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BLOODRED – Colours of Pain (2026)

(10.113) Olaf (7,9/10) Death Metal


Label: Massacre Records
VÖ: 20.02.2026
Stil: Death Metal






Schon nach wenigen Momenten wird klar: Colours of Pain ist kein Album, das um Aufmerksamkeit bittet – es nimmt sie sich einfach. BLOODRED verbinden auf ihrem neuen Werk rohe Blackened-Death-Metal-Wucht mit einer spürbar gereiften Atmosphäre, die weit über bloße Aggression hinausgeht. Hinter diesem Sound steht mit Ron Merz ein Musiker, der sein Projekt seit 2009 stetig geschärft hat und gemeinsam mit Schlagzeuger Joris Nijenhuis inzwischen eine Einheit bildet, die Präzision und Chaos erstaunlich elegant miteinander vereint.

Colours of Pain (43 Minuten, acht Tracks) ist dabei nicht einfach „das nächste Album“, sondern wirkt wie ein bewusstes Upgrade der eigenen DNA: Blackened Death Metal bleibt das Fundament – aber darüber werden Schichten gelegt, die mehr atmen, mehr Schatten werfen und öfter mal die Perspektive wechseln. Und ja: Genau dieser Stil-Mix ist das große Pfund. Weil er nicht langweilig wird. Aber auch genau deshalb ist es keine Musik für „ich räum mal nebenbei die Spülmaschine ein“. Das ist eher „ich räum mal nebenbei meine innere Festplatte auf – und finde dabei Dateien, die ich gar nicht mehr öffnen wollte“.

Soundästhetisch sitzt das Ganze da, wo es sitzen muss: wuchtig, klar, mit genug Dreck unter den Fingernägeln, aber ohne Matsch im Getriebe. Alexander Krull hat das Album im Mastersound Studio produziert, gemischt und gemastert – und das hörst du in der Balance: Die brutalen Midtempo-Walzen haben Gewicht, die Blast-Attacken schneiden, und die melodischen Linien werden nicht als Zuckerguss missbraucht, sondern als kalte Neonröhre in einem Raum ohne Fenster. Dazu kommt ein Artwork von Stefan Heilemann, das nicht bloß „Genre-Pflicht“ ist, sondern wie ein bewusst gesetzter Kontrast funktioniert: auffällig, unruhig, ein bisschen provokant – so, dass du dich nicht gemütlich einrichtest.

Was mich an Colours of Pain am meisten packt, ist dieser Spagat aus Aggression und Atmosphäre: BLOODRED können „vernichten“, klar – aber sie können auch „drücken“. Nicht nur über Tempo, sondern über Stimmung. Das Album hat mehrere Gesichter: Da ist die brachiale Seite, die dich mit Riff-Gewalt an die Wand tackert. Da ist aber auch eine dunklere, dynamischere Ebene, in der Melodien wie schwelender Rauch aufsteigen und sich über die Songs legen, ohne sie zu ersticken. Und genau da liegt dieses „viel zu entdecken“: Je öfter du hörst, desto mehr kleine Haken, Schattierungen und Details tauchen auf – eine zusätzliche Gitarrenlinie hier, ein Arrangement-Kniff dort, ein Moment, in dem die Drums nicht nur „mitlaufen“, sondern den ganzen Raum neu möblieren.

Inhaltlich wird’s ebenso wenig bequem. Die Themen kreisen um Verrat, Zensur, Umweltzerstörung, gesellschaftlichen Verfall, pandemische Verwüstung und Widerstand – also alles, was sich hervorragend eignet, um beim Frühstück die Laune zu stabilisieren (Ironie, du kennst mich). Spannend ist, dass die Texte nicht nur „Weltuntergang in Großbuchstaben“ sind, sondern teils sehr direkt, teils bildhaft arbeiten – und dabei öfter nah ranzoomen, statt nur mit dem Vorschlaghammer aus 30 Metern Entfernung zu winken.

Ein Beispiel liefert der Titelsong Colours of Pain: Da wird Schmerz nicht abstrakt beschrieben, sondern eingefärbt – rot, schwarz, grau – und plötzlich wirkt das Ganze weniger wie „Thema: Leid“, sondern wie ein Innenraum, in dem jede Wand eine andere Temperatur hat. „Red is the colour of pain“, „Black is the colour of pain“, „Grey is the colour of pain“ – das ist simpel, aber effektiv, weil es hängen bleibt und zugleich genug Interpretationsfläche lässt.

Musikalisch hilft dem Album, dass BLOODRED nicht in der „ein Riff, ein Tempo, ein Tunnel“-Falle hängen bleiben. Es gibt diese vernichtenden Midtempo-Passagen, die wie eine Maschine über dich drüberrollt – aber daneben auch Momente, in denen sich die Songs öffnen und cineastischer werden. Genau diese Wechsel sorgen dafür, dass Colours of Pain nie langweilig wird. Gleichzeitig: Nach ein, zwei Durchläufen brauche ich persönlich wirklich eine Pause. Nicht weil es „zu lang“ wäre – sondern weil die Dichte hoch ist und das Album dich nicht aus Versehen durchlässt. Es ist wie ein zu guter Espresso: fantastisch, aber wenn du drei hintereinander kippst, fängst du irgendwann an, mit deinem Toaster zu diskutieren.

Der einzige „Special Effect“, den ich ausdrücklich nennen will, ohne jeden Song einzeln zu sezieren: Auf Mindvirus sitzt ein Gastsolo von Þráinn Árni Baldvinsson (Skálmöld) – und das ist genau die Art Feature, die Sinn ergibt: nicht „Guck mal, wir haben wen Prominenten“, sondern ein zusätzlicher Farbton im ohnehin schon breiten Spektrum.

Unterm Strich ist Colours of Pain für mich ein Album, das man nicht „konsumiert“, sondern „betritt“. Du bekommst kompromisslose Härte, aber eben nicht eindimensional – sondern mit Melodien, Atmosphäre, thematischer Schärfe und diesem Gefühl, dass hinter jeder Ecke noch ein Detail lauert, das du beim ersten Hören übersehen hast. Das ist abwechslungsreich, fordernd, lohnend. Und ja: Es ist eine Platte, die Pausen braucht – aber genau dadurch bleibt sie im Kopf. Wie ein dunkler Traum, den du nicht sofort verstehst, aber am nächsten Tag immer noch spürst.


Bewertung: 7,9 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Ashes
02. Colours of Pain
03. Mindvirus
04. Heretics
05. A new dark Age
06. Death Machine
07. Winds of Oblivion
08. Resist 



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