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SPACE PARASITES – Make me evil (2026)

(10.271) Olaf (9,0/10) Thrash Metal


Label: Fetzner Death Records
VÖ: 05.06.2026
Stil: Heavy Metal






Manchmal reichen wenige Sekunden, um zu merken, dass eine Band genau verstanden hat, worum es im klassischen Heavy- und Thrash Metal eigentlich geht. Nicht um sterile Perfektion. Nicht um auf Hochglanz polierte Influencer-Posen mit künstlich verranzten Kutten aus dem Online-Shop. Sondern um Energie. Um Riffs, die dir wie ein Bierkasten gegen die Schädeldecke donnern. Um Songs, die nach verschwitzten Clubs, warmem Asphalt, billigem Fusel und einer Welt riechen, in der Musik noch gefährlich wirken durfte. Genau dieses Gefühl katapultieren SPACE PARASITES mit Make Me Evil direkt zurück ins Jahr 1987 – nur eben ohne dabei wie eine nostalgische Karnevalsband zu klingen.

Und genau das ist die große Stärke meiner Berliner Landsleute. Diese Platte lebt zwar von klassischen Tugenden der alten amerikanischen Speed-Metal-Schule, von Teutonen-Thrash-Kante und traditionellem Heavy Metal, wirkt dabei aber erstaunlich frisch und hungrig. Hier wird nicht einfach die Vergangenheit kopiert wie ein schlecht fotokopiertes Tape aus der Grabbelkiste. SPACE PARASITES nehmen ihre Wurzeln, werfen sie in einen rostigen Hexenkessel und erschaffen daraus ihren eigenen kleinen Kosmos voller Wahnsinn, Okkultismus, Horror und verdammt fetter Hooks.

Dass die Band mittlerweile so stilsicher klingt, kommt natürlich nicht von ungefähr. Seit der Gründung 2017 hat sich im Line-up und im Sound einiges getan. Von den thrashig-rohen Anfangstagen über A Date With Thrash Doctor und Raw And Violent bis hin zum starken The Spellbound Witch war bereits zu hören, dass hier nicht einfach nur die nächste Underground-Truppe Bierdosen gegen Verstärker wirft. Mit dem zweiten Gitarristen Matti Massaker bekam der Sound mehr Tiefe, mehr Druck und vor allem mehr Dynamik. Auf Make Me Evil greifen die Zahnräder nun endgültig perfekt ineinander.

Besonders die Gitarrenarbeit macht auf Albumlänge gewaltig Laune. Iron Daschke und Matti Massaker feuern hier ein Riffgewitter ab, das permanent zwischen Speed-Metal-Raserei, klassischen Heavy-Metal-Linien und thrashiger Abrissbirne pendelt. Die Songs besitzen genau jene natürliche Bewegung, die viele moderne Retro-Bands leider vergessen. Statt krampfhaft „oldschool“ wirken zu wollen, schreiben SPACE PARASITES schlicht starke Songs. Punkt. Neckwrecker ist dafür ein Paradebeispiel. Allein der Titel schreit schon nach verschwitzten Undergroundshows und freiwilliger Halswirbelzerstörung. Wenn Danger Dine „Wreck your neck!“ keift, sieht man förmlich fliegende Bierbecher und kreisende Kutten vor sich.

Überhaupt ist Danger Dine der eigentliche Trumpf der Platte. Diese Stimme klingt derart eigenständig, dass man sie sofort wiedererkennt. Kein austauschbares Standardröhren, kein pseudo-extremes Dauergekeife, sondern eine herrlich kratzige Hexenstimme mit Wiedererkennungswert. Mal aggressiv bellend, mal beschwörend, mal fast schon wahnsinnig wirkend. Gerade im Titeltrack entfaltet das enorme Wirkung. Wenn sie „MAKE ME EVIL – SHRED YOU ALL TO PIECES“ oder „I AM THE WITCH“ herausschleudert, klingt das wie ein okkulter Speed-Metal-Flächenbrand. Die Texte bewegen sich dabei angenehm weit weg von peinlicher Gruselpark-Romantik. Stattdessen erschaffen sie düstere Bilder von Isolation, Wahnsinn, Vergeltung und innerem Zerfall.

Dieses morbide Hexenmotiv zieht sich ohnehin angenehm konsequent durch das Album. Bedeviled Witch wirkt beispielsweise wie ein vertonter Horrorfilm aus der guten alten VHS-Ära. „The passage is open, the conjuring spoken“ – solche Zeilen funktionieren hier deshalb so gut, weil die Musik darunter permanent brodelt und Druck aufbaut.Die Band schafft es tatsächlich, Atmosphäre aufzubauen, ohne dabei in kitschige Keyboardtapeten oder peinliches Theatralik-Gehampel abzurutschen.

