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Q&A – Das Interview: CYCLONE

Als hätte ich nie wirklich aufgehört


Seit den frühen Achtzigern steht CYCLONE für kompromisslosen europäischen Thrash Metal, für eine Ära, in der Riffs scharf wie Rasierklingen waren und Haltung mehr zählte als Perfektion. Mit der EP „Known Unto God“ meldet sich die Band nicht nur zurück, sondern schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dieses Interview richtet sich an Frontmann Guido und kreist um Geschichte, Comeback, neue Songs, alte Ideale und die Frage, warum manche Bands nie wirklich verschwinden – sondern nur auf den richtigen Moment warten.

Hallo Guido, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst – wie geht es dir gerade und wie fühlt sich das Leben im Jahr 2026 als aktiver Thrash-Metal-Frontmann an?

Mir geht es mehr als gut – ehrlich gesagt fühle ich mich sogar ausgesprochen glücklich. Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich das immer noch machen darf. Musik war schon immer ein zentraler Bestandteil meines Lebens, eine Konstante, die mich begleitet, getragen und geprägt hat. Und genau deshalb bedeutet es mir heute vielleicht sogar mehr als je zuvor, weiterhin auf diesem Weg unterwegs zu sein.

CYCLONE sind wieder da – ganz real, laut und präsent. Wie fühlt es sich für dich persönlich an, nach all den Jahren wieder Teil einer aktiven Band zu sein?

Es fühlt sich an, als hätte ich nie wirklich aufgehört – und genau deshalb fühlt es sich umso besser an, wieder auf der Bühne zu stehen. Es ist großartig, wieder zu spielen, und ich genieße es nach wie vor in vollen Zügen.

Euer Comeback beim Keep It True Festival 2023 war für viele ein echtes Ausrufezeichen. War zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass neue Musik folgen würde, oder war die anschließende Tour mit MIDNIGHT 2024 letztlich der entscheidende Zündfunke?

Es hat tatsächlich nicht lange gedauert: Kaum hatten wir wieder angefangen zu jammen, sprudelten auch schon die ersten neuen Ideen aus uns heraus. Es fühlte sich vollkommen natürlich an – fast so, als hätten wir nie aufgehört.

Schon während der Covid-Zeit hatten wir mehrere Songskizzen und Ansätze aufgenommen, also lange bevor KIT überhaupt ein Thema war. Und jedes Mal, wenn sich ein Zeitfenster ergab, haben wir genau daran weitergearbeitet – wann immer es eben möglich war.

Wie immer braucht es bei uns allerdings seine Zeit, bis ein Song wirklich seine endgültige Form erreicht. Wir feilen, verändern, schrauben und drehen so lange an Details herum, bis irgendwann dieser eine Moment kommt, in dem wir uns ansehen und sagen: „Okay… das ist es jetzt.“

In meinem Review zu „Known Unto God“ habe ich den Eindruck beschrieben, dass ihr sehr bewusst zwischen Vergangenheit und Gegenwart balanciert. War genau das euer Anspruch beim Songwriting?

Wir sind im Grunde genau dem treu geblieben, was wir schon immer waren: musikalisch bewegen wir uns weiterhin in unserem klassischen Stil, allerdings mit einem modernen, frischen Anstrich. Dabei war es uns extrem wichtig, die Energie, den Vibe, den Groove und diese aggressive Eingängigkeit nicht zu verlieren – inklusive einer gewissen melodischen Note, die sich ganz natürlich in unseren Sound einfügt.

Gleichzeitig wollten wir aber auf keinen Fall einfach eine Kopie dessen abliefern, was wir früher schon gemacht haben. Klar: Downpicking ist und bleibt unser Markenzeichen – das gehört zu uns wie Rost zur Kettensäge. Aber wir haben es geschafft, diese typische Spielweise in ein zeitgemäßes Klangbild zu übertragen, ohne dass der Sound seine oldschoolige Seele verliert.

