Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (02/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

Wir hörten früher gerne

So fing alles an


Aktuelle Meldungen

Aktuelle Meldungen

Live on Stage Report: TRIUMPHER | SCAVENGER | CIRCLES OF MALICE | FADEAD

20.03.2026 – Berlin @ Jugendclub Spirale


Manchmal sind es genau diese kleinen, unscheinbaren Abende, die einem wieder zeigen, warum man sich diesen ganzen Wahnsinn überhaupt antut. Nachdem ich mir – vermutlich in einem lichten Moment zwischen zwei überteuerten Großveranstaltungen und einem halb tauben Ohr – geschworen hatte, künftig den Fokus auf kleine bis mittlere Metal-Gigs zu legen, stand an diesem Abend sozusagen das erste ernsthafte „Training“ auf dem Plan.

Und was soll ich sagen: Der Jugendclub Spirale hat sich als perfekter Sparringspartner erwiesen. Eine Location mit Charakter, angenehm bodenständig, ohne unnötigen Schnickschnack – dafür mit Herz, Engagement und genau der richtigen Portion Underground-Charme. Davor eine Meute an Oldschool-Metal-Fans, die eher nach Kutte als nach Instagram schreit, dazu Getränkepreise, bei denen man nicht direkt einen Kleinkredit aufnehmen muss, und eine Organisation, die erfreulich reibungslos funktioniert. So darf das sein.

Das Line-up versprach ohnehin schon einiges: Mit SCAVENGER und TRIUMPHER standen gleich zwei Bands auf dem Zettel, die ich bisher nur aus der Konserve kannte – also quasi zwei Livepremieren an einem Abend. Dazu noch CIRCLES OF MALICE und FADEAD, die das Ganze sinnvoll abrundeten. Die Zutaten waren also vorhanden, die Erwartungen gesund optimistisch – und die Hoffnung groß, dass dieser Abend genau das liefern würde, was man sich von solchen Clubshows erhofft: Nähe, Energie und ehrlichen Metal ohne doppelten Boden. Kurz gesagt: Die Voraussetzungen hätten besser kaum sein können. Und selten habe ich mich so gerne „im Training“ befunden.

Den Anfang des Abends bestritten FADEAD, und wie so oft bei solchen Veranstaltungen begann alles mit einem kurzen Moment der Unsicherheit. Während des Soundchecks schlich sich noch die leise Befürchtung ein, dass der Laden an diesem Freitag vielleicht doch eher übersichtlich gefüllt bleiben könnte. Doch diese Sorge löste sich pünktlich – oder sagen wir: leicht verspätet gegen 20:15 Uhr – in wohlige Zufriedenheit auf. Vor der Bühne hatte sich inzwischen eine ansehnliche Meute versammelt, die offensichtlich genau wusste, warum sie hier war. Bis auf eine Kollegin, die den Abend offenbar schon vor dem ersten Ton etwas zu ambitioniert eingeläutet hatte und aufgrund akuter alkoholischer Ausfallerscheinungen den Einlass verwehrt bekam. Auch eine Art von „Support“, wenn auch eher unfreiwillig.

Musikalisch ließen FADEAD dann aber keine Zweifel daran, dass sie gekommen waren, um den Laden ordentlich durchzuschütteln. Mit einem druckvollen, erstaunlich fetten Sound im Rücken drosch sich die Berliner Truppe durch ihr Set, als gäbe es kein Morgen. Das war ein Thrash-Death-Brett, das stellenweise so wuchtig daherkam, dass man kurz befürchten musste, die Bühne würde den Dienst quittieren. Besonders charmant: die Ansage „Jetzt kommt ein neuer Song, aber für euch sind vermutlich eh alle neu“ – sympathisch selbstironisch und irgendwie genau das, was man in solchen Clubs hören will.