Musikalisch drückt die Platte ohnehin fast permanent aufs Gaspedal. Hellbound walzt mit herrlich gallopierendem Groove nach vorne, während Monster eine wunderbar räudige Mischung aus Wahnsinn, Dreck und Speed entwickelt. Dort heißt es „I keep my secrets locked away in a bin / I slug my own blood and scratch away my own skin“ – angenehm kaputt, herrlich drüber und genau die Sorte Lyrics, die man mit einem breiten Grinsen und erhobener Bierflasche mitgrölt.

Dazu kommt eine Produktion, die erfreulich organisch ausgefallen ist. Martin Buchwalter hat den Songs genug Druck verpasst, ohne den rotzigen Charme der Band wegzubügeln. Die Gitarren sägen ordentlich, der Bass schiebt angenehm räudig von unten, und die Drums treiben die Songs mit genau jener kompromisslosen Direktheit an, die man in diesem Stil einfach braucht. Das klingt fett, aber nicht klinisch. Druckvoll, aber nicht steril. Genau richtig.

Spannend wird es außerdem bei Hostiles. Inhaltlich bewegt sich die Band hier deutlich düsterer und verarbeitet historische Kriegsverbrechen und menschliche Grausamkeiten in drastischen Bildern. „Women slashed open, beside her unborn“ oder „their bones rotting in burned villages“ sind harter Tobak. Gerade dadurch bekommt die ansonsten sehr spaßorientierte Platte plötzlich eine unangenehme Ernsthaftigkeit, die erstaunlich gut funktioniert.

Und dann wäre da noch Tarot. Für mich einer der stärksten Songs des Albums. Dieses düstere, fast hypnotische Riffing trifft perfekt auf die unheilvolle Atmosphäre der Lyrics. „The hex is upon him, there is no way out.“ Genau solche Momente machen deutlich, wie viel Liebe zum klassischen Heavy Metal in dieser Band steckt. Nicht nur musikalisch, sondern auch ästhetisch und kompositorisch.

Der einzige Song, der für mich etwas aus dem Rahmen fällt, ist tatsächlich How Often. Die Halbballade ist keineswegs schlecht geschrieben und besitzt sogar eine gewisse melancholische Schönheit. Die Geschichte um das langsame Loslassen und die stille Begleitung funktioniert emotional durchaus stark. Besonders die letzten Zeilen mit „You’ll sit with me, and I’ll let go“ gehen unter die Haut. Trotzdem wirkt der Song innerhalb des Albums leicht deplatziert. Danger Dines Stimme funktioniert einfach besser, wenn sie beißt, kratzt und droht, statt melancholisch zu schweben.

Davon abgesehen liefert Make Me Evil allerdings genau die Sorte Album ab, die ich Ende der Achtziger wahrscheinlich religiös verehrt hätte. Diese Songs machen vom ersten bis zum letzten Ton einfach unfassbar viel Spaß. Sie laden nicht zum analytischen Prog-Gesichtsausdruck ein, sondern zu Bier, Bewegung und hemmungslosem Luftgitarrenterror. Und genau deshalb funktionieren sie live vermutlich sogar noch besser. Ich hatte bereits das Vergnügen, SPACE PARASITES auf der Bühne zu erleben, und hoffe dringend auf Wiederholung. Denn diese Musik schmeckt nach frisch gezapftem Bier, fettiger Bratwurst und einer Nacht, die viel zu spät endet.

SPACE PARASITES liefern mit Make Me Evil ein herrlich energiegeladenes Heavy-/Thrash-Metal-Album ab, das seine klassischen Einflüsse offen zelebriert, dabei aber niemals angestaubt wirkt. Fette Riffs, starke Kompositionen, eine Frontfrau mit absolutem Wiedererkennungswert und genug Herzblut, um selbst den letzten Tresen im Berliner Underground zum Beben zu bringen. Genau so muss diese Art von Metal klingen.

ANSPIELTIPS:
🔥Make Me Evil
💀Neckwrecker
🔮Tarot
🏰Fortress


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Intro
02. Makem me evil
03. Bedeviled Witch
04. Neckwrecker
05. Hellbound
06. Now often
07. Monster
08. Tarot
09. Hostiles
10. Fortress
11. She 



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