Rebellion und nun Stone Cold Anger kurz ungläubig die Stirn gerunzelt. Elf Jahre? Ernsthaft? Das fühlt sich eher nach drei verschwitzten Sommern und zwanzig verschütteten Bierbechern im Pit an.

Und genau deshalb hätte unser Schrod dieses Album vermutlich geliebt wie den letzten Kasten Bier auf einem verregneten Festivalcampingplatz. Denn wo PRO-PAIN draufsteht, ist eben auch PRO-PAIN drin. Kein modischer Schnickschnack, kein peinliches „Wir haben jetzt Synthwave-Elemente“-Experiment, kein verzweifeltes Anbiedern an Trends, die ohnehin nächste Woche wieder verschwunden sind. Stattdessen gibt es genau das, was diese New Yorker Institution seit über drei Jahrzehnten auszeichnet: Groove bis die Halswirbelsäule knackt, Hardcore-Kante, metallische Wucht, Gangshouts zum Bierbecherheben und Gary Meskils Stimme, die klingt, als hätte jemand Schmirgelpapier in Diesel eingelegt.

Schon der Einstieg mit Oceans of Blood macht klar, dass hier niemand gemütlich ins Rentenalter cruisen will. Das Ding walzt los wie ein Straßenzug voller Abrissmaschinen. Dabei fällt sofort auf, wie organisch die Platte klingt. Keine sterile Hochglanzproduktion, die jede Ecke glattbügelt, sondern ein angenehm drückender Sound mit genügend Dreck unter den Fingernägeln. Besonders die Gitarrenarbeit von Greg Discenza und Rückkehrer Eric Klinger sorgt dafür, dass die Songs trotz aller Vertrautheit nicht leblos wirken. Diese typischen singenden Leads und melodischen Widerhaken sitzen genau dort, wo sie hingehören.

Der Titelsong Stone Cold Anger funktioniert dann wie die Blaupause dessen, warum PRO-PAIN über Jahrzehnte hinweg funktioniert haben. Ein massiver Groove, Hooks mit Wiedererkennungswert und dieser leicht bedrohliche Straßenköter-Vibe, den andere Bands nur imitieren können. Gary Meskil bellt sich durch die Songs, als wolle er persönlich die letzten funktionierenden Lautsprecherboxen der Welt zerstören. Überraschungen? Kaum. Aber ehrlich gesagt erwartet die bei PRO-PAIN auch niemand. Das ist ein bisschen wie beim Lieblingsimbiss um zwei Uhr nachts: Man will keine Molekularküche, sondern genau den fettigen Burger, der einem seit Jahren zuverlässig das Leben rettet.

Inhaltlich bleibt die Band ebenfalls ihrer Linie treu. Gesellschaftskritik, Wut, Frustration, Krieg, Manipulation – alles Themen, die leider auch 2026 noch unangenehm aktuell wirken. Uncle Sam Wants You tritt dabei herrlich direkt nach vorne und kombiniert seinen rotzigen Rock’n’Roll-Einschlag mit dieser typischen „Scheiß drauf, wir sagen’s trotzdem“-Attitüde. Überhaupt lebt das Album stark von seiner kompromisslosen Ehrlichkeit. Wenn Gary Meskil seine Zeilen in die Welt schleudert, wirkt das nie geschniegelt oder kalkuliert, sondern wie der verbale Faustschlag eines Mannes, der schon genug gesehen hat, um auf diplomatische Floskeln zu pfeifen.

