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Live on Stage Report: MY’TALLICA

29.05.2026 – Berlin @ Kesselhaus


Berlin zeigte sich an diesem 29.05.2026 von seiner freundlichsten Seite. Blauer Himmel, warme Temperaturen, überall schwarz gekleidete Menschen mit METALLICA-Shirts aus mindestens vier Jahrzehnten Bandgeschichte und dieses herrliche Gefühl, dass die Hauptstadt für ein Wochenende komplett dem Metal gehört. Während andere Menschen Brückentage zum Entspannen nutzen, pilgern Metalheads eben lieber zwischen Pop-Up-Store, Bierstand und Konzertlocation hin und her. Völlig nachvollziehbar.

Der erste Pflichttermin führte uns zunächst in den METALLICA Pop-Up-Store in der Mollstraße. Schließlich muss man ja Geld ausgeben, sonst zählt ein Konzertwochenende vermutlich steuerlich gar nicht als echtes Erlebnis. Vorher wurde allerdings noch eine hochseriöse Wette abgeschlossen: Ich behauptete, es gäbe keine Schlange. Sabrina und Sören hielten selbstverständlich dagegen. Ergebnis: 1:0 für Sabrina und Sören. Die Schlange zog sich gefühlt bis kurz hinter den Mond und meine großspurige Prognose zerlegte sich schneller als eine Bierdose in der ersten Reihe beim Seek And Destroy-Chor. Die erste Lage Getränke ging dementsprechend völlig verdient auf mich – und ehrlich gesagt war das bei den Temperaturen vermutlich ohnehin die vernünftigste Investition des Tages.

Im Laden selbst wartete dann die komplette Reizüberflutung für Menschen mit schwacher Selbstkontrolle und starkem Musikgeschmack. Alte Shirts, neue Shirts, Patches, allerlei Gimmicks, exklusive Sammlerstücke und vermutlich genügend Merchandise, um eine mittelgroße Familie mehrere Winter lang einzukleiden. Ich selbst leistete mir ein METALLICA-Fußballtrikot, dessen Existenz ich bis zu diesem Tag weder gebraucht noch erwartet hatte. Natürlich musste es trotzdem mit. Ganz ehrlich: Dieser Laden dürfte gerne dauerhaft in Berlin bleiben. Wahrscheinlich würde ich dort trotzdem jede Woche „nur mal gucken“ gehen und am Ende mit irgendeinem völlig unnötigen Schädelbecher wieder herauslaufen.

Danach ging es weiter in die Kulturbrauerei zur offiziellen Pre-Show-Party. Dort wurde bei angenehm gekühlten Getränken bereits frühzeitig Betriebstemperatur erreicht. Besonders stark war die Aktion des St.Germany Fanclubs, der mit einer Tombola beeindruckende 1.200 Euro für die Berliner Tafel zusammentrug. Genau solche Momente zeigen, dass diese Szene weit mehr ist als Kuttenromantik und Bierduschen. Zwischen all dem Wahnsinn steckt eben auch Herz.

Flemming Rasmussen lief ebenfalls irgendwo durchs Bild, allerdings nur aus der Ferne. Aber ehrlich gesagt war das völlig in Ordnung. Der Mann hat mit Produktionen wie Ride The Lightning, Master Of Puppets und …And Justice For All ohnehin längst seinen festen Platz im Metal-Olymp. Allein zu wissen, dass er irgendwo in der Nähe herumstand, reichte bereits aus, um innerlich automatisch alte Gitarrenharmonien mitzusingen.

Pünktlich um 19:30 Uhr öffnete sich dann die Tür zum Kesselhaus – und was danach folgte, war ein verdammt beeindruckender Beweis dafür, warum MY’TALLICA seit Jahren als Deutschlands beste METALLICA-Tribute-Band gehandelt werden. Das Kesselhaus war brechend voll, die Luft bereits vor dem ersten Ton ungefähr so dick wie Erbsensuppe und trotzdem lag sofort diese elektrisierende Spannung im Raum. Jeder wusste: Das hier wird kein belangloses Coverband-Geklimper.

Mit den obligatorischen Intros und einem mächtigen Creeping Death legte die Band los und ließ direkt sämtliche Zweifel pulverisieren. Der Sound war schlicht bärenstark. Druckvoll, transparent und derart massiv, dass sich die Originale im Olympiastadion am nächsten Abend durchaus ein wenig strecken mussten, um mithalten zu können. Gerade im Kesselhaus entwickelte diese Klangwand eine Intensität, die man in großen Arenen oft vermisst. Besonders stark: Direkt danach folgte The Four Horsemen. Keine sichere Stadionnummer, kein vorhersehbarer Radio-Hit, sondern genau jener Stoff, bei dem ältere METALLICA-Fans sofort feuchte Augen bekommen und jüngere Besucher feststellen, warum diese Band überhaupt einst die Welt eroberte. Überhaupt war die Setlist ein echter Liebesbrief an Fans, die nicht nur wegen Nothing Else Matters irgendwann mal ein schwarzes Shirt gekauft haben.