Auch textlich hat sich etwas verschoben: Meine Lyrics sind heute deutlich stärker von aktuellen Themen geprägt – Politik, Kriege, Ignoranz und all das, was uns täglich um die Ohren fliegt. Weniger Fiktion, weniger Fantasie – dafür mehr Realität. Und die ist bekanntlich oft düster genug.

Da passt ja meine nächste Frage ganz hervorragend: Der Titeltrack greift ein starkes, historisch aufgeladenes Motiv auf. Was hat dich an diesem Thema so lange begleitet, dass daraus schließlich ein Song wurde?

Ich habe mehrere dieser Soldatenfriedhöfe besucht und dabei etwas bemerkt, das mich nicht mehr losgelassen hat: Auf vielen der unbekannten Gräber stand immer wieder dieselbe Inschrift – „Known unto God“. Dieser Satz hat eine unglaubliche Wucht. Er ist schlicht, aber gleichzeitig voller Tragik, Würde und dieser stillen Endgültigkeit, die einem beim Lesen regelrecht in die Magengrube fährt. Und genau in diesem Moment dachte ich: Das ist eigentlich der perfekte Titel – und der perfekte Ausgangspunkt für einen Song.

Dazu kommt, dass das Thema für mich eine sehr persönliche Bedeutung hat. Mein Großvater hat vier Jahre lang in Flanders Fields gekämpft. Als Kind habe ich ihn immer wieder danach gefragt, wollte wissen, wie es dort war, was er erlebt hat, wie sich Krieg überhaupt „anfühlt“. Natürlich hat er nie alles erzählt – aber allein die Tatsache, dass diese Geschichte in unserer Familie immer präsent war, hat sich tief eingebrannt.

Als ich diesen Song geschrieben habe, hatte das deshalb etwas von einem Kreis, der sich schließt. Es war mehr als nur ein kreativer Moment – es fühlte sich an wie ein persönlicher Abschluss. Wie ein „Full Circle“-Augenblick, bei dem Vergangenheit, Erinnerung und Musik plötzlich ineinandergreifen.

Ihr habt euch bewusst gegen Selbstkopie entschieden und Songs kürzer, direkter gestaltet. Wie schwer ist es, diesen Grat zwischen Wiedererkennbarkeit und Weiterentwicklung zu gehen?

Die Songs sind im Grunde ganz natürlich entstanden – ohne Plan, ohne Konzept und ganz sicher nicht nach dem Motto: „Jetzt schreiben wir mal bewusst kurze Stücke.“ Es hat sich einfach so ergeben. Und je weiter der Schreibprozess voranschritt, desto klarer wurde: Weniger ist in diesem Fall mehr.

Wir hatten schlicht das Gefühl, dass die Songs besser funktionieren, wenn wir nicht noch zwanghaft einen zusätzlichen Riff-Part, einen weiteren Break oder irgendeinen unnötigen Tempowechsel hineinpressen. Stattdessen wirkte alles direkter, schärfer, kompromissloser. Genau das hat uns gefallen – und deshalb haben wir es auch so belassen. Wir haben dabei nicht in Kategorien wie „Wiedererkennungswert“ gedacht. Es war eher dieses instinktive Wissen: Ja, das ist Cyclone. Mit einem frischen Touch vielleicht – aber im Kern trotzdem oldschool. Genau so, wie es sein soll.

Nothing Is Real“ zeigt eine ungewöhnlichere Seite von CYCLONE mit deutlichen NWOBHM- und US-Metal-Einflüssen. Wie wichtig ist es dir, solche Facetten in eurer Musik zuzulassen?

Das passiert bei uns tatsächlich ganz organisch – fast wie von selbst. Wir sind von so vielen Dingen geprägt, dass man irgendwann gar nicht mehr sagen kann, wo genau eine Inspiration aufhört und die nächste anfängt. Da ist dieses schwere, erdige 70er-Jahre-Feeling mit Bands wie UFO, Thin Lizzy oder den Scorpions. Dann natürlich die goldene 80er-Schule mit Judas Priest, Accept, Riot und Y&T, die uns gezeigt hat, wie man Riffs schreibt, die gleichzeitig schneiden und tragen.