Einziger kleiner Wermutstropfen war der gelegentliche Klargesang, der dem ansonsten konstanten Vorwärtsdrang hier und da ein wenig den Zahn zog. Das wirkte nicht immer ganz stimmig im Kontext dieses ansonsten kompromisslosen Bretts. Aber das ist Meckern auf einem Niveau, bei dem man eigentlich schon wieder ein Bier in der Hand hat und mit dem Kopf nickt. Denn unterm Strich lieferten FADEAD einen technisch sauberen, tight gespielten und vor allem ehrlichen Auftakt, der richtig Laune gemacht hat und den Grundstein für einen verdammt gelungenen Abend legte.

Als zweite Band des Abends betraten CIRCLES OF MALICE die Bühne – ebenfalls aus Berlin, allerdings für mich bis dato ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Kein Wunder eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Truppe in stolzen elf Jahren Bandgeschichte mit gerade einmal einer EP aus dem Jahr 2017 eher zurückhaltend Arbeitsnachweise abgeliefert hat. Da bleibt zwangsläufig mehr Raum für Spekulation als für echte Berührungspunkte.

Live änderte sich das jedoch recht schnell. Auch wenn der Sound im direkten Vergleich zu FADEAD leider etwas matschiger daherkam und nicht ganz die gleiche Durchschlagskraft entwickelte, machte die Band dennoch ordentlich Späne. Das ging schon in die richtige Richtung.

Stilistisch bewegte man sich im modernen Melo-Death, wobei vor allem der Frontmann alles gab und sich hörbar die Seele aus dem Leib grunzte, als hinge sein Leben davon ab. Dazu eine Gitarrenarbeit, die sich wirklich hören lassen konnte – sauber, druckvoll und mit einem guten Gespür für Melodie und Härte gleichermaßen.

Bei SCAVENGER war die Sache für mich von vornherein klar: Das hier wird kein normaler Gig, das wird ein kleines persönliches Highlight. Das aktuelle Album Beyond the Bells hatte bei mir 2024 satte 9,5 Punkte abgestaubt, und dieser herrlich oldschoolige, leicht speedige Heavy Metal ist genau die Sorte Stoff, die mir zuverlässig das Grinsen ins Gesicht fräst. Entsprechend groß war die Vorfreude – und ich war damit ganz offensichtlich nicht allein.

Denn schon nach dem Intro und mit den ersten Takten von Black Witchery ging vor der Bühne komplett die Post ab. Spätestens bei Nosferatu war dann endgültig klar, dass hier heute nichts mehr anbrennen würde. Im weiteren Verlauf folgten unter anderem Watchout, Red Hot, Battlefield und natürlich Into the Fire, bevor mit My Ears Are Ringing und Crystal Light auch die letzten Reserven aus dem Publikum geprügelt wurden. Man merkte sofort: Ein nicht unerheblicher Teil der Anwesenden war genau wegen der Belgier hier. Da wurde nicht lange gefackelt, da wurde direkt mitgegangen, gebangt und gefeiert, als hätte jemand kollektiv den „Oldschool“-Schalter umgelegt.

Im Zentrum des Ganzen: Frontfrau Tine, die nicht nur optisch, sondern vor allem mit ihrer Performance der absolute Dreh- und Angelpunkt des Geschehens war. Präsenz, Stimme, Attitüde – das passte alles wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Sie führte die Band durch das Set, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, und zog das Publikum mühelos mit. Doro? Pffft…Alyssa Irgendwas? Never! Die Queen des Heavy Metals ist die zierliche blonde Bestie am Mikro aus Aalst.

Was SCAVENGER darüber hinaus auszeichnete, war diese herrlich ungezwungene, sympathische Art. Zwischen den Songs wurde gelacht, interagiert, Nähe gesucht – keine Spur von Starallüren, dafür jede Menge ehrliche Spielfreude. Man hatte durchgehend das Gefühl, dass die Band selbst mindestens genauso viel Spaß an diesem Abend hatte wie das Publikum. Das gipfelte schließlich sogar in einer ungeplanten Zugabe, die so nicht vorgesehen war, aber genau deshalb umso mehr zündete.

