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Live on Stage Report: WARKINGS | VISIONS OF ATLANTIS | INDUCTION

Pirates & Kings Tour 2026: 15.02.2026 – Berlin @ Columbia Theater


Der Februar zeigte sich in Berlin einmal mehr von seiner typischen Seite: kalt, leicht unerquicklich und genau das richtige Wetter, um sich in ein verschwitztes Venue zu flüchten, in dem Lederjacken schneller trocknen als gute Vorsätze. Die „Pirates & Kings Tour 2026“ machte Halt im Columbia Theater, und schon beim Betreten war klar: Dieser Abend würde irgendwo zwischen Pathos, Piratenromantik und gepflegtem Metal-Klamauk pendeln – also exakt dort, wo Livekonzerte manchmal am meisten Spaß machen.

Den Anfang machten INDUCTION, eine Band, die seit ihrer Gründung Ende der 2010er kontinuierlich am eigenen Power-Metal-Fundament arbeitet und sich mit international besetztem Line-up ambitioniert im melodischen Metal positioniert hat. Ich hatte die Truppe bereits 2025 als Opener für SAVATAGE in Oberhausen gesehen – und damals wie heute blieb ein ähnlicher Eindruck zurück: solide, professionell, handwerklich absolut sauber, aber ohne diesen entscheidenden Moment, der aus einem guten Support plötzlich eine zwingende Headliner-Band macht. Die Songs funktionieren live durchaus als Anheizer, die Gitarrenarbeit sitzt, die Performance wirkt routiniert, und das Publikum nahm die Band freundlich bis wohlwollend auf. Doch während man nickend im Takt steht, schleicht sich gleichzeitig der Gedanke ein, dass INDUCTION vermutlich genau dort am stärksten sind, wo sie an diesem Abend standen: als zuverlässiger Opener, der den Motor startet, ohne selbst das Ziel zu sein. Objektiv gut – emotional jedoch kein Erdbeben.

Danach enterten VISIONS OF ATLANTIS die Bühne, und spätestens hier teilte sich das Columbia Theater gefühlt in zwei Lager: diejenigen, die ekstatisch jede Note feierten, und mich. Laut Metal Archives seit den frühen 2000ern aktiv, haben sich die Österreicher über die Jahre konsequent zur symphonischen Piratenoper entwickelt – inklusive wallender Kostüme, dramatischer Gestik und einer Klangästhetik, die irgendwo zwischen Musicalproduktion und Fantasy-Hörspiel angesiedelt ist. Bereits 2023 auf der 70.000 Tons of Metal hatte ich kurz darüber nachgedacht, Clémentine Delauny vorsorglich ein belegtes Brötchen auf die Bühne zu werfen, so erschreckend schmal wirkte sie – wobei man fairerweise sagen muss: Ihrem Stimmvolumen schadete das offensichtlich kein bisschen. Auch in Berlin trällerte sie das Columbia Theater mühelos voll, technisch beeindruckend, emotional für mich jedoch ungefähr so packend wie eine Waldorf-Kindergarten-Krabbelgruppe auf Betriebsausflug.

Der Sound wirkte dabei derart klinisch und glattpoliert, dass man stellenweise meinte, jemand hätte heimlich auf „Playback Premium Deluxe“ gedrückt. Das Publikum hingegen liebte es. Und zwar leidenschaftlich. Viele waren offensichtlich genau wegen dieser Band gekommen, sangen, jubelten und feierten jeden Refrain, als würde gleich ein Piratenschiff durch die Saaldecke brechen. Ich hingegen hielt nicht besonders lange durch, stellte fest, dass mir das musikalisch komplett am Arsch vorbeiging, und wunderte mich später ernsthaft darüber, warum ich gedanklich so viel Energie auf etwas verschwendet hatte, das mich eigentlich gar nicht interessiert. Vielleicht fasziniert einen manchmal einfach das eigene Unverständnis mehr als die Musik selbst.

Dann jedoch wurde es Zeit für die WARKINGS – und ja, ich weiß schon: maskierte Band, historisches Konzept, große Gesten, „braucht doch kein Mensch“, blablabla. Und trotzdem erwische ich mich jedes Mal dabei, wie genau diese Band mich komplett abholt. Vielleicht liegt es daran, dass hinter den Masken keine Casting-Produkte stecken, sondern Musiker, die seit Jahrzehnten im Business unterwegs sind und ausgerechnet mit diesem Projekt den Erfolg erleben, der ihnen zuvor verwehrt blieb. Man spürt schlicht, dass hier Leute auf der Bühne stehen, die jede Minute genießen.

Schon mit Genghis Khan und Maximus wurde klar, dass der Sound an diesem Abend ein echtes Brett war: druckvoll, transparent und endlich so episch, wie diese Songs klingen sollen. Die Bühnenpräsenz? Großartig. Bewegung, Interaktion, Pathos – alles da, aber mit einem Augenzwinkern, das den Unterschied zwischen peinlich und perfekt ausmacht. Und ich muss es erwähnen: Die Bühnenklamotten müffelten diesmal deutlich weniger als bei früheren Shows. Fortschritt ist schließlich auch im Power Metal möglich.

Mit Odin’s Sons, Armageddon und dem wunderbar treibenden Hephaistos steigerte sich die Stimmung kontinuierlich, während das Publikum längst vollständig im WARKINGS-Kosmos angekommen war. Spätestens bei Warriors und Circle of Witches wurde kollektiv mitgebrüllt, als hinge das Schicksal des Abendlandes davon ab. Ein echtes Highlight war das gemeinsame Pirates and Kings zusammen mit VISIONS OF ATLANTIS – ironischerweise genau der Moment, in dem beide Welten plötzlich erstaunlich gut zusammenpassten und selbst ich anerkennend nicken musste.

Natürlich gab es auch den Moment, über den man reden muss: die im Mittelteil platzierte OPUS-Coverversion Live Is Life. Im günstigsten Fall nennt man das „mutig“, im ehrlichsten „gruselig“. Aber selbst dieser leicht bizarre Ausflug konnte der Stimmung keinen Abbruch tun, denn Songs wie Kings of Ragnarök, We Are the Fire, Sparta und das abschließende Gladiator verwandelten das Columbia Theater endgültig in eine verschwitzte Kriegerhalle voller glücklicher Gesichter.

Am Ende blieb vor allem eines hängen: Es macht einfach immer wieder Spaß, die WARKINGS live zu sehen. Tolles Setup, starke Performance, ein begeistertes Publikum und eine Band, die genau weiß, wie Unterhaltung funktioniert, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Und ein persönliches Dankeschön geht natürlich nochmal an Mar… äääh… den Crusader für das erneute Anstimmen der Top Gun-Hymne zum Abschluss – ein Moment zwischen Ironie, Nostalgie und breitem Grinsen, der diesen Sonntagabend perfekt abrundete.

Berlin hatte an diesem 15. Februar vielleicht kein gutes Wetter zu bieten, aber definitiv einen Abend, der zeigte, wie unterschiedlich Live-Musik wirken kann: solide eröffnet, kontrovers überstanden und schließlich triumphal gewonnen. Genau so darf ein Konzertabend enden.


OLAF

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