Besonders gelungen ist zudem die Balance aus Aggression und Melodie. Das war schon immer eine Stärke von PRO-PAIN, wird hier aber angenehm souverän ausgespielt. March of the Giants stampft mit einer derartigen Selbstverständlichkeit durch die Boxen, dass man unweigerlich den Kopf mitbewegt, während Hell or High Water zeigt, dass die Band trotz aller Härte durchaus Gespür für hymnische Momente besitzt. Diese kleinen melodischen Einschübe sorgen dafür, dass die Platte nie stumpf wirkt. Und genau deshalb altern viele Songs von PRO-PAIN deutlich besser als der Output zahlreicher Genre-Kollegen.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte. Nach einer derart langen Veröffentlichungspause hätte ich mir stellenweise tatsächlich etwas mehr frischen Wind gewünscht. Nicht komplett neue Stilbrüche, um Himmels willen – das wäre vermutlich so sinnvoll wie Sushi auf einem Motörhead-Festival –, aber hier und da ein zusätzlicher Ausreißer nach oben hätte der Platte gutgetan. Denn so stark das Material insgesamt ist, ein absoluter Überhit der Kategorie „State of Mind“ oder „Un-American“ fehlt diesmal ein wenig. Manche Strukturen bewegen sich schon sehr komfortabel in bekannten Fahrwassern.

Doch am Ende überrascht die Platte dann doch noch mit einem kleinen Ausreißer, den ich der Band in dieser Form gar nicht mehr zugetraut hätte. Sky’s the Limit besitzt nämlich einen herrlich dreckigen 70er-Punk-Vibe, der irgendwo zwischen Straßenecke, Lederjacke und abgestandenem Kneipenbier pendelt. Für PRO-PAIN wirkt das fast schon untypisch locker und rotzig, gerade weil der Song weniger auf pure Groove-Wucht setzt und stattdessen diesen simplen, aber verdammt effektiven Mitgröl-Charme entwickelt. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum das Ding für mich am Ende sogar der heimliche Höhepunkt des Albums geworden ist.

Aber vielleicht ist genau das auch der Punkt. PRO-PAIN müssen niemandem mehr etwas beweisen. Diese Band klingt nicht wie Musiker, die krampfhaft Relevanz suchen, sondern wie eine eingeschworene Einheit, die einfach das macht, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet – und zwar verdammt gut. Gerade die Bounce-Parts, die knochentrockenen Grooves und die herrlich gröhlbaren Gangshouts sorgen dafür, dass Stone Cold Anger trotz aller Vertrautheit unglaublich viel Spaß macht. Das Album hat diesen speziellen „Sofort-Livehaft“-Charakter. Man hört viele Songs und sieht automatisch verschwitzte Clubs, klebrige Böden und kreisende Bierbecher vor dem inneren Auge.

Auch produktionstechnisch hat man vieles richtig gemacht. Die Platte klingt druckvoll, aber nicht überkomprimiert. Das Schlagzeug pumpt angenehm natürlich, der Bass drückt wie ein Vorschlaghammer gegen die Rippen und die Gitarren besitzen genug Wärme, um nicht im modernen Plastikmatsch zu versinken. Gerade in Zeiten, in denen viele Hardcore- und Groove-Metal-Platten klingen wie von einem emotionslosen Algorithmus zusammengeklickt, wirkt das hier angenehm menschlich.

Am Ende bleibt Stone Cold Anger genau das Album, das man von PRO-PAIN erwarten durfte: wütend, groovend, ehrlich, politisch, straßendreckig und voller Wiedererkennungswert. Kein revolutionärer Neuanfang, kein Karrierehöhepunkt – aber ein verdammt starkes Lebenszeichen einer Band, die offenbar selbst nach elf Jahren Pause noch mehr Energie besitzt als manche Nachwuchstruppe nach drei Dosen Energy Drink und zwei TikTok-Reels. Und seien wir ehrlich: In einer Welt voller glattgebügelter Plastikproduktionen fühlt sich so ein Album ungefähr an wie eine Backpfeife mit Arbeitsschuhen. Schmerzhaft, direkt und irgendwie wohltuend.

ANSPIELTIPS
🔥Stone Cold Anger
💀March of the Giants
🎸Sky’s the Limit


Bewertung: 8,4 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Oceans of Blood
02. Stone cold Anger
03. March of the Giants
04. Uncle Sam wants you
05. Demonic Intervention
06. Rinse & Repeat
07. Hell or high Water
08. Scorched Earth
09. Jonestown Punch
10. Sky’s the Limit 



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