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Q&A – Das Interview: FLOOR JANSEN

Ich bin schließlich ein Metalhead


Zwar gönnt sich ihre Hauptband NIGHTWISH aktuell eine Live-Pause. Für deren Sängerin FLOOR JANSEN ist das jedoch kein Grund, sich auf die faule Haut zu legen. Ganz im Gegenteil sogar. Zum einen steuerte sie ihre Stimme dem neuen Solo-Album von AYREON-Mastermind ARJEN LUCASSEN bei. Zum anderen war sie im vergangenen Sommer live auf so ziemlich jedem großen Festival unterwegs. Nach ihrem beeindruckenden Auftritt beim WACKEN OPEN AIR 2025 hatte ich die Gelegenheit mit ihr ausgiebig rückblickend über ihre spannende Karriere zu sprechen. Außerdem gewährte die niederländische Wahlschwedin Einblicke in ihre zukünftigen Pläne. 

Hi Floor. In 2025 gibt es eine ganze Menge Jubiläen. Unter anderem jährt sich deine erste Veröffentlichung mit AFTER FOREVER „Prison Of Desire“ zum 25. Mal, was ja damals der Beginn deiner Karriere war. Ich würde das gerne als Anlass dafür nehmen, heute über ein paar deiner wichtigsten Stationen in deiner Karriere zu sprechen. Aber bevor wir dort tiefer einsteigen: Du hast gerade auf einer der Hauptbühnen beim Wacken Open Air gespielt, zum ersten Mal als Solo-Künstlerin. Wie war das für dich?

Es war großartig. Nach 25 Jahren im Business muss ich mich nicht mehr vorstellen glaube ich, aber es ist doch noch einmal etwas komplett anderes unter meinem eigenen Namen aufzutreten. Die meisten kennen mich natürlich von NIGHTWISH. Aber plötzlich steh ich da als FLOOR JANSEN. Da fragt man sich dann schon, ob die Leute kommen werden. Und kennen sie überhaupt meine Songs? Es war dann herzerwärmend zu sehen, wie offen und begeistert das Publikum reagiert hat. Bei NIGHTWISH tobt die Menge sofort. Hier war es zwar nun eher ein langsameres Hineinwachsen. Fast so, als müsste ich mich noch einmal neu beweisen. Aber als ich sah, wie immer mehr Leute blieben, mitsangen und die Fäuste in die Luft streckten, wusste ich, dass ich doch durchaus etwas richtig mache. Und das war unglaublich schön.

Wie hast du die Setlist für dein Solo-Set ausgewählt? Hast du dich bewusst für eine härtere Richtung entschieden – auch wegen des Metal-Publikums?

Auf jeden Fall! Mein Soloprojekt habe ich bewusst in einem ganz anderen Genre angesiedelt. Ich wollte damit etwas experimentieren. Eher episch und dramatisch, aber nicht unbedingt Metal. Etwas, wo meine Stimme mehr Raum hat, ohne immer zeigen zu müssen, was ich kann. Nur weil man ein guter Gitarrist ist, muss man ja schließlich auch nicht immer ein riesiges Solo haben, oder? Manchmal darf es auch gerne etwas songdienlicher sein. Daraus entstand mein Soloalbum „My Paragon“. Als NIGHTWISH beschloss, auf unbestimmte Zeit nicht mehr live zu spielen, hatte ich den Drang, mehr aufzutreten. Und da mich die Leute vor allem aus der Metal-Welt kennen, habe ich für meine eigenen Shows nun einige Songs von „My Paragon“ in einer härteren Version gebracht – quasi „aufgemetalt“. 

Für mich hat es super funktioniert und die Songs fielen überhaupt nicht aus dem Rahmen.

Das freut mich zu Hören. Die Songs für mein zweites Soloalbum werden aber von Haus aus wohl wieder härter werden. Aber das steckt halt in mir. Ich bin schließlich ein Metalhead. (lacht)

Wie du sagtest, seid ihr für „Yesterwynde“ (aktuelles NIGHTWISH-Album von 2024, Anm.) nicht auf Tour gegangen. Demnach wurden die Songs des Albums bislang noch nicht live gespielt. Mit „Spider Silk“ hast du aber nun erstmals einen Song daraus auf die Bühne gebracht. Wie wichtig war dir das?

Das war mir schon sehr wichtig. Ich bin ja nun einmal Teil von NIGHTWISH. Das Album gehört daher ebenfalls zu mir. Und nach 25 Jahren wollte ich nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern auch etwas aus der Gegenwart zeigen. Und wenn man an einem Album arbeitet, will man diese Lieder auch einfach spielen.

Dein erster Auftritt auf dem Wacken war 2004 mit AFTER FOREVER. Was bedeutet dir das Festival heute?

