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METAL CHURCH – Dead to Rights (2026)

(10.177) Olaf (8,7/10) Heavy Metal


Label: Reaper Entertainment
VÖ: 10.04.2026
Stil: Heavy / Thrash Metal






Es gibt diese Momente, in denen man sich fragt, wie oft eine Band eigentlich noch neu anfangen kann, ohne dabei ihre eigene Seele zu verlieren. Bei Metal Church ist diese Frage nicht nur rhetorischer Natur, sondern gelebte Realität. Wechsel am Mikro, Brüche in der Historie, tragische Verluste – und trotzdem steht diese Band noch immer da, aufrecht, mit erhobenem Haupt und einer Diskografie, die mehr Narben als Fehltritte trägt.

Dead to Rights ist dabei kein Album, das sich anbiedert. Es wirkt vielmehr wie das Resultat einer Band, die sich selbst wieder verortet hat. Nicht als Nostalgie-Act, nicht als verzweifelter Modernisierer, sondern als genau das, was sie immer war: ein Bollwerk aus US-Metal, das zwischen Härte, Melodie und einer gewissen sturen Eigenständigkeit pendelt.

Gerade im Kontext der letzten Jahre bekommt das Material eine zusätzliche Ebene. Wenn Kurdt Vanderhoof in unserem Interview davon spricht, dass es nie darum ging, Trends hinterherzulaufen, sondern den eigenen Kern freizulegen, dann hört man das diesem Album auch an. Hier wird nichts künstlich aufgeblasen, nichts glattpoliert. Stattdessen regiert ein Sound, der kantig bleibt, aber dennoch genug Luft zum Atmen lässt.

Was sofort auffällt: Die Gitarrenarbeit ist einmal mehr das Rückgrat dieser Platte. Diese typischen, leicht thrashigen Riffs, die nie ins Chaos kippen, sondern immer strukturiert bleiben, tragen das gesamte Werk. Es ist diese Mischung aus Präzision und Druck, die Metal Church schon immer ausgezeichnet hat. Und ja, das ist alles andere als revolutionär – aber genau darin liegt die Stärke. Man bekommt hier keinen modernen Metal-Baukasten, sondern ein organisches, ehrliches Klangbild.

Auch textlich bewegt sich das Album nicht im luftleeren Raum. Vielmehr geht es spürbar um Verlust, um innere Konflikte, um das Gefühl, sich selbst und anderen gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Wenn Zeilen davon erzählen, dass man „keine zweite Chance bekommt, wenn das Urteil längst gesprochen ist“, dann wirkt das nicht wie eine platte Metapher, sondern wie ein Blick hinter die Kulissen einer Band, die mehr als einmal am Abgrund stand. Diese unterschwellige Schwere zieht sich durch das gesamte Album, ohne es dabei erdrückend zu machen.

Interessant ist dabei, wie bewusst man auf Übertreibungen verzichtet. Wo andere Bands versuchen, jede Emotion maximal auszureizen, bleibt hier vieles kontrolliert. Fast schon stoisch. Das kann man als zurückhaltend auslegen – oder als Ausdruck von Reife. Ich tendiere klar zur zweiten Variante.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen man sich ein kleines bisschen mehr Risiko gewünscht hätte. Gerade im Songwriting bleibt man oft in vertrauten Strukturen hängen. Das ist handwerklich auf hohem Niveau, keine Frage, aber eben auch selten überraschend. Doch vielleicht ist genau das der Punkt: Dead to Rights will nicht überraschen. Es will überzeugen. Und das gelingt über weite Strecken ziemlich mühelos.

Produktionstechnisch bewegt sich das Album auf einem angenehm bodenständigen Level. Druckvoll, ohne steril zu wirken. Klar, ohne klinisch zu sein. Es klingt wie eine Band, die gemeinsam im Raum steht – und nicht wie ein Puzzle aus Einzelspuren. Gerade im heutigen Metal-Kosmos ist das fast schon ein kleines Statement.

Was bleibt also unterm Strich? Ein Album, das nicht laut „Ich bin wichtig!“ schreit, sondern sich seine Bedeutung still erarbeitet. Es ist kein Meilenstein, kein Neuanfang im großen Stil – aber ein verdammt solides, ehrliches Stück Musik, das zeigt, warum diese Band trotz aller Widrigkeiten immer noch relevant ist. Dead to Rights bidert sich nicht an und funktioniert deshalb so gut. Vielleicht nicht die spannendste Veröffentlichung der Bandgeschichte, aber eine, die sich mit jeder Minute ehrlicher anfühlt. Und manchmal ist genau das mehr wert als jede noch so große Innovation.

Anspieltips:
🔥Dead to Rights
💀My Wrath
🎸Feet to the Fire


Bewertung: 8,7 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Brainwash Game
02. F.A.F.O.
03. Dead to Rights
04. Deep Cover Shakedown
05. Feet to the Fire
06. The Show
07. Heaven knows (Slip away)
08. No Memory
09. Wasted Time
10. My Wrath 



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