DICHOTOMY– Lucifer Owns the Fence (2026)
(10.326) Phillip (6,5/10) Brutal Death Metal
Label: Rottweiler Records
VÖ: 03.07.2026
Stil: Brutal Death Metal
Man lernt ja nie aus. Von daher war es mir komplett neu, dass es in Texas (wo auch sonst?) offenbar ein Label gibt, dass ausschließlich christliche Metal- und Hardcorebands unter Vetrag nimmt. Sollnse machen, meine persönliche Meinung dazu wird da schließlich auch nichts ändern – leben, und leben lassen. Was allerdings wesentlich verblüffender für mich war und auch noch ist, dass dieses Label recht üppige Stile unter seinem Dach vereint. Doom, Grind und auch Black Metal mit anti-satanischem, pro-life und Kreationismus-freundlichem Gebaren (da hört’s dann bei mir auch direkt mit der Toleranz auf) ist dort zu finden. Da passt der Bandname Dichotomy doch perfekt ins Bild.
Dieser Begriff beschreibt die genaue Zweiteilung einer Sache in sich per se widersprüchliche Begrifflichkeiten. Körper und Geist zum Beispiel, oder eben Brutal Death Metal und Christentum. Das könnte man jedenfalls auf den ersten Blick feststellen. Beim Hören fällt das dann aber ziemlich steil ab. Ja, sicher, hier wird nicht an christlicher Lyrik gespart und das kommt nicht selten mindestens genauso käsig herüber wie plakative, satanische Texte, doch die Darbietung kann hier Einiges kaschieren.
So kommen die Growls charmant-amateurhaft, aber voluminös aus den Boxen und wurden durch eine zweite Spur mit Screams ergänzt, was sich im Verlauf des knapp halbstündigen Albums als sehr gute Idee herausstellen sollte. Von denen hat Bandkopf und einziges Mitglied Jardon Varela noch ein paar mehr in petto und lebt sie an den Saiteninstrumenten auch bravourös aus. Was er hier pro Song an Bass-Akrobatik abreißt, verdient direkt mehrere Hutziehungen. Betrachtet man seine anderen musikalischen Betätigungsfelder, so kommt man darüber hinaus direkt ins Staunen, wo der Mann auch noch die Kreativität an der Gitarre herholt. Hier crashen Cannibal Corpse mit Deicide und Vital Remains - mit Vollgas!
Mahnt die Analogie im Albumtitel zwar dazu sich für eine Seite zu entscheiden und nicht in Neutralität zu verharren, so fällt es mir dennoch schwer all die Eindrücke hier unter einen Hut zu bringen. Musikalisch geht hier nämlich sehr viel! Atmosphärische Lücken existieren praktisch nicht, es gibt immer direkt auf die Schnauze. Dazu kommen ein paar mindestens witzige Produktionsschnitzer (The Antithesis zum Beispiel), die die Nummer sympathisch machen. Doch der massive Einsatz des immer wieder gleichen Roto-Toms ist insbesondere auf Kopfhörern nervig. Dazu diese plakative christliche Propaganda, die ausgehend von den Ursprüngen dieser Musikrichtung, massiv deplatziert wirkt, wenn man sich zu sehr darauf konzentriert. Kommt so etwas Ähnliches im Auftrag des Satanismus noch rebellisch oder echt herüber, so hat das hier stets den Beigeschmack, dass der lässige Dorfpfarrer, der auch schon mal am Joint gezogen hat, Anschluss bei den Jungs sucht, die immer so finster schauen und seltsame Bandshirts anhaben. Dass Jordan Varela das an sich nicht nötig hat und seine Mucke auch mit wichtigen Themen, die mit Nichtreligiösen und auch Christen vereinbar sind, füllen könnte bleibt aber wohl nur ein frommer Wunsch meinerseits. Meinen Respekt ob der musikalischen Leistung hat er hier definitiv verdient, alles andere ist ein eher maues Abwinken.
Anspieltipp:
🔥 The Antithesis
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. He Is…
2. The Antithesis
3. What a God
4. The Fence
5. Better to Be Drowned with a Millstone Around the Neck
6. The Perseverance
7. The Greatest Lie Ever Told
8. Through Christ We Live
9. Satan Will Kill You