Ich wusste gar nicht, dass es schon so lange her ist (lacht). Persönlich habe ich gar nicht so viele Erinnerungen daran, da ich hier nie als Gast war, sondern immer nur als Künstlerin. Aber für uns Metalheads ist es etwas Besonderes. Jahr für Jahr dieses riesige Festival, 85.000 Leute, eine ganze Region, die es mitträgt. Unsere Musik ist gesellschaftlich nicht immer akzeptiert, hier aber schon. Daher ist es immer eine Ehre für mich, hier auftreten zu dürfen. Und ich finde es toll, dass es sich so international anfühlt. Bei der Signing-Session eben waren zum Beispiel Fans aus Brasilien oder Venezuela da. Das genieße ich sehr.

2004 gab es auf dem Wacken nur wenige Bands, in denen auch Frauen dabei waren. Außer ARCH ENEMY oder DORO eigentlich nur bei euch. Jetzt ist der Frauenanteil in den Bands, die in diesem Jahr hier auftreten, weitaus größer. Wie hast du diese Entwicklung erlebt?

Es werden definitiv mehr Frauen, das stimmt. Und nicht nur am Gesang, sondern auch an Gitarre, Bass oder Schlagzeug, was ich natürlich super finde. In meiner Band spielt ja auch eine Bassistin, die mich darüber hinaus auch mit Backing-Vocals unterstützt. Das ist besonders cool, da ich diese dann nicht nur vom Band einspielen muss. Darüber hinaus war es mir aber auch wichtig, dass sie eine tolle Musikerin ist. Und nicht, dass sie einfach nur „eine Frau“ ist. Es bringt eine besondere Dynamik mit sich, und ich finde es großartig, dass es immer normaler wird.

Dieses Jahr feiert AFTER FOREVER 30-jähriges Bestehen. Einige Ex-Mitglieder treten mit einer anderen Sängerin auf. Was hältst du davon?

Für mich ist das keine Reunion. Schließlich war ich die Sängerin und Songwriterin der Band. Daher empfinde ich es als Schlag ins Gesicht gegenüber dem Erbe der Band, wenn man also nun in der Form unter dem Namen auftritt. AFTER FOREVER war vorbei, als es vorbei war. Warum also alte Geschichten aufwärmen? Wir hatten gute Jahre, dann war Schluss. Wie gesagt spucken sie damit aus meiner Sicht auf unser Vermächtnis. Viel Glück dabei, aber ohne mich. Wobei es für die Fans natürlich schon schön sein dürfte, die Songs mal wieder live zu hören.

Aber dafür können sie ja auch zu einer deiner Shows kommen. Du selbst spielst ja auch AFTER FOREVER Songs.

Ja, natürlich. Ich bin auch sehr stolz auf unsere Musik. Aber wenn jemand anderes diese Songs mit meinen alten Bandkollegen singt, frage ich mich schon, ob das wirklich so cool ist.

Wenden wir uns dann einmal deinem Soloalbum „My Paragon“ zu. Im Vergleich zu deinem bisherigen Schaffen klingt es deutlich intimer und persönlicher. Was war der Auslöser dafür?

Das alles begann mit der niederländischen TV-Show „Beste Zangers“, an der ich teilgenommen hatte. Und das hat mir die Solokarriere quasi auf dem Silbertablett serviert. Es war spannend, Musik außerhalb des Metals zu machen, in der ich mehr eigene Gefühle direkt ausdrücken konnte. Bei NIGHTWISH schreibe ich ja nicht selbst, aber hier hatte ich absolute kreative Freiheit. Eigentlich war das schon bei REVAMP (Floors Band von 2009 bis 2016, Anm.) oder NORTHWARD (Nebenprojekt mit dem norwegischen Gitarristen Jørn Viggo Lofstad, Anm.) so. „My Paragon“ war nur die logische Fortsetzung.

Du hast auch bei der deutschen Version der Fernsehsendung mitgemacht, die man hier unter dem Namen „Sing meinen Song“ kennt. Wie hast du die deutsche Version im Vergleich zur holländischen Ausgabe erlebt?

Da gab es schon ein paar durchaus relevante Unterschiede. In Holland lief es zum Beispiel im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Demnach konnte es jeder sehen. Vieles landete darüber hinaus auch auf YouTube. Die Wirkung war daher riesig, da es so der ganzen Welt zugänglich war. In Deutschland wurde es hingegen auf einem Privatsender ausgestrahlt. Dadurch war alles viel strenger reglementiert. Zum Beispiel wurde auf YouTube das meiste sofort gelöscht. Aber trotzdem bekam ich auch dort wirklich viel tolles Feedback. Ich glaube, viele Metalfans waren auch einfach stolz, eine von ihnen im deutschen TV zu sehen. Außerdem durfte die Musik in Deutschland deutlich härter sein. Sie haben sogar extra für mich einen Metal-Gitarristen engagiert. Das fand ich richtig cool.

