DARKTHRONE – Prehistoric Metal (2026)
(10.240) Maik (8,8/10) Black Doom Metal
Label: Peaceville Records
VÖ: 08.05.2026
Stil: Black Doom Metal
Die beiden Schrate von DARKTHRONE stehen auch mit einem neuen Album zu Buche. Vor Kurzem erschien ja erst das formidable Vinyl-Boxset, und nun nehmen Fenriz und Nocturno Culto einen erneuten Angriff auf die Geldbeutel ihrer Fans vor. Das ich weiß nicht mehr wievielte Album trägt den Titel „Pre-Historic Metal“ und das trifft es ganz treffend. Denn DARKTHRONE schwelgen auf ihre eigene kauzige Art im Fundus vergangener Zeiten. Dabei haben sie sich ja schon längst vom klassischen Black Metal freigeschwommen und eine doomigere Gangart eingeschlagen. Diesmal gehen sie noch einen Schritt weiter, und integrieren urwüchsige Heavy Metal- Strukturen in ihren Sound, die aus der tiefsten Hölle der achtziger Jahre zu stammen scheinen.
Das Material klingt gewollt roh und brachial und sperrt sich gegen jegliche modern glattgebügelte Zuckergussromantik. Das sind keine flockigen Nouvelle Cuisine- Häppchen für die Cocktailparty. Hier kommt fettiges Fleisch direkt vom Holzgrill, seitlich etwas angebrannt, aber geil. Und Bier dazu. Viel Bier. Und irgendein Teufelszeug, welches die zwei Norweger hinter dem Schuppen aus Dornengestrüpp und Brennnesseln destilliert haben. Dabei sind die beiden auch für Überraschungen gut. Die siebziger-Jahre-Psych-Rock-Keyboards im Opener „They Found One Of My Graves“ kommen ungewohnt, passen aber voll und erinnern an Fenriz‘ Sideprojekt NEPTUNE TOWERS.
Der Titeltrack gibt etwas mehr Gas und bringt einige Heavy Metal Riffs und ein paar Ausbrüche von Klargesang in die Waagschale. Dafür ist „Siberian Thaw“ wieder ein Track im Stile der letzten drei Alben. Schwarz getünchter Doom, der einerseits ziemliche HELLHAMMER- Vibes hat, andererseits mit tonnenschwerem Riffing neue Dellen in die norwegische Felslandschaft drückt. Der romantische Teil im letzten Drittel scheint den Song ausklingen zu lassen, doch dann wird noch mal bösigst losgerattert. Ich bin beim ersten Durchhören richtig zusammengezuckt.
Das Anfangsriffing von „Deeply Rooted“ könnte auch von einem Hardrock-Album stammen, würden DARKTHRONE nicht ihre typische Düsternis und Räudigkeit hineinbringen, und spätestens, wenn Nocturno Culto mit seinem kratzigen und düster-bösen Gesang loslegt, weiß man, wo die Trolle ihr Bier brauen. ‚Monumental primitiv‘ nennt die Labelinfo die Mucke, und das könnte man nicht besser ausdrücken. Das ganze Album klingt wie semiprofessionell im Proberaum aufgenommen, die Songs haben oft regelrechten Sessioncharakter und ab und an hat man den Eindruck, mit den beiden in einer Holzhütte zu hocken, während sie zusammen jammen. Der fast opernhafte Gesang, der in „The Dry Wells Of Hell“ teils verwendet wird, wirkt wie eine spontane Idee, die niemand geplant hat, wo man aber dachte, das mache ich jetzt einfach. Es klingt, als würden DARKTHRONE es einfach laufen lassen.
‚Erschreckend barbarisch, aber nicht ohne Finesse‘, beschreibt es Waldmeister Fenriz selbst. Das Instrumentalstück „So I Marched To The Sunken Empire“ greift wieder die psychedelische Stimmung auf und könnte auch von einer Psych- Rock-Band aus den Siebzigern stammen. Sphärisch, kosmisch und auf eine hypnotische Art harmonisch und regelrecht verträumt. Das darauffolgende „Eat Eat Eat your Pride“ erinnert wieder an die „The Underground Resistance“- Phase der Band, galoppiert treibend los, versinkt dann aber wieder im schleppenden Sound, der an CELTIC FROST erinnert.
Mit Eon 4 knüpfen DARKTHRONE an die Songreihe an, die sie auf ihrem Debüt „Soulside Journey“ mit dem Instrumental „Eon“ begonnen haben. Und seit Äonen sind sie ja eh schon unterwegs (journey, eben).
Tja prähistorischer Metal, DARKTHRONE existieren ja schon seit vierzig Jahren und dürfen sich zurecht als schwarzmetallische Dinosaurier bezeichnen, und als solche wandeln sie in Fußstapfen, die noch älter sind. Sie scheren sich einen Scheiß darum, was modern, angesagt und erfolgreich ist. Ein brachialer Faustschlag gegen Zuckergussproduktionen und KI-Mucke, einfach dreckiger Heavy Black Doom Metal ohne Kompromisse. Faustkeil schlägt Kristallvase.
Anspieltipp:
🐒 Pre-Historic Metal
🍖 Eat Eat Eat Your Pride
Bewertung: 8,8 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. They Found One Of My Graves
02. Pre-Historic Metal
03. Siberian Thaw
04. Deeply Rooted
05. The Dry Wells Of Hell
06. So I Marched To The Sunken Empire
07. Eat Eat Eat Your Pride
08. Eon 4

