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Q&A – Das Interview: LEATHERHEAD
Ich bin praktisch mit VHS-Kassetten aufgewachsen
LEATHERHEAD gehören zu jenen Bands, bei denen Geschwindigkeit, Horrorästhetik und ehrlicher Heavy Metal nicht wie ein kalkuliertes Retro-Konzept wirken, sondern wie eine echte Leidenschaft. Seit der Gründung 2022 hat sich die griechische Speed-Metal-Formation in kurzer Zeit vom Geheimtipp zur ernstzunehmenden Genre-Hoffnung entwickelt. „Violent Horror Stories“ zeigt eine Band, die ihre Einflüsse kennt, sie aber mit jugendlichem Elan, dunklerem Tonfall und klarer Vision weiterdenkt. Die folgenden Fragen richten sich an Bassist George und beleuchten Album, Bandgeschichte, Horror-Faible, Zukunftspläne und natürlich die große Liebe zu VHS, Monstern und klassischem Metal.
Hallo George, schön, dass du dir Zeit nimmst. Wie geht es dir und der Band aktuell, kurz vor der Veröffentlichung von „Violent Horror Stories“?
Hallo mein Freund! Wir fiebern dem Album-Release bereits entgegen – denn wir können es kaum erwarten, „Violent Horror Stories“ endlich mit der Welt zu teilen. Es wird höchste Zeit, dass dieses Monster von einem Album rausgelassen wird und jeder hört, was wir hier zusammengebraut haben!
In meinem Review habe ich geschrieben, dass „Violent Horror Stories“ deutlich düsterer, aggressiver und geschlossener wirkt als euer Debüt. War genau das euer erklärtes Ziel für Album Nummer zwei?
Du triffst mit all diesen Eigenschaften unseres zweiten Albums genau ins Schwarze. Ich denke, wir hatten das alle irgendwo im Hinterkopf – auch wenn wir es vielleicht nicht ständig ausgesprochen haben. Die Wahrheit ist: Die Musik ist beim Songwriting völlig organisch entstanden. Diese Aggression, diese gewisse „dunkle Aura“, das war nichts, was wir künstlich erzeugen mussten – sie hat sich ganz von selbst ihren Weg gebahnt.
Unser Ziel war es, ein Album zu erschaffen, das sich wie die logische, natürliche Weiterentwicklung der Band anfühlt. Und ich glaube, genau das ist uns gelungen. Der Grund dafür ist eigentlich simpel: Jeder Einzelne hat jederzeit hundert Prozent gegeben – ohne Kompromisse, ohne halbe Sachen, sondern mit voller Hingabe und maximaler Leidenschaft.
Mit diesem Album habt Ihr euren eigenen Horror-Heavy-Metal-Stil endgültig festzurrt. Gab es einen Moment, an dem ihr gemerkt habt: Ja, genau so soll LEATHERHEAD klingen?
Für mich wäre das ganz klar der Moment gewesen, in dem wir die Kompositionen endgültig abgeschlossen haben. Wir sind dabei wirklich jeden Song für sich angegangen – unabhängig vom Rest, fast wie eine eigene kleine Geschichte. Entscheidend war dabei immer die Frage: Welche Stimmung soll dieser Track transportieren, welches Gefühl soll beim Hörer hängen bleiben?
Denn am Ende ist ein Song nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von Riffs, Beats und Melodien – er ist ein emotionales Szenario. Und genau so haben wir es behandelt: Track für Track, Kapitel für Kapitel, mit dem Anspruch, dass jeder einzelne seinen eigenen Charakter bekommt und beim Zuhörer eine ganz bestimmte Reaktion auslöst.
LEATHERHEAD wurden 2022 gegründet, das Debüt kam 2024, jetzt folgt bereits das zweite Album. Würdest du sagen, dass ihr eine Band seid, die sich bewusst schnell entwickelt, oder ergibt sich dieses Tempo einfach ganz natürlich?
Um ehrlich zu sein: Das Ganze kam völlig natürlich. Viele der Songs existierten im Kern bereits, als wir das Debütalbum aufgenommen haben – wir wollten sie einfach jetzt, in unserer heutigen Zeit und mit dem aktuellen Gefühl, das wir als Band tragen, endlich richtig vorstellen.
Wir glauben außerdem, dass dieses Album genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint, besonders wenn man unsere Live-Entwicklung der letzten Jahre berücksichtigt – und natürlich auch den Einfluss des Line-up-Wechsels. All das hat uns nicht nur verändert, sondern auch geformt und letztlich dafür gesorgt, dass diese Songs heute genau so klingen, wie sie klingen müssen.
Wenn man eure Musik hört, denkt man sofort an klassische Speed- und Heavy-Metal-Tugenden, aber auch an Horrorfilme, VHS-Ästhetik und okkulte Bilder. Seid ihr nicht eigentlich ein bisschen zu jung für VHS-Kassetten?
