PAVIANASS – Alcohol Area (2026)
(10.229) Olaf (8,5/10) Thrash Metal
Label: DIY
VÖ: 01.05.2026
Stil: Thrash Metal / Crossover
Wenn Bier ein Musikgenre wäre, hätten PAVIANASS es längst patentiert, in Dosen abgefüllt und bei 8 °C serviert. Statt warmspielen gibt’s hier direkt Kaltstart – Zapfhahn auf, Verstärker an, Gehirn aus. Alcohol Area ist keine EP, das ist der musikalische Pegelstand nach dem dritten „nur noch eins“, bei dem man plötzlich feststellt, dass die Nacht gerade erst anfängt und die Vernunft schon längst nach Hause gegangen ist.
Drei Bagaluten, gegründet 2020 – und offensichtlich mit dem festen Vorsatz, Thrash Metal so zu spielen, wie er gedacht war: nicht geschniegelt, sondern rotzig, direkt und mit einem Augenzwinkern, das nach Hopfen riecht. Das Debüt Fuck The Rest war schon eine klare Ansage, aber Alcohol Area ist der Punkt, an dem die Theke endgültig zur Bühne wird.
Man merkt sofort: Hier wollte niemand die nächste hochkomplexe Prog-Oper schreiben. Nein, hier wollte man vermutlich einfach nur wissen, wie viele Dosen Sternburg in 28 Minuten passen – und die Antwort lautet: musikalisch alle. Inspiriert von der Berliner Underground-Szene, rotzt einem das Trio seine Songs vor die Füße, als hätte jemand Gang Green, die Crumbsuckers und die Spudmonsters in einen Mixer geworfen und anschließend auf „Dreckig, hart & wild“ gedrückt. Ergebnis: keine Schönheitsoperation, sondern ein musikalischer Bierbauch mit Charakter.
Ein Blick auf die Tracklist ist ohnehin schon großes Kino – oder besser gesagt: großes Kneipentheater. Das ist keine sterile Songliste, das ist Rilke, Schiller und Goethe auf Komasaufen. Alkohol Lovestory, Thrash, Pussys & Bier, Biermuda – das ist Lyrik für alle, die freitags um 17 Uhr das Hirn auf Flugmodus schalten und den Pegel auf Anschlag drehen. Und ja, genau das transportieren die Texte auch. Deutsch, direkt, verständlich, irgendwo zwischen Dimple Minds und Onkel Tom, mit genau der richtigen Portion „Mir doch egal, Hauptsache laut“.
Musikalisch? Simpel as fuck. Riffs, Moshparts, Attacke. Keine Schnörkel, kein Gefrickel, kein „lass uns noch schnell einen Jazzteil einbauen, damit wir klüger wirken“. Stattdessen gibt’s aufs Maul – und zwar rhythmisch so, dass man unweigerlich den Nacken lockert, das Bier hebt und dem nächsten Rentner im Stadtpark zumindest gedanklich einen Circle Pit widmet. Mehr braucht es nicht. Ehrlich.
Und dann diese herrlichen Details, die zeigen, dass hier nicht nur gesoffen, sondern auch mit einem Augenzwinkern gearbeitet wurde: Elvis wird in Thrash, Pussys & Bier zitiert – wahrscheinlich hätte der King selbst mit Lederjacke und Pomade im Moshpit gestanden. In Thrash Bier blitzt plötzlich Frantic von Metallica durch, als hätte jemand die Kassette falsch eingelegt. Und Vaporizer beginnt mit diesem gottverdammten „Aramsamsam“, dem Endgegner aller Elternnerven – spätestens da weißt du: Hier wird nicht nur Musik gemacht, hier wird aktiv Chaos gestiftet.
Produziert wurde das Ganze vom guten Exa-Tom, und das hört man. Das Ding klingt genau so, wie es klingen muss: roh, direkt, ohne Hochglanzpolitur, aber mit genug Druck, um dir beim ersten Durchlauf das Bier aus der Hand zu vibrieren. Dazu ein Cover von Timon Kokott, das wahrscheinlich schon beim Anschauen nach Hopfen riecht – passt wie der Kronkorken auf die Flasche.
Was PAVIANASS hier abliefern, ist keine Revolution, sondern eine verdammt gut gezapfte Erinnerung daran, warum Thrash Metal manchmal genau so sein muss: laut, stumpf, ehrlich und mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Diese EP nimmt sich selbst nicht ernst – und genau deshalb sollte man sie ernst nehmen.
Am Ende bleibt ein Werk, das klingt wie ein durchzechter Freitagabend, an dem man eigentlich nur „ein Bier“ wollte und plötzlich mit drei neuen Freunden, zwei blauen Flecken und einer lebenslangen Erinnerung nach Hause torkelt. Alcohol Area ist kein Album für den Feingeist – es ist ein Soundtrack für alle, die wissen, dass das Leben manchmal einfach besser schmeckt, wenn’s ein bisschen nach Hopfen, Schweiß und Chaos riecht.
Anspieltipps:
🔥Thrash, Pussys & Bier
💀Vaporizer
🍺Biermuda
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Alkohol Lovestory
02. Thrash, Pussys & Bier
03. Thrash Bier
04. Vaporizer
05. Biermuda
06. Dreckig, hart & wild
07. Drink Up!