Dazu kommt die NWOBHM, die uns mit Namen wie Angel Witch, Diamond Head, Holocaust oder Satan nicht nur musikalisch, sondern auch mental geprägt hat – dieser raue, kompromisslose Spirit, der nach Schweiß, Leder und Verstärkerrauch riecht. Und als wäre das nicht genug, haben uns die frühen US-Metal-Bands der frühen 80er ebenso massiv beeinflusst: Armored Saint, Malice, Savatage – diese Mischung aus Power, Drama und Attitüde hat sich bei uns tief eingebrannt.

Auch die legendären frühen Tage von Labels wie Metal Blade, Megaforce oder Shrapnel Records waren für uns wie ein musikalischer Werkzeugkasten voller Waffen. Und wenn dann noch eine Band wie Exciter in ihrer „Heavy Metal Maniac“-Ära dazukommt, dann ist klar: Das alles hinterlässt Spuren. Genau diese Summe an Einflüssen hat über die Jahre das erschaffen, was wir heute unser Cyclone-DNA nennen – ein Sound, der nicht geplant wirkt, sondern gewachsen ist. Und natürlich hat all das bis heute direkten Einfluss darauf, wie wir spielen, schreiben und klingen.

Nach so vielen Shows seit eurer Wiederauferstehung: Hat sich dein Blick auf das Live-Spielen im Vergleich zu früher verändert?

Wir haben in der Vergangenheit schon eine Menge großartiger Shows gespielt – und dabei mit absoluten Legenden die Bühne geteilt: Metallica, Slayer, Anthrax, Metal Church, Destruction, Kreator, Sepultura, Agent Steel, Overkill und viele mehr. Das waren Momente, die sich eingebrannt haben – laut, schweißtreibend und genau so, wie Metal sein muss.

Aber das Beste daran: Auch heute stehen wir noch immer auf starken Festivals, Seite an Seite mit fantastischen Bands, und liefern ab, als wäre es immer noch 1986. Denn egal, wie viele Jahre ins Land ziehen – wir geben nach wie vor 100 Prozent. Wie früher. Ohne Kompromisse. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Known Unto God“ ist bewusst als Mini-Album mit fünf Songs erschienen. Warum habt ihr euch gegen ein komplettes Album entschieden – und ist in naher Zukunft bereits ein vollwertiger Longplayer von CYCLONE geplant?

Wir dachten, dass eine EP mit fünf Songs ein guter Start wäre, um uns wieder ins Bewusstsein der Leute zu bringen – quasi ein kleiner, aber effektiver Tritt in die Tür, um wieder „auf der Landkarte“ zu erscheinen.

Außerdem ist es heutzutage ja leider so: Die meisten hören Musik nicht mehr wie früher. Wenn man sich anschaut, wie gestreamt wird, bleiben viele nach drei oder vier Songs hängen – und dann geht’s schon weiter zum nächsten Release, zur nächsten Playlist, zum nächsten „Oh, guck mal hier!“. Diese moderne Schnellkonsum-Mentalität ist eben komplett anders als damals, als man sich ein neues Album gekauft hat und es zelebriert hat: Side A, Side B… und dann wieder Side A… und wieder Side B. Und wenn es richtig gut war, hat man das Ding so lange laufen lassen, bis die Kassette Bandsalat oder die CD Kratzer hatte.

Die jüngere Generation macht das meist nicht mehr. Heute wird schnell geskippt, schnell gewechselt, schnell weitergezogen – und genau deshalb hat auch die EP-Entscheidung eine Rolle gespielt. Aber ja: Wenn alles so läuft, wie wir es uns vorstellen, ist beim nächsten Mal definitiv ein komplettes Full-Length-Album geplant.

Wenn man auf eure Bandgeschichte blickt – von den Anfängen als Centurion 1981 bis heute – was bedeutet diese lange Reise für dich ganz persönlich?