(lacht) So jung sind wir dann wohl doch nicht mehr! Wir alle sind mit einem Videorekorder im Wohnzimmer groß geworden. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich ein Gerät hatte, bei dem man sogar aufnehmen konnte – und mein Vater mir beigebracht hat, wie man Fernsehsendungen und Filme mitschneidet. Gerade die Streifen, die viel zu spät in der Nacht liefen, habe ich damals einfach aufgenommen und später ganz gemütlich nachgeholt.
Ich bin praktisch mit VHS-Kassetten aufgewachsen – dieses ganze Konzept war für mich also nicht nur vertraut, sondern gehörte einfach ganz selbstverständlich dazu. Und genau deshalb war es auch völlig natürlich, diese Bilder und diese Ästhetik im Kopf zu haben und daraus die passende Symbolik zu entwickeln.
Welche Horrorfilme, Bücher oder Geschichten haben euch beim Schreiben von „Violent Horror Stories“ am stärksten beeinflusst?
Puh, da gibt es wirklich eine ganze Menge! Wenn es um Bücher geht, würde ich definitiv zur Amityville-Reihe greifen – und natürlich dürfen bei einem gewissen Meister namens Stephen King IT und The Shining nicht fehlen.
Was Geschichten im Allgemeinen angeht, sind wir große Fans von Urban Legends. Jeder von uns hat schon die eine oder andere Horrorstory gehört, die angeblich irgendwo ganz in der Nähe unserer Stadt passiert sein soll – und genau das macht solche Erzählungen ja so verdammt spannend: Sie fühlen sich immer ein kleines bisschen zu real an.
Aber das wirklich Unheimliche ist manchmal nicht das, was in dunklen Wäldern lauert oder in alten Häusern knarzt… sondern das, was sich mitten im Alltag versteckt. Denn der wahre Horror kann manchmal direkt vor unseren Augen liegen – gut getarnt, völlig unscheinbar und genau deshalb so beängstigend.
Im Vergleich zum Debüt wirkt das neue Album fokussierter und kompromissloser. Hat sich euer Songwriting-Prozess konkret verändert oder seid ihr einfach selbstbewusster geworden?
Es ist tatsächlich eine Mischung aus beidem. Mit jeder Probe und jedem Live-Auftritt wächst die Band enger zusammen – nicht nur spielerisch, sondern auch menschlich. Man merkt einfach, dass sich das Zusammenspiel immer weiter verdichtet und dass aus Routine zunehmend echte Einheit wird.
Wie du vielleicht schon bemerkt hast, haben wir mittlerweile Dimitris Komninos an der Gitarre. Sein Einstieg war für uns wie ein frischer Windstoß in einem Raum, der ohnehin schon voller Energie war. Dimitris brachte nicht nur neue Impulse mit, sondern sorgte auch dafür, dass wir als Band noch enger zusammengerückt sind – musikalisch wie auch im Spirit.
Für dieses Album stammen die musikalischen Grundideen hauptsächlich von Tolis (Gesang) und Thanos (Gitarre). Beide brachten ihre Konzepte und Ansätze ein, wir haben diese gemeinsam ausgearbeitet, weiterentwickelt und schließlich so lange geschliffen, bis daraus echte Songs wurden. Am Ende hat jeder seinen eigenen Charakter und seine persönliche Note eingebracht – und genau das macht den Sound so lebendig.
Ich glaube, der entscheidende Punkt bei uns ist, dass wirklich jeder mitarbeitet und niemand sich neuen Ideen verschließt. Diese Offenheit ist unser Motor – und wahrscheinlich auch der Grund, warum wir uns als Band stetig weiterentwickeln, ohne dabei unsere Identität zu verlieren.
Ihr habt euch die Produktion selbst geteilt und mit Arthur Rizk einen sehr markanten Mastering-Sound gewählt. Wie wichtig war euch ein druckvoller, moderner Klang, ohne den klassischen Spirit zu verlieren?
Wir sind im Grunde denselben Weg weitergegangen, den wir bereits auf dem Debüt eingeschlagen haben. Uns war wichtig, dass das neue Album klar in der Spur des Erstlings bleibt – allerdings nicht als bloße Wiederholung, sondern mit einer hörbaren Weiterentwicklung im Sound, ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verleugnen.
George Kougioumtzoglou hat beim Recording und als Co-Produzent einen großartigen Job gemacht und genau das eingefangen, was wir uns vorgestellt haben. Und dann kam Arthur Rizk ins Spiel, der das Ganze endgültig auf das nächste Level gehoben hat – das Mastering ist schlichtweg makellos und gibt dem Album genau die Wucht und Klarheit, die es verdient.
Unser Ziel war es dabei immer – und wird es auch weiterhin bleiben – den Spirit und die Magie der 80er einzufangen, aber mit den Möglichkeiten und der technischen Präzision von heute. Kurz gesagt: Oldschool im Herzen, modern im Klang.
Ihr habt in kurzer Zeit mit Bands wie Savatage, Michael Schenker, Tankard oder Destruction die Bühne geteilt. Gab es einen Moment, in dem ihr dachtest: Jetzt sind wir wirklich angekommen?