Auch technisch gab es nichts zu meckern: Der Sound war top, die Band spielerisch absolut auf den Punkt. Besonders schön war die Verbindung aus frischem Material und Klassikern aus der Frühphase der Band – allen voran Battlefield und Into the Fire, die noch aus dem Debütjahr 1985 stammen. Dass eine Band mit einer derart langen und durchaus bewegten Geschichte – inzwischen ohne Originalmitglieder – solche Songs heute noch mit dieser Energie auf die Bühne bringt, ist alles andere als selbstverständlich. Die Historie mag ihre Kapitel haben, aber auf der Bühne zählt der Moment – und der war hier schlichtweg verdammt stark.

Für mich persönlich war das ein Paradebeispiel dafür, warum ich diesen ganzen Zirkus liebe: ein ehrlicher, schweißtreibender Oldschool-Heavy-Metal-Gig, der mich für eine gute Stunde wieder wie 16 fühlen ließ. Konsequenz daraus? Shirt und Vinyl wanderten danach selbstverständlich mit nach Hause – alles andere wäre ja auch respektlos gewesen.

Als Headliner durften dann TRIUMPHER ran – und dass ich den Griechen längst verfallen bin, dürfte spätestens seit meinem Review zu Piercing the Heart of the World samt Interview mit Frontmann Mars kein großes Geheimnis mehr sein. Live unterstrich die Band dann eindrucksvoll, warum sie für mich aktuell zum heißesten Scheiß gehören, den diese Szene zu bieten hat. Diese Mischung aus epischer Wucht, dichter Atmosphäre und immer wieder eingestreuten schwarzmetallischen Schattierungen ist schlicht ein Fest für Menschen, die ihren Heavy Metal gerne mit erhobenem Haupt und klopfendem Herzen konsumieren. Vor allem Mars erwies sich auch auf der Bühne als absoluter Ausnahme-Frontmann – charismatisch, permanent in Bewegung und für Fotografen ungefähr so leicht einzufangen wie ein wilder Wolf auf Koffein.

Besonders ins Auge fiel zudem Drummer Agis, der an diesem Abend eine Machtdemonstration hinter seinem Kit ablieferte. Ihm allein zuzusehen, wäre das Eintrittsgeld schon wert gewesen. Präzise wie ein Uhrwerk, dabei aber mit genau der nötigen Portion Wahnsinn im Blick, drosch er sich durch die Songs, als gäbe es kein Morgen – ganz großes Kino. Warum TRIUMPHER heute mit  nur einem Gitarristen aufliefen, blieb zwar ein kleines Rätsel, doch erstaunlicherweise entstand zu keiner Sekunde irgendeine hörbare Lücke. Im Gegenteil: Der Sound war massiv, druckvoll und von einer Dichte, bei der man eher an eine komplette Klangwand dachte als an irgendeine abgespeckte Besetzung.

Was diesen Gig aber endgültig über das ohnehin schon hohe Niveau hinaus hob, war diese spürbare Verbindung zwischen Band und Publikum. Hier stand keine distanzierte Truppe auf der Bühne, sondern eine Einheit, die genau wusste, was sie da entfesselt. Spätestens bei Nummern wie Black Blood und Mountain Throne war dann ohnehin Schluss mit jeder Restvernunft. Wo bei SCAVENGER noch ausgelassen gefeiert wurde, regierten hier gereckte Fäuste, kreisende Matten und diese besondere Mischung aus Ehrfurcht und Eskalation, die nur wirklich starke Headliner erzeugen.

Ein großartiger Auftritt einer Band, die man nicht mehr nur auf dem großen Zettel haben sollte – TRIUMPHER haben das Format, sehr bald auch auf den großen Festivalbühnen dieser Welt für Eindruck zu sorgen. Und wenn sie dieses Level halten, dann reden wir hier nicht mehr über Geheimtipps, sondern über einen der kommenden Namen, bei denen man später behaupten wird: „Die habe ich schon gesehen, bevor sie groß waren.“

Danke an alle Bands und vor allem an das Team von ATOK, die mir einen herrlich kurzweiligen Abend bescherten, wie ich ihn immer wieder gerne erlebe und genieße. Wir sehen uns spätestens bei Pizza Death an gleicher Stelle wieder!




FESTIVAL TIPS 2026


SOCIAL MEDIA

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist