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Live on Stage Review: EXHUMED | GRUESOME | GERTIE ADELAIDO

16.04.2026 – Berlin @ Urban Spree


Ein Abend, der sich schon beim Betreten des RAW-Geländes richtig anfühlt: warme Luft, ein leichter Geruch von Grillkohle und verschüttetem Bier, dazu dieses bunte Treiben aus Szene, Stammgästen und neugierigen Zaungästen. Für mich war es tatsächlich Premiere im Urban Spree – und ich frage mich ernsthaft, warum ich so lange gebraucht habe, um hier mal aufzuschlagen. Der Biergarten davor ist ein Geschenk. Man bleibt hängen, trifft gefühlt halb Berlin, überall bekannte Gesichter, entspannte Gespräche, und mittendrin ein sichtlich gut gelaunter Matt Harvey, der heute Abend gleich doppelt Dienst schiebt. Das allein ist schon ein Versprechen.

Pünktlich um 20 Uhr dann allerdings der erste Moment, bei dem man kurz glaubt, im falschen Film zu sein. Statt GRUESOME steht plötzlich GERTIE ADELAIDO auf der Bühne. Wer? Genau das fragt sich der Großteil des Publikums – und die nächsten Minuten liefern keine wirkliche Antwort, sondern eher ein Fragezeichen mit Ausrufezeichen dahinter. Elektronische Dissonanzflächen, eine Performer*in irgendwo zwischen Kunstinstallation und Nervenzusammenbruch, dazu ein DJ-Tisch als Altar für das kontrollierte Chaos. Das Ganze wirkt wie ein Fremdkörper an einem Abend, der eigentlich nach Blut, Schweiß und HM-2-Sägen schreit. Während sich einige ratlos anschauen, gibt es natürlich auch die Fraktion „Das ist Kunst, ihr versteht das nur nicht“. Der Kollege neben uns gehört dazu und kommentiert trocken: „Dann geht doch raus, wenn ihr es scheiße findet.“ Fair enough – aber selten passte der Vergleich mit einem Autounfall so gut: Man will eigentlich wegsehen, aber irgendwas hält einen fest. Am Ende siegt dann doch die Vernunft – beziehungsweise der Durst – und ein dunkles Bier im Biergarten erscheint plötzlich wie die deutlich bessere künstlerische Erfahrung.

Dann aber endlich das, worauf alle gewartet haben. GRUESOME betreten die Bühne und mit ihnen auch sofort dieses vertraute Gefühl von „Jetzt wird’s ernst“. Die Band ist ja mehr als nur ein Projekt – sie ist eine Liebeserklärung an die frühen Tage von DEATH, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Mit Matt Harvey an der Gitarre, Gus Rios (Ex-MALEVOLENT CREATION) hinter den Drums, Daniel Gonzalez und der omnipräsenten Robin Mazen am Bass – die übrigens kurz zuvor noch am Merch stand und Shirts verkauft hat – steht hier eine eingespielte Einheit, die genau weiß, was sie tut.

Und sie liefern. Aber wie. Von den ersten Tönen an ist das Urban Spree ein Dampfkessel. Closed Casket, Dimensions of Horror, Savage Land, Inhumane – das ist kein Warm-up, das ist ein kontrollierter Abriss. Die Songs knallen mit dieser herrlich rohen Old-School-Wucht durch den Raum, während sich die ersten Moshpits bilden und die Temperatur gefühlt im Sekundentakt steigt. Es ist schon jetzt unerträglich heiß, Kondenswasser läuft die Wände runter wie in einer finnischen Sauna mit Blastbeats. Und das Publikum? Komplett da. Jeder Riff sitzt, jede Break wird gefeiert. Ein perfekter Anheizer, der eigentlich schon fast zu gut ist, um „nur“ Support zu sein.

Doch der eigentliche Wahnsinn sollte erst noch kommen. EXHUMED betreten die Bühne – und plötzlich kippt der Abend endgültig in den Ausnahmezustand. Die Kalifornier sind seit Jahrzehnten eine feste Größe im Gore-/Death-Metal-Zirkus, und wenn man sich das aktuelle Material anhört, wird schnell klar: Die sind nicht hier, um nostalgisch zu verwalten, sondern um alles niederzubrennen. Was dann folgt, ist eine Demonstration. Anders kann man es nicht sagen. Der Sound ist druckvoll, dreckig, aber glasklar genug, um jede Rasierklingen-Gitarre und jedes chirurgisch präzise Drumfill mitzubekommen. Matt Harvey grinst sich von links nach rechts durch den Abend, als wüsste er genau, dass das hier gerade eine dieser Nächte ist, über die man noch lange sprechen wird.

Die Setlist ist ein Fest für Fans – und ein Härtetest für Nackenmuskulatur und Kreislauf. Unsafe at Any Speed, Red Asphalt, The Matter of Splatter, Necromaniac, Shovelhead, Shock Trauma, Vacant Grave, Enucleation, The Iron Graveyard, Symphorophilia, Necrocracy, Limb from Limb – ein Hit jagt den nächsten, ohne Atempause, ohne Gnade. Spätestens bei The Matter of Splatter gibt es kein Halten mehr, die Crowd ist ein einziger brodelnder Organismus aus Schweiß, Bier und purer Eskalation. Besonders charmant sind die visuellen Spielereien: Links und rechts der Bühne flimmern Videoclips, die den ohnehin schon morbiden Charme der Songs unterstreichen, ohne dabei vom Wesentlichen abzulenken. Es bleibt eine Show, die von Energie lebt, nicht von Effekthascherei.

Und dann dieser Moment, wenn die letzten Reserven mobilisiert werden: das KISS-Cover Detroit Rock City. Ein Song, der in diesem Kontext eigentlich wie ein Fremdkörper wirken müsste – tut er aber nicht. Im Gegenteil. Es ist der perfekte Schlusspunkt für einen Gig, der ohnehin schon völlig drüber ist. Noch einmal alles raus, noch einmal kollektives Ausrasten, bevor die Lichter angehen und man realisiert, dass man gerade ziemlich sicher einen der besten Abende des Jahres erlebt hat.

Nach dem letzten Ton ist noch lange nicht Schluss. Draußen im Biergarten wird weitergemacht, als hätte niemand vor, nach Hause zu gehen. Gespräche, Gelächter, verschwitzte Shirts, zufriedene Gesichter – genau diese Momente sind es, die solche Abende unsterblich machen.

Unterm Strich bleibt ein Abend, der wie ein gut gemachter Horrorfilm funktioniert hat: ein irritierender Einstieg, ein starker Spannungsaufbau und ein Finale, das alles in Schutt und Asche legt. GRUESOME liefern die perfekte Hommage mit eigenem Biss, EXHUMED zerlegen den Laden in seine Einzelteile – und irgendwo dazwischen lernt man, dass Kunst manchmal einfach auch weh tun darf. Ein Abend, der nachhallt. In den Ohren, im Nacken und vermutlich noch Tage später in jeder einzelnen Muskelgruppe.




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