Mit all diesen Bands auf der Bühne zu stehen, war für uns wirklich überwältigend – und definitiv ein riesiger Schritt nach vorn. Spätestens in dem Moment, als wir beim Rockwave Festival, dem größten Festival unseres Landes, vor dieser Menschenmenge gespielt haben, wurde uns klar, was da gerade passiert. Und als anschließend Michael Schenker und Savatage die Bühne betreten haben, war das wahrscheinlich der absolute Höhepunkt.
Diese Legenden nicht nur live zu erleben, sondern ihnen auch persönlich zu begegnen, war für uns ein Moment, den man nicht planen kann – aber den man nie wieder vergisst.
Nach vier Jahren Bandgeschichte, zwei Alben und internationaler Aufmerksamkeit: Fühlt ihr euch reif für den großen Durchbruch, oder ist LEATHERHEAD noch mitten im Wachstum?
Wir arbeiten ständig – und wir werden damit auch nicht aufhören. Denn wie ein griechisches Sprichwort sagt: „Der Feind des Guten ist das Bessere.“ Genau nach diesem Prinzip ticken wir. Jeder von uns gibt alles, steckt Herzblut, Schweiß und Seele in das, was wir tun, und wir sind immer bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Und ganz ehrlich: Egal, wie dieser nächste Schritt aussieht – wir stehen schon in den Startlöchern. Wir sind da. Wir sind bereit. Und wir warten nicht darauf, dass etwas passiert – wir sorgen dafür.
Viele Bands berufen sich auf alte Helden wie Agent Steel, Metal Church oder frühe Overkill. Was unterscheidet LEATHERHEAD eurer Meinung nach von reinen Retro-Bands?
Ich weiß nicht, ob wir uns überhaupt bewusst von diesen Bands abgrenzen wollen (lacht)! Aber wenn wir etwas nennen müssten, das uns wirklich unterscheidet, dann sind es vor allem unsere Texte und die Themen, die wir darin behandeln. Genau dort liegt unser eigener Fingerabdruck: in den Inhalten, in der Haltung und in der Art, wie wir Geschichten erzählen.
Wenn du „Violent Horror Stories“ in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das – und warum genau diese?
Aggression, Speed und Präzision – das ist im Grunde unser Dreiklang. Wir wollen aggressiv sein, weil genau das unsere Musik ausmacht. Metal lebt von dieser rohen Energie, von diesem bissigen Druck, der sich nicht entschuldigt und auch nicht zurücknimmt.
Speed spielt dabei für uns natürlich eine zentrale Rolle – nicht umsonst sind wir schließlich eine Speed-Metal-Band. Wenn das Tempo gefragt ist, dann gibt es bei uns keine halben Sachen.
Und dann ist da noch die Präzision: Egal wie schnell wir unterwegs sind, wir wollen niemals schlampig klingen. Höchstgeschwindigkeit ja – aber bitte mit Kontrolle. Wenn wir aufs Gaspedal treten, dann soll es knallen, aber eben sauber, scharf und auf den Punkt.
Zum Abschluss: Gibt es etwas, das ihr euren Fans, alten wie neuen, unbedingt noch mit auf den Weg geben möchtet?
Wir können es kaum erwarten, dass ihr „Violent Horror Stories“ endlich hört – und wir hoffen, dass euch das Album genauso viel Spaß macht wie uns beim Schreiben, Schwitzen und Aufnehmen. Und noch wichtiger: Kommt vorbei, wenn wir in eurer Nähe live spielen. Denn alte Fans wissen längst, wie der Hase läuft – das Leatherhead-Erlebnis gibt es zu 100% erst dann, wenn man uns auf der Bühne erlebt. Da gehört das Album nur zur Einstimmung.
Und ganz klassisch: Die berühmten letzten Worte gehören euch.
In einer Welt, die sich permanent neu erfindet und dabei gefühlt jeden Tag ein Stück schneller dreht, gibt es zum Glück noch Konstanten. Dinge, auf die man sich verlassen kann. Für uns ist das Metal. Diese Musik, die wir nicht nur hören, sondern leben – und der wir mit Herzblut dienen, weil sie uns trägt, antreibt und manchmal ganz schlicht davor bewahrt, im Alltag den Verstand zu verlieren.
Metal ist kein Trend. Metal ist ein Rettungsanker. Und manchmal auch die letzte Bastion gegen Belanglosigkeit.Also: Supportet eure Lieblingsbands!Kauft Platten, geht auf Konzerte, holt euch Shirts – sorgt dafür, dass diese Musik nicht nur überlebt, sondern weiter brennt.
LEATHERHEAD wirken wie eine Band, die ihre Wurzeln kennt, sich aber nicht von ihnen fesseln lässt. „Violent Horror Stories“ ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Statement: jung, hungrig, düster und erstaunlich souverän. Wenn Horror, Speed Metal und Leidenschaft weiterhin so überzeugend zusammenspielen, dürfte der nächste Entwicklungsschritt nicht mehr lange auf sich warten lassen. Man sollte LEATHERHEAD definitiv im Auge behalten – egal ob auf VHS, Vinyl oder von der ersten Reihe im Club aus.