Frontmann Metti Zimmer erwies sich dabei einmal mehr als absoluter Glücksgriff. Der Mann besitzt genügend Charisma, um die Songs nicht wie eine bloße Kopie wirken zu lassen. Natürlich sind Gestik, Tonlage und gewisse Hetfield-Momente vorhanden, aber nie peinlich aufgesetzt. Stattdessen transportierte er genau jene Mischung aus Coolness, Humor und Spielfreude, die diese Songs benötigen. Vor allem bei älteren Thrash-Nummern funktionierte das grandios. Seine Stimme lag erstaunlich nah am Original, ohne dabei zur Karikatur zu verkommen.

Auch der Rest der Band arbeitete beeindruckend präzise. Die Gitarrenfraktion harmonierte hervorragend, spielte die komplexen Arrangements erstaunlich sauber herunter und erzeugte gerade bei Songs wie Ride The Lightning, Battery oder Blackened genau jene aggressive Dynamik, die METALLICA einst zur größten Metalband der Welt machte. Der Bass drückte gewaltig, während der Drummer trotz einiger kleiner Patzer eine Menge Energie auf die Bühne brachte. Ja, hier und da wurde sich mal leicht vertrommelt. Aber ganz ehrlich: Wen interessiert das ernsthaft in einem völlig überhitzten Kesselhaus voller verschwitzter Menschen, die ohnehin jede zweite Textzeile lauter mitschrien als die Band selbst?

Lediglich bei Sad But True wirkte die Truppe kurzzeitig etwas unrund. Das Groove-Monster schleppte nicht ganz so mächtig wie gewohnt durchs Gebälk. Aber selbst das änderte nichts an der Gesamtstimmung dieses Abends. Denn sobald wieder alte Brecher wie Trapped Under Ice, Whiplash oder Welcome Home (Sanitarium) durchs Kesselhaus flogen, explodierte die Halle erneut.

Überhaupt lag die wahre Stärke dieses Konzerts genau in diesen Songs, die man von den Originalen heutzutage eher selten oder gar nicht mehr live bekommt. Genau deshalb funktionierte dieser Abend so hervorragend. MY’TALLICA spielten nicht einfach nur die erwartbaren Stadion-Hits herunter, sondern lieferten eine Setlist, die echte Fans abholte. Natürlich durften Hymnen wie Master Of Puppets, Seek And Destroy oder Enter Sandman nicht fehlen, aber gerade die Mischung aus Klassikern, älteren Thrash-Granaten und neueren Nummern wie 72 Seasons oder Lux Æterna machte das Ganze enorm kurzweilig.

Mit zunehmender Spielzeit verwandelte sich das Kesselhaus endgültig in eine Mischung aus Sauna, Abrissbirne und Gruppen-Therapie für alternde Thrash-Fans. Die Luft wurde immer dünner, Bier verdunstete vermutlich bereits direkt im Becher und trotzdem wollte diese Band einfach nicht aufhören. Und das Publikum ebenfalls nicht. Überall verschwitzte Gesichter, hochgerissene Fäuste und Menschen, die sich gegenseitig Texte ins Gesicht brüllten, als hinge das Weltklima davon ab. Dabei wirkte zu keinem Zeitpunkt irgendetwas steril oder geschniegelt. Genau das machte den Abend so sympathisch. MY’TALLICA verstehen offensichtlich, dass METALLICA-Musik nicht perfekt geschniegelt funktionieren muss. Es geht um Energie, Leidenschaft und dieses leicht chaotische Gefühl, dass jederzeit alles auseinanderfliegen könnte – und genau deshalb großartig ist.

Irgendwann stolperte man dann erschöpft, verschwitzt und mit dauerhaftem Ohrensausen wieder hinaus in die Berliner Nacht. Zurück blieb das Gefühl, gerade einen verdammt starken Auftakt für das große Wochenende erlebt zu haben. Fulminant, laut, schweißtreibend und voller Liebe für diese Musik. Genau so muss ein Warm-Up aussehen. Und während am nächsten Abend die Originale das Olympiastadion übernehmen würden, hatte das Kesselhaus bereits gezeigt, dass man keine riesige Bühne braucht, um einen unvergesslichen Metal-Abend zu erleben. Manchmal reichen ein paar großartige Musiker, ein Haufen verschwitzte Fans und Songs, die seit Jahrzehnten jede Generation von Metalheads verbinden.




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