VOIVOD - Symphonique (2026)
(10.282) Olaf (keine Bewertung) Heavy Metal
Label: Century Media
VÖ: 05.06.2026
Stil: Heavy Metal
Hätte mir jemand nach War And Pain und Rrröööaaarrr erzählt, dass VOIVOD irgendwann mit Orchester auftreten würden, ich hätte vermutlich aus Trotz sämtliche Sabaton-Deluxe-Editionen gekauft. Doch genau solche absurden Gedankenspiele passen zu dieser Band aus Québec, die seit 1983 konsequent macht, worauf sie Lust hat – und dabei oft klingt, als würde ein kaputter Weltraumfrachter gegen eine Betonwand aus Progressive Metal fliegen.
Symphonique ist der Mitschnitt eines besonderen Konzerts mit dem Quebec Symphony Orchestra und funktioniert überraschend gut. Nicht wie ein peinlicher „Metal trifft Klassik“-Marketingunfall, sondern eher wie der Soundtrack zu einem dystopischen Science-Fiction-Film, den David Lynch gemeinsam mit Ridley Scott unter Schlafmangel gedreht hat. Die orchestralen Elemente erweitern die ohnehin schon cineastische DNA der Songs, ohne VOIVOD ihrer Sperrigkeit zu berauben.
Gerade Forgotten In Space profitiert enorm von den Arrangements. Der Song wirkt noch bedrohlicher, noch verlorener, fast wie der musikalische Blick auf die letzten Überreste der Menschheit irgendwo zwischen Schrott, Sternenstaub und nuklearem Wahnsinn. Auch The End Of Dormancy gewinnt durch das Orchester an Wucht und Dramatik. Hier merkt man, dass die Kanadier schon immer größer gedacht haben als viele ihrer Thrash-Kollegen.
Trotzdem bleibt meine Skepsis teilweise bestehen. Das Album ist stark, mutig und atmosphärisch dicht, aber eben auch anstrengend. Manchmal zu verkopft, zu wirr, zu sehr „wir bauen jetzt noch eine zusätzliche Dimension in den Song“. Genau das lieben Fans an VOIVOD – und genau das kann einen gelegentlich auch erschlagen. Diese Musik läuft nicht nebenbei. Man muss sich mit ihr beschäftigen, sonst klingt sie schnell wie mathematischer Kontrollverlust mit Gitarren.
Das Orchester selbst agiert erfreulich geschmackvoll und nicht wie ein betrunkener Hochkultur-Gast, der überall dramatische Streicher drüberkippt. Besonders The Unknown Knows, Tribal Convictions und Nuclear War zeigen, wie gut diese dystopische Mischung aus Metal, Science-Fiction und orchestraler Größe funktionieren kann. Snake bleibt dabei dieser herrlich kauzige Erzähler aus einer kaputten Zukunft, während Chewy die schrägen Piggy-Geisterlinien mit beeindruckender Selbstverständlichkeit weiterführt.
Auch die abschließende Version von Astronomy Domine passt perfekt ins Bild. Weniger psychedelische Lagerfeuerromantik, mehr kosmischer Nervenzusammenbruch mit flackernden Kontrollanzeigen.
Am Ende ist Symphonique kein Album für jede Stimmung. Aber genau das macht VOIVOD seit über vier Jahrzehnten aus. Sie waren nie bequem, nie glatt und nie vorhersehbar. Dieses Werk ist faszinierend, fordernd und manchmal herrlich überladen. Also exakt das, was man von VOIVOD erwarten durfte.
Bewertung: keine
TRACKLIST
01. Experiment
02. Holographic Thinking
03. The Unknown knows
04. The End of Dormancy
05. Into my Hypercube
06. Forgotten in Space
07. Cosmic Drama
08. Pre-Ignition
09. Nuclear War
10. Fall
11. Tribal Convictions
12. Astronomy Domine