Manchmal kann ich selbst kaum glauben, dass nach über 40 Jahren immer noch echtes Interesse an Bands wie uns besteht. Und ja – das macht etwas mit dir. Es geht nicht spurlos vorbei, wenn du merkst, dass die Musik, die du irgendwann mal aus Leidenschaft und Wahnsinn heraus erschaffen hast, auch Jahrzehnte später noch Menschen erreicht.

Das wirklich Magische passiert allerdings live: Wenn du auf der Bühne stehst und plötzlich siehst, dass da vorne junge Fans neben alten Weggefährten stehen – alle vereint durch dieselben Songs, dieselbe Energie, dieselbe Gänsehaut. Diese Verbindung zwischen Generationen ist pure Magie und jedes Mal ein Moment, der dich daran erinnert, warum du das überhaupt machst.

Diese Band ist längst nicht mehr nur ein Kapitel meines Lebens – sie ist mein Leben. Und dass wir nach all den Jahren immer noch Respekt bekommen, dass man uns nicht als nostalgisches Relikt abtut, sondern ernst nimmt… das bedeutet mir wirklich unglaublich viel.

Mit „Brutal Destruction“ habt ihr einen der großen europäischen Thrash-Klassiker der Achtziger geschaffen. Wie fühlt es sich an, ein solches Album dauerhaft in der eigenen Diskographie zu tragen?

Es ist manchmal wirklich schwer zu begreifen, dass wir inzwischen als eine Art Kult-Klassiker im Thrash Metal gelten. Aber natürlich bin ich dafür unglaublich dankbar. Es ist eine große Ehre – und gleichzeitig macht es mich stolz.

Denn am Ende bedeutet das vor allem eins: Dieses Album hat in der Metal-Community etwas ausgelöst. Es hat Spuren hinterlassen, Menschen begleitet, vielleicht sogar geprägt. Und ganz ehrlich: Mehr kann man sich als Band kaum wünschen. Dafür kann man nur dankbar sein.

Wenn du heute auf junge Thrash-Bands schaust: Was würdest du ihnen aus deiner jahrzehntelangen Erfahrung mit auf den Weg geben?

Was soll ich sagen… bleib dir selbst treu. Versuch nicht, wie jemand anderes zu klingen, nur um irgendwo reinzupassen. Denn am Ende merkt man sofort, ob etwas ehrlich ist – oder nur kopiert.

Und nimm nichts als selbstverständlich. Nichts kommt umsonst, nichts fällt einem einfach in den Schoß. Du musst dafür arbeiten, musst alles reinwerfen, was du hast, und deinen besten Schuss abfeuern – kompromisslos. Und wenn du dann auch noch ein bisschen Glück hast… dann werden die Leute es fühlen. Und vielleicht sogar lieben.

Was möchtest du den alten und neuen CYCLONE-Fans da draußen noch mitgeben?

Wir fühlen uns unglaublich glücklich über das Feedback, das wir im Laufe unserer Karriere bekommen haben. Ohne eure Unterstützung wäre all das niemals möglich gewesen. Umso mehr hoffen wir, dass wir euch das schon bald zurückgeben können – am besten gemeinsam mit euch, live, laut und genau dort, wo diese Musik hingehört: auf der Bühne. Wir hoffen, euch in naher Zukunft bei einer unserer Shows zu sehen. Bleibt wild.

Dieses Gespräch zeigt CYCLONE nicht als Relikt vergangener Tage, das vom eigenen Mythos lebt, sondern als Band, die ihre Geschichte kennt, sie respektiert – und trotzdem nicht in ihr stecken bleibt. „Known Unto God“ ist kein nostalgischer Schulterblick, sondern ein bewusst gesetztes Lebenszeichen: roh, konzentriert und getragen von der Überzeugung, dass Thrash Metal mehr ist als Tempo und Aggression. Es geht um Haltung, um Erfahrung und um die simple Wahrheit, dass manche Namen nicht verschwinden, weil sie nie aufgehört haben, relevant zu sein. CYCLONE sind nicht zurück, um Erinnerungen zu verwalten – sie sind zurück, um weiterzumachen.




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