Ich hatte allerdings den Eindruck, dass die anderen deutschen Künstler, die zusammen mit dir bei der Show mitgemacht haben, nicht unbedingt mit deiner Musik, oder überhaupt mit Metal, vertraut waren.

Das stimmt. In der niederländischen Version darf man auch Songs auswählen, die gar nicht unbedingt von dem jeweiligen Künstler selbst sind, sondern einen von dessen Musik inspiriert haben. In Deutschland mussten sie hingegen Songs aus meinen eigenen Bands interpretieren. Das war für mich noch spannender, weil sie sich dadurch viel stärker einarbeiten mussten.

Wie war es für dich, wenn dabei völlig neue Versionen deiner Songs entstanden?

Kreativität ist immer spannend. Ich erinnere mich an eine Version von „Sleeping Sun“, die kaum noch etwas mit dem Original von NIGHTWISH zu tun hatte. Aber wenn jemand inspiriert wird, etwas komplett Neues zu schaffen, finde ich das toll.

Neben den bereits erwähnten Jubiläen gibt es noch weitere besondere Geburtstage zu feiern. Zum Beispiel 25 Jahre „The Dream Sequencer“ von AYREON, auf dem du auf dem Track „My House On Mars“ zu hören bist. Mit dem Album habe ich dich damals übrigens auch kennengelernt. Über die Jahre hast du mit Arjen Lucassen (der Mann hinter AYREON, Anm.) noch viele weitere Male zusammengearbeitet. Du bist ja auch auf seinem neuen Soloalbum „Songs No One Will Hear“ zu hören sein. Aber auch mit anderen Künstlern gab es schon Kollaborationen. Zum Beispiel mit DEVIN TOWNSEND oder AVANTASIA. Wie wichtig ist dir diese Art von Arbeit?

Sehr wichtig. Und gleichzeitig auch enorm herausfordernd. Schließlich leiht man seine Stimme dem „Baby“ eines anderen. Aber ich muss die Musik mögen, sonst geht es nicht. Von Seiten der Band TESTAMENT hieß es mal, ich würde einen Song auf deren kommenden Album singen. Tatsächlich hatten sie mich auch gefragt. Ich hatte dann aber lange nichts mehr von ihnen gehört, bis sie mir dann irgendwann doch einen Song schickten, bei dem ich mitmachen sollte. Allerdings gefiel mir dieser nicht so recht. Da habe ich höflich abgelehnt. Etwas unglücklich war nur, dass sie meine Teilnahme zwischenzeitlich bereits angekündigt hatten. Aber so ist es mit mir. Ich muss den Song fühlen und mögen.

Bei Arjen Lucassens neuem Album war ich auch erst zögerlich. Aber als ich den Song hörte, war ich begeistert, weil er so anders als seine AYREON-Sachen war, bei denen ich ja schon häufiger mitgemacht hatte. Aber genau das liebe ich: Neue Ideen, neue Ansätze, bei denen ich meine eigene Stimme in einen völlig anderen Kontext setzen kann.

Gibt es noch Kooperationen, die du gerne machen würdest, die aber bisher noch nicht zustande gekommen sind? Wen würdest du zum Beispiel gerne einmal fragen?

Ich würde wirklich gerne einmal etwas mit BLEED FROM WITHIN machen, weil ich sie so sehr liebe. Sie sind echt heavy und setzen auch bereits manchmal eine weibliche Stimme im Hintergrund ein, was ich großartig finde. Ich glaube, die Jungs haben auch bemerkt, dass ich großer Fan bin und Interesse habe. Denn sie haben dafür gesorgt, dass ich eines ihrer T-Shirts bekommen habe (lacht).

Und wie sieht es mit deiner Schwester Irene (u. a. AYREON, PLAN NINE, Anm.) aus, die ja auch eine echt talentierte Sängerin ist? Da steht auch noch ein Duett von euch beiden aus. Vor ein paar Jahren hast du immerhin auf Facebook einen Beitrag gepostet, in dem du deine Follower gefragt hast, wie sie die Idee fänden. Die Idee fand großen Anklang. Aber wir warten immer noch darauf, dass es passiert.

Oh ja, das könnte definitiv funktionieren. Meine Schwester ist eine wirklich tolle Sängerin und mittlerweile ja auch musikalisch wieder sehr aktiv. Sie singt ebenfalls auf Arjen Lucassens Soloalbum mit, wenn auch nicht im gleichen Song wie ich. Und sie tritt auch sehr oft live auf. Sie hat mich auch schon bei einigen meiner Solo-Shows begleitet. Aber auf einem Track sind wir bislang noch nicht gemeinsam zu hören. Also, ja, ich finde auch, dass das eine sehr gute Idee wäre.




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