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Live on Stage Report: Born from Chaos Tour 2026 mit DYMYTRY PARADOX | SPACE OF VARIATIONS

22.01.2026 – Berlin @ Frannz Club


Manchmal fragt man sich ja wirklich, was Berlin sich bei gewissen Konzertabenden denkt. Donnerstag, arschkalt, Kulturbrauerei – und im Frannz dann eine leider verdammt überschaubare Menschenmenge. Überschaubar im Sinne von: „Hier hätten locker noch zwei Schulklassen und ein Kegelverein reingepasst.“ Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – sahen die paar Nasen an diesem Abend zwei verdammt starke Bands. Und eine davon hätte diese Minikulisse ganz sicher nicht verdient.

Los ging’s mit Space of Variations aus der Ukraine. Scream-Core nenne ich das mal, und ja: Auf Platte ist mir das ehrlich gesagt oft zu anstrengend, zu glatt, zu viel Dauergebrüll. Aber live? Alter. Kleine Naturgewalt. Ich kannte im Vorfeld genau einen Song, Doppelgänger, und hatte entsprechend verhaltene Erwartungen. Die wurden mir aber schon nach wenigen Minuten kollektiv aus dem Gesicht geblasen. Druckvoll, tight, wütend, energiegeladen – und plötzlich funktionierten diese Breakdowns, diese elektronischen Spielereien und die ganze moderne Core-Ästhetik auch für jemanden wie mich, der sonst eher im Death- und Heavy-Metal-Biotop rumwühlt. Das war kein belangloses Vorprogramm, das war ein echter Anheizer. Wenn man dieser Band eines nicht vorwerfen kann, dann Langeweile. Live absolut überzeugend, und ich nehme mir hiermit offiziell vor, mir die Studiofassungen nochmal mit anderen Ohren reinzuziehen.

Dann DYMYTRY PARADOX. Oder anders gesagt: die Band, die früher einfach DYMYTRY hieß und nun unter neuem Namen, mit neuem Sänger 😉 und frischen Masken unterwegs ist. Jaja, wieder eine Maskenband. Die Metalpolizei jault laut auf, irgendwo im Hintergrund wird empört ein Kuttenaufnäher gezückt – mir egal. Die neuen Kostüme sehen stark aus, sind eigenständig und passen zum dystopisch-modernen Sound der Band. Und was diese Minikulisse betrifft: komplett ungerechtfertigt. Denn von der ersten Minute an ging es in die Vollen.

Der Sound war fett, klar, druckvoll, und die Setlist ein herrlich kompakter Querschnitt durch die bisherigen drei Alben. Empire of the Fallen als Opener hat direkt klargemacht, dass hier keine Gefangenen gemacht werden, War Beneath My Skin und Revolt haben das Frannz dann endgültig auf Betriebstemperatur gebracht – soweit das bei der kleinen Crowd eben ging. Spätestens bei Never Gonna Die und Behind the Mask war aber klar: Die Band hat das Publikum komplett im Sack, egal wie übersichtlich der Haufen vor der Bühne auch sein mag.

Frontmann Al wirkte entspannt, gut gelaunt und spielfreudig, und genau diese Mischung aus Pathos, Power und Selbstironie steht der Band hervorragend. Am Morgen danach schrieb er mir dann auch passend trocken: „Donnerstag in Berlin. War bisher das privateste Konzert haha. Aber hat Bock gemacht.“ Und ja – genau so fühlte sich das an. Wie ein exklusiver Club-Gig für Eingeweihte.

Persönliche Randnotizen: Meine Frau hatte genügend Platz zum Tanzen (was bei ihr immer ein sehr verlässlicher Qualitätsindikator ist), das Staropramen aus dem Fass und aus dem Glas mundete hervorragend, und die Stimmung war bei allen Anwesenden durchweg super. Kein Gedränge, kein Genöle, kein Handymeer – einfach Leute, die Bock auf Musik hatten.

Musikalisch ging das Ding schön abwechslungsreich durch die Diskografie: Red Sky Remains, Everything is Black, Legends Never Die, Born From Chaos und Sun of a Broken God als emotionale Highlights, dazu mit Enemy List, Hope und Touchdown ordentlich Groove und Druck auf der Brust. Chernobyl 2.0 als Rausschmeißer war dann nochmal die perfekte Mischung aus Endzeitstimmung und Stadionrefrain. Ein kleiner Kritikpunkt, wenn man unbedingt einen suchen will: Diese Soloeinlagen. Bass Solo, Drum Solo. Ich mag sowas einfach nicht. Da hätte man locker noch einen zusätzlichen Song reinquetschen können, und ich hätte es der Dramaturgie nicht übelgenommen. Aber gut – das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau.

Für mich war es das dritte Mal DYMYTRY live: einmal als Support von Lordi, danach zweimal als Headliner. Und jedes einzelne Mal war das bärenstark. Auf dem Rückweg im Auto liefen dann noch die tschechischen Versionen der Songs, und wir hatten im Auto mindestens genauso viel Spaß wie im Frannz. Gute Band, gute Songs, gute Laune – mehr will ich an einem Donnerstagabend nicht.

Wenig Publikum, aber verdammt viel Qualität. Space of Variations haben sich als überraschend starker, energiegeladener Anheizer erwiesen, der live deutlich mehr zündet als auf Platte. DYMYTRY PARADOX wiederum haben eine Show abgeliefert, die diese Minikulisse schlicht nicht verdient hatte: druckvoller Sound, starke Setlist, neue Masken mit Stil und ein Frontmann in Spiellaune. Dazu gutes Bier, Platz zum Tanzen und eine durchweg positive Stimmung. Klar, die Soloeinlagen hätte ich mir sparen können – aber unterm Strich bleibt ein privates, intensives und sehr spaßiges Clubkonzert, das einmal mehr bewiesen hat: Diese Band ist live eine Bank. Und ich komme beim vierten Mal ganz sicher wieder.




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