LONE WANDERER – Exequiae (2026)
(10.056) Niclas (10/10) Funeral Doom Metal
Label: High Roller Records
VÖ: 30.01.2026
Stil: Funeral Doom Metal
Funeral Doom ist selbst in der an Extreme gewöhnten Metalszene ein herausforderndes Genre, um es mal gelinde auszudrücken. Tempo ist schließlich seit jeher ein integrales Feature vieler, gerade extremerer Metalbands und dem Durchschnittsmetaller ist die zelebrierte Langsamkeit des Doom Metals oft zu oppressiv, geschweige denn die ausladenden Schneckentempo-Balladen seines wohl extremsten Subgenres. Dabei ist gerade die kleine Welt des Funeral Dooms ein wahrer Schatzhort an klanglich hochwertigen und einzigartigen Kapellen, welche man einem solchen Nischengenre kaum zutrauen würde.
Das Geheimnis ist dabei eine in kaum einem anderen Genre so zelebrierte Liebe zur Musik selbst, wobei sicher auch der Fakt eine Rolle spielt, dass man mit Funeral Doom nun mal nicht reich werden kann. Und was diese Liebe zur Musik angeht sind auch LONE WANDERER keine Ausnahme. Ich habe selten eine Band gehört, die ihre Einflüsse so deutlich zur Schau stellt, wie die Freiburger Doomster. Die Vorgängeralben klangen teilweise so sehr nach MOURNFUL CONGREGATION, dass man schon fast hätte denken können, man höre eine verschollene Platte der Australier. Auch auf dem neuen LONE WANDERER-Album Exequiae ist dieser Einfluss weiter deutlich spürbar, doch schaffen es LONE WANDERER doch mehr denn je, einen ganz eigenen Sound zu entwickeln.
So langsam und langatmig die Songs auch auf den ersten Blick auf die Tracklist erscheinen mögen (das ganze Album zählt stolze 72 Minuten Spielzeit, von denen allein der Opener To Rest Eternally ganze 24 einnimmt), so schnell wird dieser Eindruck entkräftet, sobald man sich die Zeit nimmt in die Materie einzutauchen. Die melodischen Gitarrenläufe bohren sich unweigerlich tief ins Gehirn und verweilen dort noch lange nachdem das Album bereits verklungen ist. Und so langsam das Grundtempo in der Regel auch ist, um so stärker treten die Momente hervor, in denen LONE WANDERER dann doch das Tempo anziehen, wie etwa am Ende von To Rest Eternally, wo man schon leichte schwarzmetallische Anleihen erkennen kann, oder in Existence Nullified, das streckenweise an die Hamburger Doom-Kollegen von OPHIS erinnert. Das alles ist gehüllt in eine melancholische Atmosphäre, die einem trotz aller Düsternis in den langen kalten Winternächten ein wohlig-warmes Gefühl verleiht. Die kristallklare Produktion, die auch die kleinsten Details der verspielten Kompositionen deutlich hervorhebt tut ihr Übriges dazu.
Schlussendlich ist es aber schwer für mich, einzelne Songs als Anspielempfehlungen zu nennen. Exequiae ist kein Partyalbum, Nichts was für den schnellen Konsum gemacht ist, und kann somit auch nur als Gesamtkunstwerk wirklich genossen werden. In unserer schnelllebigen Gesellschaft in der die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne immer weiter nachlässt ist das vielleicht für viele zu viel verlangt, doch wenn man sich die Zeit nimmt, wird man definitiv mit einem musikalischen Erlebnis belohnt, das seinesgleichen sucht.
Bewertung: 10 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. To Rest Eternally
02. Existence Nullified
03. Life's Lost Vanity
04. Anhedonia
05. Epistemology of the Passed

